GOLDSCHMIDT, Lazarus (Elieser ben Gabriel; Pseudonym: Arselaj bar Bargelaj), Orientalist, geb. 17. Dezember 1871 in Plungiany (Litauen), gest. 18. April 1950 London. - G. besuchte die Jeschiwa Slobodka in Kowno. Seit 1890 studierte er Orientalistik (vor allem die äthiopische Sprache) an den Universitäten Berlin und Straßburg. Eine akademische Stellung hatte er zeitlebens nicht inne. Als Privatgelehrter ließ er sich in Berlin nieder und begann eine intensive Forschungsarbeit im Bereich der semitischen Sprachen und Literatur. Bekannt wurde G. zum einen durch die Herausgabe des "Sefer Yezirah" (Sepher Jesirah. Das Buch der Schöpfung, Frankfurt am Main 1894; Nachdruck: Darmstadt 1969), zum anderen und in erster Linie durch die Herausgabe und erstmalige vollständige Übertragung des Babylonischen Talmud (Acht Bände: Leipzig 1897-1909 [Anastatischer Neudruck: Berlin und Wien 1925]; Ausgabe in neun Bänden und einem Supplementband: Berlin 1925/1926; Nach der ersten zensurfreien Ausgabe unter Berücksichtigung der neueren Ausgaben und handschriftlichen Materialien neu übertragen [in zwölf Bänden]: Berlin 1930-1936). Er beanspruchte, den Text "möglichst sinn- und wortgetreu" übersetzt zu haben. Sein Werk, eine wissenschaftliche Pionierleistung, ist bis heute nicht übertroffen und noch in jüngster Zeit mehrfach nachgedruckt worden (Berlin 1964-1967; Königstein im Taunus 1980/81; Darmstadt 1996; Frankfurt am Main 2002). 1933 emigrierte G. nach London. Später nahm er die britische Staatsbürgerschaft an. Unter seinen zahlreichen Veröffentlichungen finden sich weitere Übersetzungen, darunter des Koran (El-Koran, das heißt die Lesung: die Offenbarungen des Mohammed Ibn Abdallah, zur Schrift gebracht durch Abdelkaaba Abdallah Abu-Bekr, Berlin o.J. [1916]; Wiesbaden 1993; Frechen 2000; Reproduktion auf CD-Rom herausgegeben von K. Gulich, Düsseldorf o.J. [2001]) und biblischer Texte (u.a.: Die heiligen Bücher des alten Bundes. Drei Bände, Berlin 1921 / 1923 / 1925), talmudische Studien, Untersuchungen zur Druckgeschichte der Hebräischen Bibel (The Earliest Editions of the Hebrew Bible, New York 1950) und bibliograpische Arbeiten zu hebräischen Inkunabeln (Hebrew Incunables. A Biographical Essay, Oxford 1948). Daneben veranstaltete G., der auch als bibliophiler Sammler hervortrat (vgl.: Sammlung Lazarus Goldschmidt. Bibliophile Abteilung nebst Beiträgen aus anderem Besitz [Versteigerungskatalog], Berlin 1925), Faksimiledrucke und Neuausgaben klassischer (z.B.: Sepher Hajaschar. Das Heldenbuch: Sagen, Berichte und Erzählungen aus der israelitischen Urzeit, Berlin 1923) und neuerer Schriften.
Schriftenverzeichnis und Lit.: Jüdisches Lexikon. Band II, Berlin 1927, 1189-1190; - Große Jüdische National-Biographie. Herausgegeben von S.[alomon] Wininger. Zweiter Band, Czernowitz 1927, 459; - Encyclopaedia Judaica. Siebenter Band, Berlin 1931, 486-487; - Bibliographica Judaica. Verzeichnis jüdischer Autoren deutscher Sprache. Bearbeitet von Renate Heuer. Band 1, Frankfurt / New York 1982, 123; - Joseph Walk: Kurzbiographien zur Geschichte der Juden 1918-1945. Herausgegeben vom Leo Baeck Institute, München / New York / London / Paris 1988, 119; - Lexikon deutsch-jüdischer Autoren. Band 9, München 2001, 142-147; - DBE 4 (1996), 84-85; - DBA II 463, 159-163.
Jeannette Strauss Almstad
Matthias Wolfes
Literaturergänzung:
2009
Talmud - die Sprüche d. Väter. Übers. von L.G. Mit e. Nachw. von Jeremy Adler. München 2009.