HARTMANN, Carl Heinrich, Domorganist und Domkapellmeister am Dom zu Frankfurt am Main, Konzertmeister des Frankfurter Museumsorchesters, * 14. Dez. 1848 in Frankfurt/Main, † 30. Okt. 1937 daselbst. - C. H. Hartmann fiel bereits sehr früh als Geiger (sog. Wunderkind) auf. Sein Lehrer Karl Reh nahm ihn daraufhin in seinen Knaben-Instrumentalverein auf. Gleichzeitig erfolgten Studien in Tonsatz, Klavierspiel und Orgelspiel bei W. Leibfried, dem Organisten an der Frankfurter Liebfrauenkirche. Im Alter von 11 Jahren spielte H. erstmals die Orgel beim Gottesdienst im Frankfurter Dom. Als 17jähriger wird er als Geiger in das Frankfurter Museumsorchester aufgenommen. In diesem Orchester avanciert H. später zum Konzertmeister und bekleidet diese Position über mehrere Jahrzehnte. - Neben seiner Tätigkeit als Orchestermusiker absolviert Hartmann 1865/66 ein Orgelstudium in Leipzig und wird danach als Organist an der St. Leonhardskirche in Frankfurt angestellt. 1867 (im Alter von 19 Jahren!) erfolgt die Berufung als Domorganist an den Kaiserdom in Frankfurt. Diese Tätigkeit wird allerdings nach dem Dombrand in der Nacht vom 14. zum 15. Aug. des gleichen Jahres für lange Zeit unterbrochen. Erst 1888 übernimmt Hartmann erneut den Posten des Domorganisten. Drei Jahre später (1891) wird auf seine Initiative der Frankfurter Domchor gegründet, für den H. dann im Laufe der Jahre zahlreiche Chorwerke komponierte; daneben entstanden verschiedene Orgelwerke. Angesichts der Verdienste um die Kirchenmusik ernennt der Limburger Bischof Karl Klein Hartmann 1892 zum Domkapellmeister. - C. H. Hartmann war ein vielseitig gebildeter Musiker, der sich Meriten als Kirchenmusiker und Orchestermusiker erworben hat, aber auch als anerkannter Orgel- und Glockenexperte belegt ist. Als Kirchenmusiker an St. Leonhardt und Domkapellmeister am Frankfurter Dom war Hartmann allerdings - bis zu seinem Ausscheiden aus dem kirchenmusikalischen Dienst am 1. April 1925 - nur "nebenberuflich" tätig, während er über Jahrzehnte hauptberuflich Konzertmeister des Frankfurter Museumsorchesters war. - Daneben war H. viele Jahre als Orgel- und Glockensachverständiger für die Stadt Frankfurt tätig. In Zusammenarbeit mit dem Hanauer Akustiker Georg Appun entwickelte H. ein Verfahren für die Prüfung der Teiltöne der Glocken mittels feineinstellbarer Präzisionsstimmgabeln. Hartmann erstellte mittels dieser Stimmgabeln 1877 eine erste und im Jahre 1897 eine weitere Teiltonanalyse des Frankfurter Domgeläutes (gegossen 1877 von Hermann Große, Dresden).
Lit.: Domchor Frankfurt (Hrsg.) 100 Jahre Frankfurter Domchor 1891-1991, Ffm 1991; - Hemmerle, Bernhard, 120 Jahre <\>>Hartmänner<\<> als Kapellmeister am Dom zu Frankfurt, in: Kirchenmusik im Bistum Limburg, Nr. 1 1998.