Verlag Traugott Bautz |
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GOTTFRIED von Cappenberg, westfälischer Graf und Prämonstratenser, als Heiliger verehrt, * um 1096, † 13.1. 1127 in Ilbenstadt bei Friedberg (Oberhessen). - Die mit den Saliern und Staufern verwandten Cappenberger Grafen gehörten zu den angesehensten, reichsten und mächtigsten Herren des Landes. Im Investiturstreit waren Westfalen und seine Bischöfe überwiegend kaiserlich, nicht päpstlich gesinnt. Erst nach der Schlacht am Wefesholz bei Mansfeld 1115 begann der Umschwung. Im Februar 1121 zog Herzog Lothar von Sachsen mit starker Heeresmacht nach Münster, um den vertriebenen Bischof Dietrich zurückzuführen. Er brachte die Stadt in seine Gewalt. Ein großer Teil von Münster wurde zerstört, auch der alte Dom ging in Flammen auf. Die Grafen Gottfried und Otto von Cappenberg waren auf der Seite Herzog Lothars an dem Kampf um Münster beteiligt und galten als Hauptschuldige an dem Dombrand. Sie bereuten diese Untat, gaben ihr weltliches Leben auf und wandelten ihre Burg in ein Kloster um. Gegen den äußersten Widerstand seines Schwiegervaters, des Grafen Friedrich von Arnsberg, schenkte G. im Einvernehmen mit seinem jüngeren Bruder im Spätherbst 1121 Norbert (s. d.) von Xanten, der 1120 im Tal von Prémontré bei Laon den Prämonstratenserorden gegründet hatte, seinen ganzen Grundbesitz, um darauf drei Prämonstratenserstifte für Männer und Frauen in Cappenberg, Ilbenstadt in der Wetterau und Varlar bei Coesfeld, später noch ein Frauenstift in Averndorp bei Wesel zu errichten. Drei Jahre später wurden G. und sein Bruder Prämonstratensermönche. Seine Gattin Jutta und seine Schwestern Godberga und Beatrix traten in das mit der Propstei Cappenberg verbundene Frauenstift ein. Sein Bruder Otto war seit 1156 Propst in Cappenberg und brachte das Stift zu hohem Ansehen. Fast 7 Jahrhunderte, bis zum Reichsdeputationshauptschluß von 1803, haben die Prämonstratenserstifte Cappenberg, Ilbenstadt und Varlar bestanden. - Obgleich G. trotz mancher Bemühungen nicht offiziell heiliggesprochen wurde, ist seine kirchliche Verehrung anerkannt, ein Offizium in das Missale und Brevier aufgenommen worden. Sein Fest ist der 13., im Orden der 16., im Bistum Münster der 19. Januar.
Friedrich Wilhelm Bautz
Literaturergänzung:
1981
Norbert Bewerunge, Der Ordenseintritt d. Grafen G.v.C., in: AmrhKG 33.1981, S. 63-81
1982
Wilfried M. Grauwen, Godfried van Kappenberg. Hirsau en de bouwgeschiedenis van Ilbenstadt, in: AnPraem 58.1982, S. 314-319; -
2001
G.v.C. zum 875. Todestag (13.01.1127). Hrsg.: Dtsprach. Zirkarie d. Prämonstratenserordens. Windberg 2001; -
2005
Die Viten G.s v.C. Hrsg. von Gerlinde Niemeyer u. Ingrid Ehlers-Kisseler unter Mitw. von Veronika Lukas. Hannover 2005 (=MG SS rer. Germ.; 74).
Letzte Änderung: 09.04.2011