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Band II (1990)Spalte 199 Autor: Friedrich Wilhelm Bautz

GELASIUS II., Papst, † 18.1. 1119 in Cluny, beigesetzt daselbst. - Johannes von Gaeta wurde als Knabe dem Kloster Montecassino (Kampanien) auf Lebenszeit übergeben (»oblatus«), damit er in der Klosterschule erzogen und unterrichtet und als Erwachsener unter seine Mönche aufgenommen werde. Er wurde 1088 Kardinaldiakon und Leiter der päpstlichen Kanzlei. Am 24.1. 1118 wählte das Kardinalskollegium ihn heimlich als G. II. zum Nachfolger des am 21.1. 1118 verstorbenen Paschalis II. (s. d.). Unmittelbar nach der Wahl überfiel Cencio, ein Sproß des römischen Adelsgeschlechts der »Frangipani« und Parteigänger Heinrichs V. (s. d.), mit einer bewaffneten Schar G. und nahm ihn gefangen, mußte ihn aber wieder freilassen, weil die Römer zu den Waffen eilten und seine Freigabe dringend forderten. Als Heinrich V., ohne dessen Kenntnis die Wahl des neuen Papstes erfolgt war, in Eilmärschen aus der Lombardei heranrückte, floh G. aus Rom und fand Zuflucht in seiner Vaterstadt Gaeta, wo er am 10.3. 1118 geweiht wurde. Da G. die Rückkehr nach Rom verweigerte und in der Investiturfrage keine Verständigung erzielt werden konnte, ließ der Kaiser am 8.3. 1118 den Erzbischof Mauritius von Braga (Portugal) als Gregor VIII. (s. d.) zum Gegenpapst wählen. G. sprach am 7.4. 1118 in Capua über Heinrich V. und Gregor VIII. den Bann aus. Als der Kaiser Rom verließ, kehrte G. dorthin zurück. Mit Mühe entkam er einem erneuten Überfall der »Frangipani« und floh nach Frankreich. G. hielt im Januar 1119 in Vienne eine Synode und ließ sich dann in Cluny nieder. Bevor das große geplante Konzil zur Beilegung des Investiturstreits stattfand, starb er.

Lit.: MPL 163, 473 ff. (Vita u. Briefe); - LibPont II, 311 ff.; - Jaffé I, 775 ff.; II, 714; - C. Gaetano, Vita del pontifice G. II, 1802; - Julius v. Pflugk-Harttung, Acta pontificum Romanorum inedita I, 1880, 115; II, 1884, 217 ff.; - Josef Langen, Gesch. der röm. Kirche III, 1893, 271 ff.; - Heinrich Gerdes, Gesch. des dt. Volkes u. seiner Kultur im MA. II: Gesch. der salischen Kaiser u. ihres Zeit, 1898, 354 ff.; - August Brackmann, in: NA 37, 1912, 615 ff.; - Richard Krohn, Der päpstl. Kanzler Johannes v. Gaëta (Diss. Marburg), 1918; - G. Caetani, Domus Caetana I/1, 1927, 23 ff.; - Pier Fausto Palumbo, Lo Scisma del 1130, Rom 1942; - Reinhard Elze; Die päpstl. Kapelle im 12. u. 13. Jh., in: ZSavRGkan 36, 1950, 145 ff.; - Ferdinand Gregorovios, Gesch. der Stadt Rom im MA, neu hrsg. v. Waldemar Kampf, II, 1954, 164 ff.; - Odilo Engels, Johannes v. Gaeta als Hagiograph. Ein Btr. z Gesch. der Stilschule v. Montecassino (Diss. Bonn), 1954 (Tldr. in: QFIAB 35, 1955, 1 ff.); - Ders., Die Herasmuspassio Papst G.' II. Mit Text, in: RQ 51, 1956, 16 ff.; - Ders., Die hagiogr. Texte Papst G.' II. in der Überl. der Eustachius-, Erasmus- u. Hypolistuslegende, in: HJ 76, 1957, 118 ff.; - Dietrich Lohrmann, Die Jugendwerke des Johannes v. Gaeta, in: QFIAB 47, 1967, 355 ft.; - Haller II, 503 ff.; - Seppelt III, 151 ff.; - LexP 89 f.; - Hefele-Leclercq V, 563 ff.; - RE VI, 475 ff.; - RGG II, 1308 f.; - LThK IV, 631.

Friedrich Wilhelm Bautz

Literaturergänzung:

1989

Francois Dolbeau, Recherches sur les oeuvres littéraires du pape Gélase II. Une vie inédite de Grégoire de Nazianze (BHL 3668 d), attribuable à Jean de Gaète, in: AnBoll 107.1989, S. 65-127; - Ders., Recherches sur les oeuvres littéraires du pape Gélase II. B) Subsiste-t-il d'autres travaux de Jean de Gaète?, in: ebd. S. 347-383; -

2002

Stephan Freund, Est nomen omen? Der Pontifikat Gelasius II (1118-1119) u.d. päpstl. Namensgebung, in: AHP 40.2002, S. 53-83; -

2007

Ursula Vones-Liebenstein, Le faux privilège de Gélase II pour Psalmodi, ou Saint-Silvestre de Teillan, une église convoitée, in: L'acte pontifical et sa critique. Bonn 2007, S. 87-109.

Letzte Änderung: 19.06.2009