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Band II (1990)Spalten 321-322 Autor: Friedrich Wilhelm Bautz

GREGOR XI., Papst, * 1329 in Maumont (Bistum Limoges), † 27.3. 1378 in Rom. - Pierre Roger de Beaufort wurde am 28.5. 1348 von Clemens VI. (s. d.), seinem Oheim, zum Kardinaldiakon von Sta. Maria Nuova ernannt. Er setzte in Perugia seine Studien fort und wurde ein hervorragender Kanonist. Das Kardinalskollegium wählte ihn am 30.12. 1370 in Avignon zum Nachfolger des am 19.12. 1370 verstorbenen Urban V. (s. d.). Vergeblich suchte G. zwischen England und Frankreich Frieden zu vermitteln. Die nationale Erhebung Italiens unter der Führung von Florenz gegen das französische Papsttum gefährdete den Besitz der Kirche in Italien. G. belegte 1376 Florenz mit dem Interdikt. Katharina von Siena (s. d.) reiste 1376 nach Avignon, um die Republik Florenz mit G. zu versöhnen, und bestimmte den Papst zur Rückkehr nach Rom. Am 17.1. 1377 hielt G. unter dem Jubel des Volkes seinen Einzug in Rom. In seinem Auftrag schlug der grausame Kardinal Robert Graf von Genf, der spätere Gegenpapst Clemens VII. (s. d.), als Legat in Oberitalien mit Hilfe bretonischer Söldnerbanden den Aufstand nieder. Durch das von ihm im Februar 1377 angeordnete Blutbad von Cesena erlitt das Papsttum weitere Einbuße an Ansehen. Am 22.5. 1377 erließ G. fünf Bullen gegen John Wiclif (s. d.), die an den Erzbischof von Canterbury, den Bischof von London, an Eduard III., den Kanzler und die Universität gerichtet waren. Von Wiclifs Sätzen wurden 18 als anstößig, irrig, kirchen- und staatsgefährlich verurteilt. Ehe noch von Rom aus ein weiterer Schritt gegen ihn erfolgte, starb G. Es gelang dem Papst nicht, Ruhe und Ordnung im Land zu schaffen. Ende Mai 1377 verließ G. Rom und begab sich nach Anagni. Erst am 7.11. 1377 kehrte er nach Rom zurück.

Lit.: Alessandro Gherardi, La guerra dei Fiorentini con G. XI detta la guerra Otto Santi, Florenz 1867/68; - Johann Friedrich Böhmer, Regesta imperii VIII, 1874-77, 519; - Johann Peter Kirsch, Die Rückkehr der Päpste Urban V. u. G. XI. v. Avignon nach Rom, Paris 1898, 169-262; - Léon Mirot, La politique pontificale et le retour du Saint-Siège à Rome en 1376, ebd. 1899; - Eleonore Freiin v. Seckendorff, Die kirchenpolit. Tätigkeit der hl. Katharina v. Siena unter G. XI., 1917; - Lettres sécrètes et curiales du Pape G. XI relatives à la France, hrsg. v. dems. u. Henri Jassemin, ebd. 1936; hrsg. v. Guillaume Mollat, ebd 1963; - Friedrich Bock, in: QFIAB 31, 1941, 15 ff. 49 ff.; - Guillaume Mollat, Les Papes d'Avignon, 19509, 1222 ff. u. ö.; - Ders., G. XI et sa légende, in: RHE 49, 1954, 873 ff.; - Ders., Relations politiques du G. XI avec les Sienois et les Florentins, in: Mélanges d'archéologie et d'histoire 68, Paris 1956, 335 ff.; - J. Glénisson, Les origines de la révolte de l'État pontifical en 1375, in: Rivista di storia della chiesa in Italia 5, Rom 1951, 145 ff.; - Petrus Amelii, Le Voyage de G. XI ramenant la papauté d'Avignon à Rome, 1376-77, suivi du text latin et de la traduction française de l'Itinerarium G. XI de Pierre Ameilh, Florenz 1952; - Ferdinand Gregorovius, Gesch. der Stadt Rom im MA, II, 1954, 777 ff.; - Lettres de G. XI, 1371-78. Textes et analyses publiés par Camille Tihon, 3 Bde., Brüssel - Rom 1958-64; - Acta G. XI, hrsg. v. A. L. Tautu, Rom 1966; - M. Hayez, Un codicille de G. XI, in: Bibliothèque de l'École des Chartres 126, 1968, 223 ff.; - Seppelt IV, 164 ff.; - LexP 128 f.; - DThC VI, 1807 f.; - Catholicisme V, 242 ff.; - EC VI, 1140 f.; - LThK IV, 1188; - ODCC2 597; - RE VII, 126; - RGG II, 1840 f.

Friedrich Wilhelm Bautz

Literaturergänzung:

1986

Heinrich Schmidinger, Die Rückkehr Gregors XI. nach Rom in d. Berichten d. Cristoforus von Piacenza, in: Ecclesia peregrinans. Josef Lenzenweger zum 70. Geb. Hrsg. von Karl Amon. Wien 1986, S. 133-141.

Letzte Änderung: 16.11.2008