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Band II (1990)Spalten 900-901 Autor: Michael Hanst

HISKIA (Ezechias), hrb.: [je] hizqijjahu = Jahwe ist meine Stärke, König von Juda, Sohn des Achaz und der Abi, Regierungszeit 725-697 v. Christi. - Obwohl H. relativ häufig in drei Schriften des Alten Testaments erwähnt wird, läßt sich sein Leben bisher nur rekonstruieren, als historisch zuverlässige Quellen können sowohl die Stellen in 2 Kön 18, 2 Kön 20, Jes 36-39 und 2 Chr 29-32 nicht gewertet werden. So läßt sich selbst seine 29jährige Regierungszeit nicht exakt beweisen. Auch die bisher erschlossenen assyrischen Texte messen H. nicht allzu große Bedeutung bei. - H.s Wirken war bestimmt durch den Schock, den der Fall des Nordreiches in Juda ausgelöst hatte. Das erste Dezennium seiner Regierungszeit kennzeichnet eine strikte Neutralität, H. erkannte die Oberhoheit Assyriens an bis hin zu einer nicht sonderlich genau präzisierten Vasallität. Erst als sich der Phiisterstaat Asdod gegen Sargon erhob, scheint sich H. mit dem Ziel einer völligen Unabhängigkeit dieser Bewegung angeschlossen, sie aber rechtzeitig wieder verlasssen zu haben, denn die assyrische Strafexpedition richtete sich allein gegen den Philisterstaat, der in eine assyrische Provinz umgewandelt wurde (711). Als nach Sargons Tod 705 sich Babylon vom assyrischen Reich löste, stellte H. seine Tributzahlungen ein, ja er scheint in Palästina der Initiator eines allgemeinen Aufstandes gewesen zu sein, dem sich zwei Philisterstaaten anschlossen. Im Bewußtsein einer möglichen Belagerung Jerusalems ließ er die Stadt stärker befestigen und den Siloahteich und -tunnel anlegen, der im Notfall die alles entscheidende Wasserversorgung sichern sollte. Verhandlungen mit Merodak-Baladan von Babylon blieben ohne Erfolg, ob mit Ägypten ein Bündnis zustandekam, ist unklar, es wird daraus erschlossen, daß Sargons Nachfolger Sanherib 701 zunächst ein ägyptisches Heer bei Elteko schlug und erst dann Juda angriff. Nach der Einnahme von 46 befestigten Städten belagerte der König Jerusalem. Er brach sie ab aus zwei Gründen, die unterschiedlich gewertet werden: Zum einen grassierte in seinem Heerdie Pest und zudem bot ihm H. die erneute Unterwerfung und die Zahlung eines hohen Tributs an. Jesajas Darstellung, die Stadt sei nur durch ein wunderbares Eingreifen Jahwes selbst gerettet worden, dürfte eher legendenhaften Charakter haben. Dabei unterschätzt Jesaja die Belastung, die das eigentliche Juda zu tragen hatte: Sanherib verteilte dessen Gebiet an die Philisterstaaten. H. blieb lediglich Stadtkönig von Jerusalem, die seit David bestehende Personalunion zwischen dem Staat Juda und dem Stadtstaat Jerusalem war somit aufgelöst. - Dennoch blieb H. der unbestrittene geistige Führer der Juden. Dies äußerte sich zu Beginn seiner Regierungszeit schon darin, daß er sich entschieden gegen die von seinem Vater Ahas geduldeten assyrischen Riten wandte. Im weiteren Verlauf ließ er alle heidnischen Altäre und die Ascheren beseitigen, das Götzenbild der ehernen Schlange, der weite Kreise abgöttische Verehrung zollten, wurde zerschlagen. H. selbst formulierte geistliche Lieder, Is 38, 10-20 bietet einen seiner, allerdings stark verstümmelten Texte. Darüber hinaus hielt H. die Priesterschaft zu einem vorbildlichen Leben an. Der Tempel mußte von allen nichttraditionellen israelitischen Kultgegenständen gereinigt werden, der Tempeldienst und die Einkünfte der Priester wurden neu festgelegt. Spr 25,1 erwähnt, daß H. seine Leute zum Sammeln salomonischer Sprüche anhielt, diese sollten zur eingehenden Belehrung des Volkes dienen. Nach der Belagerung Jerusalems durch Sanherib mußte H. allerdings wieder den assyrischen Staatskult in seiner Stadt dulden, sein Nachfolger Manasse (s.d.), der vermutlich das Gebiet von Juda zurückerlangte, stellte während seiner langen Regierungszeit die Rückkehr zur ursprünglichen israelitischen Religion hintan.

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Lit.: J. Meinhold, Die Jesajaerzählungen, 1898; - Albrecht Alt, Israel und Ägypten, in: BWAT 6, 1909, 41 ff.; - Ders., Nachwort über die territorialgesch. Bedeutung von Sanheribs Eingriff in Palästina, in: Alt, II, 226-241; - Ders. u. ebd., Neue assyr. Nachrichten über Palästina und Syrien, 242-249; - L. L. Honor, Sennacheribs Invasion of Palestine, New York 1926; - D. D. Luckenbill, Ancient Records of Assyria and Babylonia, Bd. II, Chicago 1927, 1 ff. (engl. Übers. assyr. Texte); - J. Lewy, Sanherib und H., in: OLZ 31, 1928, 150-163; - Wilhelm Rudolph, Sanherib in Palästina, in: PJ 25, 1929, 59-80; - Oswald Eißfeldt, Ezechiel als Zeuge Für Sanheribs Eingriff in Palästina, in: PJ 27, 58-66; - H. M. Orlinsky, The Kings-Isaiah Recensions of the Hezekiah Story, in: JQR 30, 1939/40, 33-49; - Arthur Ungnad, Die Zahl der von Sanherib deportierten Judäer, in: ZAW 59, 1942/43, 199-202; - H. Haag, La campagne de Sannachérib contre Jérusalem en 701, in: RB 58, 1951, 348-359; - E. W. Todd, The Reforms of Hezekiah an Josiah, in: SJTh 9, 1956, 288-293; - L. LeMoyne, Le deux embassades de Sennachérib à Jérusalem, Paris 1957, 149-153; - H. H. Rowley, Hezekiah's Reform and Rebellion, in: BJRL 44, 1961/62, 395-431; - J. McHugh, The Date of Hezekiah's Birth, in: VT 14, 1964, 446-453; - Josef Scharbert, Die Propheten Israels bis 700 v. Chr., 1965;- F. L. Moriarty, The Chroniclers Account of Hezekiah's Reform, in: CBQ 27, 1965, 399-406; - C. van Leeuwen, Sanhérib devant Jérusalem, in: OTS 14, 1965, 245-272; - E. R. Thiele, Pekah to Hezekiah, in: VT 16, 1966, 83-107; - S. Horn, Did Sennacherib Campaign Once or Twice against Hezekiah?, in: Andr. Univ. Sem. Stud. 4, 1966, 1-28; - Georg Fohrer, Das Buch Jesaja, 3 Bde., 1964-1967; - Hans Wildberger, Jesaja-Kommentar, 3 Bde., 1972-1982; - ANET, 284 ff.; - AOT, 348 ff.; - Catholicisme IV, 1019-1021; - EC V, 925/926; - Kittel II, 372-390; - LThK III, 1326/1327; - Noth, 239-244; - RE VIII, 147-152; - RGG III, 366-368. Michael Hanst

Literaturergänzung:

1986

Ernst Vogt, Der Aufstand Hiskias u.d. Belagerung Jerusalems 701 v. Chr. Rome 1986; -

1987

Lawrence T. Geraty, Archaeology and the Bible at Hezekiah's Lachish, in: AUSS 25.1987, S. 27-37; -

1992

Marco Nobile, La pasqua del re Ezechia (2 Cr 30), in: Antonianum 67.1992, S. 177-197; -

1996

Giuseppe Marocco, Studi storici e letterari aull'epoca di Ezechia, in: ATT 2.1996, S. 254-266; -

2005

Hee-Sook Bae, Vereinte Suche nach JHWH. D. Hiskianische u. Josianische Reform in d. Chronik. Berlin 2005; - Raik Heckl, Die Errettung d. Königs durch seinen Gott. Die literar. Quelle d. Gebete H.s im Kontext von 2 Kön 19f. (par.) u. ihre Rolle bei d. Ausformulierung d. Monotheismusbekenntnisses, in: Mensch u. König. Freiburg/Br. 2008, S. 157-170; -

2008

Diana V. Edelman, Hezekiah's alleged cultic centralization, in: JSOT 32.2008, S. 395-434.

Letzte Änderung: 09.04.2011