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Band II (1990)Spalten 119-120 Autor: Friedrich Wilhelm Bautz

FRESENIUS, Johann Philipp, Pfarrer, * 22.10. 1705 als Pfarrerssohn in Niederwiesen bei Kreuznach, † 4.7. 1761 in Frankfurt am Main. - F. bezog 1723 die Universität Straßburg, mußte aber 1725 wegen plötzlicher Erkrankung seines Vaters ins Elternhaus zurückkehren. Er vertrat ein Jahr seinen Vater im Amt, wurde dann Erzieher der jungen Rheingrafen von Salm-Grumbach und 1727 Nachfolger seines Vaters in Oberwiesen. Sein 1731 gegen die Schmähschrift "Friß Vogel oder stirb" des Johann Nikolaus Weislinger (s. d.) gerichteter "Antiweislingerus" rief unter dem katholischen Klerus eine große Erbitterung hervor. Der ihm drohenden Gefahr der Festnahme entging er durch die Flucht nach Darmstadt. Landgraf Ernst Ludwig ernannte ihn 1734 zum Burgprediger in Gießen. F. war zugleich Lehrer am Pädagogium und hielt auch Vorlesungen an der Universität. Innige Freundschaft verband ihn mit Johann Jakob Rambach (s. d.). 1736 wurde F. Hofdiakonus in Darmstadt und gewann durch die von ihm gegründete "Proselytenanstalt" 400 Juden für den evangelischen Glauben, wies aber 600, die sich angemeldet hatten, als Betrüger ab. 1742 kehrte er als ao. Professor und Stadt- und Burgprediger nach Gießen zurück. Seit 1743 entfaltete F. in Frankfurt am Main eine segensreiche Wirksamkeit als Prediger und Seelsorger. Er wurde 1748 Senior des lutherischen Predigerministeriums, Konsistorialrat und Hauptprediger an der Barfüßerkirche, "von seiner Gemeinde, ja von der ganzen Stadt als ein exemplarischer Geistlicher und guter Kanzelredner verehrt" (Goethe, Dichtung und Wahrheit, Buch 4). - F. war Vertreter einer gemäßigten Orthodoxie, in seiner seelsorgerlichen Amtsführung beeinflußt durch August Hermann Francke (s. d.), einer der eifrigsten und bedeutendsten Gegner der Herrnhuter Brüdergemeine (s. Zinzendorf, Nikolaus Ludwig Graf von), aber ebenso der Reformierten in Frankfurt am Main, die sich darum vergeblich um die Erlaubnis zum Bau von Kirchen bemühten.

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Werke: Beicht- u. Kommunionb., 1746 (bearb. v. C. F. Jäger, 188510); Von der Rechtfertigung eines armen Sünders vor Gott, 1747; Bewährte Nachrr. v. Herrnhutischen Sachen, 4 Bde., 1747 bis 1751; Nötige Prüfung der Zinzendorfschen Lehrart, 1748; Pastoral-Smlg.en, 24 Tle., 1748-60; Heilsame Betrachtungen über die Sonn- u. Festtagsevv., 1750 (hrsg. v. Karl Friedrich Ledderhose, 1872); Zuverlässige Nachrr. v. dem Leben, Tode u. Schrr. D. Johann Albrecht Bengels, 1753; Epistelpredigten, 1754 (hrsg. v. K. F. Ledderhose, 1858).

Lit.: Albrecht Ritschl, Gesch. des Pietismus III, 1886, 366; - Die Univ Gießen v. 1607 bis 1907. Festschr. I, 1907, 426; - Hess. Chron. 4, 1915, 131 f.; 7, 1918, 185 f.; 11, 1922, 123; - Hermann Dechent, KG v. Frankfurt am Main II, 1921, 166 ff.; - Hassia sacra, hrsg. v. Wilhelm Diehl, II, 1925, 517 ff. 552 ff. 620 ff.; III, 1928, 504; - Gerhard Johannes Raisig, Theol. u. Frömmigkeit bei J. Ph. F.: eine Stud. z. Theorie u. Lebenspraxis im Pietismus der frühen Aufklärung (Diss. Frankfurt/Main, 1974), Bern - Frankfurt/Main 1975; - Strieder IV, 182 ff.; - Kosch, LL I, 561; - ADB VII, 353 f.; - RE VI, 265 ff.; - RGG II, 1126 f.

Friedrich Wilhelm Bautz

Letzte Änderung: 09.04.2011