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Band XVII (2000)Spalten 377-379 Autor: Wolfgang Heller

FEOFAN ZATVORNIK (weltlich: Georgij Vasil'evič Govorov; * 10./22.1. 1815 in Černavsk (Kreis Elec, Gouv. Orel), † 5./17.1. 1894 in Vyèenskij skit (nahe Tambov); kanonisiert 1988, Fest: 10. Januar. - Wichtigster russischer Starec im 19. Jahrhundert, der seine Seelenführung auf dem Briefwege durchführte. F. entstammte einer gelehrten Priesterfamilie, der von 1823 bis 1829 die geistliche Lehranstalt in Livnyj besuchte. Da er dort bester Schüler war, durfte er zwischen 1829 und 1837 das Geistliche Seminar in Orel besuchen. Auf Grund seiner hervorragenden Bibelkenntnisse schlug ihn Bischof Nikodim von Orel zum Weiterstudium an der Geistlichen Akadenie in Kyďv vor, die er bis 1841 in ihrer Blütezeit besuchte; aber schon hier zeigten sich seine wissenschaftliche Neigung und der Hang zur Einsamkeit. Am 15. Februar dieses Jahres wurde er zum Mönch geweiht, am 6. April zum Mönchsdiakon und am 1. Juli zum Priestermönch. Schon im August wurde er zum Leiter der Geistlichen Sophien-Lehranstalt berufen. Ab Dezember 1842 war er Inspektor und Dozent für Logik und Psychologie am Geistlichen Seminar in Novgorod. Am 13. Dezember 1844 wurde er an die Geistliche Akademie in St. Petersburg als Bakkalaureus für Moral- und Pastoraltheologie versetzt. Dabei zeigte sich seine Vorliebe für die Lehrtätigkeit. Von Mitte des Jahres 1847 bis 1855 nahm er an einer geistlichen Gesandtschaft in den Nahen Osten und nach Jerusalem teil; Leiter war der berühmte Archimandrit Porfirij (Uspenskij, 1804-1885). Von Jerusalem aus besuchte F. das Sabas- und das Katharinenkloster wie auch die koptischen Klöster, in denen er sich in die Werke der griechischen Kirchenväter vertiefte. Über Rom (Empfang von Papst Pius IX.) kehrte er nach Rußland zurück. Seit dem 12. April 1855 lehrte er als Bakkalaureus an der St. Petersburger Geistlichen Akademie Kanonisches Recht. Wegen seiner Verdienste im Nahen Osten wurde er zum Archimandriten ernannt. Als Rektor des Geistlichen Seminars Olonec sorgte er vom September 1855 an für dessen Aufbau. Aber schon kurz darauf im Mai des folgenden Jahres wurde er zum Geistlichen an die Kirche der Kaiserlichen Botschaft Rußlands in Konstantinopel berufen. Dabei trat er für die Forderungen der Bulgaren ein (Muttersprache, bulgarische Geistliche sollen in ihrem Vaterland Dienst tun). Am 13. Juni 1857 wurde er zum Rektor der Geistlichen Akademie St. Petersburg ernannt und war als Professor für Dogmatik vorgesehen. Auf eigenen Wunsch wird er davon entbunden. Er wird am 29. Mai 1859 zum Bischof der Eparchie Tambov und Èack ernannt. Drei Tage später wurde er in der Lavra des Hl. Aleksandr Nevskij in St. Petersburg zum Bischof geweiht. Zu den Schwerpunkten seiner bischöflichen Tätigkeit gehörten die Predigerausbildung und die Reform der kirchlichen Ausbildung allgemein. Schon nach zwei Jahren begründete er die "Eparchial'nye vĕdomosti". Zum Bischof der Eparchie Vladimir-Suzdal' wurde er am 22. Juli 1863 berufen. Nach rund drei Jahren bat er Metropolit Isidor von St. Petersburg (1799-1892), den Vorsitzenden des Hl. Sinods, ihn von den Bischofspflichten zu entbinden. Knapp 14 Tage später, am 17. Juni 1866, entsprach der Sinod dieser Bitte. Eine Woche darauf feierte F. zum letzten Mal die Göttliche Liturgie in Vladimir. - Von 1866 bis 1894 hielt er sich im Mariä-Entschlafens-Kloster Vyèa auf (ca. 50 km östlich von Èack). In den Monaten Juli bis September 1866 war er Igumen dieses Klosters; anschließend verzichtete er auch auf dieses Amt. Von Ostern 1872 bis zu seinem Tode lebte er ganz zurückgezogen; in diesem Zeitabschnitt verfaßte er seine großen theologischen Werke und führte seine umfangreiche Korrespondenz. Im Jahre 1890 verlieh ihm die Geistliche Akademie St. Petersburg den theologischen Doktortitel. Als F. 1988 kanonisiert wurde, wurde dies höchst zutreffend so charakterisiert: Er sei ein Asket des Glaubens und der Frömmigkeit gewesen und habe einen tiefen Einfluß auf die geistliche Wiedergeburt der zeitgenössischen Gesellschaft ausgeübt. Als Theologe und Exeget habe er seine Erfahrungen des Gebets- und asketischen Lebens in geeigneter Form vermittelt.

Werke: O pokajanij. Pritča sv. christovych tain k ispravleniju žizni. St. Petersburg 1868; Slova k vladimirskoj pastvĕ. Vladimir 1869; Piśma o christianskoj žizni. 4 Bde. St. Petersburg 1880; Načertanie christianskago nravoučenija. Moskau 1891; Piśma k raznym licam o raznych predmetach vĕry i žizni. Moskau 18922; Vnutrennjaja žizń. Iz slov k Tambovskoj i Vladimirskoj pastvam 1859-66 gg. Moskau 1893; Russische Frömmigkeit. Briefe eines Starzen. Wiesbaden 1947.

Lit.: I. Korsunskij, Preosvjaèčennejèij Episkop F. byvèij Vladimirskij i Suzdal'skij. Moskau 1895; - A. Ključarev, F. Z. Kazań 1904; - I. A. Krutikov: Svjatitel' Feofan Zatvornik i podvižnik Vyèenskoj pustyni. Moskau 1899; - M. I. Chitrov, Preosvjaèčennyj Feofan Zatvornik Vyèenskij. Moskau 19052; - P. S. Smirnov, Žizń i učenie preosvjaèčennago F., vyèenskago zatvornika. Èack 1905; - N. Deputatov: Revnitel' blagočestija 19-go vĕka, Episkop Feofan Zatvornik. Charbin 1938, repr. Jordanville 1971; - S. Tyszkiewicz: Moralistes de Russie. Rome 1951; - I. [K.] Smolitsch [Smolič], Russisches Mönchtum. Entstehung, Entwicklung und Wesen 988-1917. Würzburg 1953, 441 f.; - F. Bossuyt: Théophane le Reclus (1815-1895). Sa doctrine sur l'oraison. Rome 1959; - T. Èpidlík: La doctrine spirituelle de Théofane le Reclus. L' Śuvre et l'Esprit. Rome 1965 (OCA 172); - Ders.: I grandi mistici russi. Roma 1977, 219-249; - Ders.: Theophan der Rekluse (1815-1894). In: G. Ruhbach, J. Sudbrack (Hrsg.): Große Mystiker. Leben und Wirken. München 1984, 282-297; - K. Chr. Felmy: Predigt im orthodoxen Rußland. Untersuchungen zu Inhalt und Eigenart der russischen Predigt in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Göttingen 1972; - G. Tertyschnikow [Tertyènikov]: Auf dem Wege zu Gott. Leben und Lehre des Starzen Theophan. Leipzig 1978; - J. Pryszmont: Życie chrzescijanskie jako realizacja zbawienia. Doktryna moralna biskupa Teofana pustelnika. Warszawa 1979; - H. M. Knechten: Rechtfertigung und Synergie bei Theophan dem Klausner. Ein Beitrag russisch-orthodoxer Theologie zum ökumenischen Gespräch. Waltrop 1998; - Ders.: Leben und Werk Theophans des Klausners. In: ChrO LIV/1999, 106-110.

Wolfgang Heller

Literaturnachträge:

Werke: Tolkovanie poslanij sv. apostola Pavla, 9 Bde., Moskau 21890-1895, repr. Moskau 1998; Psalom sto-osmnadcatyj, Moskau 21891, repr. Moskau 1995; Put' ko spaseniju. Kratkij ocerk asketiki, Moskau 81899, repr. Moskau 1998; Pis'ma o duchovnoj žizni, Moskau 31897, repr. Moskau 1996; Cto est' duchovnaja žizn' i kak na nee nastroit'sja?, Moskau 61914, repr. Moskau 1996; Sobranie pisem, 8 Bde., Moskau 1898-1901; repr. Moskau 1994.

Übersetzungen: Dobrotoljubie, Bd. 1, Moskau 31895, Bde. 2-4, Moskau 21895-1900, repr. Svjato-Troickaja Sergieva lavra 1993; Drevnie inoceskie ustavy, Moskau 1892, repr. Moskau1995.

Lit.: J.Pryszmont, Christus im Leben des Christen nach Feofan dem Klausner, in: Unser ganzes Leben Christus unserm Gott überantworten, FS F. v. Lilienfeld, hrsg. v. P.Hauptmann, Göttingen 1982, 371-383; - R. Cemus, Il "sentimento spirituale" in Teofane il Recluso, in: L'intelligenza spirituale del sentimento, hrsg. v. Centro Aletti, Rom 1994, 101-124; - G.Tertyšnikov, Svjatitel' Feofan Zatvornik i ego ucenie o spasenii, Moskau 1999.

Heinrich Michael Knechten

Literaturergänzung:

Heinrich Michael Knechten, Kath. Spiritualität bei Theophan dem Klausner. Waltrop 2005.

Letzte Änderung: 26.09.2009