Verlag Traugott Bautz
www.bautz.de/bbkl
Zur Hauptseite
Bestellmöglichkeiten
Abkürzungsverzeichnis
Bibliographische Angaben für das Zitieren
Suche in den Texten des BBKL
Infobriefe des aktuellen Jahres

NEU: Unser E-News Service
Wir informieren Sie vierzehntägig über Neuigkeiten und Änderungen per E-Mail.

Helfen Sie uns, das BBKL aktuell zu halten!



Band II (1990)Spalten 289-290 Autor: Friedrich Wilhelm Bautz

GRATIAN, Flavius Gratianus, weströmischer Kaiser, 359 in Sirmium als Sohn des späteren Kaisers Valentinian I. (s. d.), † (ermordet) 25.8. 383 in Lugdunum (Lyon). - G. wurde am 24.8. 367 zum Augustus erhoben und übte nach dem Tod seines Vaters 375 die Herrschaft selbständig aus, während sein Onkel Valens (s. d.) im Osten regierte. Sein Lehrer Decimus Magnus Ausonius (s. d.) hatte entscheidenden Einfluß auf ihn und bestimmte ihn zu einer Politik der Milde und zur Beilegung des unter Valentinian I. ausgebrochenen Zwistes mit dem Senat. G. residierte meist in Trier, zog aber 378 nach Abschluß der Kämpfe mit den Alemannen nach Sirmium. Valens fiel am 9.8. 378 bei Adrianopel im Kampf gegen die Westgoten. Am 19.1. 379 erhob G. in Sirmium Theodosius I. (s. d.) zum Mitkaiser für den Osten. Im Winter 382/83 residierte er in Mailand, dessen Bischof Ambrosius (s. d.) seit 378 immer stärkeren Einfluß auf ihn gewonnen hatte. Auf die Nachricht, daß Maximus (s. d.) von der Armee in Britannien zum Kaiser erhoben und nach Gallien übergesetzt war, eilte G. dem Usurpator bis Paris entgegen. Da seine Soldaten von ihm abfielen, floh er. - Unter dem Einfluß des Ambrosius, der G. seine Bücher »De fide« und »De Spiritu, Sancto« widmete, entschied sich der Kaiser nach anfänglicher Toleranz kompromißlos für die Orthodoxie. Er ging nun schärfer gegen die Arianer und Donatisten vor, verbot ihre Gottesdienste und gab ihre Kirchen an die Katholiken zurück. Durch mehrere Gesetze begünstigte G. den orthodoxen Klerus. Er befreite alle Kleriker von allen Zwangsämtern und persönlichen Lasten und erklärte den Kleinhandel der Kleriker für steuerfrei. 379 legte G. den Titel des »Pontifex Maximus« ab. Das am 28.2. 380 gemeinsam mit Theodosius I. erlassene Gesetz machte der Religionsfreiheit ein Ende und erhob die katholische Kirche zur alleinberechtigten Staatskirche. Es begann der Kampf gegen die heidnische Religion. Das unbewegliche Vermögen des heidnischen Kultus wurde dem Fiskus überwiesen, die Staatszuschüsse eingestellt und die Vorrechte der Priester und Vestalinnen aufgehoben. 381 entfernte G. den Altar der Victoria aus dem Sitzungssaal des Senats. Er begünstigte auch das Streben des Bischofs von Rom, den Bereich seiner Gerichtsbarkeit über andere Bischöfe auszudehnen.

Lit.: Otto Seeck, Gesch. des Untergangs der antiken Welt V, 1913, 37-158; - Giovanni Costa, Religione e politica nell'Impero Romano, Turin 1923, 304 ff.; - Ernst Stein, Gesch. des spätröm. Reiches I, Wien 1928, 282-311; - Jean Remy Palanque, L'empereur G. et le grand pontificat païen, in: Byzantion 8, 1933, 41 ff.; - Jehler Wytzes, Der Streit um den Altar der Viktoria. Die Texte der betr. Schrr. des Symmachus u. Ambrosius mit Einl., Übers. u. Komm., Amsterdam 1936; - A. Lolari, Il rinovamento dell'Imperio Romano 1, Mailand 1938, 107 ff.; - Roberto Paribeni, Da Diocleziano alla caduta dell'Impero d'Occidente, Bologna 1942, 166 ff. 195 ff.; - André Piganiol, L'Empire Chrétien 325-395, Paris 1947; - András Alföldi, The Conflict of Ideas in the Late Roman Empire; the clash between the Senate and Valentinian I (translated by Harold Mattingly), Oxford 1952; - Georg Ostrogorsky, Gesch. des byzantin. Staates, 19522, 39. 43 f.; - Marcello Fortina, L'Imperatore Graziano, Turin 1955; - Guido Gigli, Il regno dell'imperatore Graziano, Rom 1963; - Gunther Gottlieb, Ambrosius v. Mailand u. Kaiser G. (Hab.-Schr., Heidelberg 1971), Göttingen 1973; - Pauly-Wissowa VII, 1831 ff.; - Kl. Pauly II, 870 f.; - Caspar I, 205 ff. 267 ff.; - Seppelt I, 111-114. 118 f.; - DCB II, 721 ff.; - EC VI, 1029 f.; - LThK IV, 1169; - NCE VI, 706.

Friedrich Wilhelm Bautz

Literaturergänzung:

Paul Dräger, Nochmals: Ein antikes Städtelob auf Trier. Ausonius, Ordo urbium nobilium, u. seine Dankrede an Gratian, in: KurTrJb 45.2005, S. 35-50.

Letzte Änderung: 11.06.2006