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Band II (1990)Spalten 323-325 Autor: Friedrich Wilhelm Bautz

GREGOR XIII., Papst, 7.1. 1502 in Bologna, † 10.4. 1585 in Rom. - Ugo Buoncompagni lehrte als Professor an der Universität seiner Vaterstadt 1531- 39 das kanonische Recht. Er nahm 1546 und seit 1561 an dem Konzil von Trient teil und wurde 1565 Kardinal und Legat in Spanien und am 14.5. 1572 auf Betreiben des Kardinals Antoine Perrenot de Granvelle (s. d.) Nachfolger des am 1.5. 1572 verstorbenen Pius V. (s. d.). G. war ein zielbewußter Förderer der Gegenreformation im Geist des Tridentinums. Er feierte die Pariser »Bartholomäusnacht« (23./24.8. 1572; s. Coligny, Gaspard de) durch Prozession und eine Denkmünze, unterstützte Heinrich III. von Frankreich gegen die Hugenotten und die irische Aufstandsbewegung gegen Elisabeth von England und betrieb die Ausrüstung und Entsendung der spanischen »Armada«. G. war um die Durchführung der Beschlüsse des Konzils von Trient eifrig bemüht, konnte aber ihre Anerkennung in Frankreich nicht erreichen. Er berief 1573 die »Congregatio Germanica«, einen ständigen Ausschuß von Kardinälen zur Behandlung der deutschen Frage, und errichtete 1581 in Wien, 1582 in Köln und 1586 in Luzern eine ständige Nuntiatur. Unter ihm stieg die Zahl der Nuntiaturen bereits auf 13. G. gründete oder unterstützte 23 von Jesuiten geleitete Seminare in allen Ländern. Er schuf in Rom 1577 das griechische, 1579 das englische und 1584 das maronitische Kolleg, vereinigte 1580 das 1578 von ihm geschaffene ungarische Kolleg mit dem von Ignatius von Loyola (s. d.) gegründeten »Collegium Germanicum« zum »Collegium Germanicum et Hungaricum« und wurde der zweite Stifter des »Collegium Romanum«, der »Gregorianischen Universität«, der jesuitischen Lehranstalt für Philosophie, Theologie und Kirchenrecht. Diese Nationalkollegien schuf G. als Missionsanstalten gegen die alten und neuen Ketzer: »Täglich sehen wir die Kirche mit Hinterlist und Gewalt von ihren Feinden angegriffen. Zu ihren älteren Gegnern, Ungläubigen, Türken und Juden, sind noch neue, Ketzer und Schismatiker, hinzugekommen, die voll Gottlosigkeit und lästerlichen Wahnsinns gegen sie kämpfen. Diesem Angriff setzen Wir nach der Pflicht Unseres Amtes die Uns zu Gebot stehenden Kräfte entgegen und verteidigen nach Vermögen die Völker, die unter Unserem Schutz sind. Der wirksamste Schutz aber und das kräftigste Gegenmittel ist, in den von jener Pest befallenen Ländern die Jugend, deren weicheres Gemüt leicht zum Guten zu wenden sein wird, im katholischen Glauben zu festigen.« G. förderte auch die Mission der Jesuiten in Indien und Japan. In seinem Auftrag reiste Antonio Possevino (s. d.) 1577 nach Schweden, um Johann III. und sein Volk für die katholische Kirche zu gewinnen. Die Konversion des Königs gelang ihm zwar; aber die Wiedereinführung des Katholizismus in Schweden scheiterte, weil die von Johann III. geforderten Reservatrechte, Abendmahl unter beiderlei Gestalt, Priesterehe u. a., nicht zugestanden wurden. 1581 sandte der Papst Possevino nach Polen, um den Frieden zwischen Stephan Bathory und Iwan IV. zu vermitteln und die Union der russischen Kirche mit Rom herbeizuführen. Er erreichte aber vom Zaren nur einige Freiheiten für die römischen Katholiken. Erfolglos waren auch G.s Bemühungen um einen Türkenkrieg zur Befreiung von Byzanz. Um den Streit um die augustinische Gnadenlehre an der Universität Löwen zu beenden, verurteilte G. 1579 durch das Breve »Provisionis nostrae« die Lehre des Michael Bajus (s. d.), nachdem bereits Pius V. 1567 76 Sätze ohne Namensnennung verdammt hatte. Bajus unterwarf sich und blieb als Professor und Kanzler der Universität im Amt. G. beauftragte 1577 eine römische Kommission mit der Revision des »Julianischen Kalenders«, die das Konzil von Trient beschlossen hatte. Einer der Hauptmitarbeiter an der Gregorianischen Kalenderreform war der Jesuit Christoph Clavius aus Bamberg, der seit 1565 am Jesuitenkolleg in Rom lehrte. Diese berichtigte den Fehler des »Julianischen Kalenders«, dessen Ursache die nicht ganz genaue Berechnung der Jahresdauer war, durch Überspringen eines Zeitraumes von 10 Tagen und durch Beseitigung der Schalttage in den Säkularjahren mit nicht durch vier teilbaren Hunderten. G. führte durch die Bulle »Inter gravissimas« vom 24.2. 1582 den neuen Kalender ein, der die Tage vom 5. bis 14.10. 1582 ausfallen ließ. Italien, Spanien, Portugal und Frankreich nahmen 1582 den »Gregorianischen Kalender« an, die meisten katholischen deutschen Reichsstände 1583- 85. Die übrigen Gebiete hielten am »Julianischen Kalender« fest, so daß »alter« und »neuer« Stil mit der Differenz von 10 Tagen nebeneinander herliefen. Die Mehrheit der protestantischen deutschen Reichsstände führte erst 1700 den neuen Kalender ein, zunächst in der Form des »verbesserten« Kalenders. - Die Arbeit der »Correctores Romani«, der von Pius V. zur Besorgung einer kritischen Ausgabe des »Decretum Gratiani« (s. Gratian) 1566 eingesetzten und später bis auf 35 Mitglieder verstärkten römischen Kommission von Kardinälen und Gelehrten, wurde 1580 vollendet, und 1582 erschien - wenn auch unter anderem Titel - die offizielle Ausgabe des »Corpus Iuris Canonici«. - Die großen Ausgaben zur Förderung der Kollegien und Studien und Ausführung von Prachtbauten zerrütteten die päpstliche Finanzwirtschaft.

Lit.: Marc'Antonio Ciappi, Compendio delle heroïche attioni et santa vita di Papa G. XIII, Rom 1596; - C. Clavius, Romani Calendarii a G. XIII P.M. Restituti Explicatio, ebd. 1603; - I. Bompiano, Historia Pontificatus G. XIII, ebd. 1655; - Giampietro Maffei, Degli annali di G. XIII Pontifice Massimo, 11 Bde., ebd. 1742; - Ferdinand Kaltenbrunner, Die Vorgesch. der gregorian. Kal.reform, in: SAW 82, 1876, 289-414; - Ders., Die Polemik über die gregorian. Kal.reform, ebd. 87, 1877, 485-586; - Ders., Btrr. z. Gesch. der gregorian. Kal.reform, ebd. 97, 1880, 7- 54; - Moritz Brosch, Gesch. des Kirchenstaates I, 1880, 247 ff.; - Raphael Molitor, Die nachtridentin. Choralreform zu Rom. Ein Btr. z. Musikgesch. des 16. u. 17. Jh.s, 1901 (Nachdr. Hildesheim 1967); - Hermann Grotefend, Taschenbuch der Zeitrechnung des dt. MA u. der Neuzeit, 19052, 23 ff.; - Paul Herre, Papsttum u. Papstwahl im Zeitalter Philipps II., 1907; - Liisi Karttunen, G. XIII comme politicien et souverain, Helsinki 1911; - Karl Schellhass, Wiss. Forsch. unter G. XIII. f. die Neuausg. des Gratian Dekrets, in: Papsttum u. Kaisertum. Forsch. z. polit. Gesch. u. Geisteskultur des MA. Festschr. f. Paul Kehr, hrsg. v. August Brackmann, 1926, 674 ff.; - Johannes Baptist Barnickel, Der Bamberger Mathematiker u. Astronom P. Christoph Clavius u. die Kal.reform, in: Altfranken 5,. 1929; 6, 1930; - Michel de Boüard, La mort de G. XIII, in: RevHist 168, 1931, 91 ff.; - Actus congressus iuridici internationalis III, Rom 1936; - L. Lopetegni, El Papa G. XIII y la ordenacion de mestizos hispano- incaicos, in: Miscellahea Historiae Pontificiae VII, Rom 1943, 177 ff.; - Giorgio Levi della Vida, Documenti intorno alle relazioni delle Chiese orientali con la S. Sede durante il pontificato di G. XIII (StT 143), Vatikanstadt 1948; - 0. Halecki, Possevino's Last Statement on Polish- Russian Relations, in: OrChrP 19, 1953, 261 ff.; - F. Claeys- Bouuaert, La soumission de Michel Baius fut- elle sincère?, in: EThLov 30, 1954, 457 ff.; - Hans Wolter, Antonio Possevino (1533- 1611). Theol. u. Politik im Spannungsfeld zw. Rom u. Moskau, in: Scholastik 31, 1956, 321 ff.; - St. Polcin, Une tentative d'union au XVI siècle. La mission religieuse du P. A. Possevin SJ en Moscovie 1581/82, in: OrChrA 150, 1957; - G. Fini, Un tentativo di unione religiosa di Roma con Mosca: G. XIII e Ivan il Terribele, in: Oikumenikon 7, 1967, H. 2, 283 ff.; 8, 1968, H. 1, 316 ff. 430 ff. 509 ff.; H. 2, 45 ff.; - Burkhart Schneider, G. XIII. vor 400 J. z. Papst gewählt, in: BM 48, 1972, 243 ff.; - Schottenloher IV, Nr. 37544a- 37571; - Seppelt V, 151 ff.; - LexP 209 ff.; - DThC VI, 1809 ff.; - EC III, 357 f. (Calendario Riforma gregoriana); VI, 1143 f.; - LThK IV, 1188 f.; - ODCC2 597 f.; - RE VII, 126 f.; - EKL I, 1708; - RGG II, 1841.

Friedrich Wilhelm Bautz

Literaturergänzung:

1999

Estanislao Olivares, La bula "Ascendente Domino", 1584, y los teólogos postridentinos, in: ATG 62.1999, S. 5-75; -

2000

John Patrick Donnelly, Antonio Possevino, S.J. as papal mediator between Emperor Rudolf II and King Stephan Báthory, in: ASHI 69.2000,137, S. 3-56;-

2001

Pierre Hurtubise, Une procession à nulle autre pareille, in: AHP 39.2001, S. 129-149; -

2003

Nicola Courtright, The papacy and the art of reform in sixteenth-century Rome. G. XIII's tower of the winds in the Vatican. Cambridge 2003; -

2004

Estanislao Olivares, La constitución apostolica "Populis ac nationibus", 1585, en la teología postridentina, in: ATG 67.2004, S. 39-91; -

2009

Maria Pia Di Marco, Gregorio Magno, Gregorio XIII, el patriarca Eutiquio y el arzobispo Bartolomé Carranza, in: AHI 18.2009, S. 189-204.

Letzte Änderung: 29.06.2009