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Band II (1990)Spalte 684 Autor: Friedrich Wilhelm Bautz

HEINRICH von Nördlingen, Weltpriester, Mystiker, * etwa 1310 in Nördlingen (?), † vor 1387 vielleicht in Pillenreuth bei Nürnberg. - H. wirkte als Weltprieseer und Mystiker im Kreis frommer Frauen der Stadt Nördlingen und umliegender Klöster. Mit Margareta Ebner (s. d.), der Mystikerin von Maria-Medingen (Mödingen), wurde er 1332 bekannt. Die geistliche Freundschaft mit ihr bestand bis zu ihrem Tod im Jahr 1351. Besuche in Medingen sind im Oktober und November 1334, zwei auch im Frühjahr 1335 bezeugt. Ende 1335 reiste H. nach Avignon und bat seine Freundin, ihm Briefe zu schreiben, die seine in Nördlingen wohnende Mutter nachsenden werde. Vermutlich wollte er sich päpstliche Rechtstitel für die von ihm erstrebte Pfarre Fessenheim bei Nördlingen verschaffen. 1337 kehrte H. zurück und verhandelte am 8.7. 1338 mit Abt Ulrich II. von Kaisheim über die Besetzung dieser zum Kloster gehörenden Pfarre. Nach dem Erlaß Ludwigs von Bayern vom 6.8. 1338 gegen das Interdikt Benedikt XII. (s. d.) verließ H. als Anhänger des Papstes auf Rat Christina Ebners (s. d.), der Priorin des Dominikanerinnenklosters Engeltal bei Nürnberg, das Land und zog über Augsburg nach Konstanz, traf aber Heinrich Seuse (s. d.) dort nicht an. Da die Stadt auch kaiserlich gesinnt war, reiste er weiter und kam über Kloster Königsfelden im Aargau nach Basel. Johannes Tauler (s. d.) verschaffte ihm die Erlaubnis zur Ausübung des geistlichen Amtes. Um H. sammelte sich der Kreis der Baseler Gottesfreunde. Im Herbst 1339 siedelte H.s Mutter nach Basel über. Als er 1344 Margarete Ebner in Medingen besuchte, bat sie ihn, ihre Offenbarungen aufzuzeichnen. Von Basel sandte H. 1345 die hochdeutsche Übersetzung des "Fließenden Lichts der Gottheit" der Mechthild v. Magdeburg (s. d.) nach Medingen. 1348 floh er mir seiner Mutter vor der Pest aus Basel nach Sulz im Elsaß, das er bereits 1349 verließ. Nun begann H. das unstete Leben eines Wanderpredigers, bis er 1350 nach Nördlingen zurückkehrte. Ende 1351 weilte H. drei Wochen bei Christian Ebner in Engeltal. Aus ihren Aufzeichnungen erfahren wir, wie bedeutsam und eingreifend H. auf sie gewirkt hat. Seinen Lebensabend verbrachte er im Augustinerchorfrauenkloster Pillenreuth bei Nürnberg. - H.s Briefe an Margareta Ebner sind die älteste uns erhaltene Briefsammlung in deutscher Sprache. Sie gewährt uns einen Einblick in die Ausdehnung und den Verkehr der mystisch-gottesfreundlichen Kreise untereinander.

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Werke: Briefe an Margaretha Ebner, hrsg. v. Philipp Strauch, Margaretha Ebner u. H. v. N. Ein Btr. z. Gesch. der dt. Mystik, 1882 (167-403: die Briefe); Faks.-Neudr. Amsterdam 1966. - Übertr. ins Hochdt.: Die Offb.en der Schwester Mechthild v. Magdeburg oder das fließende Licht der Gottheit, hrsg. v. Gall Morel, 1869.

Lit.: Wilhelm Preger, Gesch. der dt. Mystik im MA II, 1881, 277 ff.; - Wilhelm Oehl, Dt. Mystikerbriefe des MA 1100-1550. 1931, 297 ff.; - Walter Muschg, Die Mystik in der Schweiz. 1200-1500, Frauenfeld 1935, 290 ff.; - Heinrich Gürsching, Neue urkundl. Nachrr. über den Mystiker H. v. N.?, in: Festg. aus Anlaß des 75. Geb. v. D. Dr. Karl Schornbaum. Hrsg. v. dems., 1950, 42 ff.; - Angelus Walz, Gottesfreunde um Margarete Ebner, in: HJ 72, 1953, 253 ff.; - Romuald Bauerreiß, KG Bayerns IV, 1953, 70 f.; - Kosch, LL II, 903; - Wilpert I2, 689; - VerfLex II, 320 ff.; V, 349; - ADB 24, 7 (Nördlingen); - NDB VIII, 420 f.; - RE VII, 607 ff.; - RGG III, 205; - EC V, 392; - DSp VII, 229 f.; - LThK V, 198.

Friedrich Wilhelm Bautz

1976

Richard Schulz, Heinrich von Nördlingen. Seine Zeit, sein Leben und seine Stellung in der Deutschen Mystik. In: Jahrbuch des Vereins für Augsburger Bistumsgeschichte e.V. 10.Jahrgang, MCMLXXVI, S.114-164; -

2011

Urban Federer, Myst. Erfahrung im literar. Dialog. Die Briefe Heinrichs von Nördlingen an Margaretha Ebner. Berlin 2011.

Letzte Änderung: 09.04.2011