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Verlag Traugott Bautz
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FERDINAND II., römisch-deutscher Kaiser, * 9.7. 1578, Graz, † 15.2. 1637, Wien. - F. wurde als Sohn Erzherzog Karls, des dritten Sohns Kaiser Ferdinands I., und seiner Gemahlin Maria, Tochter Herzog Albrechts V. von Bayern geboren. Karl hatte nach dem Tode des Vaters (1564) die Herrschaft über Innerösterreich (Steiermark, Kärnten, Krain, Görz) erhalten. Persönlich mit seiner Familie streng katholisch, sah sich der Erzherzog gezwungen, dem Adel seiner Länder die freie Ausübung des Augsburger Bekenntnisses (Grazer Pazifikation von 1572) und den Bürgern der landesfürstlichen Städte und Märkte zumindest die Duldung des protestantischen Glaubens zuzugestehen (Brucker Pazifikation, 1578). Daneben standen allerdings Bemühungen zur Wiederbelebung und Stärkung der alten Kirche. In diesem Sinne wurde auch F. streng katholisch erzogen und sorgsam von allen protestantischen Einflüssen ferngehalten. Nachdem schon in seiner frühen Erziehung die Jesuiten eine große Rolle gespielt hatten, wurde F. 1590 an die Jesuitenuniversität Ingolstadt, wo er der Aufsicht seines Onkels und eifrigen Katholiken Herzog Wilhelm V. von Bayern unterstellt wurde. Nach dem im selben Jahr erfolgten Tod des Vaters übernahm dieser neben Kaiser Rudolph II. und Erzherzog Ferdinand von Tirol auch die Vormundschaft über F. In Ingolstadt lernte F. die ebenfalls dort studierenden Söhne Herzog Wilhelms, kennen, darunter den um fünf Jahre älteren Maximilian, den späteren Herzog und ersten Kurfürsten von Bayern, ohne daß sich zwischen den Vettern aber ein enges persönliches Verhältnis eingestellt hätte. 1595 übertrug Kaiser Rudolph F. vorbehaltlich seines Entscheidungsrechts in wichtigen Fragen die Regierung über Innerösterreich. Im folgenden Jahr wurde er für volljährig erklärt. Versuchen der steirischen und Kärntner Landstände, die Huldigung an die Bestätigung der konfessionspolitischen Zugeständnisse seines Vaters zu knüpfen, begegnete F. mit ausweichenden Erklärungen und konnte in der Folge die bedingungslose Huldigung der Stände aller seiner Länder entgegennehmen. 1598 unternahm F. eine Wallfahrt nach Loreto und Rom, wo er die Ausrottung des Protestantismus in seinen Territorien gelobte. Aus Italien zurückgekehrt, machte er sich gleich an die Umsetzung seines Plans. Ungeachtet der Bedenken des Kaisers, der mit Rücksicht auf die Türkengefahr jede Unruhe in den innerösterreichischen Ländern zu vermeiden wünschte, und mancher seiner Räte wurden in wenigen Jahren, bis 1602, alle protestantischen Prediger und Lehrer ausgewiesen und alle außerhalb der Pfarrordnung errichteten evangelischen Kirchen und Friedhöfe zerstört. Von seinen mit großer Entschlossenheit und Härte durchgeführten Maßnahmen ließ sich F. auch durch die Proteste des Adels, Aufstände der Bevölkerung und die Fürsprache evangelischer Reichsstände nicht abbringen. Bauern und Bürgern blieb allein die Konversion oder die Auswanderung, nur dem Adel stand vorläufig das persönliche evangelische Bekenntnis noch offen, allerdings durfte auch dieser weder eigene Prädikanten halten noch evangelische Gottesdienste außer Landes besuchen; erst 1628 wurde auch der Adel vor die Wahl zwischen Konversion und Emigration gestellt. Parallel zur rücksichtslosen Zerstörung des evangelischen Kirchenwesens verfolgte Ferdinand auch Pläne zur Erneuerung der alten Kirche, neben der Förderung der Jesuiten auch durch die Berufung der Kapuziner nach Innerösterreich. Während des »Habsburgischen Bruderzwists« zwischen Kaiser Rudolph II. und seinen Brüdern Matthias und Maximilian verfolgte Ferdinand zunächst keine einheitliche Politik. Erst 1611, nach der Absetzung Rudolphs auch als König von Ungarn, stellte er sich auf die Seite Erzherzog Matthias', der ein Jahr später, nach dem Tode seines Bruders, auch zum Kaiser gewählt wurde. Angesichts der Kinderlosigkeit Matthias' wie auch aller anderen Erzherzöge aus der Hauptlinie der österreichischen Habsburger bestimmte der Kaiser Ferdinand zu seinem Erben in Ungarn, den Ländern der Böhmischen Krone und in Österreich. Die Ansprüche Philipps III. von Spanien auf die Nachfolge in Böhmen und Ungarn wurde im Oñate-Vertrag vom 6. Juni/29. Juli 1617 mit dem Versprechen der Belehnung mit den italienischen Reichslehen Finale und Piombino sowie der Abtretung elsässischer Gebiete abgegolten. Obwohl die mehrheitlich protestantischen Stände Böhmens und Ungarns wegen seiner gegenreformatorischen Politik in Innerösterreich Bedenken gegen eine Nachfolge Ferdinands hegten, konnten sie schließlich (1617 bzw. 1618) gegen die Bestätigung ihrer Religionsprivilegien für seine Wahl gewonnen werden. Pläne, ihn noch zu Lebzeiten Matthias' zu dessen Nachfolger auch im Kaiseramt wählen zu lassen, ließen sich jedoch nicht realisieren. Statt dessen geriet seine Sukzession in Böhmen durch den Prager Fenstersturz vom 23. Mai 1618 wieder in Gefahr. Ferdinand verfocht mit Unterstützung der spanischen Fraktion am Kaiserhof sowie den führenden Mitgliedern der »Katholischen Liga« ein entscheidendes Vorgehen und ließ den für einen Ausgleich mit den Aufständischen eintretenden Ersten Minister des kränkelnden Matthias', Kardinal Khlesl, gefangensetzen. Damit schickte er er sich noch vor dem Tod des Alten Kaisers (20. März) an, dessen zwischen Rekatholisierung und konfessionellem Ausgleich schwankende Politik zugunsten einer stramm gegenreformatorischen und absolutistischen Richtung zu beenden. Bewußt nahm er eine Ausweitung des Konflikts in Kauf, wenn er mit dem Papst, Spanien und der Katholischen Liga über Geld- bzw. Truppenhilfe verhandelte. Demgegenüber strebten die Böhmen eine Konföderation der Landstände aller habsburgischen Länder an und suchten ihrerseits bei den Fürsten der Protestantischen Union, dem Fürsten von Siebenbürgen und dem Herzog von Savoyen nach Verbündeten. Unbeeindruckt von der kritischen Lage in seinen Erblanden, machte sich Ferdinand im Juli 1619 nach Frankfurt auf, wo er am 28. August zum Kaiser gewählt und am 9. September gekrönt wurde. Dadurch erschien Kurfürst Friedrich V., der gleichzeitig zum böhmischen Gegenkönig gewählt worden war, als Rebell gegen seinen kaiserlichen Lehensherrn und konnte damit nicht nur des Landfriedensbruchs, sondern auch des Majestätsverbrechens beschuldigt werden. Demzufolge wurden nach dem entscheidenden Sieg über die böhmischen Rebellen am Weiáen Berg am 8. November 1620 die Länder des flüchtigen „Winterkönigs“ gemäá zuvor getroffenen Absprachen unter den Verbündeten Spanien und Maximilian von Bayern, der nach der Achterklärung des Pfälzers auch dessen Kurwürde erhielt, aufgeteilt. Die unterworfenen Länder der Böhmischen Krone und Oberösterreich behandelte Ferdinand nach dem Recht der Eroberung. 28 »Haupträdelsführer« wurden hingerichtet, zahlreiche andere flohen außer Landes und/oder erlebten die Konfiskation großer Teile ihrer Besitztümer. An die Stelle der Geflohenen und Enteigneten traten kaisertreue Adlige aus anderen Teilen der Monarchie. Die politischen Rechte der böhmischen Stände wurden entscheidend geschwächt. Daneben setzte Ferdinand, auf den neben seinen Ministern (bis 1634 dominierte Hans Ulrich Freiherr von Eggenberg) auch geistliche Berater, vor allem sein Beichtvater, der Jesuitenpater Wilhelm Lamormaini, einen starken Einfluß ausübten, auch eine rigorose Rekatholisierungspolitik ins Werk, die unter Vertreibung der evangelischen Geistlichkeit dem protestantischen Adel nur die private Religionsausübung beließ, während sie den Rest der evangelischen Bevölkerung vor die Wahl: Konversion oder Auswanderung stellte. Die neuen politischen Verhältnisse Böhmens schrieb die »Verneuerte Landesordnung« von 1627 fest. Obwohl Oberösterreich, das unter bayerischer Pfandherrschaft stand, milder behandelt wurde, brach dort 1626 ein Bauernaufstand aus, der jedoch bald niedergeworfen werden konnte. Unterdessen ging der Krieg im Reich weiter, der sich durch den Kriegseintritt Christians IV. von Dänemark 1625 nach Norddeutschland ausweitete. Nach mehreren Niederlagen und der Besetzung weiter Teile seines Reiches durch kaiserliche und ligistische Truppen verzichtete der Dänenkönig im Frieden von Lübeck (22. Mai 1629) auf jede Einmischung in deutsche Angelegenheiten und auf alle Ansprüche auf die niederdeutschen Stifte. Die gewaltige Steigerung der kaiserlichen Machtposition äußerte sich auch darin, daß gleichzeitig der kaiserliche Generalissimus Wallenstein (seit 1625 Herzog von Friedland) mit Mecklenburg belehnt und zum General der beiden nordischen Meere ernannt wurde. Seinen nachhaltigsten weiteren Ausdruck fand das Übergewicht der kaiserlich-katholischen Waffen in dem von F. aus eigener Machtvollkommenheit erlassenen Restitutionsedikt vom 6. März 1629, in dem der Kaiser eine verbindliche Interpretation der strittigen Teile des Augsburger Religionsfriedens dahingehend verfügte, daß sämtliches nach 1552 in protestantische Hand gelangte reichsunmittelbare und -mittelbare Kirchengut den Katholiken zurückzugeben sei. Ferner wurde die Geltung des Religionsfriedens unter Ausschluß der Calvinisten allein auf Katholiken und Lutheraner beschränkt. Lübecker Frieden und Religionsedikt stellten den Höhepunkt, zugleich aber auch den Wendepunkt der Regierung F.s dar. Nicht nur seine bisherigen protestantischen Verbündeten (v. a. Kursachsen), auch die katholischen Reichsstände mit Bayern an der Spitze wurden angesichts der Vision einer die reichsständischen Freiheiten bedrohenden kaiserlichen »Monarchia« mißtrauisch. Die Folge war, daß F. auf dem Regensburger Kurfürstentag 1630 zur Entlassung Wallensteins und zur Reduzierung der kaiserlichen Armee gezwungen wurde, deren Reste außerdem noch dem Kommando des Ligagenerals Tilly unterstellt wurden. Zugleich wurde ihm ein Friedensschluß mit Frankreich aufgenötigt, mit dem er seit 1628 in Oberitalien in Kämpfe um die Erbfolge in den Herzogtümern Mantua und Montferrat verwickelt war. Die Erosion der kaiserlichen Machtstellung setzte sich mit dem Siegeszug des eben zur Zeit des Kurfürstentags in Pommern gelandeten Schwedenkönigs Gustav Adolf fort. Dem Anschluß der Kurfürsten von Sachsen und Brandenburg folgten die katastrophalen Niederlagen bei Breitenfeld (17. September 1631) und die schwedische Besetzung weiter Teile des Reiches bis nach Bayern. In dieser Situation sah sich F. zur erneuten Berufung Wallensteins zum Generalissimus mit außerordentlichen Vollmachten gezwungen. Dieser erlitt bei Lützen (16. November 1632) eine Niederlage, aber der Schlachtentod Gustav Adolfs schien aus Wiener Perspektive doch den Druck seitens der Schweden zu vermindern. Das undurchsichtige Verhalten Wallensteins nach der Schlacht brachte F. im Februar 1634 schließlich dazu, den Befehl zu erteilen, den General als Hochverräter gefangenzunehmen und notfalls zu töten. Dies führte zu dessen Ermordung in Eger am 25. Februar 1634. An seiner Stelle übernahm nun der älteste Kaisersohn Ferdinand den Oberbefehl über die kaiserlichen Truppen. Im Zusammenwirken mit einer spanischen Armee unter dem Kardinalinfanten Ferdinand fügte er den Schweden in der Schlacht bei Nördlingen (6. September 1634) eine vernichtende Niederlage zu, der sie in der Folge zum Rückzug aus Süddeutschland nötigte. Damit schien eine Liquidierung des Krieges unter für den Kaiser günstigen Bedingungen wieder in den Bereich des Möglichen gerückt. Am 30. Mai 1635 wurde mit Kursachsen der Friede von Prag geschlossen, dem die überwältigende Mehrheit der deutschen Reichsstände beitrat. In dem Frieden gab F. durch die Festlegung des Normaljahrs 1627 für den Konfessionsstand im Reich praktisch das Restitutionsedikt preis. Dagegen gestanden die Stände dem Kaiser den Oberbefehl über eine einheitliche Reichsarmee zur Vertreibung der fremden Truppen vom Reichsboden zu. Eine »absolutistische« Position des Kaisers, wie sie einige Forscher (M. Heckel) durch den Prager Frieden grundgelegt sehen, ist darin aber nicht zu sehen, war wohl auch niemals intendiert. Einen letzten politischen Erfolg erreichte F. 1636 mit der Wahl seines ältesten Sohnes zum Römischen König und Nachfolger im Kaiseramt. Als er am 15. Februar in Wien starb, zeichnete sich aber bereits ab, daß das Prager Friedenswerk keinen Bestand haben und sein Nachfolger ein schweres Erbe anzutreten haben würde. Aus seinen beiden Ehen mit Maria Anna von Bayern (1574-1616) und Eleonore Gonzaga (1598-1655) hatte F. vier Söhne und drei Töchter, darunter neben dem Thronfolger Ferdinand Erzherzog Leopold Wilhelm (1614-1662), Hoch- und Deutschmeister, Bischof von Olmütz, Passau und Straßburg, und Maria Anna (1661-1665), Gemahlin Maximilians I. von Bayern.
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Romanorum Imperatoris ..., Graz 1637; - Relatio piissimi obitus Ferdinandi secundi, Romanorum imperatoris, qui contigit 15 februarii anno 1637, Wien 1637; - Francesco Rondinelli, Esequi ... dell' Imperadore Ferdinando II. celebrate da Ferdinando II Gran-Duca di Toscana, Florenz 1637; - Status particularis regiminis S.C. Majestatis Ferdinandi II., o. O. 1637; - Nicolaus Vernulaeus, Laudatio funebris imperatoris Ferdinandi II., Löwen 1637; - Wilhelm Lamormaini, Ferdinandi II. Romanorum imperatoris virtutes ... recusae, Wien 1638; - Petrus Wadding, Laudatio funebris dicta, cum clerus et proceres regni exaequias celebrarent Ferdinandi II, Romanorum imperatoris, Wien 1638; - Joseph Pellicer de Ossau y Tovar, Virtudes y vida espiritual de Ferdinando de Austria, Segundo del nombre emperador de Romanos, Zaragoza 1640; - Galeazzo conte Gualdo Priorato, Historia delle guerre di Ferdinando Secondo e Ferdinando Terzo Imperatori, e del Rè Filippo Quarto di Spagna. 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Matthias Schnettger
Literaturergänzung:
2009
Robert Bireley, The image of Emperor Ferdinand II (1619-1637) in William Lamormaini, S.J.'s "Ferdinandi II Imperatoris Romanorum virtutes" (1638), in: ASHI 78.2009,155, S. 121-140.
Letzte Änderung: 02.11.2009