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Band II (1990)Spalte 23 Autor: Friedrich Wilhelm Bautz

FESSLER, Ignaz Aurelius, Kapuziner, Orientalist, Freimaurer, luth. Generalsuperintendent, * 18.5. 1756 in Czurendorf (Ungarn) als Sohn kath. Eltern, † 15.12. 1839 in St. Petersburg. - F. trat 1773 in Stuhlweißenburg in den Kapuzinerorden ein und empfing 1779 die Priesterweihe, obwohl er früh unter dem Einfluß der Aufklärung dem Katholizismus entfremdet war. Joseph II. ernannte ihn 1784 zum o. Professor der orientalischen Sprachen und des Alten Testaments an der Universität Lemberg. Wegen seines Trauerspiels »Sidney« sah sich F. 1787 genötigt, sein Amt niederzulegen und nach Breslau zu fliehen. Dort wurde er Hofmeister eines Prinzen, lernte die Brüdergemeine kennen und trat 1791 zur evangelischen Kirche über. Die nächsten Jahre verbrachte F. auf Reisen und mit literarischen Arbeiten und lebte seit 1796 in Berlin. Die Mitglieder der dortigen Freimaurerloge Royal York beauftragten ihn und Johann Gottlieb Fichte, die Statuten und das Ritual dieser Loge zu reformieren. Vielfach angefeindet, schied F. 1802 aus dem Freimaurerbund. 1798-1807 war er Rechtskonsulent in Kirchen- und Schulsachen in den damals Preußen zugefallenen polnischen Provinzen. 1809 wurde F. Professor der orientalischen Sprachen und der Philosophie an der Alexander-Newskij-Akademie in St. Petersburg, verlor aber auf Betreiben der russischen Orthodoxie bald dieses Amt. Er wurde Mitvorsteher einer Erziehungsanstalt in Wolsk. 1815 fand F. in der Brüdergemeine Sarepta (Wolga), »daß der Friede Gottes höher sei als alles Treiben und Trachten und Streben des Verstandes«, und von nun an war die Bibel sein »tägliches Handbuch«. Er wurde 1820 Superintendent und Konsistorialpräsident der evangelischen Gemeinden in Saratow und 1833 lutherischer Generalsuperintendent und Kirchenrat in St. Petersburg.

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Werke: Ansichten v. Rel. u. Kirchentum, 3 Bde., Berlin 1805; Gesch. der Ungarn u. deren Landsassen, 10 Bde., Leipzig 1815 bis 1825 (hrsg. v. Ernst Klein, 5 Bde., 1867-832); Die Gesinnung Jesu Christi, St. Petersburg 1817; Christl. Reden, 2 Bde., Riga 1822; Liturg. Hdb. z. belieb. Gebrauch ev. Liturgen u. Gemeinden, ebd. 1823; Rückblicke auf seine 70j. Pilgerschaft, Breslau 1824 (18512); als Anh. dazu: Resultate seines Denkens u. Erfahrens, ebd. 1826; vielgelesene hist. Romane (u. a.: Mark Aurel, 3 Bde., Breslau 1790-92; Aristides u. Themistokles, Berlin 1792).

Lit.: Johann Christian Daniel Geiser, Nachrr. aus dem Leben des Herrn Prof. Dr. I. A. F., 1806; - L. Abafi (Aigner), I. A. F., Budapest 1886; - Ernst Benz, Bisch.amt u. apostol. Sukzession im dt. Prot., 1953, 98 ff.; - Peter Friedrich Barton, I. A. F. Vom Barock-Kath. z. Erweckungsbewegung, 1969 (Rez. v. Helmut Obst, in: ThLZ 95, 1970, 929 ff.; v. Hans Wagner, in: Mitt. des Östr. Staatsarch. 24, Wien 1971, 554 ff.; v. Norbert Conrads, in: AKultG 54, 1972, 186 f.; v. Paul Bernard, in: CHR 57, 1972, 671 v. Günther Stöckl, in: Jb. f. Gesch. Osteuropas NF 20, 1972, 618 ff.); - DDL IV, 945 ff.; - Kosch, KD 741 f.; - Wurzbach IV, 201 ff.; - ADB VI, 723 ff.; - NDB V, 103 f.; - DHGE XVI, 1324 - LThK IV, 95; - RGG II, 906.

Friedrich Wilhelm Bautz

Textanmerkungen:

Die Angabe Czurendorf (Ungarn) ist nicht nachweisbar. Gemeint ist Zurndorf (ungarisch Zurány), Burgenland, bis 1921 Ungarn (Deutsch-Westungarn).

Letzte Änderung: 09.04.2011