GRAF, Georg, kath. Orientalist, * 15.3. 1875 in Munzingen bei Nördlingen als Sohn eines Schreinermeisters, † 18.9. 1955 in Dillingen (Donau). - G. besuchte das Humanistische Gymnasium und seit 1894 die »Philosophisch-Theologische Hochschule« in Dillingen, empfing 1898 die Priesterweihe und war bis 1930 in der Seelsorge tätig. Er promovierte 1904 in München zum Dr. phil. und 1918 in Freiburg/Breisgau zum Dr. theol. - G.s Lebenswerk galt der Erforschung der christlichen arabischen Literatur. Auf wiederholten Studienreisen seit 1907 sammelte er das Material für seine »Geschichte der christlichen arabischen Literatur«. So war er als Stipendiat der Görresgesellschaft 1910/11 in Jerusalem und Beirut. G. wurde 1930 zum Honorarprofessor für die Literaturen des christlichen Orients an der Theologischen Fakultät der Universität München ernannt. Seine Arbeit fand Anerkennung: er wurde 1946 »päpstlicher Hausprälat«, 1949 Leiter der arabischen Abteilung »Corpus Scriptorum Christianorum Orientalium« in Löwen, 1952 Leiter der orientalischen Sektion der Görresgesellschaft und 1953 Herausgeber des »Oriens Christianus«, dessen Redaktion er seit 1926 angehört hatte. - G. ist bekannt als bahnbrechender Erforscher der christlichen arabischen Literatur. Aus jahrzehntelangen Vorarbeiten erwuchs seine umfassende »Geschichte der christlichen arabischen Literatur« als eine unentbehrliche Grundlage für jede weitere Arbeit auf diesem Gebiet.
Werke: Catalogue des manuscrits arabes chrétiens conservés au Caire, Città del Vaticano 1934; Gesch, der christl. arab. Lit., 5 Bde., ebd. 1944-53; Schrr. des Habib ibn Hidma Abu Ra'ita (mit dt. Übers.), 2 Bde., in: CSCO 130/131, Löwen 1951.
Lit.: Andreas Bigelmair, G. G., in: HJ 75, 1956, 516 ff.; - Hieronymus Engberding, G. G. Nachruf, in: OrChr 40, 1956, 138 ff.; - NDB VI, 722; - LThK IV, 1160; - NCE VI, 687.
Friedrich Wilhelm Bautz
Literaturergänzung:
2005
"Christl. Orient u. schwäbische Heimat". Leben u. Werk von Prälat Professor Dr. theol. Dr. phil. G.G. (15. März 1875 - 18. September 1955). Zsgest. von Hubert Kaufhold. Würzburg 2005.
Letzte Änderung: 09.04.2011