HENNIG, Martin, Theologe, * 28.11. 1864 als Pfarrerssohn in Loslau (Oberschlesien), † 27.8. 1920 in Bad Tölz, beigesetzt auf dem Rauhäusler Begräbnisplatz des Ohlsdorfer Friedhofs in Hamburg. - H. besuchte seit 1874 die Schule des Waisenhauses in Bunzlau, die aber nicht bis zum Abitur führte, so daß er 1879 in das Pädagogium und Waisenhaus in Züllichau (Mark Brandenburg) übersiedelte. Nach zehnjähriger Anstaltserziehung begann H. 1884 in Breslau mit dem Studium der Theologie, das er ein Jahr später, nach dem Tod seines Vaters, in Greifswald als Schüler von Erich Haupt (s. d.) und Hermann Cremer (s. d.) und im Herbst 1886 wieder in Breslau fortsetzte. Im Sommer 1887 zog H. nach Lissa zu seiner Mutter, um sich zum Examen zu rüsten, das er im Sommer 1888 bestand. 1889-92 arbeitete H. als Oberhelfer in dem von Johann Hinrich Wichern (s. d.) gegründeten Rauhen Haus in Hamburg, dann als Hilfsprediger an der Salvatorkirche in Breslau. 1894 wurde er Agent des ostdeutschen Jünglingsbundes in Berlin. Er bereiste die Provinzen Schlesien, Brandenburg, Pommern, Posen, Ost- und Westpreußen und gewann in den 10 Monaten seines Reise- und Werbedienstes 28 neue Vereine für den Ostbund, der ihm die Gründung einer eigenen Verlagsbuchhandlung verdankt. 1895 trat H. als "Vereinsgeistlicher des Provinzialausschusses für Innere Mission in der Mark Brandenburg" sein neues Amt an. Seit 1901 wirkte er als Direktor des Rauhen Hauses in Hamburg. 1908 rief H. die Wichernvereinigung ins Leben, deren Aufgabe es sein sollte, durch Volksmission und Evangelisation und Verteilung von Schriften christliches Volksleben zu wecken und zu fördern. Aus der Konferenz der Rettungsverbände und Erziehungsvereine entstand 1913 unter seiner Führung das "Evangelische Erziehungsamt für Innere Mission".
Werke: Was jedermann v. der Inneren Mission wissen muß (mit Paul Wurster), 1902 (1914
6); D. Johann Hinrich Wichern u. das Rauhe Haus, 1907 (neu bearb. 1913); Das Rauhe Haus u. die Rauhhäusler. Festschr. z. 75. Wiederkehr des Gründungstages des Rauhen Hauses in Hamburg-Horn, 1908; Die Innere Mission der ev. Kirche, 1909 (19143); Qu.buch z. Gesch. der Inneren Mission, 1912; Das Amt des Gemeindehelfers. Urkk. u. Btrr. zu seiner Gesch., 1914; Bilder aus der Arbeit der Rauhhäusler Brüder, 1914.
Gab heraus: Der Familienabend. Eine Smlg. v. Progr. nebst vollst. Sloffdarbietung. Für Gemeinde-, Volks- u. Vereinsfeste, 1895; Für Feste u. Freunde der Inneren Mission. Bilder u. Bildnisse aus der christl. Liebestätigkeit, 1897-1901; Nachrr. aus dem Rauhen Hause, 1901-05; Kindlein, liebet euch untereinander. Ein Sonntagsbl. f. Kinder, 1904/05; Barmherzige Bamariter (Biogrel, 12 Hh., 1904/05; Lehr u. Wehr fürs dt. Volk. Eine Bmlg. v. volkstüml.-wiss. Abhh., 1904-13; Taten Jesu in unseren Tagen, 1905 (19074); Wie der Meister uns in den Weinberg rief. Zeugnisse v. Taten Jesu an seinen Jüngern, 1906; Welch eine Wendung! Bilder v. Gottes Walten in der Gesch. der Völker, 1908 (19132); D. J. H. Wicherns Lebenswerk in seiner Bedeutung f. das dt. Volk (Sammelwerk), 1908; Aus Gottes Werkstatt. Skizzen u. Bilder aus Natur u. Geisteswelt, 1909; Alle Lande sind seiner Ehre voll. Wanderskizzen v. Gottes Werk in weiter Welt, 1911; Unserer Kirche Herrlichkeit. Tatbeweise des Lebens in unserer ev. Kirche, 1913 (19212); in verkürzter Form 1919); Der Rauhhäusler Bote, 1914-18; Wie erziehe ich mein Kind? Eine Handreichung f. Eltern u. Erzieher, 1916 (19222); Bewahren u. Retten. Aus der Arbeit des Ev. Erziehungsamtes f. Innere Mission, 1916/17.
Lit.: In piam memoriam Dr. M. H., in: Bausteine. Mschr. f. Innere Mission 52, 1920, 109; - W. Pfeiffer, Zum Gedächtnis v. M. H., in: Die Innere Mission im ev. Dtld. 15, 1920, 145; - Erica Hennig, M. H. Ein dt. Erzieher, 1927 (mit Bibliogr.); - DBJ II, 748 (Totenliste 1920).
Friedrich Wilhelm Bautz
Letzte Änderung: 09.04.2011