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Band II (1990)Spalten 887-888 Autor: Friedrich Wilhelm Bautz

HIPPEL, Theodor Gottlieb von, ev. Jurist, Schriftsteller und Philosoph, * 31.1. 1741 in Gerdauen (Ostpreussen) als Sohn des Rektors der Lateinschule, † 23.4. 1796 in Königsberg. - H. studierte seit Herbst 1756 in Königsberg Theologie und Philosophie und reiste 1760 nach St. Petersburg. Er wurde Hauslehrer in Königsberg, entschloß sich aber 1762 zum Studium der Rechte. H. wurde 1765 Advokat beim Stadtgericht in Königsberg, dann Hofgerichtsadvokat, 1772 städtischer Gerichtsverwandter, endlich auch Kriminaldirektor und 1780 erster Bürgermeister von Königsberg und Polizeidirektor. 1786 erhielt er den Titel eines Geheimen Kriegsrat und Stadtpräsidenten. - H. gehört mit Immanuel Kant (s.d.) und Johann Georg Hamann (s.d.) in die Gruppe des deutschen Idealismus und nahm an der als Genieliteratur bezeichneten deutschen literarischen Revolution teil. Auf das religiöse Denken seiner Zeit hat H. einen nicht geringen Einfluß ausgeübt. Seine Schriften veröffentlichte er teils anonym, teils unter Pseudonym. Er schrieb Lyrik, Dramen, Romane und popularphiosophische Schriften im Geist der Spätaufklärung. Seine 32 geistlichen Lieder hat H. während seiner theologischen Studienzeit gedichtet, angeregt durch die Oden und Lieder des Christian Fürchtegott Gellert (s.d.). Bekannt ist »Noch leb ich; ob ich morgen leb, ob diesen Abend, weiß ich nicht«.

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Werke: Der Mann nach der Uhr oder Der ordentl. Mann (Lustspiel), 1765 (Neudr. v. Erich Jenisch, 1928); Geistl. Lieder, 1772; Über die Ehe, 1774 (17934; mit Einl. u. Anm. hrsg. v. Emil Brenning, 1872). Hrsg., Anm. u. Nachwort v. W. M. Faust, 1972; Über die bürgen. Verb. der Weiber, 1792. Nachdr. v. Ralph-Rainer Wuthenow, Frankfurt/Main 1977; Ll. nach aufsteigender Linie, 4 Bde., 1778-81 (Neuausg. v. Alexander v. Öttingen, 1878, 18933); Kreuz- u. Querzüge eines Ritters v. A bis Z, 2 Bde., 1794/94 (Neudr. Leipzig 1860, umgearb. Fassung 1878); Selbstbiogr. (bis 1761), Gotha 1801 (Nachdr. Hildesheim 1977).- Sämtl. Werke, 14 Bde., 1827-38, unv. Nachdr. 1978 (13 u. 14: Briefe); Romane, 6 Bde., 1846-60. Nachdr. 1978.- »Stimmen der Väter«, in: ChW 19, 1905, 778 f. 793 ff.; 20, 1906, 274 f. 322 ff. (Ausz. aus »Ll. u. Kreuzu. Querzüge«).

Lit.: Bogumil Goltz, Zur Gesch. u. Charakteristik des dt. Genius II, 1864, 100 ff.; - M. v. Hippel, Die Gesch. der Familie v. H., 1899; - J. Czerny, Sterne, H. u. Jean Paul, 1904. Nachdr. 1978; - Theodor Hönes, Th. G. v. H. Die Persönlichkeit u. die Werke in ihrem Zus. (Diss. Bonn), ebd. 1909; - H. Deiter, Th. G. v. H. im Urteile seiner Zeitgenossen, in: Euphorion 16, 1910; - Ferdinand Joseph Schneider, Th. G. v. H. in den J. 1741-81 u. die erste Epoche seiner literar. Tätigkeit, Prag 1911; - Ders., Stud. zu H.s »Ll.«, in: Euphorion 22, 1915, 471-482. 678-702; 23, 1921, 23-33. 180-190; - E. Sola, Un contemporaneo di Kant, Th. G. v. H., Bologna 1918; - Fritz Werner, Das Todesproblem in den Werken Th. G. v. H.s (Diss. Halle), ebd. 1938; - A. v. Stryk, Th. G. v. H., in: Muttersprache. Zschr. f. dt. Sprachleben mit Berr. aus der Arbeit des Dt. Sprachver. u. des Dt. Sprachpflegeamts 55, 1940; - Karl Diesch, Th. G. H., in: Altpreuß. Biogr. Hrsg. v. Christian Krollmann. I, 1941; - Hans Heinrich Borcherdt, Der Roman der Goethezeit, 1949, 50-63; - Götz v. Selle, Ostdt. Biogrr., 1955, Nr. 157; - Martin Greiner, Th. G. v. H. Akadem. Vortr., 1958; - Ders., Die Entstehung der modernen Unterhaltungslit. Stud. z. Trivialroman des 18. Jh.s, Hrsg. u. bearb. v. Therese Poser, 1964; - Theodoms Cornelius van Stockum, Th. G. v. H. u. sein Roman Ll. nach aufsteigender Linie«, in: Mededelingen der Koninklijke Nederlandw Akademie der wetenschapen. Afd. Letterkunde. Nieuwe reeks, Deel 21, 7, Amsterdam 1959, 251-266; - Peter Michelsen, Laurence Sterne u. der dt. Roman des 18. Jh.s (Hab.-Schr. Göttingen), ebd. 1962; - Eva Dorothea Becker, Der dt. Roman um 1780 (Diss. Hamburg), Stuttgart 1964; - J. L. Dortans, Die Verwaltung des westpreuß. Reg.Bez. Marienwerder in den J. 1815-29 (Diss. Bonn), 1964; - Helga Worms Vormus, Th. G. v. H.: Ll. nach aufsteigender Linie nebst Beill. A, B, C. Eine Interpretation. In: Etudes germaniques 21, 1966, 1-16; - Dieter Kimpel, Der Roman der Aufklärung, 1967, 209-210; - Ursula Schröder (geb. Bergel), Th. G. v. H.s »Kreuz- u. Querzüge des Ritters A bis Z« (Diss. Hamburg, 1972; - J. Kohnen, Ottomar und der »Sterbegraf«. In: Germanisch-romanische Monatsschrift NF 29 (1979), 185-199; - Meusel V, 523 ff.; - KLL IV, 756-758 (Kreuz- u. Querzüge des Ritters A bis Z); IV, 1099 f. (Ll. nach aufsteigender Linie); - Kosch, LL II, 991; - Wilpert I2, 720; - ADB XII, 463-466; - NDB IX, 202 f.; - RGG III, 361 f.; - Goedecke IV, 686.

Friedrich Wilhelm Bautz

Letzte Änderung: 09.04.2011