HENRICI, Christian Friedrich (Pseudonym: Picander), Dichter, * 14.1. 1700 in Stolpen bei Dresden als Sohn eines Posamentierers (Bortenwirkers), † 10.5. 1764 in Leipzig. - H. brachte es schon früh in der deutschen Dichtkunst zu großer Fertigkeit. Er studierte seit 1719 in Wittenberg und Leipzig die Rechte und erwarb sich durch Dichten die Mittel für den Lebensunterhalt. H. fand 1727 eine Anstellung in Leipzig beim Oberpostamt als Aktuar, wurde später Postsekretär und endlich Oberpostkommissar und erhielt 1740 dazu noch die Kreislandsteuer- und die Stadttranksteuereinnahme nebst der Weininspektion. Seine Schauspiele sind kulturgeschichtlich von Bedeutung. Von seinen 68 geistlichen Liedern seien genannt: "Bedenke, Mensch, die Ewigkeit" (zum Evangelium des 1. Sonntags nach Trinitatis: Lk 16, 19-31) und "Wer weiß, wie nahe mir mein Ende, ob heute nicht mein jüngster Tag" (zum 2. Adventssonntag: Lk 21, 25-36). H. ist auch der Verfasser vieler Texte zu den Kompositionen seines Freundes Johann Sebastian Bach (s. d.), vor allem zu dessen "Matthäuspassion".
Werke: Smlg. erbaul. Gedanken über u. auf die gewöhnl. Sonn- u. Fest-Tage, in gebundener Schreib-Art entworffen, Leipzig 1725; Teutsche Schau-Spiele, bestehend in dem Akadem. Schlendrian, dem Ertzt-Säuffer u. der Weiber-Probe. Zur Erbauung u. Ergötzung des Gemüths entworffen, 3 Bde., Berlin, Frankfurt u. Hamburg 1726; Ernst-Schertzhaffte u. Satyr. Gedichte I, Leipzig 1727 (17484); II, ebd. 1729 (17492); III, ebd. 1732 (17502); IV, ebd. 1737 (17512); V, ebd. 1751; Smlg. vermischter Gedichte, Frankfurt u. Leipzig 1768.
Lit.: Johann Caspar Wetzel, Hymnopoeographia oder Hist. Lebensbeschreibung der berühmtesten Liederdichter IV, Herrnstadt 1728, 225 ff.; - Karl Heinrich Jördens, Lex. dt. Dichter u. Prosaisten, 6 Bde., 1806-11, II, 349 ff.; - Paul Flossmann, Picander (Diss. Leipzig). 1899; - Koch V, 500 f.; - Goedeke III, 352; - Kosch, LL II, 928; - ADB XI, 784 f.; - NDB VIII, 549 f.