Verlag Traugott Bautz
www.bautz.de/bbkl
Zur Hauptseite
Bestellmöglichkeiten
Abkürzungsverzeichnis
Bibliographische Angaben für das Zitieren
Suche in den Texten des BBKL
Infobriefe des aktuellen Jahres

NEU: Unser E-News Service
Wir informieren Sie vierzehntägig über Neuigkeiten und Änderungen per E-Mail.

Helfen Sie uns, das BBKL aktuell zu halten!



Band XXIII (2004) Spalten 593-595 Autor: Bernhard Hemmerle

GUMPELZHAIMER (Gumpeltzhaimer), Adam, Komponist, Musiklehrer und Musiktheoretiker; * 1559 in Trotzberg (Oberbayern), † 3. Nov. 1625 in Augsburg; besuchte die Schule des Benediktinerklosters St. Ulrich und Afra in Augsburg, wo er seine musikalische Bildung bei Jodocus Entzenmüller erhielt. 1581 wird A. Gumpelzhaimer als Praeceptor und Kantor am evangelischen Gymnasium St. Anna in Augsburg angestellt. Dieses Amt bekleidet er bis zu seinem Tod. Im April 1582 wird Gumpelzhaimer an der Universität in Ingolstadt immatrikuliert. Es steht allerdings nicht fest, wann G. den Titel eines Magisters erworben hat, mit dem er sich in der 1619 erschienenen Sammlung Wirtzgärtlein benennt. Unter Gumpelzhaimers Ägide erlebte die Kantorei von St. Anna - die 1593 und 1596 einer grundlegenden Reorganisation unterzogen wurde - einen ungeheuren Aufschwung, und trug dadurch maßgeblich zur Entwicklung der evangelischen Kirchenmusikpflege im süddeutschen Raum bei. Die beiden autographen Gumpelzhaimer-Codizes (s. Dokumente) enthalten ca. 250 Werke von Komponisten aus Deutschland, Italien und den Niederlanden. Diese Werke stellen einen Teil des sehr umfangreichen Repertoires der St. Anna-Kantorei dar. Im Jahre 1590 erhält G. mit seiner Ehefrau Barbara, geb. Wismüller das Augsburger Bürgerrecht. Die Berufung als Leiter der württembergischen Hofkapelle in Stuttgart - in der Nachfolge des im Sept. 1606 verstorbenen Leonhard Lechner - lehnt Adam Gumpelzhaimer ab. Gumpelzhaimers Kompositionen - vor allem geistliche Vokalmusik - greifen die Form der Motette, des mehrstg. Liedes, des Kanons und andere kontrapunktische Formen auf. Die Liedsätze sind überwiegend an ital. Vorbildern orientiert und gehören zur Gattung der Canzonetta und Villanella. G. ist wohl der erste Komponist, der diese weltlichen Gattungen auf geistliche Texte anwandte. In den durchweg 8stg. Motetten (überwiegend auf Psalmtexte) verwendet Gumpelzhaimer die ital. Doppelchörigkeit. Im 1614 erschienen Sacrorum concentuum... liber secundus setzt er erstmals die Generalbaßbegleitung ein. Die in versch. Sammlungen und in Abschriften erhaltenen Werke belegen Gumpelzhaimers Bekanntheit als Komponist im deutschsprachigen Raum. Seit 1812 - und bis in unsere Gegenwart hinein - wurden zahlreiche Werke Gumpelzhaimers in versch. Neuausgaben und in Chorsammlungen neu veröffentlicht. - G. Wertschätzung als Komponist wurde allerdings zu seinen Lebzeiten und noch Jahrzehnte danach von seinem Ruf als Musiktheoretiker übertroffen. Sein Compendium musicae erschien zwischen 1591 und 1681 in 13 Auflagen. In diesem Opus vereinigt Gumpelzhaimer die "Vorlagen" Compendiolum musicae von H. Faber (Braunschweig 1548) sowie dessen dt. Übersetzung Musica. Kurtzer innhalt der singkunst (Nürnberg 1572) von Christoph Rid. Er handelt sich um eine Elementarlehre der Musica practica, die für Schüler gedacht war. Gumpelzhaimer ergänzt in seinem schulpädagogischen Werk allerdings den theoretischen Teil durch zahlreiche Musikbeispiele, deren Zusammenstellung in den folgenden Auflagen stets wechselt. Neben Eigenkompositionen von G. sind Werke von O. di Lasso, Josquin Desprez und etlichen anderen Komponisten enthalten. Gumpelzhaimers Wirken als Lehrer und Kantor am ev. Annen - Gymnasium fiel in eine Zeit, in der das Musikleben - unterstützt durch das Mäzenatentum der Fugger - in der Reichs- und Handelsstadt Augsburg blühte. Infolge der engen Handelsbeziehungen mit Italien erfolgte auch ein reger Austausch im Bereich der Musik. Gumpelzhaimers persönliche Kontakte zu H. L. Hassler, J. Hassler, Chr. Erbach und G. Aichinger, die zeitweise in Augsburg im Dienste der Fugger wirkten, trugen ferner zur gegenseitigen Befruchtung bei.

Werke: Vokalmusik (Auswahl) alle ersch. in Augsburg: Neue Teutsche Geistliche Lieder... nach Art der Welschen Villanellen, 3stg., 1591; Neue Teutsche Geistliche Lieder... nach Art der Welschen Canzonen, 3-5stg.,1594; Contrapunctus, 4-5stg., 1595; Sacrorum concentuum, Liber primus, 8stg., 1601; Lustgärtlins Teutsch und lat. Geistlicher Lieder Erster Theil, 3stg.,1611; Lustgärtlins Teutscher und lateinischer Geistlicher Lieder Ander Theil,3stg.,1611; Sacrorum concentuum ..... liber secundus, 8stg., 1614; Zehen Geistliche Lieder... Jungen Singknaben zu gut auff etliche Fest gericht, 4stg., 1617; Zwei schöne Weihenächtslieder, 4stg., 1618; ferner Motetten, die in versch. Sammeldrucken der Zeit erschienen, oder in Abschriften aus fremder Hand erhalten sind.

Schriften: Compendium musicae, 1591; 2. Aufl. als Compendium musicae latino-germanicum, 1595; (in der Folgezeit weitere Aufl.).

Dokumente: Autographen Codex Gumpelzhaimer, 1599; Codex Gumpelzhaimer, 1624; Inventar der Kantorei St. Anna Augsburg (autogr. Einträge von G. 1620-1625).

Lit. (Auswahl): Gumpelzhaimer, Chr. G., Geschichte der Familie G., aus urkundlichen und hs. Quellen, 1. Band von 1475-1666; 1829 ( Ms. des Hist. Vereins Regensburg); - Adrio, Adam, Gumpelzhaimer (Gumpeltzhaimer), Adam, in: MGG, Bd. 5, Kassel 1956, Spalten 1112-1119 (dort weitere Literaturangaben); - Artikel Gumpelzhaimer, in: Das große Lexikon der Musik, Bd. 3, Freiburg 1980, 403; - Altmeyer, Thomas, Gumpelzhaimer (Gumpeltzhaimer), Adam, in: MGG, Personenteil Bd. 8, Kassel 2002, Spalten 274-278 (dort weitere Angaben zum Werk und zur Literatur).

Bernhard Hemmerle

Letzte Änderung: 11.05.2004