Verlag Traugott Bautz |
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GROSSMANN, Christian Gottlob Leberecht, Theologe, * 9.11. 1783 als Pfarrerssohn in Prießnitz bei Naumburg (Saale), † 29.6. 1857 in Leipzig. - G. besuchte 1796-1802 die Fürstenschule Pforta bei Naumburg und studierte dann in Jena. Er wurde 1808 Adjunkt seines Vaters, 1811 Pfarrer in Gröbitz bei Naumburg, 1822 »Collega extraordinarius« und Diakonus in Schulpforta, 1823 Generalsuperintendent von Altenburg und 1829 Pfarrer an der Thomaskirche, Superintendent, Konsistorialassessor und Professor der Theologie in Leipzig. - G. ist bekannt durch sein Eintreten für die Einführung der Synodalverfassung in Sachsen und als Begründer des Gustav-Adolf-Vereins. Am 6.11. 1832 regte er aus Anlaß der 200. Wiederkehr des Tages der Schlacht bei Lützen, in der Gustav Adolf (s. d.) den Heldentod starb, die Errichtung eines würdigen Denkmals für den Schwedenkönig an und rief zu einer Geldsammlung dafür auf, deren Überschuß für eine »Gustav-Adolf-Stiftung zu unentgeltlicher Bildung protestantischer Jünglinge oder zur Förderung irgendeines anderen geistigen Zweckes« verwandt werden sollte. Der Plan fand eine Erweiterung in einem erneuten Aufruf im »Leipziger Tageblatt« vom 9.12. 1832: es wurden Spenden erbeten »zur Errichtung einer Anstalt zur brüderlichen Unterstützung bedrängter Glaubensgenossen und zur Erleichterung der Not, in welche durch die Erschütterung der Zeit und durch andere Umstände protestantische Gemeinden in und außer Deutschland mit ihrem kirchlichen Zustande geraten«. Leipzig und Dresden wurden die beiden Hauptvereine der »Gustav-Adolf-Stiftung«, die trotz Unterstützung durch die Könige von Preußen und Schweden »jahrelang ein lediglich sächsisches Unternehmen« von sehr bescheidenem Umfang blieb. Ohne vom Vorhandensein der »Gustav-AdolfStiftung« zu wissen, veröffentlichte der Hofprediger Karl Zimmermann (s. d.) am 31.10. 1841 in der »Darmstädter Kirchenzeitung« einen »Aufruf an die protestantische Welt zur Gründung eines Vereins für die Unterstützung hilfsbedürftiger protestantischer Gemeinden«. Am 16.9. 1842 kam es in Leipzig zur Vereinigung beider Unternehmen im »Evangelischen Verein der Gustav-Adolf-Stiftung«.
Lit.: Franz Blandemeister, Vater G., der Gründer des GAV, 1888 (19082); - Ders., Sädts. KG; 1899 (19062), 374 ff.; - Georg Müller, Verfassung.- u. Verwaltungsgesch. der sächs. Landeskirche I, 1894, 206 ff.; - Hermann Ferdinand v. Criegern, Gesch. des GAV, 1903, 9 ff.; - Oskar Pank, Was jedermann v. dem GAV wissen sollte, 1904, 14 ff.; - Eduard Mangner, Gesch. der Leipziger Winkelschulen, 1906, 212 ff.; - Gerhard Fuchs, Chr. G. L. G., der Leipziger Sup., ein Bannerträger ev. Kultur, 1907; - Otto Kirn, Die Leipziger Theol. Fak. in 5 Jhh., 1409-1909, 1909, 164 ff.; - Otto Kämmel, Gesch. des Leipziger Schulwesens v. Anfang des 13. bis gg. die Mitte des 19. Jh.s, 1909, 568 ff.; - Johannes Pfeiffer, Die Entwicklung der sächs. Kirchenverfassung v. 1830-1914, 1923; - Julius Richter, Gesch. der sächs. Volksschule, 1930; - Hermann Wolfgang Beyer, Die Gesch. des GAV in ihren kirchen- u. geistesgeschichtl. Zus.hängen, 1932; - ADB IX, 751 f.; - NDB VII, 155 f.; - RE VII, 199 f.; XXIII, 602.
Friedrich Wilhelm Bautz
Literaturergänzung:
2009
Angelika Rotter, C.G.L.G. (1783-1857). Vereinsgründung u. kirchl. Verantwortung zwischen Rationalismus u. Neuluthertum. Leipzig 2009.
Letzte Änderung: 09.04.2011