FRIEDRICH II., Herzog von Schwaben, * 1090, † 6. April 1147 in Alzey. Sohn Herzog Friedrich I. von Schwaben († 1105) und Agnes, Tochter Kaiser Heinrichs IV. (1050-1106). Sein Vater, zuvor Graf im Remsgau, war 1079 vom König als Herzog in Schwaben eingesetzt worden. Dadurch und durch die Heirat mit der Kaisertochter Agnes 1089 war die Familie der Staufer in die höchsten Ränge der weltlichen Großen des Reiches aufgestiegen. 1105 starb Friedrich I., und Friedrich II. wurde im Alter von 15 Jahren sein Nachfolger als Herzog und Senior des Stauferhauses. Wie er und sein 1093 geborener Bruder Konrad das väterliche Erbe genau unter sich aufteilten, ist aus den Quellen nicht klar ersichtlich. - Wenn auch anzunehmen ist, daß der junge Friedrich bereits früh von seinem Vater in die politischen Zusammenhänge der Zeit eingeweiht worden war, spielte er dennoch bei Übernahme des Herzogamtes noch keine politische Rolle. In den Auseinandersetzungen zwischen dem alten Kaiser Heinrich IV. und seinem Sohn Heinrich V. 1105/1106 wird Friedrich noch nicht als Beteiligter genannt. Seine Jugend mochte ihn davor bewahrt haben, in einen Loyalitätskonflikt zwischen Großvater und Onkel zu geraten. Nach dem Tod Heinrichs IV. 1106 und der Anerkennung Heinrichs V. galt Herzog Friedrich II. als bedingungsloser Gefolgsmann seines Onkels, an dessen Hof er für 1108 erstmals nachweisbar ist. Im gleichen Jahr nahm er am Feldzug gegen Colomann von Ungarn teil, was für den 18-jährigen die erste größere militärische Aktion war. - 1110/1111 begleitete er Heinrich V. nach Rom. Papst Paschalis II. und der König verhandelten über die Kaiserkrönung und auch über die Lösung der seit Jahrzehnten schwelenden Investiturfrage. Es wurde vereinbart, daß der Herrscher auf das Investiturrecht verzichte, der Papst im Gegenzug alle weltlichen Besitzungen und Rechte der Kirche und ihrer Amtsträger an das Reich zurückgebe. Durch den Zehnten und private Schenkungen sollte die materielle Basis der Kirche künftig gesichert sein. Die Vereinbarungen von Sancta Maria in Turri bestätigte Heinrich V. am 9. Februar 1111. Sein Neffe Herzog Friedrich von Schwaben stand dabei an der Spitze seiner Eideshelfer. Auch zählte er zu den Geiseln, die dem Papst als Garanten für die Einhaltung des Abkommens gestellt wurden. Der Vertrag trat allerdings nicht in Kraft, da beim Verlesen der Bestimmungen in der Peterskirche in Rom ein Tumult ausbrach, in dessen Verlauf der Papst gefangen genommen wurde. Nach zwei Monaten in Haft willigte Paschalis II. ein, dem König das Investiturrecht zu belassen und ihn zum Kaiser zu krönen, während die Kirche entfremdeten Besitz zurückerhalten solle. Diesmal wurde Friedrich allerdings nicht als Eideshelfer herangezogen. - Ab 1111 entwickelte sich die oppositionelle Bewegung in Deutschland gegen Kaiser Heinrich V. Herzog Friedrich von Schwaben, sein Bruder Konrad und auch Pfalzgraf Gottfried von Calw standen dabei in Treue zum Herrscher. Der staufische Historiker Bischof Otto von Freising, ein Halbbruder Friedrichs, geht soweit, diese als die einzigen Fürsten zu bezeichnen, die sich nicht gegen den Kaiser empörten. - Wenn dies auch übertrieben scheint, so sah Heinrich V. in diesen Dreien doch Garanten für die Durchsetzung seiner Position. Als er 1116 erneut zu einem Romzug aufbrach, ernannte er Friedrich, Konrad und Gottfried zu seinen Stellvertretern im Reich. Für Friedrich und Konrad, die Neffen des Kaisers, bedeutete diese Beauftragung gleichzeitig eine Form der Designation als mögliche Nachfolger, denn Heinrich V. und seine englische Frau Mathilde waren zu diesem Zeitpunkt kinderlos. - Friedrich von Schwaben hatte durch die übertragene Funktion die Möglichkeit, nicht nur die Interessen seines Onkels durchzusetzen, sondern auch seine eigenen territorialpolitischen Ziele zu verfolgen. Sein Hauptgegner dabei war in doppelter Hinsicht Erzbischof Adalbert von Mainz († 1137), der ursprünglich der engste Mitarbeiter Heinrichs V. war, sich aber 1112 von ihm abgewandt hatte und bis 1115 in Haft war. Im Gebiet zwischen Hunsrück und dem Nordrand des Elsaß stießen die Interessengebiete beider Fürsten aufeinander. Auch sorgte das salische Ausgreifen auf das Mittelrheingebiet für Konfliktstoff. 1116 zog Friedrich rheinabwärts. Dabei kam es immer wieder zu bewaffneten Auseinandersetzungen. Am 1. August 1116 besetzten die Truppen des Schwabenherzogs und Gottfrieds von Calw die Stadt Worms, zugleich wurde Speyer belagert. In Worms erlitt die kaiserliche Seite so hohe Verluste, daß Friedrich II. um Waffenstillstand bat. Für den Tag des Heiligen Michael (29. September) wurde eine Zusammenkunft in Frankfurt am Main vereinbart, doch erschien der Herzog nicht. Auch bewog er die bayrischen Fürsten, dem Treffen fernzubleiben. Statt dessen legte er eine Besatzung in die Abtei Limburg bei Speyer und ließ das umliegende Land plündern. Dies veranlaßte Erzbischof Adalbert von Mainz und Herzog Lothar von Sachsen gegen Limburg vorzugehen und die Abtei einzuschließen. Als Friedrich mit einem Entsatzheer heranrückte, zogen die Angreifer sich zurück. Im Mainzer Raum kam es zu schweren Plünderungen, Zerstörungen und Belagerungen. Otto von Freising wirft in diesem Zusammenhang Adalbert von Mainz Hinterlist vor und rühmt das Kriegsgeschick seines Halbbruders. Kaiser Heinrich V. sandte aus Italien ein Belobigungsschreiben, in dem er die Leistungen des Herzogs und Gottfrieds von Calw zum Schutz seiner Getreuen besonders hervorhob. Die Mainzer Bevölkerung nahm die Niederlage ihres Erzbischofs zum Anlaß, ihn aus der Stadt zu vertreiben. Erst 1117 gelang diesem die Rückkehr, wobei die Stadtbevölkerung hohe Verluste zu beklagen hatte. Friedrich von Schwaben ging daraufhin direkt gegen die Stadt seines Gegenspielers vor. Die Umgebung wurde verwüstet, allerdings zögerte er vor einem Angriff auf Mainz zurück. Der Herzog bot Verhandlungen an und entließ Teile seines Heeres. Dies nutzte Adalbert von Mainz zu einem Angriff, wurde allerdings zurückgeschlagen. An Weihnachten 1117 kam es zu schweren Kämpfen vor der Stadt Mainz, bei denen die Truppen Friedrichs große Verluste erlitten. Der Verfasser der sächsischen Weltchronik beklagte die Kriegsführung: "Do ward vil landes verbrant van deme keisere unde oc van den bishopen; se daden an der cristenheit, dat se an den heidenen kume don solden" [Da wurde viel Land verbrannt vom Kaiser und auch vom Bischof. Sie taten der Christenheit an, was sie mit den Heiden machen sollten]. 1118 legten Mainzer Truppen die Burg Oppenheim nieder, die Friedrich II. errichtet hatte, um dort eine Besatzung zurückzulassen. Eine Synode am 19. Mai 1118 in Köln exkommunizierte die kaiserlichen Statthalter Friedrich II. von Schwaben, Konrad und Gottfried von Calw. Im gleichen Jahr kehrte Heinrich V. aus Italien zurück. Die Aufgaben seiner Stellvertreter im Reich waren damit erledigt. - 1120 heiratete Friedrich die Tochter des Welfen Heinrich des Schwarzen, Judith. 1122 wurde ihr Sohn Friedrich geboren, der 1152 als Friedrich I., genannt Barbarossa, den deutschen Thron besteigen sollte. Außerdem hatte das Paar eine Tochter, Bertha. - Als Heinrich V. am 23. Mai 1125 in Utrecht starb, hatte er zuvor auf dem Sterbebett angeordnet, die Reichsinsignien auf Burg Hammerstein am Mittelrhein zu bringen und die Kaiserin Mathilde der Obhut seines Neffen Friedrich empfohlen. Damit war dokumentiert, daß er sich den Staufer zum Nachfolger wünschte. Bei der Beisetzung Heinrichs in Speyer luden die Reichsfürsten mit Erzbischof Adalbert an der Spitze zur Königswahl nach Mainz ein. Am 24. August trafen die Großen des Reiches zusammen. Herzog Friedrich von Schwaben war der erste Anwärter auf die Krone. Die Wahlversammlung wurde geleitet vom Mainzer Erzbischof und fand in Anwesenheit zweier päpstlicher Legaten statt. Einhellige Meinung der Forschung ist, daß Adalbert auf jeden Fall den Staufer auf dem Thron verhindern wollte. War er als Herzog bereits territorialpolitischer Konkurrent, so hätte dies umso mehr für einen König Friedrich gegolten. Umstritten ist dagegen, wen der Mainzer Erzbischof statt dessen bevorzugte. In der älteren Forschung wird davon ausgegangen, daß er den Sachsen Lothar von Süpplingenburg auf dem Thron sehen wollte, doch kommt die neuere Forschung zu dem Ergebnis, daß Markgraf Leopold von Österreich sein Kandidat war. Leopold stand in keinerlei territorialpolitischer Konkurrenz zu Adalbert von Mainz. Ein vierter Kandidat war der vom Kölner Erzbischof vorgeschlagene Graf Karl von Flandern, der aber ablehnte. - In den Quellen wird berichtet, Friedrich von Schwaben sei in dem Bewußtsein nach Mainz gekommen, gewählt zu werden. Am ersten Tag wurde ein Ausschuß von 40 Mitgliedern eingesetzt, der die Kandidaten aufzustellen hatte. Versammlungsleiter Adalbert fragte Friedrich, Lothar und Leopold, ob sie bereit seien, den Gewählten anzuerkennen. Lothar und Leopold bejahten dies, baten aber zugleich, nicht gewählt zu werden - eine im Mittelalter übliche und erwartete Geste der Demut. Friedrich erklärte, er müsse erst mit den Seinen beraten. Am folgenden Tag war Friedrich nicht anwesend. Adalbert stellte die Frage erneut. Lothar und Leopold gaben die gleiche Antwort. Da brach ein Tumult aus: Die sächsischen Großen riefen ihren Herzog Lothar zum neuen König aus. Aus Protest wollten die bayrischen Bischöfe die Versammlung verlassen, wurden jedoch von den Vertretern des Papstes zur Besonnenheit aufgerufen. Durch die Akklamation waren Tatsachen geschaffen worden, hinter die auch Adalbert von Mainz nicht mehr zurückkonnte. Sein Kalkül war nur zur Hälfte aufgegangen, nämlich den Anspruch des Staufers abzuwehren. - Obwohl Friedrich dem neuen König Lothar zunächst huldigte, nahm er noch im Herbst 1125 den Kampf gegen ihn auf. Er weigerte sich, das eng mit dem salischen Hausgut verflochtene Reichsgut an den neuen Herrscher zu übergeben. An Weihnachten 1125 ließ Lothar daher die Reichsacht über den Herzog von Schwaben verhängen, kurz darauf, im Januar 1126 wurde die Reichsheerfahrt gegen ihn beschlossen. Friedrich verlor damit seine Rechte als Reichsfürst, die übrigen Adligen waren verpflichtet, gegen ihn zu kämpfen. Offene Kämpfe brachen aus, als Herzog Heinrich von Bayern, der Gertrud, die Tochter König Lothars, geheiratet hatte, den Staufern die Fehde ansagte. - In dieser Zeit muß Friedrich im Kampf ein Auge eingebüßt haben. In manchen Quellen wird er deshalb auch als monoculos - Einauge - bezeichnet. Er kam als Königskandidat nicht mehr in Frage, fehlte ihm doch nun die körperliche Unversehrtheit als eine Grundvoraussetzung. Sein drei Jahre jüngerer Bruder Konrad wurde deshalb am 27. Dezember 1127 in Nürnberg von staufischen Parteigängern zum König ausgerufen. - 1128 überließ es Konrad seinem Bruder Friedrich, die staufischen Interessen im Reich alleine zu vertreten und zog nach Italien. Erst im Winter 1129/1130 kehrte er zurück. Der schwäbische Herzog hatte inzwischen mehrere Niederlagen hinnehmen müssen. Lothar III. eroberte Nürnberg, Ulm und Speyer. Die Staufer waren nun auf ihr Stammland Schwaben beschränkt. Dennoch dauerte es noch bis 1134, ehe Herzog Friedrich die Niederlage eingestand und sich Lothar unterwarf. 1135 erschien er im Büßergewand vor dem Herrscher, der ihn wieder in Gnade aufnahm. Gegenkönig Konrad gab nun ebenfalls auf. Die Staufer behielten ihre Güter und Rechte, so daß sie nach dem Tod König Lothars 1137 eine gute Ausgangsbasis hatten, erneut nach der Krone zu greifen. - Zwischen 1130 und 1135 starb Friedrichs Frau Judith. In zweiter Ehe heiratete er Agnes, die Tochter des Grafen von Saarbrücken. Sie war die Nichte seines größten Gegners von 1125, Erzbischof Adalbert I. von Mainz. Durch diese Eheschließung erlangte Friedrich wieder Einfluß im Mittelrheingebiet zurück. Gemeinsam hatte das Paar drei Kinder: Judith, Konrad, den späteren Pfalzgrafen, und Liutgard. Es gelang Friedrich 1138, seinen Schwager Adalbert von Saarbrücken als Adalbert II. auf den Mainzer Erzstuhl zu bringen. Im Jahr zuvor war Adalbert I. gestorben. - 1138 wurde auf Betreiben des Erzbischofs von Trier Friedrichs Bruder Konrad in Koblenz zum König gewählt. Der Herzog von Schwaben zählte jetzt wieder zum engsten Umfeld des Herrschers. Es gab in der Folgezeit neue Kämpfe, da Heinrich der Stolze, Schwiegersohn des verstorbenen Kaisers Lothar III., Herzog von Bayern und Sachsen, sich weigerte, dem neuen König zu huldigen. Gegen Heinrich wurde die Reichsacht verhängt. Auch als er 1139 starb, gab es keine Entspannung. Erst 1142 verständigten sich beide Seiten. Daß Friedrich in dieser Zeit länger nicht am Hof seines Bruders weilte, ist für seine Biographin Ingeborg Dietrich ein Indiz dafür, daß er dessen Politik für nicht entschlossen genug hielt. - Mit der Erhebung Konrads zum König war die Politik der Staufer auf den planmäßigen und erfolgreichen Ausbau ihrer Machtstellung hin ausgerichtet. Friedrich übernahm die Aufgabe, aufgrund seiner Erfahrung das staufische Herzogshaus zu einem Kaiserhaus auszubauen. Damit schuf er die Voraussetzungen für die Thronbesteigung seines Sohnes Friedrich, wenn dies auch zu seinen Lebzeiten noch nicht abzusehen war. Der Herzog ließ Hagenau und Kloster St. Walburg ausbauen, was ihm die Herrschaft am Oberrhein sicherte. Auch zielte seine Klosterpolitik auf die Stärkung der staufischen Hausmacht. - In den letzten Lebensjahren wuchs sein Sohn Friedrich immer mehr in die Rolle des künftigen Herzogs von Schwaben hinein. Friedrich II. hatte ihn seit Konrads Thronbesteigung mit den höchsten politischen Kreisen des Reiches vertraut gemacht. 1146 sollte der junge Friedrich bei einem Hoftag das Amt des schwäbischen Herzogs übernehmen. Auf dem Weg nach Frankfurt erkrankte Friedrich II. aber und konnte den Weg nicht forsetzen. Er blieb in Alzey, wo ihn der Zisterzienser Bernhard von Clairvaux besuchte. Noch zu Lebzeiten ernannte Friedrich seinen Sohn zum Nachfolger im Amt des Herzogs. Anfang 1147 hatte er sich soweit erholt, daß er nach Speyer reiste. Am 6. April 1147 starb Herzog Friedrich II. im Alter von 57 Jahren in Alzey. Seine letzte Ruhestätte fand er in Kloster St. Walburg bei Hagenau im Unterelsaß. - Otto von Freising schilderte in seiner prostaufischen Geschichtsschreibung Herzog Friedrich II. von Schwaben als besonders edel und um Mäßigung bemüht. Auf diesen zeitgenössischen Geschichtsschreiber geht auch das Diktum zurück, der Herzog ziehe am Schweif seines Pferdes stets eine Burg hinter sich her.
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