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Band II (1990)Spalte 183-184 Autor: Friedrich Wilhelm Bautz

GASSNER, Johann Joseph, kath. Pfarrer und Exorzist, * 22.8. 1727 in Braz (Vorarlberg), † 4.4. 1779 in Pondorf (Donau). - G. studierte in Innsbruck und Prag, empfing 1750 die Priesterweihe und wurde 1751 Frühmeßner in Dalas und 1758 Pfarrer in Klösterle (Bistum Chur). - Nach 15jähriger stiller Wirksamkeit in diesem Amt trat G. als Exorzist auf, zunächst bei sich selbst, bald auch bei anderen. Da die gegen vielfache körperliche Leiden, besonders nervöse Kopfschmerzen, angewandten ärztlichen Mittel vergeblich waren, kam G. zu der Überzeugung, daß seine Krankheit vom Teufel gewirkt sei und nur geheilt werden könne durch die ihm durch die Ordination verliehene Macht, im Namen Jesu Christi Teufel auszutreiben. Der Versuch verlief erfolgreich. Dieses Erlebnis ermutigte ihn, andere in ähnlicher Weise von ihrem Leiden zu befreien. Viele Kranke suchten seine Hilfe. Graf Fugger, Erzbischof von Regensburg, berief ihn 1774 nach Ellwangen. Hier feierte G. in Krankenheilungen seine glänzendsten Triumphe. Auch in Amberg, Sulzbach und Regensburg erregte er durch exorzistische Heilung von Krankheiten großes Aufsehen und veranlaßte dadurch evangelische und katholische Gelehrte zu Untersuchungen über Exorzismus und Wunderkuren. Obwohl die Ingolstädter Universitätskommission G. recht gab, verbot die Wiener Regierung ihm im Herbst 1775 die exorzistische Tätigkeit. Die Erzbischöfe von Prag und Salzburg erklärten sich gegen ihn, und verschiedene Regierungen verboten den Verkauf seiner Schriften. So nahm G.s Wirken als Exorzist ein schnelles Ende. Der Fürstbischof von Regensburg ernannte ihn zum Hofkaplan und geistlichen Rat und verlieh ihm 1776 die Dechantenstelle in Pondorf. - In mehreren Schriften hat G. seine Ansichten über Krankheit und exorzistische Heilung entwickelt: Es gibt böse Geister, die den Menschen nicht nur der Seele nach anfechten, sondern ihm auch dem Leib nach schaden und Schmerzen und Krankheiten verursachen können. Es gibt drei Gattungen der vom Teufel geplagten Menschen: 1. »circumsessi«: angefochtene; 2. »obsessi« oder »maleficiati«: verzauberte; 3. »possessi«: besessene. Die durch den Teufel gewirkten Krankheiten können durch den Exorzismus im Namen Jesu geheilt werden. Augenzeugen berichten, daß G. den Kranken fest anschaute, mit der einen Hand, in der er ein Kreuz hielt, ihm die Stirn, mit der anderen das Genick drückte und den ganzen Körper des Kranken schüttelte, während er die Beschwörungsformel über ihn aussprach.

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Werke: Weise, fromm u. gesund zu leben, auch ruhig u. gottselig zu sterben, oder Nützlicher Unterricht, wider den Teufel zu streiten, durch Beantwortung der Fragen: 1. Kann der Teufel dem Leibe der Menschen schaden? II. Welchem am meisten? III. Wie ist zu helfen?, Kempten 1774 (178712); J. J. G.s Antwort auf die Anm., welche in dem münchner. Intelligenzbl. v. 12. Nov. wider seine Gründe u. Weise zu exorzieren wie auch v. der dt. Chron. u. anderen Zeitungeschreibern gemacht worden, Augsburg 1774 (17758); Tägl. Ermahnungen an alle Christgläubigen, 1775.

Lit.: Ferdinand Sterzinger, Die aufgedeckten G.schen Wunderkuren aus authent. Urkk. beleuchtet u. durch Augenzeugen bewiesen, 1774 (17762); - Johann Salomo Semler, Smlg. v. Briefen und Aufss. über die G.schen u. Schröpferschen Geistesbeschwörungen, 2 Bde., 1775/76; - Allg. Dt. Bibl. 24, 1775, 608 ff.; 27, 1775, 596 ff.; - Staatsbibl. Bamberg, Hs. E IV 22: Die Heilungen des Pfr. G. durch Exorzismen mit versch. Urkk., 1775-79; - Eugen Sierke, Schwärmer u. Schwindler zu Ende des 18. Jh.s, 1874, 222 ff.; - Ludwig Rapp, Hexenprozesse, Innsbruck 1874, 130 ff.; - J. A. Zimmermann, J. J. G., der berühmte Exorzist, sein Leben u. wundersames Wirken, 1879; - Hans Fieger, Don Ferdinand Sterzinger, Bekämpfer des Aberglaubens u. Hexenwahns u. der Pfr. G.schen Wunderkuren, 1907, 169 ff. 263 ff.; - L. Gernhardt, Teufelsbeschwörer J. J. G., in: Münchener med. Wschr. 74, 1927, 1512 f.; - Georg Pfeilschifter, Des Exorzisten G. Tätigkeit in der Konstanzer Diöz. im J. 1774, in: HJ 52, 1932, 401 ff.; - Joseph Hanauer, Der Exorzist J. J. G. Eine Monogr. (Diss. Würzburg, 1950), Bubach 1949; - U. B. Staudenmayer, J. J. G., der Exorzist u. Wunderdoktor, in: Der Daniel. Heimatkundlich-kulturelle Zweimschr. f. das Ries u. Umgebung 7, Nördlingen 1971, H. 4, S. 21 f.; - EuG I/54, 213 ff.; - ADB VIII, 407 f.; - NDB VI, 84 f.; - RGG II, 1204 f.; - Kosch, RD 839 f.

Friedrich Wilhelm Bautz

Literaturergänzung:

1985

Josef Hanauer, Der Teufelsbanner u. Wunderheiler J.J.G. (1727-1779), in: BGBR 19.1985, S. 303-545; -

1990

Josef Hanauer, J.J.G. (1727-1779). Teufelsbanner u. Wunderheiler, in: BGBR 23/24.1989/90, S. 430-439; -

2005

H.C. Erik Midelfort, Exorcism and enlightenment. J.J.G. and the demons of eighteenth century Germany. New Haven 2005.

Letzte Änderung: 09.04.2011