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Verlag Traugott Bautz
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GEISSEL, Johannes von (seit 1839), Erzbischof von Köln, Kardinal, * 5.2. 1796 in Gimmeldingen (Rheinpfalz) als Sohn eines Winzers, † 8.9. 1864 in Köln. - G. studierte seit 1815 an dem von Leopold Liebermann (s. d.) geleiteten Priesterseminar in Mainz und empfing 1818 die Priesterweihe. Er wirkte seit 1819 in Speyer als Professor und Religionslehrer am Gymnasium und wurde 1822 zum Domkapitular und 1836 zum Domdechanten ernannt, am 13.8. 1837 in Augsburg durch den Erzbischof von Bamberg zum Bischof von Speyer geweiht und am 30.8. im Dom zu Speyer inthronisiert. Gregor XVI. (s. d.) ernannte ihn durch Breve vom 24.9. 1841 zum Koadjutor des Erzbischofs Clemens August Droste-Vischering (s. d.) von Köln mit dem Recht der Nachfolge und zum apostolischen Adlninistrator der Erzdiözese Köln und am 15.5. 1842 zum Erzbischof von Ikonium in partibus infidelium. Am 19.10. 1845 starb Clemens August, und es folgte ihm der Koadjutor nunmehr als Erzbischof von Köln. G. wurde am 11.1. 1846 inthronisiert. Pius IX. (s. d.) verlieh ihm am 30.9. 1850 die Kardinalswürde. - G. war einer der bedeutendsten katholischen Bischöfe des 19. Jahrhunderts und ist bekannt als einer der Hauptförderer des »Ultramontanismus« in Deutschland. Als Kirchenpolitiker vertrat er zielbewußt die Machtansprüche der Kurie gegenüber dem Staat. G. bekämpfte den »Hermesianismus« (s. Hermes, Georg) und beendete 1843 die hermesianischen Wirren durch Suspension der Professoren Johann Wilhelm Josef Braun (s. d.) und Johann Heinrich Achterfeldt (s. d.) und Berufung von Franz Xaver Dieringer (s. d.) nach Bonn auf den Lehrstuhl für Dogmatik und Homiletik. G. leitete im Oktober 1848 die von ihm einberufene Versammlung der deutschen Bischöfe in Würzburg, die den Einspruch gegen das landesherrliche »Placet« einstimmig beschloß: »Die versammelten deutschen Bischöfe behaupten das unveräußerliche Recht, mit dem apostolischen Stuhl, dem Klerus und dem Volk frei zu verkehren sowie auch die päpstlichen und bischöflichen Verordnungen und Hirtenbriefe ohne landesherrliches »Placets zu veröffentlichen.« Es gelang G. 1850, den unmittelbaren Verkehr der preußischen Bischöfe mit dem Vatikan unter Ausschaltung der Staatsbehörden durchzusetzen. 1860 berief G. nach mehr als 300jähriger Unterbrechung wieder ein Provinzialkonzil der Kölner Kirchenprovinz, auf dem die »Unfehlbarkeit des Papstes« als Lehre der Kirche ausgesprochen wurde, die dann auf dem »Vatikanischen Konzil« 1870 dogmatisiert wurde. 1842 legte G. den Grundstein für den Weiterbau des Kölner Doms. 1863 war der Dom bis auf die Türme vollständig ausgebaut. G. förderte die Volksmissionen und Priesterexerzitien, die Ausbreitung der Orden und die Gründung von Klöstern und klösterlichen Anstalten. Er führte das »Ewige Gebet« ein und belebte neu die Verehrung der Mutter Gottes im Anschluß an die 1854 erfolgte Dogmatisierung der »Unbefleckten Empfängnis« der Maria. Für den theologischen Nachwuchs gründete G. die Knabenseminare in Neuß 1852 und in Münstereifel 1856. König Ludwig I. von Bayern verlieh ihm 1839 den persönlichen Adel und Friedrich Wilhelm IV. 1855 den höchsten Orden des Landes, den des »Schwarzen Adlers«.
Werke: Hist. Arbeiten, Novellen u. Dichtungen, Reden. - Der Kaiserdom zu Speyer, 3 Bde., 1826-28; Der Kirchensprengel des alten Bist. Speyer, 1832; Die Schlacht am Hasenbühl u. das Königskreuz bei Göllheim, 1835. - Schrr. u. Reden, hrsg. v. Karl Theodor Dumont, I-III, 1869/70; IV ( 2. Aufl. v. G.s Hauptwerk »Der Kaiserdom zu Speyer«), 1876.
Lit.: Acta et decreta sacrorum conciliorum recentiorum Collectio Lacensis, 1870-90, V, 959 ff.; - Franz Xaver Remling, Kard. v. G., Bisch. v. Speyer u. EB zu Köln, im Leben u. Wirken. Saint Urkk.buch, 1873; - Karl Theodor Dumont, Diplomat. Korr. über die Berufung des Bisch. J. v. G. z. Coadjutor des EB Clemens August Frhr. v. Droste zu Vischering v. Köln, 1880; - Johann Anton Friedrich Baudri, Der EB v. K., Kard. G., 1881; - Otto Pfülf SJ, Kand. J. v. G., 2 Bde., 1895/96; - Adolf Beck, Die Kirchenpolitik des EB v. K., J. Kard. v. G. (Diss. Gießen), 1905; - Heinrich Kipper, J. Kard. v. G., EB v. K., 1914; - Johann Heinrich Schrörs, Ein vergessener Führer der rhein. Geistesgeschichte des 19. Jh.s, Johann Wilhelm Josef Braun, 1925, 182 f. 340 ff. 406 ff.; - Alexander Schnütgen, G. u. die Anfänge einer period. kirchl. Publizistik im Kölner Erzbist., in: AHVNrh 112, 1928, 156 ff.; - Hans Neuenhaus, Vom Bauernbub' z. Kirchenfürsten. Der Lebensweg des Kard. EB J. v. G. u. sein Werk, in: Die Pfalz am Rhein 34, 1961, 104 ff.; - Rudolf Gill, Die Beilegung der Kölner Wirren 1840-1842, 1962; - Ders., Die ersten dt. Bisch.konferenzen, 1964; - Ders., J. v. G., in: Rhein. Lb. III, 1968, 133 ff.; - Eduard Hegel, Zum 100. Todestag des Kölner EB J. Kard. v. G., in: Pastoralbl. f. die Diöz. Aachen, Essen u. Köln 16, 1964, 272 ff.; - Karl Lutz, J. G.s Berufung z. Erwecker pfälz. Gesch.bewußtseins, in: Pfälzer Heimat 16, 1965, 141 ff.; - Friedrich Keinemann, Preuß. Erkundigungen über den Speyer Bisch. J. v. G. im Hinblick auf eine Berufung z. Koadjutor der Erzdiöz. Köln (1841), in: AMrhKG 22, 1970, 241 ff.; - ADB VIII, 520 ff.; - NDB VI, 157 f.; - EC V, 1979 f.; - LThK IV, 608; - NCE VI, 314; - Kosch, KU 962 ff.; - RGG II, 1267.
Friedrich Wilhelm Bautz
Literaturergänzung:
1984
Rudolf Lill, Johannes Kardinal von Geissel, in: Jürgen Aretz/Rudolf Morsey/Anton Rauscher (Hrsg.), Zeitgeschichte in Lebensbildern Bd. 6. Mainz 1984; -
1989
Markus Ries, Der Informativprozeß J.G.s anläßl. seiner Ernennung zum Bischof von Speyer im Jahre 1836, in: AmrhKG 41.1989, S, 295-318.
Letzte Änderung: 31.07.2009