HARDELAND, Julius, Missionsdirektor, * 7.1. 1828 in Hannover als Sohn eines Kommissionärs, † daselbst 11.10. 1903. - "Bis zu meinem 10. Jahr besuchte ich die Volksschule. Um diese Zeit jedoch erwachte, angeregt wohl vornehmlich durch das Vorbild meines ältesten Bruders, der nicht lange darauf als Kaplan an die Schloßkirche in Hannover berufen wurde, in mir ein lebhafter Trieb, Theologie zu studieren." Ostern 1838 bezog H. das Gymnasium seiner Vaterstadt. Mit 16 Jahren las er mit großem Interesse die Missionsnachrichten, sammelte Gaben für die Mission bei Verwandten und Freunden und leistete dem Missionsverein nach bestem Vermögen persönlich kleine Dienste. Von Herbst 1847 an studierte H. in Göttingen Theologie. Von seinen Lehrern zogen ihn besonders Friedrich Lücke (s. d.) und Friedrich August Eduard Ehrenfeuchter an. Im Herbst 1850 wurde H. Hauslehrer bei dem Legationsrat a. D. Freiherrn August von Arnswaldt in Hannover, im Herbst 1853 Subrektor der Gelehrtenschule in Ratzeburg, Ende 1854 Pfarrer in Lassahn (Herzogtum Lauenburg), einer Landgemeinde von etwa 1200 Seelen, und 1860 Inspektor der Leipziger Missionsgesellschaft als Nachfolger von Karl Graul (s. d.), dessen Richtung er fortsetzte. 1867/68 bereiste H. das Missionsfeld in Indien. Er mußte 1875/76 nach Indien, weil unter den Missionaren Lehrstreitigkeiten ausgebrochen waren und eine schriftliche Verständigung nicht möglich war. Unter dem Einfluß des Professors Karl Ferdinand Wilhelm Walther (s. d.) von der Missourisynode glaubte eine Anzahl der Missionare in den Kampf für die unverfälschte Lehre Martin Luthers (s. d.) eintreten zu müssen. H. konnte es nicht verhindern, daß vier Missionare, die von Amerika das Geld zur Übersiedlung dorthin erhielten, aus dem Dienst der Leipziger Mission austraten. Als in den siebziger Jahren die Theologen für die Mission völlig ausblieben, entschloß sich H., das Prinzip der Universitätsbildung, das die Leipziger Mission bisher vertrat, aufzugeben und ein eigentliches Missionsseminar ins Leben zu rufen, in dem wie in den anderen Missionsseminaren die Gesamtausbildung geboten werden sollte. 1868 gab er die Indianermission in Michigan (USA) auf, die die Leipziger Mission für kurze Zeit als ein anderes Arbeitsfeld neben Indien übernommen hatte. 1891-94 wirkte H. als Superintendent in Doberan (Mecklenburg-Schwerin).
Lit.: Friedrich Hashagen, Missionsdirektor D. J. H. †, in: AELKZ 38, 1904, 199 ff. 226 ff. 253 f. 277 ff. 304 ff. 326 ff.; - Perthes, Handlex. f. ev. Theologen, 1890/91, II, 19; - Nestle, in: Theol. Jber., hrsg. v. Gustav Krüger u. Walther Koehler, 23, 1904, 1196.