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Verlag Traugott Bautz
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FLEMING (Flemming), Paul, Dichter, * 5.10. 1609 als Pfarrerssohn in Hartenstein an der Mulde im sächsischen Vogtland, † 2.4. 1640 in Hamburg. - F. besuchte die Lateinschule in Mittweida und die Thomasschule in Leipzig und studierte dort seit 1628 Medizin. Er widmete sich der Dichtkunst und wurde 1631 zum »kaiserlichen Poeten« gekrönt. F. ging 1633 nach Holstein und bewarb sich um die Stelle eines Hofjunkers und Truchsesses bei der Gesandtschaft, die Herzog Friedrich III. von Holstein-Gottorp nach Persien zu schicken beabsichtigte, um den ostindischen Seidenhandel auf dem Landweg über Rußland nach Holstein zu leiten. Er hatte mit seiner Bewerbung Erfolg, da sein Freund Adam Olearius, der zum Sekretär und Gesandtschaftsrat ernannt worden war, sich für ihn verwandte. F. trat im November 1633 mit der Gesandtschaft die Reise nach Rußland an. Sie verhandelte in Moskau erfolgreich wegen eines freien Durchzugs durch Rußland. Während ein Teil der Gesandtschaft nach Gottorp zurückkehrte, um Weisungen einzuholen und das Unternehmen endgültig vorzubereiten, verweilte F. mit dem Rest in Reval, bis man nach Rückkehr der »Prinzipalpersonen« aus Holstein im März 1635 nach Persien aufbrach. Im Sommer 1639 kehrte er von der gefahrvollen und strapazenreichen Reise nach Holstein zurück. F. setzte in Leiden sein Studium fort und erwarb im Januar 1640 den medizinischen Doktorgrad. Er wollte nun über Hamburg nach Reval, um sich dort als Arzt niederzulassen. Auf der Rückreise von Persien nach Holstein hatte sich E. im Mai 1639 in Reval mit der Tochter eines aus Hamburg stammenden Kaufmanns und Senators verlobt. Er erkrankte aber in Hamburg an Lungenentzündung und starb. - F. ist der bedeutendste Schüler von Martin Opitz (s. d.). Er schrieb geistliche und weltliche Lieder in deutscher und lateinischer Sprache, kraftvolle, ursprüngliche Lyrik. Am bekanntesten ist sein zu Beginn jener Gesandtschaftsreise gedichtetes Vertrauenslied »In allen meinen Taten laß ich den Höchsten raten« (EKG 292). Die Perle seiner weltlichen Dichtung ist »Ein getreues Herze wissen hat des höchsten Schatzes Preis«. Weniger bekannt ist sein Trostlied »Laß dich nur nichts nicht dauern mit Trauern, sei stille«. - Die zahlreichen Gedichte, mit denen F. die Ereignisse des abenteuerlichen Zuges von 1633-39 besang, bilden eine schätzbare Ergänzung zum Reisebericht des Olearius.
Werke: Davids, des hebr. Kg. u. Propheten, Bußpss. u. Manasses, des Kg. Juda, Gebet, als er zu Babel gefangen war. In dt. Reime gebr., 1631; Klagegedichte über das unschuldigste Leiden u. Tod unseres Erlösers Jesu Christi, 1632; Königisches Klagelied auf Gustav Adolf, 1632; Poetischer Gedichte ... Prodromus, hrsg. v. Adam Olearius, 1641; Teutsche Poemata, 1642; Geist- u. weltl. Poemata, 1651. - Ausgg.: Erlesene Gedichte, hrsg. v. W. Müller, 1802. - Teutsche Poemata, in: Dt. Gedichte, hrsg. v. Johann Martin Lappenberg, 2 Bde., Stuttgart 1865 (Nachdr. Darmstadt 1965). - Gedichte. Ausw. u. Nachw. v. Johannes Pfeiffer (RUB 2454), 1964. - Nachdr. der Ausg. v. 1642, Hildesheim 1969. - Lat. Gedichte, hrsg. v. J. M. Lappenberg, Stuttgart 1863 (Nachdr. Amsterdam 1969). - Ausgew. lat. Gedichte, übers. u. mit einer Einl. vers. v. Carl Kirchner, 1901. - Gedichte. Ausw. v. Julius Tittmann, 1870. - Rel. Dichtungen, hrsg. v. Rudolf Eckart, 1909.
Lit.: Adam Olearius, Moskowit. u. Persian. Reisebeschreibung, 1647 (verm. 1656; zuletzt ersch. 1696); - Karl August Varnhagen v. Ense, Biogr. Denkmale IV, 1846, 1-168; - Karl W. Schmitt, F. nach seiner lit.geschichtl. Bedeutung dargest., 1851; - Albert Bornemann, Die Überl. der dt. Gedichte F.s (Diss. Greifswald), Stettin 1882; - Ders., P. F. (Veranlassung zu seiner Reise. - Seine Gelegenheitsdichtung), ebd. 1899; - Stephan Tropsch, F.s Verhältnis z. röm. Dichtung, 1895; - Friedrich Spitta, in: MGkK 11, 1906, 64 ff. 109 f. 141 f.; - Konrad Unger, Stud. über F.s Lyrik (Diss. Greifswald), 1907; - Hermann v. Staden, P. F. als rel. Lyriker (Diss. Heidelberg), Stade 1908; - Ders., P. F.s Ode »In allen meinen Taten«, in: MPTh 6, 1909, 1 ff.; - Bernhard Rost, P. F., 1909; - Friedrich Wilhelm Schmitz, Metr Unterss. zu P. F.s dt. Gedichten (Diss. Bonn), Straßburg 1910; - Wilhelm Nelle, Unsere Kirchenliederdichter III, 1916, 49 ff.; - Herbert Cysarz, Dt. Barockdichtung, 1924; - Paul Rave, P. F.s lat. Lyrik (Diss. Heidelberg), 1925; - Anton Englert, Übertrr. bekannter u. unbekannter lat. Gedichte P. F.s, in: ZdPh 50, 1925, 429 ff.; - Günther Müller, Gesch. des dt. Liedes v. Zeitalter des Barock bis z. Ggw., 1925 (unv. Nachdr. Darmstadt 1959); - Guido Karl Brand, Die Frühvollendeten. Ein Btr. z. Lit. Gesch., 1929, 13 ff.; - Rudolf Alexander Schröder, P. F., in: Abhh. u. Vortrr., hrsg. v. der Bremer Wiss. Ges., V, 1931, 153 ff.; - Ders., Dichtung u. Dichter der Kirche, 1936, 90 ff.; -Ders., P. F., in: Ders., Aufss. u. Reden II, 1939, 187 ff.; - Hans Pyritz, P. F.s »Suavia« (Diss. Berlin), 1931; - Ders., P. F.s »Suavia«, in: Münchener Mus. f. Philologie des MA u. der Renaissance. Hrsg. v. Friedrich Wilhelm. V, 1931, 251 ff.; - Ders., Der Liebeslyriker P. F. in seinen Überss., in: ZdPh 56, 1931, 410 ff.; - Ders., P. F.s dt. Liebeslyrik = Palaestra 180, 1932; - Ders., P. F.s Liebeslyrik. Zur Gesch. des Petrarkismus, 1932 (Nachdr. 1963); - Ders., P. F. u. der Petrarkismus, in: Dt. Barockforsch. Dokumentation einer Epoche. Hrsg. v. Richard Alewyn, 1965, 336 ff.; - Eugen Honsberg, Stud. über den barocken Stil in P. F.s dt. Lyrik (Diss. Marburg, 1937), Würzburg 1938 (s. dazu: Hans Pyritz, Schrr. z. dt. Lit.gesch. Hrsg. v. Ilse Pyritz, 1962, 126 ff.); - Walter Schlesinger, P. F., in: Sächs. Lb. II, 1938, 133 ff.; - Gottfrieda Ruegenberg, P. F. Vers. einer Darst. seiner Dichtungsmotive u. seiner Sprache (Diss. Köln), Würzburg - Aumühle 1939; - P. F. Seine literarhist. Nachwirkungen in 3 Jhh., in: Imprimatur. Jb. f. Bücherfreunde 9, 1939/40, Beil.; - Kurt Arnold Findeisen, P. F., der Dichter u. Ostlandfahrer, 1939; - Ders., Der östl. Traum. Ein Roman v. Freundschaft, Liebe u. großer Fahrt, 1940 (19412); - Otto Michaelis, »So sei nun, Seele, deine«, in: DtPfrBl 44, 1940, 112 f.; - G. Kunze, P. F., in: Eckart 16, 1940, 107 ff.; - Otto Eberhard, Zeugnisse dt. Frömmigkeit v. der Frühzeit bis heute, 1940, 240; - Hans Rodenberg, P. F. u. seine Rußlandreise, in: Sinn u. Form. Btrr. z. Lit. 5, 1953, 232 ff.; - Eugenie Felice Edigna Schrembs, Die Selbstaussage in der Lyrik des 17. Jh.s bei F., Gryphius, Günther (Diss. München), 1953; - Walter Grundmann, Das Lied der Kirche. H. 9: P. F., In allen meinen Taten, 1953; - Liselotte Beck-Supersaxo, Die Sonette P. F.s. Chronologie u. Entwicklung (Diss. Zürich) Singen 1956; - Edzard Schaper, P. F. z. 350. Geb. des Dichters, in: Ostdt. Mhh. 25, Stollhamm (Oldenburg) 1958 bis 1959, 740 ff.; - Erik Thomson, Zum 350. Geb. v. P. F., ebd. 331 ff.; - Karl Hans Pollmer, »In allen meinen Taten laß ich den Höchsten raten ...« Zum 350. Geb. P. F.s, in: ZdZ 13, 1959, 389 ff.; - Kahape, Zum 350. Geb. P. F.s, in: GuG 5, 1959, 208 ff.; - Paul Johansen, Der Dichter P. F. u. der Osten, in: Hamburg mittel- u. ostdt. Forsch.en II, 1960, 9 ff.; - Paul Hankamer, Dt. Gegenref. u. dt. Barock. Die dt. Lit. im Zeitraum des 17. Jh.s, 19643; - Eva Dürrenfeld, P. F. u. Johann Christian Günther. Motive, Themen, Formen (Diss. Tübingen), 1964; - Paul Böckmann, Formgesch. der dt. Dichtung, 2 Bde., 19652; -Walter Naumann, Traum u. Tradition in der dt. Lyrik, 1966; - Gisbert Kranz, Europas christl. Lit. v. 1500 bis heute, 19682, 92 ff. 582 u. ö.; - B. J. Rogers, P. F.: Between life and dream, in: Criticism. A quarterly for literature and the arts 12, Detroit (Michigan) 1970, 259 ff.; - Anna Maria Carpi, P. F., Mailand 1973; - Dieter Lohmeier, P. F., in: Schleswig-Holstein. Biogr. Lex. III, 1974, 111 ff.; - Goedeke III, 58 ff.; - Eppelsheimer, WL 292; - Kosch, LL I, 520 f.; - KLL VI, 2537 f. (Teutsche Poemata); - Wilpert I2, 507; II, 1024 f. (Teutsche Poemata); - Koch III, 73 ff.; - Fischer-Tümpel I, 433 ff.; - Blume 125. 134. 160; -Hdb. z. EKG II/1, 158 f.; - MGG IV, 305 ff.; - ADB VII, 115 ff.; - NDB V, 238 f.; - RE VI, 105 ff.; - RGG II, 977.
Friedrich Wilhelm Bautz
Textanmerkungen:
Hartenstein liegt im sächsischen Erzgebirge und nicht wie im Text genannt im sächsischen Vogtland.
In Hartenstein zwischen Markt und Kirche befindet sich das Paul-Fleming-Haus. In dem ehemaligen alten Schulgebäude wurde im Jahr 1609 der deutsche Barock-Dichter Paul Fleming geboren. Der Initiative der Stadtverwaltung Hartenstein und des Paul-Fleming-Vereins ist es zu verdanken, dass heute in dem komplett restaurierten Gebäude eine Gedenkstätte eingerichtet ist.
Literaturergänzung:
2007
Heba Fathy, Nachahmung u. Neuschöpfung in d. dt. Odendichtung d. 17. Jhrs. Hamburg 2007; -
2008
Anna Linton, Poetry and parental bereavement in early modern Lutheran Germany. Oxford 2008, S. 174-192; -
2009
Indra Frey, P.F.s dt. Lyrik d. Leipziger Zeit. Frankfurt/M. 2009; - Johann Anselm Steiger, "du ehrne Schlange du, du edle Medicin". Zum 400. Geb. d. Dichters u. Arztes P.F., in: DtPfrBl 109.2009, S. 528-530; - Ich bin ein schwaches Both ans große Schiff gehangen. Die Lebensreise d. P.F. in seinen schönsten Gedichten. Hrsg. Richard Pietraß. Unter Mitarb. von Peter Gosse. Halle 2009.
Letzte Änderung: 19.02.2010