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Verlag Traugott Bautz
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HOBBES, Thomas, englischer Staatsphiosoph, * 5.4. 1588 in Malmesbury/Wiltshire als Sohn eines Pfarrers, † 4.12. 1679 in Hardwick Hall/Derbyshire. - Die Familie ermöglichte H. eine hervorragende Ausbildung, bereits mit 6 Jahren soll er Latein und Griechisch, entscheidend für die geistliche Karriere, die er dann aber nicht einschlug, erlernt haben. Nach dem Besuch einer Privatschule schrieb sich H. an der Universität Oxford ein, hier kam er in häufigen Kontakt mit puritanischen Kreisen, die eine wechselhafte Ausstrahlung auf sein späteres Leben bewirkten. Als er die niedrigste Lehrlizenz, den Baccalaureus artium, erlangt hatte, wechselte er 1607 in den Dienst des eben erst zum Herzog erhobenen Barons Cavendish of Hardwicke. Als Hauslehrer des Sohnes unternahm er mit diesem eine der üblichen großen europäischen Reisen, deren Schwerpunkt Frankreich bildete; ein Land, dem H. immer, ob der dort vorherrschenden Ideen und wohl auch wegen der einzig beherrschten Sprache, neben der Muttersprache, verbunden blieb. Nach England zurückgekehrt, konnte sich H. dank der großzügigen Haltung seines Dienstherren vor allem mit antiken Denkern ausgiebig beschäftigen. Thukydides hat er später als den entscheidensten Anstoß seines Lebens bezeichnet, er konnte sich aber auch, bedingt durch die politische Geltung der Hardwickes, zahlreiche Bekanntschaften der führenden englischen Politiker erschließen; Beziehungen, die er später gut zu nutzen wußte. Trotz all dieser Voraussetzungen verliefen die ersten vierzig Jahre seines Lebens ohne Höhepunkte, lediglich seine englische Thukydides-Übersetzung wurde beachtet. Daneben entwickelte H. eine ausgesprochene Vorliebe für die Methoden der Naturwissenschaften, vornehmlich der Mathematik. Dies fand seinen Ausdruck später darin, daß H. als erster Philosoph ein empirisch geschlossenes System mit einer sensualistischen Erkenntnisauffassung und einer materialistischen Seinsvorstellung entwickelte. Er ging sogar so weit, alles philosophische Denken auf eine Art Rechnen mit Namen (Nominalismus) zu reduzieren, jede Leidenschaft, jeder Affekt sollte zurückgedrängt werden. Um diese Gedanken abzusichern, trat H. mit zahlreichen Gelehrten in Verbindung, auch wenn diese, wie Galilei, umstritten und verfolgt waren. Neben Galilei übten nach seinen eigenen Angaben Descartes, Bacon und vor allem der Franzose Mersenne großen Einfluß auf ihn aus. - Die Wende seines Lebens trat ein, als das Parlament Karl I. 1628 an seine alten Rechte erinnerte, dieser 1629 das Parlament auflöste und absolut zu regieren suchte. Als er 1640 aus Geldnot erneut das Parlament einberufen mußte, engagierte sich H. besonders für die Rechte des Königs, wohl beeinflußt durch den Blick auf Frankreich, wo sich der Absolutismus in dieser Zeit in seiner ausgeprägtesten Form durchsetzte. Noch im gleichen Jahr floh H. nach Paris, da er sich als fanatischer Königsparteigänger den Haß der Mitglieder des späteren »Langen Parlaments« zugezogen hatte. Er lebte 11 Jahre in Paris und wandte sich, da er dank zahlreicher Dotationen, im Gegensatz zu den meisten Philosophen seiner Zeit, sorgenfrei leben konnte, wissenschaftlichen Arbeiten zu. 1642 entstand sein Werk »De cive«, das ihn - zunächst nur in beschlagenen Kreisen - berühmt machte. In ihm spricht H. vornehmlich vom Bürger, noch nicht vom Staat als der zwangsgegebenen realen Überperson. Doch die sich überstürzenden Ereignisse in England bewirkten ein Umdenken. Zunächst sah H. sehr skeptisch den Aufstieg Cromwells, den religiös motivierten Bürgerkrieg. Daß die meisten der neuen Unterhausabgeordneten aus puritanischen Gemeinden stammten, die ihre kirchlichen Angelegenheiten durch Synodale selbst verwalteten, die sich heftig gegen die Macht der anglikanischen Bischöfe stemmten, hat gewiß H.'s Denken hinsichtlich der kirchlichen Autorität nachhaltig beeinflußt. Nachdem Karl I. 1649 hingerichtet wurde, dachte H. an eine Versöhnung mit Cromwell, unter Abwägung der Gegebenheiten hatte er wohl schon einige Zeit früher erkannt, daß in England die wirtschaftliche Übermacht der Anhänger des Parlaments siegen würde. Während dieser Zeit verfaßte er den »Leviathan«, als die kirchen-feindliche Tendenz dieser Schrift bekannt wurde, mußte H. aus Furcht vor einer Anklage seitens der französischen Geistlichkeit im Winter nach England zurückfliehen. - Den Titel »Leviathan« wählte er ganz bewußt analog zum biblischen Ungeheuer. In ihm wird der Staat zu einem Ersatzgott, der nötig und zugleich sterblich ist. Er allein entscheidet über Recht und Unrecht, gut und schlecht und legt so auch fest, was Religion ist. - H. zog sich in den Jahren 1652-1679 von der aktuellen Tagespolitik, gewarnt durch seine bisherigen Fährnisse, zurück. Dadurch blieb ihm die Freiheit zur philosophischen Fortsetzung seiner bisherigen Gedanken, die in seinen Spätwerken wie »De homine« oder »Behemoth« ihren Niederschlag fanden. Als der Landadel und die Kaufleute der City der cromwellschen Diktatur überdrüssig wurden, kam es auf ihren Druck hin zur Restaurierung der Monarchie unter Karl II., der H.s Lehren vielleicht zu übertrieben in einem monarchistischen Licht sah und deshalb entsprechend begünstigte. Bis zum Lebensende verfolgte H. jedoch die Abneigung des Klerus, dessen Einfluß es zu verdanken ist, daß H. zumindest zwei Jahrhunderte lang als der Vater des englischen Atheismus betrachtet wurde. - Indem H. den Menschen sehr negativ betrachtet, er selbst sagt, »daß dessen Wille nicht frei, sondern determiniert, daß von Natur aus der Mensch seinem Nächsten der Feind (`homo homini lupus') und er damit schon aus Eigennutz zum Verzicht auf seine unbegrenzte persönliche Freiheit gezwungen sei«, so hat er bewirkt, daß die mittelalterliche Anschauung, der Einzelne wie der Staat seien in eine vorgegebene göttliche Heilsordnung eingefügt, zerstört wurde. Er gab dadurch den Anstoß zu einer Neuabwägung der konträren Pole Staat und Individuum. Dabei bleibt vor allem seine Einstellung zum Staat umstritten: Wohl aus seinem zeitlich begrenzten und durch Fanatismus aufgeputschten Spektrum heraus mißt er ihm eine mathematisch kontrollierbare Alleinmacht zu. Inwieweit er hierbei übersieht, daß Sittlichkeit und vom Staat genormtes Recht keinesfalls identisch sein müssen, ob sein absolutes Verneinen jeglichen Widerstandsrechts berechtigt ist, wird noch länger Streitpunkt sein.
Werke: Translation of Thucydides, 1629 u. ff.; De Cive = Elementa Philosophiae III, Paris 1642, engl.: Philosophical Rudiments Concerning Government and Society, London 1651; dt., Günter Gawlick, Hrsg., Vom Menschen. Vom Bürger., 19662; Tractatus opticus, Paris 1644, in: Mersenne, Optique, Buch VII; A minute of first draught of the optiques, Paris 1646; Leviathan, or the matter, form and power of a commonwealth, ecclesiastical and civil, London 1651; dt., Iring Fetscher, Hrsg., Leviathan oder Stoff, Form und Gewalt eines bürgerlichen und kirchlichen Staates, 1976; De corpore = Elementa philosophiae I, London 1655; dt., Max Frischeisen-Köhler, Vom Körper, 19672; De homine = Elementa philosophiae II, London 1658; dt., G. Gawlick, Hrsg., Vom Menschen. Vom Bürger, 19662; Behemoth: The History of the Causes of the Civil Wars of England, and the Counsels and Artifices by Which They Were Carried on from the Year 1640 to the Year 1660, dt. Julius Lips, Behemoth oder das Lange Parlament, in: Die Stellung des T. H. zu den pol. Parteien der großen engl. Revolution, Nachdruck 1970; Neuausgabe der vorgen. Schrift zusammen mit: An answer to Bishop Bramhall, 1682; A Dialogue between a philosopher and a student of Common Law of England, 1681; Ferdinand Tönnies, Hrsg., The Elements of Law natural and politic, London 1889, Neudruck 1928, enthält H.s Schrift von 1640: A short tract on first principles; Ges.ausg.: The Moral and Political Works of T. H. of Malmesbury never before Collected Together; to which la prefixed, the Author's Life, London 1750; William Molesworth, ed., T. H. Malmesburiensis Opera Philosophica quae Latine scripsit Omnia, 5 Bde., London 1839-45, Neudruck Aalen 1961; Ders. u. ebd., The English Works of T. H. of Malmesbury, 11 Bde., 1839-45, Neudruck Aalen 1962. Überweg III, H. Bibliogr. bis 1924; Hugh Macdonald / Mary Hargreaves, T. H., A Bibliography, London 1952; W. Sacksteder, H. Studies 1879-1979, A Bibliography, Bowling Green 1982.
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Michael Hanst
Werkeergänzung:
Of names. 2.ed. Hamburg 2005. 1 CD-R.
Literaturergänzung:
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Letzte Änderung: 03.02.2010