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Band XXIII (2004) Spalten 455-458 Autor: Jörg Ernesti

FÜRSTENBERG, Ferdinand v., Fürstbischof von Paderborn und Münster, * 26.10. 1626 im sauerländischen Bilstein als Sohn des kurkölnischen Landdrosten Friedrich und dessen Frau Anna Maria von Kerpen, † 26.6. 1683 in Paderborn. 1634 bereits tonsuriert, wurde er als Paderborner Domherr 1649 aufgeschworen. Weitere Kanonikate kamen hinzu (am Dom zu Münster, das Priorat in Madonna di Campiglio bei Trient, die Propstei zum Hl. Kreuz in Hildesheim). Nach dem Besuch des Jesuitengymnasiums in Siegen studierte er ab 1644 zwei Jahre an der von Bischof Theodor von Fürstenberg, seinem Großonkel, gegründeten Jesuitenhochschule in Paderborn Philosophie und die Humaniores. 1646 ging F. in das neutrale Münster, wo er in den Kreis um den Domdechanten Bernhard von Mallinckrodt und den Arzt und Dichter Bernhard Rottendorff eingeführt wurde und wo er den Nuntius und päpstlichen Friedenslegaten Fabio Chigi kennenlernte. Ab 1648 studierte er Jura in Köln, wo er wiederum in Verbindung mit zahlreichen Dichtern und Gelehrten trat, mit denen er z.T. über viele Jahre korrespondierte (etwa mit Barthold Nihus, Jean Bolland oder Jakob Balde). Zum Subdiakon wurde er im Jahr 1650 geweiht. 1652 folgte er seinem Förderer Fabio Chigi, der mittlerweile zum Kardinalstaatssekretär aufgestiegen war, nach Rom. Seine breit gefächerten literarischen und gelehrten Kontakte im Umkreis Chigis und der Königin Christina (etwa zu Nikolaus Heinsius, Lukas Holste, Athan. Kircher) wurden durch die Ernennung zum Vorsteher der führenden Akademie ("Umoristi") gekrönt. Unmittelbar nach der Wahl Chigis zum Papst (Alexander VII.) wurde F. von diesem zu einem seiner vier Geheimen Kammerherren ernannt. In Rom dichtete F. und betrieb historische Studien, und zwar als Vorarbeiten zu seinen späteren regionalgeschichtlichen Veröffentlichungen. Im Auftrag des Papstes korrespondierte er mit deutschen Kirchenfürsten und informierte ihn über Vorgänge im Reich. In Rom bekleidete F. auch das Amt des Provisors der deutschen Nationalkirche St. Maria dell'Anima und war Kämmerer der Erzbruderschaft am Campo Santo Teutonico. 1659 zum Priester geweiht, bereiste er 1660 als päpstlicher Legat das Reich, ausgestattet mit Botschaften für den Kaiser (Leopold I.) und verschiedene Fürsten, und überbrachte Wartenberg das rote Birett. Am 20.4. 1661 wurde er zum Paderborner Bischof gewählt und durch Kardinal Giulio Rospigliosi am 6.6. 1661 in Rom konsekriert. In Paderborn galt es, Kriegsschäden vor allem bei den Sakralbauten zu beseitigen und eine innere Erneuerung voranzutreiben. Im Bereich der inneren Verwaltung seines Fürstentums bemühte er sich um Konsolidierung und behutsame Reformen und ging im Bereich der Wirtschaft im Geiste des Merkantilismus vor. Persönlich irenisch eingestellt und in den Kriegen seiner Zeit um Neutralität bemüht, neigte er außenpolitisch mit den Jahren zunehmend Paris zu. In der Pastoral bildete das Tridentinum seine wichtigste Richtschnur. Persönlich fromm im Sinne der Pietas barocca, stützte er sich in besonderem Maße auf die Orden. Am 19.7. 1667 wurde er zum Koadjutor des Münsteraner Bischofs Christoph Bernhard von Galen gewählt, konnte aber zu dessen Lebzeiten keinen entscheidenden Einfluß auf seine Regierung gewinnen. Nach 1678 führte er die Restitution der im Norden Deutschlands durch Galen besetzten Gebiete an Schweden, namentlich der Herzogtümer Bremen und Verden, durch. 1669 und 1671 erschienen mit den Monumenta Paderbornensia und den Poemata erste eigenständige Werke. Erhalten ist im Familienarchiv in Arnsberg-Herdringen ein Großteil seiner Korrespondenz, insbesondere mit europäischen Gelehrten (etwa mit H. Conring, G. W. Leibniz, J. Mabillon, den Bollandisten). Als Bischof von Münster gewährte F. die freie Ratswahl und machte Niels Stensen zu seinem Auxiliarius, mit dem zusammen er ab 1680 das Amt des Apostolischen Vikars der Nordischen Missionen bekleidete. Mit der Stiftung von 36 Stellen für Jesuitenmissionare in seinen beiden Bistümern, den Nordischen Missionen und Ostasien krönte er am 25.3. 1682 sein Lebenswerk. Er starb am 26.6. 1683 nach einem längeren Steinleiden und wurde in der Paderborner Franziskanerkirche begraben. - F.v.F. kann als eine der bedeutendsten Gestalten der barocken Geistesgeschichte Westfalens und als einer der vielseitigsten Fürstbischöfe der Neuzeit gelten. Seine Kunstaufträge wirkten stilbildend ("Fürstenberger Barock"), zu Lebzeiten genoß er als Dichter, Historiker und Mäzen hohes Ansehen und seine pastoralen Reformbestrebungen wirkten weit über seine Regierungszeit hinaus.

Werke: Autobiographischer Entwurf (Vita von 1664), in: Karl Hauck, Zu geschichtlichen Werken münsterscher Bischöfe, in: Alois Schröer, Monasterium (...), 1966, 337-426; Die Autobiographie Ferdinands v. F., herausgegeben von Helmut Lahrkamp, in: Reimund Haas - Reinhard Jüstel (Hrsgg.), Kirche und Frömmigkeit in Westfalen, 2002, 167-186 - Teilübersetzung: Leben des Fürstbischofs von Paderborn und Münster, F.v.F., von seiner Geburt bis zu seiner Erhebung auf den fürstbischöflichen Stuhl von Paderborn, von ihm selbst geschrieben, in: Georg Theissing (Hrsg.), Sonntags-Blatt für katholische Christen (3), 1844, 38-42.51-57.74-77; Monumenta Paderbornensia ex historia Romana Francica Saxonica eruta et notis illustrata, Paderborn 1669; zweite Auflage: Monumenta Paderbornensia ex historia Romana, Francica, Saxonica eruta, et novis inscriptionibus, notis, ac figuris illustrata, editio altera priori auctior, Amsterdam 1672 (dritte Auflage: Nürnberg/ Leipzig 1713; 4. Auflage: Lemgo 1714) - Übersetzung: Denkmale des Landes Paderborn (Monumenta Paderbornensia). Aus dem Lateinischen übersetzt und mit einer Biographie des Verfassers versehen von Franz Joseph Micus (...), 1844; Poemata Ferdinandi Lib. Baronis de Furstenberg. Accedunt Adoptivorum Carminum Libri II (...), Amsterdam 1671 (erweiterte Auflage: Paris 1684).

Lit.: Maria Barz, Die Wahl Ferdinands v. F. zum Coadjutor von Münster unter Christoph Bernhard von Galen 1667/ 1668 (Diss. Münster), 1920; - Doris Westhoff, F., Fürstbischof von Paderborn, und seine Kunstaufträge, in: Westfäl. Zeitschrift 92/ II (1936), 135-179; - Helmut Lahrkamp, F.v.F. in seiner Bedeutung für die Geschichtsforschung seiner Zeit (Diss. Münster), 1949; - ders., F.v.F. (1626-1683) in seiner Bedeutung für die zeitgenössische Geschichtsforschung und Literatur, in: Westfäl. Zeitschrift 101/102 (1953), 301-400; - ders., F.v.F., in: Westfälische Lebensbilder 8, 1959, 37-56; - ders., F.v.F. - Lebensbild, in: Ferdinand Molinski, F.v.F. - Fürstbischof von Paderborn und Münster 1661-1683 [= Ausstellungskatalog], 1963, 9-25; - ders., F.v.F., in: Fürstenbergische Geschichte, III, 1971, 119-149; - Jörg Ernesti, F.v.F. (1626-1683) - Geistiges Profil eines barocken Fürstbischofs (Habilitationsschrift Mainz); 2004; - Josef B. Nordhoff, Art. F.v.F., in: ADB VI, 702-709; - Klemens Honselmann, Art. F.v.F., Bischof von Paderborn und Münster, in: NDB V, 93f.; - Rudolfine von Oer, Art. Fürstenberg. 2: Ferdinand von, in: LThK3, IV, Sp. 248.

Jörg Ernesti

Literaturergänzung:

Roland Pieper, Carl Ferdinand Fabritius. Veduten u. Altargemälde für d. Paderborner Fürstbischof F.v.F. 1664-1667. Paderborn 2006.

Letzte Änderung: 11.02.2007