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Band II (1990)Spalten 143-144 Autor: Friedrich Wilhelm Bautz

FROMMEL, Emil, Pfarrer und Volksschriftsteller, * 5.1. 1828 in Karlsruhe als Sohn des Kupferstechers und Malers Karl Ludwig F. (1789-1863), † 9.11. 1896 in Plön (Schleswig-Holstein), beigesetzt auf dem Garnisonfriedhof in Berlin. - F. besuchte eine Zeitlang bei Verwandten in Straßburg das Gymnasium und wurde von Franz Härter (s. d.) konfirmiert. Er studierte in Halle und Erlangen und kam dort durch die Begegnung mit einem deutsch-russischen Kandidaten der Theologie zum lebendigen Glauben an Christus. Er schied aus der studentischen Verbindung aus, sagte dem bisherigen Tun und Treiben Lebewohl und widmete sich ganz dem Studium der Theologie. F. wurde Vikar in dem am Rhein gegenüber Speyer gelegenen Dorf Altlußheim. Mit seinem Bruder Max Frommel (s. d.) unternahm er eine Italienreise und verlebte dann noch eine kurze Vikarszeit bei Aloysius Henhöfer (s. d.) in dem Hardtdorf Spöck. F. verheiratete sich mit der Tochter Amalie des Oberkirchenrats Karl Christian Wilhelm Felix Bähr (s. d.) in Karlsruhe und wurde Pfarrverweser in Altlußheim. 1854 kam er als Hof- und Stadtvikar nach Karlsruhe. Seine Predigten übten durch ihren volkstümlichen, farbenreichen Stil und vor allem durch die Kunst, Erzählungen einzuflechten, eine große Anziehungskraft aus. Es war für ihn eine unruhige, aufreibende Zeit angestrengter Berufsarbeit und schwerer kirchlicher Kämpfe. Die liberalen Theologen unter Führung Daniel Schenkels (s. d.) reformierten in liberalem Sinn Verfassung, Agende und Katechismus und drängten den positiven Einfluß zurück. 1864 folgte F. dem Ruf als Pfarrer nach Barmen, wo er genötigt war, ein tiefgründiges Bibelstudium und eifrige Seelsorge zu treiben. Er hielt auf seinem Posten tapfer aus, obwohl seine Künstlerseele im Wuppertal nicht so recht aufatmen konnte. Darum empfand es F. als eine Befreiung vom inneren Druck, als er 1869 als Garnisonprediger nach Berlin berufen wurde und am 25.2. 1870 dort sein neues Amt antrat. Auf sein dringendes Ersuchen wurde F. im September 1870 als "außeretatsmäßiger Feld-Divisionspfarrer" zur Gardelandwehrdivision vor das belagerte Straßburg beordert. Er erhielt 1872 den Titel eines Hofpredigers und trat in enge seelsorgerliche Beziehungen zum Kaiserhaus, zumal er Wilhelm I. 14mal zu einem Kuraufenthalt in Bad Gastein begleiten durfte. F. wurde 1875 Mitglied der Generalsynode und gehörte auf der Provinzial- und Generalsynode der Evangelischen Vereinigung, der Mittelpartei, an. F. erfreute sich auch der Gunst Wilhelms II. und besonders der Kaiserin Auguste Viktoria (s. d.) und wurde häufig zu Predigten in der Schloßkapelle herangezogen. Im März 1894 begleitete er den Kaiser auf einer Reise nach dem italienischen Seebad Abbazia in Istrien. 1895 mußte sich F. wegen eines Nierenleidens einer gefährlichen Operation unterziehen. Danach fühlte er, daß seine alte Kraft nicht wiederkehrte, und bat den Kaiser um seine Entlassung aus dem Militärpfarramt. In dem reizend zwischen Seen und Wäldern gelegenen Plön, wo er die beiden ältesten Söhne Wilhelms II. auf die Konfirmation vorbereitete, erholte sich F. zwar, mußte aber, da das Leiden von neuem auftrat, sich noch einmal operieren lassen. - F. war ein hervorragender Prediger. Weit über die Berliner Gemeinde hinaus wirkte er als Volksschriftsteller. Er war ein Meister der Kurzgeschichte. Quellen seiner Erzählungskunst sind seine Heimat- und Jugenderinnerungen und seine Erlebnisse im Amt und auf Reisen.

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Werke: Predigten: Die 10 Gebote Gottes, 1857; Das Gebet des Herrn, 1861; In Fest- u. Fastenzeit, 1872; Das Ev. Lk, 1895 ff. - Erzz.: Das Heinerle v. Lindelbronn; Chron. eines geistl. Herrn; Aus der Hausapotheke; Aus allen vier Winden; Beim Ampelschein; Festflammen; Nachtschmetterlinge; Beim Lichtspan; Pfingstrosen; O Straßburg, du wunderschöne Stadt; In des Königs Rock; Ernstes u. Heiteres; Aus einem Kellnerleben; Aus der Sommerfrische. - Lb.: Alois Henhöfer; Maria v. Schaumburg-Lippe; Ludämille v. Schwarzburg-Rudolstadt; Johann Abraham Strauß.

Lit.: D. Richter, Ein Kranz auf E. F.s Grab, 1897; - Max Reichard, Zur Erinnerung an E. F., 1897; - Hermann Scholz, Erinnerungen an E. F., in: ChW 1897, 209 ff.; - Hans Schöttler, E. F. Schlichte Bilder aus seinem Leben, 1897; - Ders., E. F., ein Menschensucher, 1932; - Konrad Kayser, E. F. Ein Lb., 1898; - Glob. Mayer, E. F. als christl. Volksschr.steller, 1898; - Otto Heinrich Frommel, F.s Lb., 2 Bde., 1900/01; - Ders., E. F., in: Neue Christoterpe 50, 1928, 33 ff.; - Theodor Kappstein, E. F., ein biogr. Gedenkbuch, 19063; - Ders., E. F., ein Gottesfreund f. unsere Zeit, 1928 (19553 u. d. T.: E. F. Seelsorger u. Menschenfreund); - Karl Hesselbacher, Silhouetten bad. Dichter, 1910; - Adolf Schmitthenner, Aus Dichters Werkstatt, 1911, 164 ff.; - Ludwig Schneller, E. F., in: Ders., Allerlei Pfarrherren, 1925, 49 ff.; - Otto Frommel, Persönl. Erinnerungen an E. F., in: ZW 4, 1928, 548 ff.; - Ders., E. F., Bürger zweier Welten, 1938; - Johannes Keßler, Ich schwöre mir ewige Jugend, 1936, 185 ff.; - A. v. Grolman, Über E. F., in: Elsässer Bauernkal., Straßburg 1942, 74 ff.; - Arno Pagel, Leben, Leuchten, Geben - das ist Christenart! Aus dem Leben des Hofpredigers E. F., in: Die Jugendhilfe 49, 1951, 324 ff. 364 ff.; - Anna Katterfeld, Die Frau Galeriedirektor. Aus dem Leben der Frau Henriette Frommel (E. F.s Mutter), 1951; - Diss., E. F. Blicke in sein Leben, 1951 (19522); - Gerhard Hultsch, E. F. Ein Lehrer f. die Jugend, 1952; - Hans Brandenburg, Büchsel u. F. Zwei Zeugen Christi aus Nord u. Süd, 1966; - Kosch, LL I, 589; - ADB 49, 184 ff.; - NDB V, 660; - BJ I, 108 f.; - RGG II, 1164.

Friedrich Wilhelm Bautz

Literaturergänzung:

2010

Walter Schnaiter, Der (Teil-)Nachlass D. E. Wilhelm F.s (1828-1896) im Landeskirchlichen Archiv, in: JbKRG 4.2010, S. 285f.

Letzte Änderung: 09.04.2011