HAHN, Hugo, Landesbischof von Sachsen, * 22.9. 1886 in Reval als Sohn des Pfarrers Traugott Hahn († 1939; s. d.), † 5.11. 1957 in Dresden, beigesetzt in Stuttgart-Hedelfingen. - Nach häuslichem Unterricht besuchte H. 1900-04 die St. Annen-Schule in St. Petersburg und studierte Theologie in Dorpat, Leipzig und Berlin. 1910-16 wirkte er als Pastor in Kreuz (Estland), danach bis 1919 in Nissi (Estland). Seine Gattin, Erika von Baggehuffwudt, war eine einstige Konfirmandin seines Vaters. Sie stammte aus einem alten baltischen Adelsgeschlecht und ging ihrem Gatten am 5.2. 1942 im Tod voran. H. folgte im Mai 1919 mit den Seinen dem Vater nach Deutschland und wurde Pfarrer in Worbis (Provinz Sachsen) und 1927 an der Thomaskirche in Leipzig. Seit 1930 war er Pfarrer an der Frauenkirche in Dresden und Superintendent für den Landbezirk. In der Zeit des Kirchenkampfes leitete H. die Bekennende Kirche in Sachsen und wurde darum 1938 von der Geheimen Staatspolizei aus Sachsen ausgewiesen. Er wurde Stadtvikar in Stuttgart-Hedelfingen und 1946 Pfarrer in Stuttgart-Zuffenhausen, 1945 Mitglied des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, 1947 Landesbischof von Sachsen und 1949 stellvertretender Leitender Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands. Eine schwere Erkrankung zwang ihn, im Oktober 1953 in den Ruhestand zu treten. Das Schlußwort auf dem Leipziger Kirchentag 1954 war seine letzte Verkündigung des Evangeliums.
Werke: Kämpfer wider Willen. Erinnerungen aus dem Kirchenkampf 1933-1945. Bearb. u. hrsg. v. Georg Prater, 1969 (Rez. v. Erwin Mülhaupt, in: LuJ, 1970, 54 ff.; v. Herbert Pönicke, in: Das hist.-polit. Buch 18, 1970, 86; v. Harald Schieckel, in: Bll. f. dt. Landesgesch. 107, 1971, 530 f.).
Lit.: Gottfried Noth, H. H., in: Der Sonntag. Gemeindebl. der Ev.-LuTh. Landeskirche Sachsen 12, 1957, 205 ff.; - Gottfried Fuß,... des Herrn Werke verkündigen. Zum Heimgang des Altbisch. D. H. H., in: Die Zeichen der Zeit. Ev. Mschr. f. Mitarbeiter der Kirche 12, 1958, 21 f.; - Alt-Landesbisch. D. H. H. gest., in: DtPfrBl. 57, 1957, 556; - Herbert Girgensohn, Nekrolog, in: Balt. Briefe. Mschr. 11, Hamburg 1958, Nr. 1, S. 12; - Herbert Pönicke, Carl H. H., in: Mitteldt. Köpfe. Lb. aus einem Jt., 1959, 91 f.; - Lex. dt.balt. Theologen, bearb. v. Wilhelm Neander, Hannover-Döhren 1967; - Hugo Hahn, Meine Ausweisung aus Sachsen, in: Ev. Freiheit u. kirchl. Ordnung. Freundesgabe anläßl. des 65. Geb. v. Theodor Dipper, 1968, 151 ff.; - Georg Prater, Bisch. H. u. sein Widerstand gg. das "Dritte Reich", in: Hamburger mittel- u. ostdt. Forsch. 7, 1970, 39 ff.; - Dt.balt. Biogr. Lex. I710-1960, hrsg. v. Wilhelm Lenz, 1970, 288.