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Band II (1990)Spalte 188-189 Autor: Friedrich Wilhelm Bautz

GEBHARD Truchseß von Waldburg, Kurfürst und Erzbischof von Köln, * 10.11. 1547 in Heiligenberg bei Überlingen aus dem schwäbischen Geschlecht der Reichstruchsessen von Waldburg, † 31.5. 1601 in Straßburg und beigesetzt im dortigen Münster. - G. studierte in Dillingen, Ingolstadt, Löwen und Perugia und erhielt Dompfründen in Augsburg, Köln und Straßburg. Er wurde am 5.12. 1577 mit 12:10 Stimmen gegen Ernst von Bayern zum Erzbischof von Köln gewählt. Am 19.3. 1578 empfing er die Priesterweihe und leistete den Tridentinischen Glaubenseid. Im April 1578 erfolgte die kaiserliche Belehnung und die Aufnahme in das Kurfürstenkollegium. Die päpstliche Bestätigung seiner Wahl erhielt er am 29.3. 1580. Mit der evangelischen Anna Gräfin von Mansfeld, Stiftsdame des Klosters Gerresheim, unterhielt G. seit etwa 1579 ein Liebesverhältnis; er wollte sie heiraten und das Erzstift als weltliches Fürstentum weiterführen. Am 19.12. 1582 sagte sich G. öffentlich von der Kirche los und verkündigte die Gleichberechtigung der beiden Konfessionen und die »Freistellung« des Bekenntnisses für die Domherren. Am 2.2. 1583 fand in Bonn die Hochzeit statt. Das bedeutete Verletzung der »Goldenen Bulle«, der Kölner Erblandesvereinigung von 1550, des »Reservatum ecclesiasticum« von 1555 und des tridentinischen Eides. G. wurde am 1.4. 1583 von Gregor XIII. (s. d.) exkommuniziert und abgesetzt. Das Domkapitel wählte am 23.5. 1583 Ernst von Bayern zum Erzbischof von Köln und sicherte sich dadurch bayrische und spanische Truppenhilfe. G. mobilisierte seine Truppen und erhielt kurpfälzische Hilfe. Es kam zum »Kölnischen Krieg« (1583-88), der für G. ungünstig verlief. Nach der Eroberung der Godesburg bei Bonn am 7.12. 1583 durch bayrisch-spanische Truppen floh G. in das kurkölnische Westfalen, dann in die Niederlande und setzte den Krieg fort mit niederländischen Truppen, die am 23.12. 1587 Bonn eroberten und furchtbar verwüsteten. G. gab 1589 den Kampf auf, siedelte nach Straßburg über und starb dort als protestantischer Domdechant.

Lit.: Johann Heinrich Hennes, Der Kampf um das Erzatift Köln z. Z. der Kf. G. T. u. Ernst v. Baiern, 1878; - Ludwig Keller, Die Gegenref. in Westfalen u. am Niederrhein 1555-1623. Aktenstücke u. Erll., 3 Bde., 1881-95; - Max Lossen, Gesch. des Köln. Krieges I.II, 1882-97; - Ders., Röm. Nuntiaturberr. als Qu. z. Gesch. des Köln. Krieges, in: HZ 75, 1895, 1 ff.; - Joseph Hansen, Der Informationsprozeß De vita et moribus des Kölner EB G. Tr., in: Mitt. des Kölner Stadtarch. 20, 1892, 39 ff.; - Nuntiaturberr. aus Dtld. III/1. 2, bearb. v. dems., 1892/94; - A. Hoeynck, Die Truchsessischen Rel.wirren u. die Folgezeit bis 1590 mit bes. Rücks. auf das Hzgt. Westfalen, in: Zschr. f. vaterländ. Gesch. u. Altertumakunde (Westf.) 52, 1894, II, 1-76; 53, 1895, II, 1-96; - Qu. u. Forsch, auf dem Gebiet der Gesch. IV/1: Die Kölner Nuntistur, bearb. v. Stephan Ehses u. Aloys Meister, 1895; - Gustav Wolf, Aus Kurköln im 16. Jh. (Hist. Stud. 51), 1905; - Theodor Legge, Flug- u. Streitschrr. der Ref.-zeit in Westfalen (RGST 58/59), 1933, 21 ff. 94 ff.; - Günther v. Lojewski, Bayerns Weg nach Köln. Gesch. der bayer. Bist.politik in der 2. Hälfte des 16. Jh.s, 1962; - Schottenloher III, Nr. 30821-30836. 30897-30917; - ADB VIII, 457 II.; - NDB VI, 113 - EC XII, 584 f.; - LThK X, 931 f.; - NCE XIV, 322 f.; - RGG II, 1235 f.; - Biogr. Wb. z. dt. Gesch. 12, 1973, 854 f.

Friedrich Wilhelm Bautz

Letzte Änderung: 30.08.2008