GLÜSING, Johann Otto, Sektierer, * 1575/76 als
Pfarrerssohn in Altenesch bei Delmenhorst, † 2.8.
1727 in Altona. - G. studierte 1696-1700 in Jena
Theologie und hielt als Hauslehrer in Kopenhagen
»collegia pietatis« ab; es sind dort die ersten Spuren
des Pietismus. Er entwickelte sich vom Pietisten zum
Schwärmer und übte an den kirchlichen Verhältnissen
scharfe Kritik. Auch als Hauslehrer in Oslo hielt er
religiöse Versammlungen ab und setzte die Angriffe gegen die Kirche fort; er wurde deswegen ausgewiesen. Von März 1708 bis Februar 1709 war G.
in Hamburg. Da das dortige geistliche Ministerium
von seiner sektiererischen Tätigkeit erfuhr, ging er
nach Altona, das damals eine Freistatt für Sektierer
und Schwärmer war. Die Einäscherung der Stadt durch
die Schweden 1713 veranlaßte ihn zur Rückkehr nach
Hamburg. Dort konnte G. bis 1725 ungestört wirken.
Da kam es zu neuen Verfolgungen in Friedrichstadt,
wo er Anhänger hatte. Im Februar 1726 wurde er aus
Hamburg ausgewiesen und fand Unterschlupf in Altona. - G. gehörte zu der von Johann Georg Gichtel
(s. d.) begründeten Gemeinschaft der »Engelsbrüder«
oder »Gichtelianer«. Die Sekte hat nach seinem Tod
in Altona und Hamburg noch weiter bestanden.
Lit.: Johann Andreas Bolten, Hist. Kirchen-Nachr. v. der Stadt
Altona u. deren verschiedene Rel.parteien II, Altona 1791, 102
ff.; - O. Olasen, Sekteriske Bevaegelser i Kristiania omkring
1706, in: Teologisk Tidaskrift for den Evangeliak-Lutherske Kirke i Norge NR I, Christiania 1871, 190 ff.; - Karl Bertheau,
Philipp Georg Wihten u. J. O. G., in: Mitt. des Ver. f. Hamburg. Gesch. I, 1878, 130 ff.; - J. Pedersen, Forsamlinger i
København 1704-06, in: TT(K) 5. R., Bd. 7, 1936, 256 ff.; -
Hans Haupt, Der Altonser Sektierer J. O. G. u. sein Prozeß v.
1725/26, in: Schrr. des Ver. f. Schleswig-Holstein. KG, 2. R.,
Bd. 11, 1952, 1360 ff.; - DBL VIII, 182 f.; - ADB IX, 258 ff.; -
NDB VI, 472 f.
Friedrich Wilhelm Bautz
Letzte Änderung: 09.04.2011