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Band XXIII (2004) Spalten 568-593 Autor: Ronny Baier

GUISE, französisches Herzogsgeschlecht; jüngere Seitenlinie des Hauses Lorraine (Lothringen); mehrere Vertreter des Hauses Guise spielten eine große Rolle im Frankreich des 16. Jahrhunderts. Die Guise waren entschiedene Gegner der Hugenotten und verteidigten als Führer der Liga die katholische Kirche während der französischen Religionskriege. Begründer des Hauses war Herzog Claude (1496-1550). Durch dessen Ehe mit Antoinette von Bourbon - Vendôme war die Familie Guise mit dem französischen Königshaus der Valois verwandt. Bedeutende Vertreter waren:

1. Guise, Franz von Lorraine, ältester Sohn von Claude I. von Lothringen, dem ersten Herzog von Guise, Feldherr und einflußreicher Politiker unter den Königen Franz I., Heinrich II., Franz II. und Karl IX., zweiter Herzog von Guise; * 17. Dezember 1519 in Château de Bar; † 24. Februar 1563 (er wurde bei Orleans von einem Hugenotten ermordet). - Franz war mutig und tapfer und man kann ihn zurecht den Krieger der Familie nennen. Im Dienst von König Franz I. bewies er sein militärisches Können in den Kriegen gegen die Habsburger. Eine Verwundung, die er sich bei der Belagerung von Boulogne (1545) zuzog, brachte ihm den Beinamen Balafré (Narbengesichtiger) ein. Durch die glänzende Verteidigung von Metz, die Kaiser Karl V. nach zwei Jahren zwang, die Belagerung aufzugeben, errang er großen Ruhm. Am Hofe genoß er überdies den Beistand seines Bruders Karl, des Kardinals von Lothringen. Der Waffenstillstand von Vaucelles (1556) und die folgende Abdankung Kaiser Karls V. schienen die militärische Karriere von Franz von Guise zu beenden. Doch die Herzöge von Guise hatten als Abkömmlinge des Hauses Anjou bestimmte Ansprüche auf das Königreich Neapel und Franz von Guise war bereit diese zu verteidigen. Zunächst strebte er daher eine Allianz zwischen dem französischen König Heinrich II. und Papst Paul IV. an, die jedoch von Philipp II. von Spanien bedroht wurde. Infolge des französisch-päpstlichen Bündnisses rückte Franz von Guise mit seinen Truppen nach Mailand vor (Januar 1557), marschierte dann durch Italien und eroberte trotz der versprochenen aber nicht eingehaltenen Unterstützung durch den Papst und kleinerer italienischer Fürsten die neapolitanische Stadt Campli (17. April 1557). Am 24. April begann er mit der Belagerung von Civitella. Epedemien und militärische Vorstöße der Spanier unter dem Herzog von Alva zwangen ihn jedoch nach zweiundzwanzig Tagen zum Rückzug nach Rom, wo er seine Truppen neu organisierte. Er wollte eben wieder nach Süden gegen Neapel ziehen, als König Heinrich II. ihn nach dem gewaltigen Sieg der Spanier über den Konnetabel Anne de Montmorency bei St. Quentin (23. August 1557) nach Frankreich zurückbeorderte, um das Land zu verteidigen. Guise kehrte im Oktober 1557 an den französischen Hof zurück und wurde zum General Lieutenant von Frankreich ernannt. Den Höhepunkt der Volksgunst erreichte Franz von Guise mit der Eroberung von Calais am 13. Januar 1558, dem letzten englischen Vorposten auf dem Kontinent. Englands Königin Maria I. war eine Nichte von Karl V. und mit Philipp II. von Spanien verheiratet. Diese eheliche Allianz führte England auf der Seite Spaniens in den Krieg. Im Juni eroberte Guise Thionville und im folgenden Monat Arlon. Er plante gerade Luxemburg anzugreifen, als am 3. April 1559 gegen den Willen von Guise der Friede von Cateau-Cambrésis geschlossen wurde. Dieser Vertrag beendete die Feindseligkeiten zwischen Frankreich, Spanien, England und dem Herzog von Savoyen. König Heinrich II. von Frankreich behielt Calais sowie die Bistümer Metz, Toul und Verdun, mußte dafür jedoch auf Bugey, Savoyen und die Region von Mailand verzichten, wodurch die Kriege in Italien ihren Abschluß fanden. Der Vertrag wurde dadurch gefestigt, daß in ihm auch die Heirat zwischen Philipp II. von Spanien (seit November 1558 Witwer) und Isabel, der Tochter Heinrichs II. festgelegt wurde. Guise verlor auf Betreiben des Konnetabel de Montmorency zusehends die Gunst von Heinrich II. Ein Turnierunfall führte am 10. Juli 1559 zum Tod von Heinrich II. Die Thronbesteigung von Franz II. und seiner Frau Maria Stuart, der Nichte von Franz von Guise stellte für die Guise einen politischen Triumph dar. Anton von Bourbon, der Herzog von Vendôme und König von Navarra (1518-1562) sowie Prinz Condé, Ludwig von Bourbon (1530-1569), beides Anhänger der protestantischen Partei und Gegner ihrer Rivalen der Guise, planten ein Komplott, um Franz von Guise und seinen Bruder Karl, den Kardinal von Lothringen zu beseitigen. Zu diesem Zweck heuerten sie einen protestantischen Edelmann aus dem Périgord an, Godefroy La Renaudie an. Das Komplott, als Verschwörung von Amboise bekannt, wurde aufgedeckt und blutig verhindert. Condé wurde am 26. November 1560 durch ein Sondergericht zum Tod verurteilt, das auf Betreiben der Guises eingesetzt worden war. Nur der plötzliche Tod von König Franz II. am 5. Dezember, rettete sein Leben. Er wurde freigelassen, jedoch vom Hof verbannt. Die Guise erlitten damit eine politische Niederlage. Das Jahr 1560 war für sie überhaupt ein niederschmetterndes Jahr. In Schottland starb die Regentin Maria von Guise und mit ihr der katholische Widerstand gegen die schottische Reformation. In Frankreich wurde ihr Einfluß durch den Tod von Franz II. geschwächt. Nach der Thronbesteigung von Karl IX. gewann dessen Mutter, die Regentin Katharina von Medici an Einfluß. Sie war gegen die Guise eingenommen, weil sie in ihnen eine Gefahr für den Thron sah. Sie taktierte daher verstärkt mit der protestantischen Partei, der sie Zugeständnisse in Sachen Religionsausübung in Aussicht stellte. Dies rief nun erneut Franz von Guise auf den Plan, der sich bis dato auf seine Güter zurückgezogen hatte. Zusammen mit seinem alten Gegner, dem Konnetabel de Montmorency und dem Marschall de Saint-André bildete er im April 1561 das sogenannte Triumvirat. Ziel war die hugenottenfreundliche Politik der Regentin zu unterlaufen. Der Plan des Triumvirats sah ein Bündnis mit Spanien und dem Heiligen Stuhl vor sowie Verhandlungen mit den lutherischen Fürsten Deutschlands, um sie von einer Unterstützung der Hugenotten abzuhalten. Zu diesem Zweck schrieb Guise im Juli 1561 an den Herzog von Württemberg. Das Religionsgespräch von Poissy im September 1561 zwischen katholischen und reformierten Theologen verlief ergebnislos und beendete die Einigungspolitik von Katharina von Medici. Vom 15. bis 18. Februar 1562 besuchte Franz von Guise den Herzog von Württemberg in Zabern und überzeugte ihn davon, daß die Calvinisten die Schuld am Scheitern des Religionsgesprächs von Poissy trugen. Als Guise auf dem Rückweg nach Paris am 1. März 1562 durch Wassy kam, fand dort ein Massaker an Calvinisten statt. Es ist nicht zu klären, welche Rolle Franz von Guise dabei spielte, jedoch war mit diesem Massaker der Startschuß für die Religionskriege in Frankreich gegeben. Im Oktober 1562 eroberte Guise von den Protestanten Rouen zurück und im Dezember 1562 konnte er die Schlacht von Dreux zugunsten der katholischen Seite wenden. Dabei wurde auch der militärische Führer der Hugenotten, der Prinz von Condé gefangengenommen. Am 18. Februar 1563 versuchte Guise Orleans zu nehmen. Kurz vor dem letzten Sturmangriff auf die Stadt verübte der Hugenotte Poltrot de Méré ein Attentat auf Guise, bei dem er schwer verletzt wurde und an dessen Wunden er sechs Tage später erlag. Bei Bekanntwerden des Todes von Guise schrieb der Protestant Coligny: "Wir können es nicht verneinen, daß sein Tod ein deutliches Manifest der Wunder Gottes ist." Nicht lange nach dem Tod von Franz von Guise wurde der erste Hugenottenkrieg im Vertrag von Amboise beigelegt. Der Friede sollte aber nicht von langer Dauer sein. - Auf Wunsch von König Heinrich II. heiratete Franz von Guise 1549 Anna von Este (1531-1607), Tochter von Herkules II. von Este, dem Herzog von Ferrara und seiner Frau René von Frankreich, Enkelin König Ludwigs XII. Mit Anna hatte Franz von Guise sechs Söhne und eine Tochter. Nach dem Tod ihres Mannes heiratete Anna von Este Jakob von Savoyen, mit dem sie nochmals zwei Kinder hatte. Sie mußte 1583 den Tod ihres zweiten Mannes beklagen und 1588 den Tod von zweien ihrer Söhne, die im Schloß von Blois auf Geheiß König Heinrichs III. erschlagen wurden. Sie lebte so lange, daß sie am Ende auch noch das Aussterben des Hauses Este ertragen mußte.

2. Guise, Karl von Lorraine, Kardinal (seit 1547) von Lothringen, Bruder von Franz von Guise (siehe 1.) und Maria von Guise (siehe 3.); * 17. 2. 1524 in Joinville (Haute-Marne); † 26. 12. 1574 in Avignon; leitete die französische Politik unter den Königen Heinrich II. und Franz II.; Vertreter Frankreichs auf dem Konzil von Trient, energischer Gegner der Hugenotten; Vertreter der katholischen Partei beim Religionsgespräch von Poissy. - Karl war der zweite Sohn von Claude I. von Lothringen und erstem Herzog von Guise und dessen Frau Antoinette von Bourbon. Nach einer standesgemäßen schulischen Erziehung war Karl als jüngerer Sohn der Familie für eine kirchliche Laufbahn bestimmt. Er wurde zum Studium der Theologie nach Paris geschickt ans Collége de Navarra. Schon bald wurde König Franz I. auf den jungen Karl aufmerksam und ernannte ihn 1538 zum Erzbischof von Reims. Einen Tag nach der Krönung Heinrichs II., welcher er 1547 vorstand, wurde Karl zum Kardinal von Guise erhoben. Als 1550 sein Onkel Johann starb, übernahm Karl dessen Titel eines Kardinal von Lothringen sowie die zahlreichen Benefizien seines Onkels. Zu diesen zählte bspw. der Bischofssitz Metz und die begüterten Abteien Cluny und Fécamp. Karl wurde bald zum reichsten Prälaten der französischen Kirche. Er war ein Freund der Wissenschaft und Bildung. So war er unter anderem Protegé der bedeutenden Dichter François Rabelais (ca. 1494-1553) und Pierre de Ronsard (1524-1585). 1547 / 49 gründete Karl die Universität von Reims, was ihm einen bleibenden Platz in der französischen Bildungsgeschichte sicherte. - Von noch größerer Bedeutung war allerdings sein Wirken im religiösen und politischen Bereich. Karl war Mitglied des königlichen Rates und unterstützte maßgeblich die französische Interventionspolitik in Italien. 1559 half er den Frieden von Cateau-Cambrésis auszuarbeiten. 1559 starb König Heinrich II. überraschend bei einem tödlichen Unfall. Die Minderjährigkeit von dessen Söhnen Franz II. und Karl IX. bescherten dem Kardinal und seinem Bruder Franz von Guise (1519-1563) in den folgenden Jahren unbestrittenen politischen Einfluß. Karl war stets darum bemüht, auch den Einfluß seiner Familie im Staat zu mehren sowie deren Ambitionen zu vertreten. So versuchte er 1551 (allerdings erfolglos) die Ansprüche derer von Guise auf das Herzogtum Provence durchzusetzen. Sein Versuch den Titel des Kardinals von Anjou zu erlangen, blieb ebenso erfolglos wie sein Vorhaben, König Heinrich II. von seinen Plänen einer Vereinigung des Herzogtums Lothringen mit Frankreich abzubringen. Erfolgreicher war er in der Schaffung von politischen Allianzen, wenn es um die familiären Interessen der Guise ging. Diese Allianzen schienen sich allerdings mitunter zu widersprechen. So bandelte Karl 1558 einerseits mit den lutherischen Fürsten Deutschlands an und suchte zur selben Zeit in einem vertrauten Gespräch mit Kardinal de Granvelle (einem bedeutenden kirchlichen Diplomaten von König Philipp II.von Spanien) die Nähe zum spanisch-habsburgischen Königshaus. Karl von Guise verfolgte so des öfteren eine persönliche Politik, die der Staatspolitik widersprach. Ihm weniger freundlich gesonnene Zeitgenossen bezichtigten Karl von Guise deshalb immer wieder der politischen und auch religiösen Doppeldeutigkeit, so etwa der Chronist und Jurist Pierre de L´Estoile (1546-1611) und der Schriftsteller Pierre de Bourdeille Seignieur de Brantôme (ca.1540-1614). Damals wie heute unterstellen Historiker Karl von Guise, daß er versucht habe in Frankreich die Inquisition einzuführen und damals wie heute machen Historiker Karl von Guise auch für den Ausbruch der Hugenottenkriege mitverantwortlich. Bis 1560 erschienen mindestens zwanzig religiös und politisch motivierte Pamphlete gegen Karl von Guise, die bis heute nachhaltig seinen Ruf schädigen. Eines dieser Pamphlete "La Guerre Cardinale" (1565) beschuldigte ihn des Versuches das "Reich" der drei Bistümer Metz, Toul und Verdun wiederherzustellen, das von Heinrich II. zerschlagen wurde. Ein Diskurs, der Theodor Bèza zugeschrieben wird (1566) wettert gegen Karls Anhäufung von Benefizien und Pfründen. Letzterer mag wohl auf persönliche Feindschaften zurückzuführen sein. Auf dem Religionsgespräch von Poissy im September 1561 fanden nämlich die protestantischen Theologen Theodor Bèza und Pietro Vermiglio in Karl von Guise ihren hartnäckigsten Widersacher. - Unter der Regierung von König Karl IX. erlebte der Kardinal einen steten Wechsel von Gunst und Ungnade. 1562 weilte er auf dem Konzil von Trient, wo er noch das volle Vertrauen seines Königs genoß. Der Kardinal von Lothringen begleitete damals Louis de Saint-Gélais, Seigneur de Lansac, Arnaud du Ferrier, Präsident des Pariser Parlaments, und Guy de Faur de Pibrac, königlicher Ratgeber, vom Mai 1562 bis zum Beginn des Jahres 1563 als offizieller Konzilsvertreter der französischen Krone. Von seinem König war der Kardinal von Lothringen instruiert worden, einen Vergleich mit den deutschen Konzilsvertretern zu suchen, welche eine Reform der Kirche an Haupt und Gliedern forderten und dabei unter anderem die Kommunion unter beiderlei Gestalt, offizielle Gebete in der Volkssprache sowie die Aufhebung des priesterlichen Zölibats anstrebten. Die entsprechenden Reform Artikel wurden am 2. Januar 1563 Papst Pius IV. präsentiert. Dieser wies die Artikel entrüstet zurück, woraufhin der Kardinal Rom als die Quelle der kirchlichen Mißbräuche bezeichnete. Die Spannungen zwischen Karl von Guise und dem Papst sind jedoch nicht allein auf die Reformartikel zurückzuführen, sondern vor allem auf das Bestreben der französischen Konzilsvertreter, bei der Reform der katholischen Kirche die Freiheiten und Privilegien der gallischen Kirche zu wahren (Gallikanismus). Um den Papst diesbezüglich unter Druck zu setzen, befürwortete Karl von Guise sogar ein französisches Nationalkonzil, um mit den Hugenotten einen Ausgleich zu erreichen. Die Versuche, die Privilegien der französischen Kirche unangetastet zu lassen, schlugen fehl. Die Vertreter der französischen Krone verließen enttäuscht das Konzil von Trient. Karl von Guise gab sich schließlich geschlagen und trug die Konzilsbeschlüsse mit. Wieder in der Heimat konnte er jedoch 1564 die schnelle Veröffentlichung der Konzilsdekrete nicht durchsetzen. Er scheiterte dabei vor allem am Widerstand der Regentin Katharina von Medici, die immer mehr Einfluß auf ihren Sohn, König Karl IX. nahm und die bestrebt war, den Einfluß der <\d>Guise zurückzudrängen. Sie brachte Michel de L´Hospital in den Kronrat, der nun konsequent und erfolgreich daran arbeitete, Karl von Guise aus wichtigen Staatsgeschäften herauszuhalten. 1570 zog sich der Kardinal dann den Ärger des Königs zu, als er versuchte seinen ältesten Neffen, Heinrich von Guise (siehe 4.), zur Heirat mit Margarethe von Valois, der Schwester des Königs zu drängen. 1574 erzürnte der Kardinal den König endgültig, als er die Hochzeit Margarethes mit dem König von Portugal hintertrieb. Er wurde aus dem Kronrat verbannt und zog sich vom Hof zurück. Es war Karl von <\d>Guise aber vergönnt, wenigstens ein wenig von seinem früheren Ansehen wiederzugewinnen, indem er erfolgreich an der Heirat Karls IX. mit Elisabeth von Österreich und an der Heirat Margarethes mit Heinrich von Navarra mitwirkte. Diese Erfolge blieben aber ohne politische Auswirkung für Karl, denn die Regentin Katharina von Medici machte ihrem Sohn Karl IX. einmal mehr klar, welche Gefahr die mächtige Familie der Guise für die Krone darstellten. Am 30. Mai 1574 stirbt Karl IX. und sein Bruder Heinrich III. folgt ihm als König nach. Doch bevor sich der Kardinal dessen Gunst hätte erwerben können, starb er am 26. Dezember 1574 in Avignon. Karl von Guise war einer der bedeutendsten französischen Kirchenmänner des 16. Jahrhunderts.

3. Guise, Maria von, Regentin von Schottland (1542-1559), Mutter von Maria Stuart, Schwester von Franz von Guise (siehe 1.) und von Karl, dem Kardinal von Lothringen (siehe 2.); * 22. November 1515 in Bar-le-duc; † 10. Juni 1560 in Edinburgh. - Maria war das älteste von zwölf Kindern des ersten Herzogs von Guise, Claude von Lorraine und Antoinette von Bourbon. 1534 heiratete sie Ludwig II. von Orleans, Herzog von Longueville, doch schon ein Jahr später starb dieser. Maria wehrte sich erfolgreich gegen Pläne ihrer Brüder, Heinrich VIII. von England zu heiraten. 1538 ging sie dann aber auf ausdrücklichen Geheiß von König Franz I. nach Schottland, um dort König James V. zu heiraten, dessen erste Frau, Margarethe von Frankreich, 1537 gestorben war. Mit dieser politischen Heirat (am 9. Mai 1538) sollte die Allianz zwischen Schottland und Frankreich gefestigt werden. Am 7. oder 8. Dezember 1542 gebar Maria von Guise König James V. eine Tochter, Maria Stuart. Doch nur eine Woche später starb dieser und ließ Maria von Guise als Witwe und Regentin für ihre minderjährige Tochter zurück. Heinrich VIII. von England versuchte sogleich nach dem Tod von James V. eine anti-französische Allianz zu erreichen. Er glaubte dabei, leichtes Spiel zu haben. Denn nach dem Tod von James V. versuchte Kardinal David Beaton, Erzbischof von St. Andrew's und Primas von Schottland (siehe dort) einen Regierungsrat unter seiner Führung einzusetzen, was jedoch von den Adeligen des Landes abgelehnt wurde. Der Kardinal wurde verhaftet und der Earl of Arran als Protektor eingesetzt. Maria von Guise sollte damit kaltgestellt werden und mit ihr die französisch-schottische Verbindung. Nach langem Hin und Her erreichte Heinrich VIII. schließlich am 12. März 1543, daß ein Vertrag geschlossen wurde, nach dem Maria Stuart seinem Sohn Edward zur Frau versprochen wurde. Er konnte es allerdings nicht erreichen, daß man die kleine Maria Stuart nach England schickte, um sie bis zur Heirat dort zu erziehen. Kardinal Beaton, inzwischen wieder frei, appellierte an den Nationalstolz seiner Landsleute und wetterte erfolgreich gegen die Pläne Heinrichs. Er überzeugte die Schotten davon, daß hinter der geplanten Ehe letztlich die Absicht stecke, Schottland an England anzugliedern. Heinrich VIII. suchte daraufhin nach einer Gelegenheit, den Kardinal zu beseitigen. Dazu bediente er sich dessen protestantischen Gegner. Am 29. Mai 1546 wurde Beaton in seinem Schloß ermordet. Nach dem Tod ihres wichtigsten Ratgebers und politischen Weggefährten suchte Maria von Guise noch mehr Unterstützung in ihrer Heimat Frankreich. 1547 marschierte der Herzog von Somerset mit englischen Truppen nach Schottland, um die kleine Maria als Braut des neuen englischen Königs Eduard VI. nach London zu holen. Der Versuch schlug fehl und auf Betreiben von Maria von Guise wurde am 5. Februar 1548 durch die Estates of Scotland beschlossen, das Mädchen Maria Stuart nach Frankreich zu schicken, wo sie in Sicherheit war, bis sie selbst die Regierung in Schottland antreten könne. In Frankreich wurde Maria Stuart dann auf Betreiben der Familie Guise mit dem jungen Dauphin Franz, Sohn von König Heinrich II. verlobt. Während die Reformation in Schottland um sich griff, versuchte Maria von Guise mit Rat und Hilfe ihrer beiden Brüder, dem Herzog Franz von Guise und dem Kardinal Karl von Lothringen ihre Autorität zu erhalten. 1550 weilte Maria von Guise dann fast ein Jahr lang in Frankreich bei ihrer Familie. Nach ihrer Rückkehr mühte sie sich darum alleinige Regentin in Schottland zu werden, was ihr 1554 auch gelang. Von Paris aus unterrichteten ihre Brüder die Regentin über die Erfolge deren Tochter, die den Dauphin ganz in der Hand hatte. Durch die Eheschließung Maria Stuarts mit dem Dauphin (1558) erhoffte sich dessen Vater Heinrich II. auch den englischen Thron durch seine Erben zu besetzen, da er in der neuen englischen Königin, Elisabeth I. eine Thronräuberin sah. Sie war für ihn nur eine illegitime Tochter Heinrichs VIII. und noch dazu eine Häretikerin, die England wieder von der wahren Kirche entfernen würde. Auch die Guise hofften natürlich über Maria Stuart sowohl in Schottland wie auch in England an Einfluß zu gewinnen. Außerdem wollten sie durch Maria Stuart die katholische Sache auf den britischen Inseln retten. 1559 entsandten Franz von Guise und sein Bruder Karl Nicholas de Bellève, Bischof von Amiens und einige Theologen der Sorbonne nach Schottland. Diese sollten ihre Schwester dazu bringen, gerichtlich gegen alle Häretiker und gegen die protestantischen Prediger im Land vorzugehen. Maria von Guise protestierte und schrieb ihren Brüdern, daß sie nur eine einzige Möglichkeit sehe, die katholische Kirche in Schottland zu erhalten, nämlich die, den Schotten die Gewissensfreiheit zu gewähren. Doch letztlich beugte sie sich den Wünschen ihrer Brüder. Die verschärfte Verfolgung von Protestanten führten in Schottland zu einer Revolte. Kirchen und Klöster wurden gestürmt und die Einrichtung zerschlagen und John Knox (siehe dort) proklamierte das Recht des Widerstands gegen staatliche Tyrannen. Die Versammlung der schottischen Peers und Barone vom 21. Oktober 1559 entzogen Maria von Guise die Regentschaft. Sie war gerade in Leith, wo sie von französischen Soldaten geschützt wurde. Mit diesen Truppen ging sie nun selbst zum Angriff über, um sich die Regentschaft zurückzuholen. Sie schlug die protestantischen Streitkräfte und zog wieder in die Hauptstadt Edinburgh ein. Doch Königin Elisabeth I. entsandte bald darauf eine englische Armee, um die Protestanten in Schottland zu unterstützen. So wurde Maria von Guise in Edinburgh eingeschlossen und belagert. Während der Belagerung starb sie am 10. Juni 1560. Mit dem Tod Maria von Guises endete der Einfluß Frankreichs auf die schottische Politik. Auch ihre Tochter Maria Stuart konnte nach ihrer Rückkehr 1561 das Ruder nicht mehr herumreißen. Schottland war auf dem Weg, eine protestantische Nation zu werden, die sich mehr und mehr an England annäherte, bis 1603 die Kronen Schottlands und Englands unter dem Sohn von Maria Stuart vereinigt wurden.

4. Guise, Heinrich, dritter Herzog von Lorraine, Prinz von Joinville, Sohn von Franz von Guise (siehe 1.) und Bruder von Karl von Guise, Herzog von Mayenne (siehe 5.); * 31. Dezember 1550; † 23. Dezember 1588 im Schloß zu Blois. - Heinrich war der älteste Sohn von des Franz von Guise und seiner Frau Anna von Este. Er war ehrgeizig und mutig, jedoch fehlte ihm die Entschlossenheit und politische Wendigkeit seines Vaters. In jungen Jahren zeichnete sich dieser dritte Herzog von Guise als guter Soldat in Ungarn und auf dem Balkan aus, wo er im Dienste des Kaisers gegen die Türken kämpfte. Nach seiner Rückkehr nach Frankreich nahm er am zweiten und dritten Hugenottenkrieg teil. Er hat die Ermordung seines Vaters durch einen Hugenotten nie verwunden. Er glaubte Gerüchten, nach denen Coligny, der Führer der Hugenotten, in die Ermordung seines Vaters Franz von Guise verwickelt gewesen sein soll. Coligny wurde zum erklärten Feind des jungen Heinrich. Heinrich glänzte als militärischer Führer der katholischen Partei in den Schlachten von Saint Denis (1567), Jarnac und Montcontour (1568) sowie bei der Verteidigung von Portiers gegen Coligny (1569). Als Heinrich von Guise 1570 um die Hand von Margarethe von Valois (1553-1615) anhielt, der Schwester von König Karl IX., war dies ein Affront gegen denselben. Doch Heinrich stand bald darauf wieder in der Gunst des Königs, nachdem er in aller Eile Katharina von Kleve (1548-1633) geheiratet hatte, ein Patenkind der Regentin Katharina von Medici. Zwischen 1570 und 1572 war Heinrich dann aber über den Aufstieg seines Feindes Admiral Coligny und über die Zunahme der Protestanten im königlichen Rat beunruhigt. Der junge König, der sich von der völligen Bevormundung durch seine Mutter befreien wollte, setzte zunehmend auf Coligny und seine Freunde. Die Bevorzugung Coligny´s rief nicht nur Ängste in Heinrichs von Guise wach, sondern auch in Katharina von Medici, die ihren Einfluß auf ihren Sohn schwinden sah. So intrigierte sie zusammen mit den Guise gegen Coligny und die Hugenotten. Trauriger Höhepunkt dieser Intrigen war am 24. August die Bartholomäusnacht, in deren Verlauf im ganzen Land etliche Tausend Hugenotten ihr Leben verloren. Der Terror dieser Nacht wurde ironischerweise durch Karl IX. selbst ausgelöst, dem man zuvor eingeredet hatte, einige Führer der Protestanten planten seine Ermordung, um sich der Krone zu bemächtigen. Mit der Unterschrift des Königs unter den Todesurteilen gegen zahlreiche führende Protestanten, rückte Heinrich von Guise mit seinen Soldaten aus, um unter anderem Admiral Coligny zu ermorden. Die Folge der Bartholomäusnacht waren Racheakte und Massaker seitens der Hugenotten und ein erneuter blutiger Religionskrieg. 1574 starb Karl IX. und sein Bruder Heinrich III., seit 1573 König von Polen, folgte ihm auf den Thron nach. Doch auch er konnte den Religionskriegen und der inneren Spaltung des Landes nicht wehren. Es kam die Stunde der Guise. In der Schlacht von Dormans am 10. Oktober 1575 erhielt Heinrich von Guise eine Schnittwunde an der Wange, die ihm wie schon seinem Vater den Beinamen "Le Balafré" (der Narbengesichtige) eintrug. Sein Einfluß wuchs nach mehreren erfolgreichen Schlachten und bei vielen Zeitgenossen galt er bald als zweiter Judas Maccabäus, so daß Heinrich III. allmählich um seine Krone fürchten mußte. 1576 wurde die Heilige Liga gegründet, zu deren Führer sogleich Heinrich von Guise ernannt wurde. Es dauerte nur wenige Monate und die Liga hatte bereits über 30.000 Mann unter Waffen. Eine im Land verbreitete Erklärung erläuterte den Menschen die Ziele der Liga. Zu ihnen gehörten unter anderem, das Gesetz Gottes und den heiligen Gottesdienst nach Form und Lehre der heiligen katholischen und apostolischen Kirche Roms wiederherzustellen sowie die Restaurierung der Provinzen und Stände des Königreiches unter dem Schutz der Liga. Dahinter verbarg sich vor allem die Sicherung alter Privilegien der Familien des Hochadels wie der Guise und eine Dezentralisierung der staatlichen Gewalt. Zurecht sah dies Heinrich III. und noch mehr seine Mutter Katharina von Medici als Versuch, die Macht des Königs zu beschneiden. Sie fürchteten Verhältnisse wie im Deutschen Reich, wo die Fürsten und Kleinstaaten die Autorität des Kaisers oft genug untergruben und dessen Gewalt marginalisierten. Die Hugenotten schürten die Ängste des Königs noch durch die Verbreitung von Pamphleten, nach denen Heinrich von Guise mit Verweis auf seine Abstammung von Karl dem Großen beim Papst bereits Anspruch auf den französischen Thron erhoben haben soll. Die Liga wurde zuerst in der Picardie unter der Führung von Marschall de Humiéres, dem Gouverneur von Péronne organisiert, sodann in Roye, Montdider und verschiedenen anderen Provinzen, schließlich auch in Paris selbst. Aus Furcht davor, Gefangener der Liga zu werden, schloß Heinrich III. mit den Protestanten den Frieden von Beaulieu, in dem er ihnen bedeutende Zugeständnisse machte. Doch bei der folgenden Versammlung der Generalstände im November / Dezember 1576 waren die Kräfte der Liga so dominant, daß sie die Annullierung des Friedens von Beaulieu fordern konnten. So wurde per Edikt vom 1. Januar 1577 der Frieden aufgehoben und Heinrich III. trat selbst der Liga bei. Dies war das Signal zu zwei weiteren Religionskriegen, während derer die militärischen Fähigkeiten und der religiöse Eifer des Herzogs von Guise der wankelmütigen und laxen Haltung König Heinrichs III. gegenüberstanden. Heinrich von Guise wurde mehr und mehr der Führer der katholischen Partei in Frankreich, während Heinrich von Navarra, der zukünftige Heinrich IV. zum Champion der Protestanten avancierte. - Am 10. Juni 1584 starb der Herzog von Alençon, Franz von Anjou (1554-1584), der jüngere und einzige noch lebende Bruder König Heinrichs III. und voraussichtlicher Thronerbe. Es war offensichtlich, daß mit dem Tod von Heinrich III. die Dynastie der Valois aussterben würde und Heinrich von Navarra der nächste verwandte Erbe sein würde. Nur war dieser Calvinist, weshalb die Liga alles daransetzte, die Thronfolge von Heinrich von Navarra hintertreiben. So schrieben zuerst im Auftrag der Liga viele Schriftsteller und Genealogen mit dem Blick auf die Zukunft unzählige Pamphlete, welche die Abstammung der Guise von Karl dem Großen belegten und klarmachten, daß wie einst Pippin der Kurze nach Karls Tod nun Heinrich von Guise nach dem Tod von Heinrich III. mit Hilfe des Papstes zum König von Frankreich bestimmt werden müsse. Dann schloß Heinrich von Guise am 31. Dezember 1584 mit Philipp II. von Spanien den Vertrag von Joinville, der auch von Papst Sixtus V. ratifiziert wurde. Dieser Vertrag sah vor, daß im Falle des Todes von Heinrich III. Karl von Bourbon, Kardinal und Erzbischof von Rouen (1520-1590), der dritte Sohn von Karl von Bourbon, des Herzogs von Vendôme, zum Thronerben ernannt werden solle, um alle anderen erbberechtigten französischen Prinzen häretischen Glaubens auszuschließen. Der Kardinal war ein Onkel von Heinrich von Navarra und veröffentlichte am 1. April 1585 ein Manifest zu diesem Zwecke. Philipp II. von Spanien gewährte der Liga pro Monat 50.000 Kronen, um den Kampf gegen die Hugenotten finanziell bestreiten zu können. Daraufhin brach ein Bürgerkrieg aus, in dessen Verlauf Heinrich III. auf die Seite der Liga wechselte. Am 18. Juni 1585 widerrief er im Vertrag von Namur alle Edikte und königlichen Proklamationen, die den Protestanten verschiedene Freiheiten gewährt hatten. Nachdem Papst Sixtus V. versichert worden war, daß Heinrich III. und Heinrich von Guise zu einer Einigung gelangt waren, veröffentlichte er eine Bulle gegen Heinrich von Navarra. Bislang war der Papst eher zurückhaltend, da die Liga gegen den König und nicht mit ihm und unter seiner Autorität agierte. Die Guise jedenfalls förderten katholische Aufstände in der Champagne und Picardie und besetzten die strategisch wichtigen Städte Toul und Verdun. Zwar wurde ihr Lieutenant Anne de Joyeuse bei Coutras von Heinrich von Navarra geschlagen, doch glich der großartige Sieg Heinrichs von Guise bei Vimory am 26. Oktober 1587 die Niederlage mehr als aus. Heinrich von Guise schaffte es bei Vimory die deutschen protestantischen Hilfstruppen zurückzuschlagen. Ein Geheimkomitee der Liga agierte unterdessen in Paris. Die Liga mobilisierte dort das einfache Volk und den Klerus der Stadt und schuf durch aufpeitschende Reden und Predigten vor allem der Ordensgeistlichen, eine explosive Stimmung, welche die Guise für sich ausnutzen sollten. Am 9. Mai 1588 zog Heinrich von Guise unter großem Jubel der Massen in Paris ein. Er zog zum Louvre und forderte den König auf, in Frankreich die Inquisition einzuführen und die Dekrete des Konzils von Trient zu verbreiten und ihnen die offizielle Promulgation zukommen zu lassen. Der König protestierte gegen die Forderungen des Herzogs von Guise und versuchte ihm ergebene Truppen in die Stadt zu bringen. Die Guise waren jedoch schneller und nutzten die zuvor geschaffene explosive Stimmung aus. Sie schürten am 12. Mai 1588 einen Aufstand, in dessen Folge Tausende zum Louvre zogen, um sich des Königs zu bemächtigen (Tag der Barrikaden). Guise, dem Heinrich III. einige Versprechen abgegeben hatte, spielte nun den Retter und trat unbewaffnet vor den Louvre, um die Volksmassen zu beruhigen. Damit demonstrierte er nach außen seine Loyalität zur Krone, wohlwissend, daß er den König zu diesem Zeitpunkt politisch in der Tasche hatte. Der König nutzte die Beruhigung der Lage und floh zunächst nach Chartres und von dort auf sein Schloß nach Blois. Guise war nun Herr über Paris und hätte sich ohne die geringsten Schwierigkeiten der Krone bemächtigen können. Wortgewaltige Prediger und religiöse Fanatiker forderten den bedingungslosen Krieg gegen die Protestanten und schürten die Unruhe in Paris weiter. Guise verließ aber plötzlich der Mut. Er fürchtete nun selbst von der losgetretenen Entwicklung überrannt zu werden und suchte den Ausgleich mit dem geschmähten König. Am 10. Juli 1588 wurde zwischen der Liga und Heinrich III. die Union von Rouen geschlossen, durch die Heinrich von Guise wichtige Ämter erhielt, unter anderem das des General-Lieutenants des Königreiches. Des weiteren wurde Heinrich von Navarra der Weg zum Thron verwehrt und im Sinne der Guise wurde eine baldige Einberufung der Generalstände festgelegt. Damit gewann Heinrich III. notwendige Zeit. Zwischen September und Dezember 1588 kamen die Generalstände in Blois zusammen. Es wurde in zahlreichen Reden deutlich, daß man gegen einen königlichen Absolutismus war und vor allem der Adel, geführt durch die Liga und den Herzog von Guise, forderte mehr politischen Einfluß. Einmal mehr wurden die Verdienste der Guise gepriesen und auf ihre Abstammung von den Merowingern verwiesen. Heinrich III. mußte sich entscheiden, ob er die Liga und die Guise als Staat im Staat weiter wirken lassen wollte oder nicht. Er fürchtete, daß das Königreich in rivalisierende Fürstentümer zerfallen könnte. So entschloß er sich, des Herzogs von Guise zu entledigen. Obgleich Heinrich von Guise noch am 22. Dezember 1588 vor einer Verschwörung gegen sein Leben gewarnt wurde, ging er am 23. Dezember 1588 ohne Begleitung und Bewaffnung in die Arbeitszimmer des Königs, der ihn hatte kommen lassen. Dort wurde er von Mitgliedern der königlichen Garde ermordet. Augenzeugen berichten, der König habe den Leichnam in einen Teppich wickeln lassen, dem Toten ins Gesicht getreten und gesagt: "da seht den König von Paris." In der folgenden Nacht wurde auch der Bruder von Heinrich von Guise, Ludwig, Kardinal von Guise (siehe 6.) ermordet, da man in ihm ebenfalls eine Gefahr für den Staat sah. Die beiden Leichen wurden verbrannt und ihre Überreste in die Loire gestreut. Mit diesem Doppelmord war die Rolle, welche die Familie Guise seit einem Vierteljahrhundert auf dem Vordergrund der politischen Bühne Frankreichs gespielt hatte, zu Ende gegangen.

5. Guise, Karl von, Herzog von Mayenne, Sohn von Franz von Guise (siehe 1.) und seiner Frau Anna von Este, Bruder von Heinrich von Guise (siehe 4.) und Ludwig, Kardinal von Guise (siehe 6.); * 26. März 1554 in Alençon; † 3. Oktober 1611 in Soissons. - Er trat wie sein Bruder Heinrich in den militärischen Dienst ein und bestand an dessen Seite etliche Schlachten in den ersten französischen Religionskriegen. Zum ersten Mal tritt er bei der Verteidigung von Portiers 1569 sowie in der Schlacht von Moncontour in Erscheinung. Dann aber ging er nach Venedig, um sich dem Kampf gegen die Türken anzuschließen. Als Edler Venedigs unterstützte er mit einer Flotte die Expedition des Don Juan de Austria. Karl kehrte nicht vor Ende des Massakers in der Bartholomäusnacht in seine Heimat zurück. In Frankreich zurück nahm er am vierten Religionskrieg teil und begleitete Heinrich, den Herzog von Anjou bei der Belagerung von La Rochelle 1573. Später folgte er diesem nach dessen Wahl zum König nach Polen. Nach dem Tod Karls IX. kehrte der Herzog von Anjou als König Heinrich III. nach Frankreich zurück und Mayenne folgte ihm auch diesmal. In Frankreich nahm er sogleich wieder an den neu aufgelebten Religionskriegen teil. Er war bei der Eroberung von Poitou (1577) und Dauphiny (1580) dabei. Seine Politik war die seines Bruders Heinrich von Guise: Allianzen mit Spanien und dem Papst gegen Heinrich von Navarra und letztlich auch gegen seinen König Heinrich III. Er unterstützte den Plan, nach dem Tod des Königs den Kardinal von Bourbon zum Thronerben zu bestimmen. Dieser war der Onkel von Heinrich von Navarra und Parteigänger der Guise. Heinrich III. koalierte seit 1585 wohl offiziell mit der Liga, doch spürte Mayenne die Unstetigkeit des Königs in seinem Kampf gegen die protestantischen Kräfte im Süden Frankreichs. Dort behinderte ihn der königliche Marschall de Matignon in seiner Kampagne eher als daß er ihn unterstützte. Spätestens die Ermordung seiner beiden Brüder in Blois offenbarten Mayenne das doppelte Spiel, das Heinrich III. betrieb. Mayenne war zum Zeitpunkt ihrer Ermordung gerade in Lyon. Der spanische Botschafter Bernardo de Mendoza warnte ihn jedoch, so daß er genug Zeit hatte sich in Sicherheit zu bringen. Heinrich III. hatte nämlich Kolonel d´Ornano nach Lyon ausgeschickt, um Mayenne gefangen zu nehmen. Dieser zog sich in sein Herrschaftsgebiet in Burgund zurück. Er trat in Burgund und auch in der Champagne, wo sein ermordeter Bruder Gouverneur gewesen war, einen Aufstand los und marschierte gegen Paris, womit seine aktive Rolle in der Geschichte der Liga begann. - König Heinrich III., der die Ermordung der beiden Guise veranlaßt hatte, wurde von den Predigern als Verräter und Freund der Häretiker gebrandmarkt und exkommuniziert. Die Sorbonne und das Pariser Parlament erklärten ihn für abgesetzt. Zusammen mit den Stadtoberen und den Vertretern des Pariser Mittelstandes organisierte Mayenne nach seinem Eintreffen in der Hauptstadt das Generalkonzil der Union (Conseil général d´union). Das Konzil senkte die Steuern und organisierte die Verteidigung der Stadt gegen Heinrich von Navarra. Es rief Philipp II. von Spanien um materielle und den Papst um geistliche Unterstützung an und nahm die Verbindung zu den anderen großen Städten des Landes auf. Es herrschte erneut Bürgerkrieg im Land und viele Städte stellten sich auf die Seite der Liga. Nach fehlgeschlagenen Verhandlungen mit Mayenne, der ihm nach der Ermordung seiner Brüder nicht traute, vereinigte Heinrich III. am 1. Mai 1589 seine Streitkräfte mit denen von Heinrich von Navarra, mit dem er sich inzwischen ausgesöhnt und den er als seinen Nachfolger bestätigt hatte. Die vereinigten Armeen des Königs und der Protestanten wurden noch von Truppen aus der Schweiz und Deutschland unterstützt. Sie konnten Mayenne von Nachschubwegen abschneiden und in der Hauptstadt einschließen. Am 28. Juli 1589 begann die Belagerung von Paris. Eine Art Endzeitstimmung machte sich in Paris breit und da ermordete der fanatische Dominikaner Jaqcues Clément König Heinrich III.. Der Tod des Königs ließ einen Teil seiner Truppen zur Liga überlaufen, so daß Heinrich von Navarra die Belagerung aufgeben mußte. Der Thron war nun vakant und die katholische Bevölkerungsmehrheit zeigte sich unwillig den protestantischen Heinrich von Navarra als König anzuerkennen. Hätte Mayenne sich durchgerungen und sich als König ausgerufen, seine Aktion hätte gewiß Erfolg gehabt. Denn der vor fünf Jahren von der Liga auserkorene Thronfolger, der Kardinal von Bourbon, war alt, schwach und noch dazu Gefangener seines Neffen Heinrich von Navarra. Er konnte also schwerlich seine 1585 proklamierten Ansprüche auf den Thron geltend machen. Mayennes engste Anhänger drängten ihn, die Krone anzunehmen, doch er widerstand der Versuchung. So nahm er einstweilen den militärischen Kampf gegen Heinrich von Navarra auf. Dieser gewann durch das Zaudern Mayennes wertvolle Zeit, sein weiteres Vorgehen zu planen. Heinrich von Navarra sammelte seine militärischen Kräfte neu und suchte nun auch den Kontakt zu moderaten Katholiken. Diese, als Les Politiques bekannt, suchten der Kriege müde auch von sich aus den Ausgleich mit Heinrich von Navarra, wobei sie im Stillen hofften, ihn um des Friedens und der Einheit des Landes willen zum Übertritt zum katholischen Glauben bewegen zu können. Mayenne focht Ende 1589 in Arques und dann noch einmal im März 1590 bei Ivry gegen Heinrich von Navarra, mußte sich aber beide Male militärisch geschlagen geben. So war er gezwungen nach Paris zurückzukehren. Dort verkündete er den Bewohnern, er werde nach Flandern gehen, um neue Truppen zu sammeln. Für die Zeit seiner Abwesenheit rief er die Pariser zur Selbstverteidigung auf. Während Mayenne noch in Flandern weilte, starb der Kardinal von Bourbon am 8. Mai 1590 und die Anhänger der Liga standen vor dem großen Problem, wer denn jetzt der katholische Anwärter auf den Thron sein solle. Und genau da begann Heinrich von Navarra mit seiner berühmten Belagerung von Paris. Die Menschen der Stadt hielten der Belagerung stand, wenn auch Woche für Woche der Hunger größer wurde. Der spanische Botschafter, der päpstliche Legat und so gut wie alle Kirchenmänner gaben Geld und andere Kostbarkeiten, um die Truppen Mayennes zu bezahlen, daß er nur bald zur Befreiung kommen könne. Die Geistlichen hielten die Moral der Menschen hoch und versprachen ihnen je aufs neue, Mayenne und Alessandro Farnese, der Herzog von Parma und Statthalter der spanischen Niederlande, würden kommen und die Rettung bringen. Am Ende der Belagerung war der Hunger aber so groß, daß die Menschen selbst die Toten aßen. Am 23. August trafen Mayenne und Farnese mit ihren Truppen bei Meaux zusammen und rückten gemeinsam gegen Paris vor. Die vereinigten Truppen zwangen Heinrich von Navarra, die Belagerung aufzugeben und am 18. September 1590 zog Mayenne als Befreier in Paris ein. Doch der Krieg ging weiter. Heinrich von Navarra eroberte Chartres und Mayenne Chateau-Thierry. - Die Liga litt nun an auseinandergehenden Meinungen bezüglich der weiteren Politik. Die strengen Anhänger der Liga wollten auf den eben erst aus dem Gefängnis in Tours befreiten Sohn von Heinrich von Guise setzen. Der sollte eine spanische Prinzessin heiraten und mit der Rückendeckung Spaniens den französischen Thron besteigen. Sie erhielten durch den am 5. Dezember 1590 neu gewählten Papst Gregor XIV. Aufwind. Dieser erneuerte im März 1591 die Exkommunikation gegen Heinrich von Navarra und rief die Katholiken Frankreichs zum Kampf gegen diesen protestantischen Fürsten auf. In Paris verschärften sich die Zustände. Radikale Katholiken forcierten die Verfolgung aller, die auch nur im Verdacht standen, Heinrich von Navarra zu unterstützen oder mit den Protestanten zu sympathisieren. Diese Hardliner wollten im Falle, daß der junge Herzog von Guise nicht König werden sollte, unter bestimmten Bedingungen selbst Philipp II. als König von Frankreich akzeptieren. Um ihre Ziele deutlich zu machen, ließen sie am 15. November 1591 etliche Katholiken der moderaten Partei aufhängen, so auch Brisson, den Parlamentspräsidenten und die beiden Kanzler Larcher und Tardif. Die Nachrichten von der beginnenden Schreckensherrschaft in Paris erreichten Mayenne in Laon und er kehrte am 28. November eilends nach Paris zurück. Vier radikale Führer ließ er am 4. Dezember 1591 hinrichten und stellte sich demonstrativ auf die Seite der moderaten Kräfte in der katholischen Partei. Mayenne wollte mit Heinrich von Navarra verhandeln und ließ ihm am 8. Mai 1592 seine Bedingungen für einen sofortigen Frieden zukommen. Heinrich sollte dem Protestantismus abschwören und alle Orte, die zur Zeit in den Händen der Liga seien, sollten für weitere sechs Jahre unter ihrem Schutz stehen. Mayenne selbst sollte Herzog von Burgund und Lyon werden und das Amt des General-Lieutenant des Königreiches erhalten. Heinrich von Navarra lehnte die Bedingungen als überzogen ab und selbst Mitglieder der Liga waren dagegen. Daraufhin rief Mayenne am 26. Januar 1593 die Generalstände ein, damit sie einen König wählten. Er wollte weder einen protestantischen König noch eine spanische Königin. Da er aber in Paris von vielen umgeben waren, die letzteres anstrebten, arbeitete er verdeckt gegen solche Pläne. Mayenne erreichte es schließlich, daß die Generalstände am 28. Juni 1593 ein Dekret erließen, welches es unmöglich machte, daß die Krone an einen ausländischen Prinzen oder eine ausländische Prinzessin übertragen wurde. Damit war das spanische Match ausgespielt. - Nun half auch Heinrich von Navarra selbst mit, Mayenne zu stützen. Er schwörte am 25. Juli 1593 dem Calvinismus ab und unterschrieb am 31. Juli einen Waffenstillstand mit Mayenne. Dieser galt nun in den Augen der treuen Anhänger der Liga als Verräter. Das Parlament akzeptierte Heinrich von Navarra nach seiner Konversion zum Katholizismus als rechtmäßigen König und schwor ihm am 3. Januar 1594 die Treue. Die Pariser folgten dem Parlament und man bereitete dem einstigen Belagerer am 22. März 1594 einen großen Empfang. Man drängte nun darauf, daß der designierte König Heinrich IV. und Mayenne endgültig Frieden schlossen. Mayenne führte aber noch zwei weitere Jahre den Kampf gegen Heinrich IV. fort. Unterstützt wurde er von Spanien, welches ihm jedoch nie mehr so recht vertraute, seitdem Mayenne verhindert hatte, daß die spanische Infantin französische Königin wurde. Am Ende gab Mayenne doch den militärischen Widerstand auf und zog sich nach Burgund zurück. Im Januar 1596 schloß er endgültig Frieden mit Heinrich IV. In diesem Vertrag wurde die Liga für aufgelöst erklärt. Mayenne wurden drei Sicherheitsorte garantiert: Soissons, Chalon-sur- Sâone und Seurre. Und die Guise wurden, was die Ermordung von Heinrich III. anbelangt, von jeder Verantwortung freigesprochen. Auch übernahm Heinrich IV. die Schulden der Liga, insgesamt 350.000 Kronen. Mayenne verzichtete auf seinen Anspruch auf das Herzogtum Burgund, dafür wurde sein Sohn Gouverneur der Ile de France (mit Ausnahme von Paris) und Großkämmerer des Königs. Mayenne war fortan bis zu seinem Tod Heinrich IV. treu ergeben. Damit waren die Religionskriege an ihr Ende gekommen und Frankreich blieb als wieder geeintes mehrheitlich katholisches Land erhalten.

6. Guise, Ludwig von ; Bruder von Heinrich von Guise (siehe 3.); Kardinal und Erzbischof von Reims und Lyon, zweiter Kardinal von Lothringen; * 6. Juli 1555 in Dampierre; † 24. Dezember 1588 im königlichen Schloß zu Blois. - Ludwig wurde 1574 zum Kardinal ernannt und 1583 zum Erzbischof von Reims. Durch die Heirat des minderjährigen König Franz II. mit Ludwigs Cousine Maria Stuart 1558 gewann die Familie bedeutenden Einfluß am französischen Hof. Dieser Einfluß wurde bald zur Gefahr für das zentralistisch denkende Königtum, wie die folgenden Religionskriege zeigen sollten, die auch zu einem Kampf um die Krone wurden. Ludwig unterstützte als geistlicher Führer seinen Bruder in dessen harter Politik gegen die Hugenotten. Nachdem König Heinrich III. zunehmend von der katholischen Liga und vom Papst wegen seiner hugenottenfreundlichen Politik angefeindet wurde, ließ er aus Angst seinen Thron zu verlieren, am 23. Dezember 1588 Heinrich von Guise und nur einen Tag nach ihm auch seinen Bruder Ludwig im Schloß von Blois von königstreuen Männern ermorden. Damit war die katholische Liga binnen zweier Tage ihrer wichtigsten Führer beraubt. Die Führung der Liga übernahm nun notgedrungen ihr Bruder Karl, Herzog von Mayenne (siehe 5.).

Zeitgenössische Quellen: Francois Beaucaire: Oratio de victoria, qua Carolus IX. Galliarum rex Francisci Lotharingi Guisae ducis, necnon et Annae Monmorencii equitum magistri auspiciis rebelles causam religionis pretexentes ingenti clade superavit. Habita est Tridentini in publico Patrum qui ad concilium oecumenicum convenerunt consessu, Brescia 1563 (Rede vor den in Trient versammelten Konzilsvätern über den Sieg, den der Herzog von Guise, Franz v. Lothringen, am 19. Dezember 1562 über die Hugenotten errungen hatte. Francois Beaucaire (hier Belcarius) de Peguillon war der vom Hause Lothringen eingesetzte Bischof von Metz); La légende de Charles cardinal de Lorraine et de ses frères, descrite par François de L ´Isle, Reims 1576; Francois de Rosieres: Stemmatum Lotharingiae ac Barri Ducum Tomi Septem, Paris 1580 (Rosieres, Erzdiakon von Toul war Parteigänger der Guise. In diesem Geschichtswerk führt er die Familie Guise auf den trojanischen Helden Antenor zurück und spricht ihnen die Legitimation zu, Frankreich zu regieren); Richard Dinoth: De bello civili gallico religionis causa suscepto lib. VI. Acceßit index rerum memorabilium locupletißimus, Basel 1582 (Dinoth war französischer Hugenotte und bietet in diesem Werk eine fundierte, wenn auch parteiische Geschichte der Hugenottenkriege); Erklärung Königlicher Maiestet in Franckreich, der jetzt im Königreich endstandnen Empörung wegen, Augsburg 1585 (nach dem Tode des Herzogs von Anjou (1584) war es zu Aufruhrbewegungen vieler französischer katholischer Fürsten wie der Guise und Geistlicher gekommen, die in der angeblich nicht genügend hugenottenfeindlichen Politik König Heinrichs III. eine Begünstigung des (damals reformierten) Thronfolgers Heinrich von Navarra erblickten. Der König verwahrt sich in dieser Erklärung dagegen; er betont zudem, daß er mit seiner Frau noch lange leben und sehr wohl noch leibliche Erben hinterlassen könne); François Hotman, sieur de Villiers Saint Paul, 1524-1590: Protestation et defense pour le roy de Navarre Henry III, premier prince de France, & Henry, prince de Condé, aussi prince du mesme sang, contre l'iniuste & tyrannique bulle de Sixte V. publiée à Romme, au mois de septembre 1585, au mespris de la maison de france. Traduicte du latin intitulé Brutum fulmen Sixti V., ? 1587; Ders., La vie de Gaspard de Coligny, seigneur de Chastillon sur Loin, gouverneur pour le roi de l'Isle de France & de Picardie, colonel general de l'infanterie françoise, & amiral de France, Köln 1686; La Deffaite de trois cornettes de reistres par commandement de Monseigneur le Duc de Guise, Lyon 1587; Discours ample et veritable, de la defaicte obtenuâ aux Faux-bourgs de Tours, sur les trouppes de Henry de Valois. Par Monseigneur le Duc de Mayenne..., Paris 1589; La Defaite de dix-sept compagnies de gens de pied, & trois cens chevaux du Comte de Brienne. Par Monseigner le Duc de Mayenne ..., Paris 1589; René Bouchet, sieur d'Ambillou, Discours de la guerre civile et mort très-regrette de Henry III. roy de France & de Pologne Tours 1590; Bernardin de Mendoza: Commentaires memorables ... des guerres de Flandres & pays bas depuis l'an 1567 iusques a l'an mil cinq cens soixante & dixsept, Paris 1591 (Der Autor ist der Ränkeschmied und Geschichtsschreiber Don Bernardin de Mendoza. Dieser war spanischer Botschafter in Frankreich und England. Als solcher versuchte er während der Hugenottenkriege die Macht der katholischen Liga in Frankreich, mit zum Teil auch für ihn selber gefährlichen Intrigen und Absprachen zu festigen); Erklärung und kurtzer warhaffter Bericht, Des Hochwürdigsten ... Herrn Caroli ..., Bischoffen zu Straßburg un(d) Metz, Hertzogen zu ... Lottringen ... Darin(n) gründtlich zusehe(n), wie es mit dem Straßburgischen unruwigem wesen beschaffen, Sampt Copeyen der Missiven zwischen Irer Hochfürstl. Gnaden und der Statt Straßburg, vom 10. Junij biß auff den 10. Julij ergangen, Straßburg 1592 (dabei handelt es sich um einen durch zahlreiche Dokumente, und den Briefwechsel mit der Stadt Straßburg untermauerter Bericht des von dem katholischen Lager gewählten Bischofs von Straßburg, Charles de Guise, Herzog von Lothringen. Die Wahl war Auslöser des mit Waffengewalt ausgetragenen sog. "bischöflichen Krieges", der zu dem Ergebnis führte, daß die Stadt Straßburg gezwungen war, den Gewählten des katholischen Domkapitels als das alleinige rechtmäßige Oberhaupt des Stifts und die katholischen Domherren als das legitime Domkapitel anzuerkennen); Histoire des derniers troubles de France depuis les premiers mouvements de la Ligue jusqu'à la clôture des Etats à Blois, Lyon 1597; Simon Goulart,1543-1628: La troisieme recueil contenant l'histoire des choses plus memorables avenues sous La Ligue..., Paris 1601; The historie of the civill warres of France, ins Englische übersetzt von C. Cotterell und W. Aylesbury, London 1647 (das italienische Original von Enrico Caterino Davila, 1576-1631 lautet: Istoria delle guerre civile de Francia); Instructions et lettres des rois très chrétiens et des leurs ambassadeurs concernant le concile de Trente, Paris 1654; Recueil de diverses pièces servant à l'histoire de Henry III, Roy de France et de Pologne, Köln 1666; Henry II de Lorraine Duc de Guise. Les Memoires De Feu Monsieur Le Duc De Guise, Köln 1669; J.-A. de Thou, Histoire universelle de 1543 jusqu´en 1607, 16 Bde., London 1734; Memoirs de la Ligue, Amsterdam 1758; Guise le Balafré. Tragedie. A Laquelle on a joint des notes historiques et l´extrait d´une piece ecrite sur le meme sujet; ainsi que l´histoire, et les amours du Duc de Guise, Paris 1695 / Breslau 1796; Heinrich IV. König von Frankreich: Recueil des lettres missives... [1562-1610], hrsg. von M. Berger de Xivery, 9 Bde., Paris 1843-76; Négociations, lettres et pièces diverses relatives au règnes de François II, tirées du porte feuille de Sébastien de l'Aubespine, évêgue de Limoges, hrsg. von Louis Paris, Paris1841; Lettres, instructions et mémoires de Marie Stuart, hrsg. v. A.I. Labanoff, 7 Bde., London 1845; Sir Thomas Coningsby († 1625), Journal of the siege of Rouen 1591, hrsg. v. John Gough Nichols, Camden Society, London 1847; Pierre de L'Estoile, 1546-1611: Mémoires-journaux de Pierre de L'Estoile. édition pour la première fois complète et entièrement conforme aux manuscrits originaux, 11 Bde., Paris 1875-1883 (mit zahlreichen bis dato unveröffentlichten Dokumenten und historischen, biographischen und bibliographischen Kommentaren von MM. G. Brunet, A. Champollion, E. Halphen, Paul Lacroix, Charles Read, Tamizey de Larroque); Lettres de Catherine de Médicis, hrsg. v. Hector de la Ferrière und Comte Baguenault de Puchesse, 9 Bde., Paris, 1880-1899; Foreign Correspondence with Marie de Lorraine Queen of Scotland. From the Originals in the Balcarres Papers, 1537-1548, hrsg. von Marguerite Wood für die Scottisch History Society, Edinburgh 1923; Foreign correspondence with Marie de Lorraine, queen of Scotland 1548-1557, hrsg. v. Marquerite Wood für die Scottish History Society, Edinburgh 1925; The Scottish correspondence of Mary of Lorraine. Including some three hundred letters from 20th February 1542/53 to 15th May 1560, hrsg. v. Annie I. Cameron, Edinburgh 1927; Heinrich III., König von Frankreich: Lettres de Henri III, roi de France. Recueillies par Pierre Champion, hrsg. v. der Société de l'histoire de France, 2 Bde., Paris 1959-65; D. Cuisiat, Lettres du Charles cardinal de Lorraine, 1525-1574, 2 Bde., Nancy 1970; Catalogue de actes de Henri II, hrsg.von M.-N. Baudoin-Matuszek und A. Merlin-Chazelas, Paris 1979; Catalogue de François II, hrsg. v. 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Actes du colloque, Joinville 31 mai au 4 juin 1994, Paris 1997; - Arlette Jouanna, Jaqcueline Bocher, Dominique Biloghi, Guy Le Thiec (Hrsgg.), Histoire et Dictionnaire des Guerres de Religion, Paris 1998; - Die beste Biographie zum engsten Vertrauten und Ratgeber der schottischen Regentin Maria von Guise, Kardinal David Beaton (siehe dort) ist die von Margaret H.B. Sanderson, Cardinal of Scotland, David Beaton c. 1494-1546, Edinburgh 22001; - Pamela Ritchie, Mary of Guise in Scotland, 1548-1560: A Political Career, East Linton 2002; - DBF XVII, 325-332; - DHGE XXII, 1118-1125; - Lexikon der Reformationszeit, Freiburg 2002, 308-310.

Filme: L ´Assassinat du duc de Guise, ein Film von André Calmattes und Charles Le Bargy, Uraufführung am 17. November 1908 in Paris, Dauer des Films: 15 Minuten. Die Filmmusik schrieb der berühmte Komponist Camille Saint-Saëns. Der Film ist von immenser geschichtlicher Bedeutung. Er verwendet als einer der ersten die narrative Form; - Die Bartholomäusnacht (La reine Margot), ein Film von Patrice Chereau, Frankreich 1994; nach dem gleichnamigen Roman von Alexandre Dumas. Der Film ist weit entfernt von einem kitschigen Kostümepos; er gibt einen schonungslosen Einblick in einen der grausamsten Abschnitte der französischen Hugenottenkriege. Dennoch muß gesagt sein, daß sowohl Dumas Romanvorlage wie auch der genannte Film zu einem guten Stück Fiktion beinhaltet, was die Darstellung der Charaktere betrifft.

Ronny Baier

Letzte Änderung: 11.05.2004