HENNINGHAUS, Augustin (Taufname: August), Missionsbischof in China, * 11.9. 1862 in Menden (Westfalen) als Sohn eines Schmiede- und Schlossermeisters, † 20.7. 1939 in Yenchowfu (Shantung). - Der Abschlußprüfung an der Realschule in Menden folgten noch zwei Jahre privater Weiterbildung. Am 11.10. 1879 trat H. in das Missionshaus der "Gesellschaft des Göttlichen Wortes" (Societas Verbi Divini; abgekürzt: SVD) in Steyl (Holland) ein und mußte noch anderthalb Jahre seine Gymnasialbildung ergänzen und vollenden, bevor das Studium der Philosophie und Theologie begann. Arnold Janssen (s. d.), der Begründer des Steyler Missionswerks, bestimmte 1884 die beiden Theologen Weber und H. für das Lehrfach. Darum sollten sie zur Weiterbildung in den Naturwissenschaften die Universität Innsbruck beziehen und als Hauptfach Geologie belegen. Nach einem Semester setzten sie die Studien in Bonn fort. Der damals im Missionshaus in Steyl weilende Begründer der Mission in Südschantung (China), Johannes Baptist Anzer (s. d.), bat Janssen eindringlich, ihm für seine Mission einen von den beiden in Bonn Studierenden zu überlassen. Die Wahl fiel auf H., der am 30.5. 1885 in Roermond die Priesterweihe empfing. Seiner Schwester Elisabeth schrieb er: "In China erwartet mich ein außerordentlich segensreicher Wirkungskreis, und wenn der liebe Gott mich dazu bestimmt hat, dann ist es eine große und unverdiente Gnade. Es ist ein Glück, das er nur wenigen schenkt." Im Mai 1886 traten Anzer und H. die Reise über Rom nach China an und trafen Anfang Juli in der chinesischen Hafenstadt Chefoo ein. Sie reisten von dort weiter nach Puoli, der damaligen Hauptstation der Steyler Mission. Ein halbes Jahr nach seiner Ankunft in China hielt H. seine erste öffentliche Predigt in chinesischer Sprache. Im Sommer 1887 kam er als Kaplan in die 14 Stunden von Puoli entfernte Christengemeinde Liangshan. Bald darauf wurde ihm ein eigenes Missionsgebiet in Westsüdschantung anvertraut: Küye und Kiasiang. Anzer machte H. Ostern 1890 zum Rektor von Puoli und Leiter der dortigen Katechistenschule. Er teilte die Mission in drei Kommissariate ein und bestimmte H. zum Kommissar der Präfektur Yenchowfu. Anfang 1892 wurde die Missionszentrale von Puoli nach Tsining verlegt. Auch H. mußte mit seiner Katechistenschule dorthin übersiedeln. Sein Aufenthalt in Tsining dauerte nur ein halbes Jahr. Er wurde wieder mit der Leitung der Missionsstation und Gemeinde Puoli und der Neubearbeitung des "Manuale für die Missionen" betraut, Im Spätherbst 1893 sandte ihn Anzer in das Räubergebiet Tsachowfu, in den Südwesten der Mission, Aus seiner dortigen Aufbauarbeit wurde H. im Spätsommer 1896 für einige Zeit nach Tsining als Exerzitienmeister berufen, kehrte dann nach Tsaochowfu in sein Dekanat zurück. H. erhielt 1899 ein neues Wirkungsfeld im Gebiet von Kiaochow und als Militärpfarrer in der Hafen- und deutschen Garnisonstadt Tsingtao und erlebte 1900 den Boxeraufstand mit, dem zahlreiche Gemeinden, viele Missionare und Tausende von Christen zum Opfer fielen. Im Sommer 1903 kehrte er nach Yenchowfu zurück und übernahm die Leitung des Priesterseminars für eingeborene Priester. Nach dem Tod des Bischofs Anzer, den am 24.11. 1903 in Rom ein Hirnschlag hinweggerafft hatte, wählte die "Propaganda" in Rom (s. Gregor XV.) aus den drei vorgeschlagenen Kandidaten H. zum Nachfolger Anzers, und Pius X. (s. d.) ernannte ihn am 13.8. 1904 zum Apostolischen Vikar von Südshantung und Titularbischof von Hypäpa. Am 30.10. 1904 fand in China die Bischofsweihe statt. Die Monate seiner ersten Europareise 1907/08 vergingen in angestrengtester Werbearbeit. 1924 tagte die erste große chinesische Nationalsynode in Shanghai, die größere Einheitlichkeit in der Kirche Chinas und weitgehende Anpassung an chinesische Verhältnisse erstrebte. 1926 weihte Pius XI. (s. d.) selbst die ersten chinesischen Bischöfe. 1930 entschloß sich H. zu einer zweiten Europareise, die wieder hin durch Sibirien und zurück über Amerika führte. Am 18.1. 1932 waren 50 Jahre seit Eröffnung der Mission in Südshantung verflossen. Aus diesem Anlaß verlieh Pius XI. H. die Würde eines Päpstlichen Thronassistenten, und die Deutsche Akademie in München ernannte ihn zu ihrem Senator. 1933 reichte H. der "Propaganda" in Rom sein Gesuch ein, vom Amt zurücktreten zu dürfen, das aber abgelehnt wurde. Nach seinem 50jährigen Priesterjubiläum gewährte man ihm im Juni 1935 die Versetzung in den Ruhestand. H. mußte aber das Apostolische Vikariat noch verwalten, bis sein Nachfolger Theodor Schu im Januar 1937 sein Ernennungsschreiben aus Rom erhielt und er ihm am 4.4. 1937 die Bischofsweihe spendete.
Werke: Dt.-Chines. Hdwb. Yenchowfu 1906; P. Joseph Freinademetz. Sein Leben u. Wirken. Zugl. Btrr. z. Gesch. der Mission Südshantung, ebd. 19262 (F. war einer der zwei ersten Miss. des Steyler Missionshauses u. Mitbegründer der Mission Südshantung); Katechismuserkl., 5 Bde. (in den meisten Vikaristen Chinas verbreitet; bisher 10 Auf.); Neujahrsgrüße an die Freunde u. Wohltäter der Mission in Südshantung.
Lit.: Hermann auf der Heide, Die Missionsgenossenschaft v. Stryl. 1900; - Anton Freitag, Die Missionen der Ges. des Göttl. Wortes, 1912; Hermann Fischer, P. Arnold Janssen, Gründer des Stryler Missionswerkes, 1919; - Ders., A. H. 53 J. Miss. u. Missionsbisch. Ein Lb., 1940 (19462); - Joseph Schmidlin, Das ggw. Heidenapostolat im Fernen Osten, 1929; - Johannes Thauren, Die Missionen in Shantung mit allg. Einf. über China u. die chines. Mission, 1931; - Johannes Beckmann, Die kath. Missionsmethode in China in neuester Zeit (1842-1912). Geschichtl. Unters. über Arbeitsweisen, ihre Hindernisse u. Erfolge, 1931; - Bisch. Dr. A. H. 50 J. Priester, in: Akadem. Missionsbll. 24, 1936, 45 ff.; - A. H., in: Priester u. Mission. Jb. Atlas u. kath. Weltmission 23, 1939, 62 ff.; - NDB VIII, 548.