Verlag Traugott Bautz |
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GRÖNING (urspr. Grönkowski), Bruno, Heiler, * 30.5. 1906 in Danzig-Oliva als viertes von sieben Kindern der Margarete Gröning und des Maurerpoliers August Gröning, † 26.1. 1959 in Paris. - G. verließ nach fünf Schuljahren die Volksschule, begann eine kaufmännische Lehre und brach diese nach zweieinhalb Jahren ab. Danach begann er eine Ausbildung als Zimmermann und beendete diese drei Monate vor Ablauf der Lehrzeit ohne Abschluß. 1925 machte er sich mit einer Bau- und Möbeltischlerei selbständig, stellt diese Tätigkeit aber nach knapp zwei Jahren ein. In den folgenden Jahren arbeitete er unter anderem in einer Schokoladenfabrik, beim Postamt Danzig und bei der Firma Siemens als Schwachstrommonteur. Mit 21 Jahren heiratete er Gertrud Cohn. Aus der Ehe gingen zwei Söhne hervor. Harald (geb. 1930) starb 1939 an einem Herzklappenfehler. Günther (geb. 1940) starb 1949 an einer Brustfellentzündung. G. wurde 1943 zur Wehrmacht einberufen, erlitt 1944 eine Verwundung, geriet 1945 in russische Kriegsgefangenschaft, kam einige Monate später wieder frei und gelangte mit seiner Frau nach Dillenburg. In der folgenden Zeit meinten einige Menschen, bei ihm besondere Heilkräfte wahrnehmen zu können. Der Ingenieur Helmut Hülsmann erfuhr davon und bat ihn im März 1949, nach Herford zu kommen und seinem Sohn Dieter (geb. 1939) zu helfen, der an einer Muskelkrankheit litt. Während G. bei der Familie zu Gast war, besserte sich vorübergehend die Befindlichkeit des Jungen. Als sich die Nachricht von der scheinbaren Wunderheilung verbreitete, kamen zwischen März und Juni 1949 täglich bis zu 5000 Hilfesuchende zum Haus der Familie Hülsmann am Wilhelmsplatz 7 in Herford, um G. dort zu sehen. Die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen erteilte ihm ein Auftrittsverbot. Daraufhin reiste G. durch andere Teile Deutschlands und kam im August und September 1949 auf dem Traberhof bei Rosenheim unter. Auch dorthin strömten zeitweilig bis zu 30000 Hilfesuchende am Tag. In der Folgezeit setzte er seine Vortragstätigkeit mit Hilfe wechselnder Partner fort. Er sprach häufig von der göttlichen Kraft, die durch ihn den Menschen vermittelt werde. Als die Vorstellung aufkam, seine Heilkräfte könnten auch mit Hilfe von Gegenständen übertragen werden, begann G. damit, aus dem Staniolpapier seiner Zigarettenpackungen Kugeln zu formen, mit einem Kraftträger (Haare, Fingernägel, Körperflüssigkeit) zu füllen und "anzusprechen". 1953 gründete er den "Gröning-Bund", der seine Auftritte organisieren sollte. Er überwarf sich jedoch später mit dessen Geschäftsführung. 1955 ließ sich er von seiner Frau scheiden und heiratete die Französin Josette Dufossé. Da G. keine Zulassung als Heilpraktiker besaß, geriet er immer wieder in Konflikt mit staatlichen Behörden und mußte sich deswegen mehrfach vor Gericht verantworten. Im 1955 beginnenden Prozeß spielte auch der Tod von Ruth Kuhfuß eine Rolle, die 1950 im Alter von 18 Jahren an Tuberkulose verstorben war, nachdem sie voller Vertrauen auf G. und seine Heilkräfte die ärztliche Behandlung abgebrochen hatte. 1957 wurde G. wegen Verstoßes gegen das Heilpraktikergesetz zu einer Geldstrafe verurteilt. Die Staatsanwaltschaft ging in die Berufung, um ein härteres Urteil zu erreichen. So wurde G. im Januar 1958 vom Landgericht München II wegen fahrlässiger Tötung und unerlaubter Ausübung der Heilkunde zu acht Monaten Freiheitsstrafe und einer Geldstrafe von 5000 DM verurteilt. Die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt. Gegen dieses Urteil legte G. Berufung ein. Er erlebte den Ausgang der Revisionsverhandlung vor dem Bayerischen Obersten Landesgericht nicht mehr, sondern starb vor der Urteilsverkündung am 26.1. 1959 in Paris an den Folgen seiner fortgeschrittenen Krebserkrankung. Sein Grab in Dillenburg ist bis heute ein Anziehungspunkt für seine Anhänger. Mehrere konkurrierende Vereine pflegen die Erinnerung an G., darunter der 1958 gegründete "Verein zur Förderung seelisch-geistiger und natürlicher Lebensgrundlagen in Deutschland". In der Öffentlichkeit tritt vor allem der 1979 von Grete Häusler gegründete "Bruno-Gröning-Freundeskreis" (BGF) in Erscheinung. Die im BGF organisierten Anhänger gehen davon aus, daß G. auch über seinen Tod hinaus den göttlichen Heilstrom vermittle, der bis heute Heilung von Krankheit bewirken könne. Die meisten Nicht-Anhänger bestreiten dagegen eine Heilsmittlerschaft Bruno Grönings.
Lit. (von Anhängern Grönings): Antonius Kirmayer, Betrug oder Wahrheit? Der Wunderheiler Bruno Gröning siegt!, 1949; - Egon-Arthur Schmidt, Die Wunderheilungen des Bruno Gröning, 1949; - Gaston de Vaire, Bruno Gröning, der berühmte Heilspender - umworben und umstritten. Berichte und Tatsachen, 1950; - Kurt Trampler, Die grosse Umkehr. Fragen um Bruno Gröning, 1950; - Friedrich Retlow, Bruno Grönings Heilstrom. Seine Natur und seine Wirkung, 1955; - Hermann Riedinger, Vorträge zur Vermittlung der Kenntnis über Lehre und Wirken Bruno Grönings, 1977; - Christa Eich, Bruno Gröning. Einführung in seine Lehre. Eine Schrift für Kinder, 1990; Dies., Bruno Gröning führt uns zum lieben Gott 31995; - Walter-Wilhelm Busam (Hrsg.), Bruno Gröning. Hilfe und Heilung - ein Wegweiser, 1991; - Ders., Die Akte des Dr. rer. pol. Kurt Trampler und Bruno Gröning. Eine Dokumentation, 2001; - Grete Häusler, Bruno Gröning. Unter uns steht einer, den kennt keiner, 21992; - Dies., Bruno Gröning. Das Heil erfahren, das ist Wahrheit, 31995; - Dies., Bruno Gröning. Ich lebe, damit die Menschheit wird weiterleben können, 51996; - Dies., Hier ist die Wahrheit an und um Bruno Gröning, 51996; - Dies., Einführungsschrift in die Lehre Bruno Grönings, 1998; - Thomas Eich, Das Wirken Bruno Grönings zu seinen Lebzeiten und heute, 21994; - Ders., Der Bruno Gröning - Freundeskreis - Was ist das? (DGH-Schriftenreihe Bd. II), 1997; - Ders., Bruno Gröning. Lebensweisheiten II, o.J.; - Anneliese Bollack, Auf dem Lehrpfad mit Bruno Gröning (Bruno-Gröning-Reihe Bd. I), 21995; -Thomas Busse, Die Wunderheilungen des Bruno Gröning, 21995; - Ders., Der Wunderapostel. Das Buch zum Spielfilm, 1999; - Ders., Die Lehre Bruno Grönings, 22001; - Ders., Bruno Gröning. Lebensweisheiten I, o.J.; - Christa u. Manfred Fortmann, Hilfe und Heilung auf geistigem Wege. Eine Informationsschrift über Bruno Gröning, seine Lehren und den heutigen Bruno-Gröning-Freundeskreis, 21996; - Willi Gabbert, Bruno Gröning. Seine Lehre in Vorträgen (Groeningiana Vol. II), 1996; - Matthias Kamp, Bruno Gröning - Revolution in der Medizin. Rehabilitation eines Verkannten, 31998; - Ders., Heilung auf geistigem Wege durch die Lehre Bruno Grönings, 1998; - Verein zur Förderung Seelisch-Geistiger und Natürlicher Lebensgrundlagen in Deutschland e.V. (Hrsg.), Erntedank. Vortrag von Bruno Gröning, 2001.
Lit. (von Nicht-Anhängern): Albert Lang, Skandal um Bruno Gröning? Auf den Spuren des "Herforder Wunderdoktors". Tatsachenberichte und Enthüllungen, 1949; - Kurt Böhme, Wunderheilungen. Lourdes, Gesundbeter, Gröning, 1950; - Ingrid Geupel, Bruno Gröning. Das Phänomen eines Wunderheilers (Diss. München), 1988; - Eduard Trenkel, Ein Toter macht von sich reden, in: Materialdienst der Ev. Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW) 10/93, 1993, 306-309; - Ders., Der Bruno Gröning Freundeskreis, in: Streifzug durch den religiösen und weltanschaulichen Supermarkt, hrsg. v. Wolfgang Behnk, Bernd Dürholt, Rüdiger Hauth u.a., 2000, 4-5; - Herbert Busch, Art. "Bruno Gröning", in: Kulte - Sekten - Religionen. Von Astrologie bis Zeugen Jehovas, hrsg. v. Hermann-Josef Beckers und Helmut Kohle, 1994, 237-239; - Hans-Jürgen Ruppert, Bruno Gröning - Anhänger im Aufwind, in: Materialdienst der EZW 5/96, 1996, 139-144; - Anne Rühle u. Ina Kunst (Red.), Risiken und Nebenwirkungen. Informationen zu ausgewählten neuen religiösen und weltanschaulichen Bewegungen und Psychogruppen, hrsg. v. der Berliner Senatsverwaltung für Schule, Jugend und Sport, 1997, 61-65; - Margret Burkart, Art. "Gröning, Bruno", in: Erste Auskunft Sekten. Okkultismus, Esoterik, Weltanschauungen, hrsg. v. P. Klaus Funke OP, 31999, 78-79; - Gabriele Lademann-Priemer, Paranormale Heilung. Eine Abendveranstaltung des Bruno-Gröning-Freundeskreises, in: Materialdienst der EZW 5/99, 1999, 150-152; - Matthias Pöhlmann, Paranormale Heilung. "Heilung auf geistigem Weg" an der Freien Universität Berlin?, in: Materialdienst der EZW 7/00, 2000, 250-251; - Ders., Paranormale Heilung. Bruno-Gröning-Freundeskreis auf Erfolgskurs?, in: Materialdienst der EZW 2/02, 2002, 58-59; - Ders., Paranormale Heilung. Neuer Werbefilm des Bruno-Gröning-Freundeskreises im Kino, in: Materialdienst der EZW 11/03, 2003, 433; - Ders. u. Andreas Fincke, Kompaß Sekten und religiöse Weltanschauungen, 2004, 40-43; - Horst Reller, Hans Krech u. Matthias Kleiminger (Hrsg.), Handbuch Religiöse Gemeinschaften und Weltanschauungen, 52000, 258-265; - Reinhard Hempelmann, Ulrich Dehn, Andreas Fincke u.a. (Hrsg.), Panorama der neuen Religiosität. Sinnsuche und Heilsversprechen zu Beginn des 21. Jahrhunderts, 2001, 247-248; - Georg Schmid u. Georg Otto Schmid (Hrsg.), Kirchen, Sekten, Religionen. Religiöse Gemeinschaften, weltanschauliche Gruppierungen und Psycho-Organisationen im deutschen Sprachraum, 72003, 216-218.
Andreas Plagge
Literaturergänzung:
2005
B.G.: "Das Heil erfahren, das ist Wahrheit". Grete Häusler (Hrsg.). 4., überarb. Aufl. Mönchengladbach 2005;-
2006
Matthias Kamp, B.G. - Revolution in d. Medizin. 4. Aufl. Mönchengladbach 2006; - Horst Mann, B.G. In memoriam. 1906-1959. Klagenfurt 2006; -
2007
Thomas Busse, B.G. Leben u. Lehre. Zürich 2007; - Die Wahrheit hat allein Bestand. B.G. u. sein Freundeskreis. Zsgest. u. hrsg. von Thomas Eich. Mönchengladbach 2007; - Grete Häusler, Erkenntnisse u. Weisheiten. Zsgetr. u. hrsg. von Thomas Eich. Mönchengladbach 2007; -
2008
Florian Mildenberger: Heilstrom durch den Kropf. Leben, Werk und Nachwirkung des Wunderheilers Bruno Gröning (1906-1959). In: Sudhoffs Archiv. Zeitschrift für Wissenschaftsgeschichte 92, 2008, 35-64; - Die Lehre B.G.s. Aufruf zur Nachfolge Christi. Thomas Busse (Hrsg.). Überarb. u. erw. Aufl. Mönchengladbach 2008; - Inga Pesch, Einf. in d. Lehre B.G.s für Kinder. Mönchengladbach 2008. Buch + CD;- Grete Häusler, Einführungsschrift in d. Lehre B.G.s. 7. Aufl. Mönchengladbach 2008. Buch + CD; -
2009
Wolfgang Hausmann, Der große Prozess gegen B.G. 1955-1959. Mönchengladbach 2009.
Letzte Änderung: 09.04.2011