HALLER, Johannes Ev.: Fürsterzbischof von Salzburg, Kardinal, * 30.4. 1825 in St. Martin in Passeier, † 5.4. 1900 in Salzburg. - H. wurde als Kind armer Bauern in Passeier geboren. Schon mit 3 Jahren verlor er den Vater und so gab ihn seine Mutter aufs Benediktinergymnasium in Meran. Dann wechselte er an das Lyzeum in Innsbruck. Die Philosophie und Theologie studierte er am Priesterseminar zu Trient, da Passeier damals zur Diözese Trient gehörte. Im Jahre 1848 wurde er zum Priester geweiht. - Zunächst sandte ihn der Oberhirte aus Trient als Kooperator für ein Jahr nach Moos in Passeier, sodann für 11 Jahre in der gleichen Stellung nach Sarnthein. - Die Verwaltung des Beichtsakramentes und die Betreuung der Kranken lagen ihm besonders am Herzen. Das Studium der Theologie, vor allem des hl. Thomas von Aquin, betrieb er in seinen jungen Priesterjahren sehr ausgiebig und hingebungsvoll. Da seine Gesundheit etwas angeschlagen war, andererseits aber seine tiefe Spiritualität auffiel, wurde er Schwesternkaplan im Kloster der Benediktinerinnen zu Säben bei Brixen. Von dort mußte er als Pfarrer nach Lajen gehen. 1871 schlug eine wichtige Stunde für ihn: Der Bischof von Trient übertrug ihm das Amt des Provikares für den deutschen Anteil der Diözese Trient. - Als Fürstbischof Riccabona von Trient immer kränklicher wurde, ernannte der sel. Papst Pius IX. H. 1874 zum Bischofskoadjutor der Diözese von Trient. "Mit Klugheit und Eifer" (J. Innerkofer) leitete er an der Seite des Fürstbischofs das Bistum Trient. Die Visitation der Dekanate der Diözese, die Erziehung der Jugend wie die Einheit des Glaubens im Lande waren seiner besonderen Sorge anvertraut. Er wurde zum Gründer der amtlichen Zeitung "Foglio diocesano di Trento" und errichtete in Meran ein Knabenseminar zur Förderung der Priesterberufe. - Als Bischof Riccabona im Jahre 1879 starb, leitete H. das Bistum als Kapitelvikar. 1880 wechselte er als Dompropst und als Koadjutor des Erzbischofs nach Salzburg. Franz Albert Eder war damals Salzburger Erzbischof. 1890 wurde H. Nachfolger von Eder. 1895 nahm ihn Papst Leo XIII. ins Kardinalskollegium auf. - Josef Innerhofer kennzeichnet H. mit den Worten: "Haller war ein kluger, demütiger und überaus arbeitseifriger Bischof. Er besaß einen praktischen Blick und wußte, was den Leuten not tat. Er blieb volksnah und verstand durch seine Rednergabe die Leute bestens anzusprechen. In prinzipieller Fragen, besonders hinsichtlich der Glaubenseinheit des Landes, zeigte er große Entschiedenheit. Bezeichnend für ihn war auch seine Liebe zur Heimat. Er war der erste, der die Vermutung aussprach, einer der zwei Vogelweiderhöfe in Lajen könnte das Geburtshaus des großen mittelalterlichen Dichters Walther von der Vogelweide sein." (Die Kirche in Südtirol - Gestern und Heute, Bozen 1982, S. 160). Sein Nachfolger, Johannes Katschthaler (l900-1914) wurde ebenfalls Kardinal. Auf einem neugotischen Kirchenfenster in der Kirche von St. Martin in Passeier ist H. zusammen mit Andreas Hofer dargestellt.
Lit.: J. Innerhofer: Die Kirche in Südtirol, Gestern und Heute, Bozen 1982, S. 160; - J. Wodka: Kirche in Österreich - Wegweiser durch ihre Geschichte, Wien 1959, 468.