GIBBONS, James; Erzbischof von Baltimore (Maryland), Kardinal; * 23. Juli 1834 in Baltimore, Maryland, USA; † 24. März 1921 ebd.; Präsident William H. Taft lobte Gibbons einst für seinen Patriotismus und seine Liebe zu den USA. Ein weiterer Präsident, Theodore Roosevelt sagte zu ihm: "Wenn ich ihr Leben als Ganzes betrachte, denke ich, daß sie der am meisten respektierte, geehrte und nützlichste Bürger unseres Landes sind." Der, dem dieses Lob galt, begann sein Leben armselig in einem Mietshaus in der Gray Street im Schlafzimmer seiner Eltern Thomas und Bridget Gibbons, von wo aus man einen guten Blick auf die Kathedrale hatte, die im weiteren Verlauf des Lebens von James Gibbons noch eine große Rolle spielen sollte. Doch zunächst war seine Kindheit in Baltimore aufgrund einer plötzlichen Erkrankung des Vaters recht kurz bemessen. Auf Anraten seines Arztes verließ Thomas Gibbons mit seiner Frau Bridget und ihren drei Söhnen und drei Töchtern 1837 Baltimore. Sie kehrten zurück nach Irland, das sie kurz nach ihrer Heirat 1829 verlassen hatten. In Irland angekommen eröffnete James´Vater in Ballinrobe, Co. Mayo einen Gemüseladen und seine Mutter nahm Gelegenheitsarbeiten an, um zum Unterhalt der Familie etwas dazu zu verdienen. Die Kinder besuchten die örtliche Schule, wo James nach verschiedenen Aufzeichnungen bald als Athlet und Musterschüler bekannt war. Vielen seiner damaligen Klassenkameraden blieb er ein Leben lang freundschaftlich verbunden. Ausschlaggebend für die Rückkehr der Familie Gibbons nach Irland war wie gesagt die angeschlagene Gesundheit von Thomas Gibbons. Doch auch daheim stellte sich keine Genesung ein. Über die Jahre verschlimmerte sich der Gesundheitszustand von James´ Vater und 1847 starb er. Der Tod ihres Mannes und die durch die great famine katastrophal gewordenen Lebensbedingungen veranlaßten die noch junge Witwe Bridget Gibbons mit ihren Kindern in die USA zurückzukehren. Nach einem Schiffbruch auf den Bahamas landete die Familie schließlich in New Orleans. Der inzwischen dreizehnjährige James setzte die Schule fort und arbeitete später noch nebenher in einem Gemüseladen, um zum Unterhalt der Familie beizutragen. Der Besitzer des Ladens, William Raymond, erkannte früh die Talente des jungen James und versuchte ihn zu einer Karriere in seinem Geschäft zu gewinnen. Doch der (oder auch Gott) hatte andere Pläne. 1854 kam der neunzehnjährige James in der St. Joseph´s Kirche in Kontakt mit dem Redemptoristenpater Isaac Hecker. Dieser begeisterte James so sehr, daß er sich dazu entschloß selbst Priester zu werden. So kündigte James 1855 bei William Raymond und ging nach St. Charles in Ellicott City, Maryland, um dort seinen College Abschluß zu machen. Danach ging er 1857 ans St. Mary's Priesterseminar nach Baltimore. Am 30. Juni 1861 wurde James von Erzbischof Martin John Spalding zum Priester geweiht. Nach sechs Wochen Vertretungsdienst in der St. Patrick´s Pfarrei in Baltimore kam er an die Pfarrei St. Bridget´s, wo er während des folgenden Sezessionskrieg als Militärkaplan im nahen Fort McHenry die katholischen Soldaten betreute. 1865 wurde Gibbons dann zum Sekretär von Erzbischof Spalding berufen und half in dieser Funktion auch bei der Planung der zweiten Bischofsvollversammlung aller katholischen US Bischöfe in Baltimore. Zur Überraschung vieler wurde James auf der Vollversammlung für den Posten des Apostolischen Vikars für North Carolina vorgeschlagen. Am 3. März 1868 wurde er zum Titularbischof von Adramyttium (an der Westküste der heutigen Türkei gelegen) geweiht. Er war damals der jüngste aller katholischen Bischöfe weltweit. Das Apostolische Vikariat North Carolina umfaßte den ganzen gleichnamigen Staat und hatte 1868 weniger als siebenhundert Katholiken. Gibbons wirkte mit seelsorgerlichem Eifer und erreichte während seiner Zeit in North Carolina zahlreiche Konversionen zum Katholizismus. Wiederum als jüngster Bischof nahm er am I. Vatikanischen Konzil teil, wo er das Dogma der päpstlichen Infallibilität unterstützte. Im Januar 1872 wurde er zum Administrator und am 30. Juli desselben Jahres zum Bischof der neu errichteten Diözese Richmond bestellt. In Richmond sorgte sich Gibbons vor allem um das Bildungswesen und die Lehrerausbildung für die katholischen Bildungsstätten des Bistums. Auf Wunsch von Erzbischof James Roosevelt Bayley von Baltimore wurde Gibbons am 25. Mai 1877 zu dessen Koadjutor mit dem Recht der Nachfolge ernannt. Als Bayley am 3. Oktober 1877 starb, wurde Gibbons Nachfolger auf dem Premier See der katholischen Kirche in den USA. - Die ersten zehn Jahre seines Wirkens als Erzbischof von Baltimore sind von keinen großen Neuerungen oder Programmen geprägt. Er übernahm die Diözese wohlgeordnet. Obgleich er die Vermehrung der pfarrlichen Gruppen und Vereine, der Lesezirkel und "Ritterschaften" nicht vorantrieb, so beschnitt er sie doch auch nicht. Die größten Sorgen bereiteten ihn zu dieser Zeit die zahlreichen neuen Emigranten (vornehmlich aus Böhmen, Polen, Litauen und Italien), welche in die von Angloamerikanern, Iren oder Deutschen dominierten Pfarreien strömten. So mußte er oft zwischen den Nationalitäten vermitteln. 1884 wurde Gibbons vom Papst auserkoren, der dritten Bischofsvollversammlung in Baltimore vorzustehen, eine Aufgabe, für die er zunächst wenig Enthusiasmus zeigte. Am 7. Juni 1886 wurde er zum Kardinal ernannt, der zweite Amerikaner, der diese Würde erhielt. Am 17. März 1887 weilte er in Rom, um den Kardinalshut in Empfang zu nehmen. Eine Woche später hielt er in seiner Titelkirche, Santa Maria in Trastevere, eine bewegte Predigt, in der er sein Heimatland und dessen politische Prinzipien pries. In Rom tat er sich mit drei anderen Amerikanern zusammen, um einige akute Probleme in der Heimat zu lösen. Kardinal Gibbons, Bischof John Ireland von St. Paul, John Keane, der designierte Rektor der Catholic University, die in Washington D.C. errichtet werden sollte, und Denis O´Connell, der Regens des Nordamerikanischen Kollegs in Rom bildeten eine verschworene Gemeinschaft und gewannen miteinander gegen den Widerstand von Erzbischof Corrigan von New York und der Jesuiten die Genehmigung zur Errichtung der Catholic University in Washington. Die vier verhinderten daneben auch eine römische Verurteilung der Knights of Labor sowie der Werke von Henry George. Diese wurde von Erzbischof Corrigan gefordert. Einer von Corrigans Priestern, Edward McGlynn, ergriff allerdings trotz der Behinderung durch Erzbischof Corrigan Partei für Henry George, den Corrigan sozialistischer Gedanken überführen wollte. Danach wehrten die vier erfolgreich eine Petition der deutschen Katholiken in den USA nach mehr Autonomie in den Gemeinden ab. Gibbons Einsatz für die Knights of Labor brachten ihm den Ruf als Anwalt der Arbeiterklasse ein. - Gibbons, Ireland, Keane und O´Connell wurden zu den Führern der Liberalen innerhalb der katholischen Hierarchie in den USA, während Erzbischof Corrigan von New York und Bischof McQuaid von Rochsester sowie einige der deutschstämmigen Bischöfe das konservative Lager repräsentierten. 1891 brach sich die Unzufriedenheit der Deutschen in der katholischen Kirche der USA erneut Bahn. Berühmt ist bis heute Gibbons flammende Predigt, die er daraufhin 1891 in der Kathedrale von Milwaukee, Wisconsin, gehalten hatte, und in der er all diejenigen scharf angriff, welche durch eigennützige ethnische Interessen Zwietracht unter den Katholiken Amerikas säten. - Obgleich Gibbons bislang Pfarreischulen gefördert hatte, stellte er sich 1891 doch auf die Seite von Ireland und dessen Faribault Plan, nach der die Pfarreischulen in das öffentliche Schulsystem eingegliedert werden sollten (Faribault war eine Gemeinde in Minnesota, in der die Pfarreischule unter die Aufsicht der staatlichen Schulbehörde gestellt wurde. Damit einher ging die Angleichung des Lehrstoffs an nationale Standards. Außerdem wurde Englisch Hauptunterrichtssprache). Dagegen opponierten Corrigan, McQuaid und die Jesuiten, die eine zu starke Einflußnahme des Staates auf die katholische Bildung befürchteten. Ihrem Protest schlossen sich die deutschen Bischöfe an. Diese befürcheteten die Aufgabe der deutschen Sprache im Unterricht. Rom stellte sich zunächst auf die Seite Gibbons und Irelands, entsandte jedoch 1893 einen ständigen apostolischen Nuntius, Francisco Satolli in die Vereinigten Staaten, um in der Schulsache und anderen Konflikten zu vermitteln und eine einvernehmliche Lösung zu erreichen. Zunächst unterstützte Satolli Gibbons und die Liberalen. Er befand den Faríbault Plan für gut und er sorgte für die Aufhebung der Exkommunikation von Edward McGlynn, mit der dieser wegen seiner Parteinahme für Henry George von Erzbischof Corrigan belegt worden war. Unglücklich über Gibbons und Keane´s Teilnahme am World´s Parliament of Religions 1893 ging Satolli auf Distanz zu den Liberalen. Als Gibbons 1895 dann auch noch versuchte, von Rom eine Verurteilung diverser katholischer Geheimgesellschaften zu erreichen, wechselte Satolli ganz ins Lager der Konservativen über und setzte sich nun energisch für den Erhalt der unabhängigen Pfarrschulen und der deutschen Sprache in den Schulen ein. Den Triumph der Konservativen komplettierten 1895 die Abberufung O´Connell´s als Regens des Nordamerikanischen Kollegs in Rom und 1896 die von Keane als Rektor der Catholic University. Trotz dieser Rückschläge fuhren Gibbons, Ireland, Keane und O´Connell fort, eine Agenda zu erarbeiten, die eine Amerikanisierung der katholischen Kirche in den USA und darüber hinaus zum Ziel hatte. Schwerpunkte dieser Agenda waren die Anerkennung der Trennung von Kirche und Staat sowie die Adaption demokratischer Strukturen und Verfahrensweisen durch die katholische Kirche. Durch das Tun der vier alarmiert und aufgeschreckt, stürzten sich europäische Konservative nun auf eine Biographie über den Gründer der amerikanischen Kongregation vom Heiligen Paulus, Isaac Hecker, zu der Ireland ein glühendes Vorwort verfaßt hatte, um vom Heiligen Stuhl eine Verurteilung der darin enthaltenen American Aberrations zu erreichen. Am 22. Januar 1899 wurde Gibbons das päpstliche Schreiben Testem benevolentiae zugestellt, das die Häresie des Amerikanismus verdammte. Neben der Annäherung an die neuzeitlichen Gegebenheiten in Staat und Politik, wurden die besondere Betonung der aktiven Tugenden und des inneren Wirkens des Heiligen Geistes verurteilt und ein von Rom getrennter Weg in der Kirche verneint (der deutsche Text des Schreibens ist nachzulesen bei Heinrich Denzinger / Peter Hünermann, Enchiridium Symbolorum, 37. Auflage, Freiburg 1991, 3340-3346: Brief "Testem benevolentiae" an den Erzbischof von Baltimore, 22. Jan. 1899) - Trotz dieses verheerenden Schlags gegen die Amerikanisten als Gruppe blieb Gibbons doch der Sprecher der katholischen Kirche in den USA und erfüllte diese Rolle glänzend. Seine öffentlichen Äußerungen erhielten wachsende Beachtung. Seine Anwesenheit und Auftritte bei nationalen Ereignissen, bei denen er regelmäßig seine Liebe zur Nation und zur Demokratie beschwörte, brachten ihm zunehmend mehr Medieninteresse ein. Gibbons baute herzliche Freundschaften zu mehreren US Präsidenten auf, speziell zu Theodore Roosevelt. Zu Gibbons 50. Priesterjubiläum stand in der Hauptstadt praktisch das gesamte öffentliche Leben still, damit jeder Politiker von Rang nach Baltimore kommen konnte, um Gibbons seinen Respekt zu erweisen. Ein Teil von Gibbons Popularität stammt von den Werken, die er schrieb. Faith of Our Fathers (1876) wurde viele Male neu aufgelegt. Weite Verbreitung fanden auch Our Christian Heritage (1889), Ambassador of Christ (1896), Discourses and Sermons (1908) und A Retrospect of Fifty Years (1916). Daneben schrieb er zahlreiche Artikel für so vielgelesene Magazine wie die North American Review und das Putnan´s Monthly. Sein Schreibstil war schnörkellos und unwiderstehlich. Viele Protestanten schauten und hörten auf Gibbons, wenn es um die Darstellung der katholischen Position zu aktuellen Themen und Streitfragen ging. Gibbons Ansichten waren jedoch nicht immer konsistent. Während des Spanisch-Amerikanischen Krieges war er Pazifist und verurteilte den Waffengang als unchristlich. Zu Beginn des I. Weltkrieges hingegen propagierte er die Notwendigkeit der Kriegsbereitschaft für die USA und als die USA schließlich in den Krieg eingetreten waren, ermutigte er junge Katholiken sich freiwillig für diesen Kampf zu melden und stolz auf darin erlittene Wunden zu sein. Anfänglich war Gibbons gegen jede Form eines amerikanischen Imperialismus. Unter dem Einfluß seiner Freunde Roosevelt und Taft jedoch drängte er die katholischen Bischöfe der USA dazu gegen die Jones Act Stellung zu nehmen, die versuchte das American Empire auseinander zu nehmen. Auf lokaler Ebene unterstützte Gibbons solch fortschrittliche Maßnahmen wie Städteplanung, öffentliches Gesundheitswesen, Verbraucherschutz und den Kampf gegen Ausbeuterbetriebe. Auf nationaler Ebene opponierte er die Siebzehnte, Achtzehnte und Neunzehnte Verfassungsänderung. Und die Liste seiner Äußerungen gegen die Suffragettenbewegung ist erschreckend lang. Bis zum Tag seines Todes übte Gibbons unglaubliche Macht aus innerhalb der katholischen Kirche der USA. Bis zuletzt leitete er das seit 1890 übliche Jahrestreffen der amerikanischen Erzbischöfe. Er war Mitbegründer und Präsident des National Catholic War Council und nach dessen Umwandlung 1919 auch Präsident des National Catholic Welfare Council. Bis zuletzt lehnte er einen Koadjutor für sein Bistum ab und leitete bis wenige Tage vor seinem Tod alle Amtsgeschäfte seiner Diözese. Nach nur wenigen Krankheitstagen verstarb Gibbons im Alter von siebenundachtzig Jahren am 24. März 1921 in Baltimore. - Mehr als alle anderen Katholiken, selbst mehr als John Carroll, war James Gibbons von seinem Land ergriffen. Er war stattlich und gut aussehend, gesellig und kontaktfreudig und selten sah man ihn ohne ein Lächeln auf den Lippen. Was seinen Ruf anbelangt, nennen ihn einige konziliär aber übervorsichtig. Manche Querulanten sehen in Gibbons einen eitlen, verschlagenen oder furchtsamen Menschen. Die meisten seiner Zeitgenossen ehrten ihn jedoch als sicheren, umsichtigen und standfesten Menschen. Mit beruhigenden Worten und entwaffnender Rhetorik gewann er die Zuneigung und Hochachtung selbst von denen, deren Erwartungen er nicht erfüllen konnte oder wollte. Still und leise arbeitete er daran die katholische Lay Congress Bewegung zu entschärfen, während er zugleich die Leistung und Mühen der Laien in der Kirche lobte. Obgleich er, was seine geschriebenen Artikel anging, auch weiterhin die Sache der Arbeiter vertrat, so ließ seine praktische Arbeit mit und für die labor unions doch viel zu wünschen übrig. Während er selbst ein Gesetz bekämpfte, welches die Aberkennung er Bürgerrechte für die Schwarzen Marylands zum Inhalt hatte, mahnte er auf einem Kongreß der katholischen Afro-Amerikaner Weisheit, Nachsicht, Besonnenheit und Diskretion an. Während er Frauen für ihre Tugenden, ihre Arbeit und ihre Frömmigkeit lobte, machte er gleichzeitig keinerlei Versuche, seine Verachtung für Feministinnen und Frauenrechtlerinnen zu verbergen. Während dank der Person Gibbons Ansehen und Prestige der Erzdiözese Baltimore zunahmen, ging im Vergleich zu vielen anderen wachsenden Diözesen in Gibbons Diözese der Anteil der Katholiken an der Gesamtbevölkerung doch deutlich zurück. Auch im Blick auf Neugründungen von Schulen und anderen kirchlichen Einrichtungen bildete Baltimore beinahe das bundesweite Schlußlicht. Gibbons war ebenso wenig Gründer von Einrichtungen wie er ein "Mauerbauer" war. Er wollte die Emigranten in seiner Diözese so schnell als möglich in die Gemeinden integrieren, ja amerikanisieren. Hierin und auch in anderen Punkten ähnelte er dem ersten Bischof von Baltimore, John Carroll. Wie dieser war Gibbons sehr ökumenisch eingestellt, das belegen seine vielfältigen Kontakte und Beziehungen zu Vertretern anderer Konfessionen. Im Blick auf seine Beteiligung an civic affairs wurde Gibbons wie Carroll nicht müde das Lob auf die amerikanischen Tugenden, Einrichtungen und Prinzipien anzustimmen. Und wie Carroll so konnte auch Gibbons römische Direktiven sehr weit und großzügig auslegen oder auch einfach ignorieren. Bei Gibbons Tod war die Diözese Baltimore nicht gerade in gutem Zustand. Gibbons scheute Verwaltungsakte, die seine Verantwortung forderten oder seinen Ruf beinträchtigen konnten. Er beachtete auch kaum die Beschlüsse der Konzilien, denen er vorstand. Der apostolische Legat, Giovanni Bonzano, riet den römischen Behörden in einem Brief zwei Wochen nach Gibbons Tod, daß in Zukunft keinem amerikanischen Bischof die Macht zugestanden werden dürfe, die Gibbons innehatte. Doch berichtete Bonzano auch von den guten Seiten Gibbons. So schaffte er es protestantische Bigotterie und Intoleranz zu besänftigen und das Ansehen der katholischen Kirche in der amerikanischen Öffentlichkeit deutlich zu steigern. Durch sein Taktgefühl wurde er Freund der Menschen jeder Herkunft, Rasse und Religion. So wurde er am Ende seines Lebens als Patriot, Bürger und Staatsmann geehrt, dessen Worte zu nationalen Problemen und Fragen stets befriedend und gerecht waren. Fünf Jahre vor Gibbons Tod faßte die Sun in einem Artikel sein Leben gleichsam zusammen: "The Catholic Church has given many distinguished prelates and priests to its work in this country, but none who has inspired the same general confidence and the same earnest esteem. To all he seems to speak in their own tongues by some Pentecostal power, or by some subtle affinity that makes nothing human foreign to him." Gibbons war zweifellos die schillerndste Gestalt des amerikanischen Katholizismus während des 19. Jds.
Werke: "The Faith of Our Fathers, being a plain exposition and vindication of the Church formed by our Lord Jesus Christ" (Baltimore / New York 1876); "Our Christian Heritage" (Baltimore 1889); "Personal Reminiscences of the Vatican Council" (North American Review 1894); "Ambassador of Christ" (Baltimore 1896), "True Manhood" (Chicago 1907); "Discourses and Sermons" (Baltimore 1908) "A Retrospect of Fifty Years" (Baltimore / New York 1916); "My Memoirs" (veröffentlicht in der Dublin Review 1917). - Darüber hinaus hat Kardinal Gibbons unzählige Artikel zu Zeitthemen, zu religiösen und politischen Inhalten in seiner wöchentlich erscheinenden Bistumszeitung veröffentlicht. Von 1850 - 1908 hieß diese "The Catholic Mirror" ab 1913 dann "The (Baltimore) Catholic Review". Die Ausgaben sind auf Mikrofilm gespeichert und werden im Diözesanarchiv von Baltimore sowie in den Maryland Sate Archives aufbewahrt.
Quellen: J.T. Reily (Hrsg.), Collections in the Life and Times of Cardinal Gibbons, 7 Bde., Baltimore 1890-1903.
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