HAUSRATH, Adolf, Theologe, * 13.1. 1837 in Karlsruhe als Sohn des Stadtpfarrers und Hofdiakonus August H. (+ 1847), + 2.8. 1909 in Heidelberg. - H. besuchte das Gymnasium seiner Vaterstadt und bezog 1856 die Universität Jena, wo ihm Karl August Hase (s. d.), sein echtester Geistesverwandter, sein Freund fürs Leben wurde. Nach drei Semestern setzte er das Studium in Göttingen und ein Semester später in Berlin fort und beendete es im Theologischen Seminar in Heidelberg. Nach seinem theologischen Examen arbeitete H. in Berlin seine Dissertation "Konrad von Marburg" aus und promovierte zum Lic. theol. Bevor er sich aber habilitieren konnte, mußte H. zwei Jahre im Kirchendienst als Stadtvikar in Heidelberg zubringen. Seine Habilitation erfolgte dort 1862. 1864 wurde er als Assessor in den Evangelischen Oberkirchenrat nach Karlsruhe berufen. 1867 kam H. nach Heidelberg als ao. Professor für neutestamentliche Exegese und Kirchengeschichte und lehrte dort 1871 bis 1907 als o. Professor. Richard Rothe (s. d.) war ihm 1859/60 ein geliebter Lehrer, dem Privatdozenten ein väterlicher Freund und 1864-67 ein tapferer Kampfgenosse. Die Evangelisch-Theologische Fakultät in Wien verlieh ihm 1869 die Ehrendoktorwürde. Die Philosophische Fakultät in Heidelberg promovierte ihn 1903 zum Dr. phil. h. c. Der Großherzog von Baden ernannte ihn 1906 zum Geheimrat und die Stadt Heidelberg zu ihrem Ehrenbürger. - H. ist als Kirchenhistoriker vor allem durch seine Lutherbiographie bekannt geworden. Durch seine literarische Arbeit wirkte er weit über den Kreis der Theologen hinaus, weil es ihm in seinen historischen Werken nicht darum ging, durch Einzeluntersuchungen die theologie- und dogmengeschichtliche Forschung zu fördern, sondern weil ihm besonders daran lag, das Bild einzelner charakteristischer Persönlichkeiten lebensvoll herauszuarbeiten und ganze Zeitalter oder Gebiete zu meisterhaften Gesamtübersichten zu gestalten. H. war eine stille Gelehrten- und Dichternatur. Unter dem Pseudonym George Taylor, später unter seinem eigenen Namen, veröffentlichte er auch Romane und Erzählungen, denen meist kirchengeschichtliche Stoffe zugrunde liegen. In seinen Erzählungen ist der Historiker und Kulturschilderer viel stärker als der Dichter. H. ist aus der "Tübinger Schule" des Ferdinand Christian Baur (s. d.) hervorgegangen und war ein Gegner des Pietismus, des Hochkirchentums und der Restaurationstheologie. Er gehörte kirchlich und politisch der liberalen Richtung an und war Mitbegründer und eine Zeitlang Schriftführer des "Deutschen Protestantenvereins".
Werke: Der Ketzermeister Konrad v. Marburg, 1861; Gesch. der at. Lit., 1864; Der Apostel Paulus, 1865 (1872<^>2); Nt. Zeitgesch., 3 Bde., 1868-74 (4 Bde., 1878<^>3); Der Vier-Kap.-Brief des Paulus an die Korinther, 1870; Rel. Reden u. Betrachtungen, 1873 (1882<^>2); David Friedrich Strauß u. die Theol. seiner Zeit, 2 Bde., 1876-78; Kleine Schrr. rel.geschichtl. Inhalts, 1883; Weltverbesserer im MA (Abaelard; Arnold v. Brescia; Die Arnoldisten), 3 Bde., 1891-95; Martin Luthers Romfahrt, 1894; Aleander u. Luther auf dem Reichstage zu Worms. Ein Btr. z. Ref.gesch., 1897; Alte Bekannte (Julius Jolly; Heinrich v. Treitschke; Gelehrte u. Künstler der bad. Heimat), 3 Bde., 1899-1902; Richard Rothe u. seine Freunde, 2 Bde., 1902-06; Luthers Leben, 2 Bde., 1904-05 (1913-14<^>3; 1924<^>4); Jesus u. die nt. Schr.steller, 2 Bde., 1908-09. - Romane u. Erzz.: Antinous. Hist. Roman aus der röm. Kaiserzeit, 1880 (1908<^>7); Jetta. Hist. Roman aus der Zeit der Völkerwanderung, 1882 (1884<^>3); Klytia. Hist. Roman aus dem 16. Jh., 1883 (1909<^>7); Elfriede. Erz., 1885<^>2; Pater Maternus. Roman aus dem 16. Jh., 1898; Unter dem Katalpenbaum. Erzz., 1899; Potamiäna. Erz., 1901; Die Albigenserin. Erz., 1902.
Lit.: Adalbert Merx, A. H., in: PrM 11, 1907, 111 ff.; - Julius Websky, A. H. u. Adalbert Merx, ebd. 13, 1909, 322 ff.; - Heinrich Julius Holtzmann, A. H., ebd. 369 ff.; - A. Wolfhard, A. H. der Dichter-Theologe, in: Bremer Btrr. z. Ausbau der Kirche 3, 1909, 31 ff.; - Rudolf Wielandt, A. H., in: PrBl 42, 1909, Nr. 34; - Karl Hesselbacher, Silhouetten neuerer bad. Dichter, 1910, 40 ff.; - Theodor Kappstein, A. H., der Mann, der Theolog, der Dichter, 1912 (vgl. dazu ChW 27, 1913, 330 f.); - Karl Bauer, A. H. Leben u. Zeit I (1837-1867), 1933; II (als Ms. im Arch. des Oberkirchenrats in Karlsruhe [unvollendet]); - Heinrich Neu, Pfr.buch der ev. Kirche Badens II, 1939, 239; - Kosch, LL II, 865; - KJ 37, 524; - BJ XIV, 294 ff.; - NDB VIII, 126 f.; - RE XXIII, 623 ff.; - RGG III, 99.