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Band II (1990)Spalten 939-941 Autor: Friedrich Wilhelm Bautz

HÖVER, Johannes (Johann Philipp Martin), Stifter der Genossenschaft der Armen Brüder vom heiligen Franciscus Seraphicus (Congregatio Fratrum Pauperum Francisci seraphici; abgekürzt: CFP), * 10.11. 1816 in Oberstehöhe bei Neuhonrath im Siegkreis als Sohn eines Bauern, † 13.7. 1864 in Aachen. - Vom Herbst 1833 bis zum Frühjahr 1835 war H. Hauslehrer bei einem Gutsbesitzer in Zissendorf bei Hennef. Er bestand im Mai 1835 die Aufnahmeprüfung für das Lehrerseminar. Ihm wurde die Vikarie-Schule in Uckendorf bei Niederkassel übertragen. Nach zweijährigem Besuch des Lehrerseminars in Brühl wurde H. im November 1837 Lehrer an der einklassigen Volksschule von Breidt bei Birk im Siegkreis und Ende 1843 Lehrer an der Freischule bei der Pfarre St. Peter in Aachen. 1846 starb seine Gattin und Mutter von zwei Kindern. Für seine innere Entwicklung und die Erfüllung seiner Lebensaufgabe war er von größter Bedeutung, daß er durch seine Nichte in Verbindung kam mit der Stifterin der Aachener »Genossenschaft der Armen Schwestern v. heiligen Franziskus«, Franziska Schervier (s.d.). Langsam reifte in ihm der Plan, eine Genossenschaft zu gründen, die sich der verwahrlosten Jugend widmen sollte. Am 22.2. 1855 wurde H. Mitglied des Dritten Ordens vom hl. Franziskus für Weltleute. Unmittelbar vor dem Weihnachtsfest 1857 erfolgte durch insgesamt vier Brüder, die alle als Mitglied dem Dritten Orden vom hl. Franziskus angehörten, die Gründung der Genossenschaft. Als ihre eigentliche Gründungsstunde gilt eine schlichte Krippenfeier am Heiligen Abend in einem Raum des ehemaligen Dominikanerklosters an der Jakobstraße in Anwesenheit der Mutter Franziska Schervier, die am meisten dazu beigetragen hatte, daß die Gründung dieser klösterlichen Genossenschaft möglich wurde. Zunächst widmeten sich die ersten Brüder der nächtlichen Krankenpflege bei armen Leuten, während sie am Tag für die Schwestern arbeiteten, wofür diese ihnen den Unterhalt gewährten. Im Mai 1858 bezogen die Brüder ein neues Heim, das den Armen Schwestern vom hl. Franziskus gehörige Haus neben deren Klosterkirche. Nun siedelte H. endgültig zu den Brüdern über. Um sich ganz dem klösterlichen Leben widmen zu können, trennte er sich von seinen beiden Söhnen, die 12 und 15 Jahre alt waren, und ließ sich von der Behörde als Lehrer beurlauben. Anfang 1860 war die Zahl der Brüder bis auf 12 gewachsen. Der Aachener Regierungspräsident Friedrich Christian Hubert Kühlwetter (1809-82) förderte H.s Pläne. Anfang 1860 gelangte die junge Genossenschaft in den Besitz ihres ersten eigenen Mutterhauses. Die Tochter reicher Eltern in Köln schenkte aus ihrem Vermögen den Brüdern die Kaufsumme für ein Haus in der Alexanderstraße, in dem eine Wirtschaft und Bierbrauerei betrieben wurden. H. nahm im April 1860 seinen Lehrerberuf wieder auf als Lehrer einer im Brüderkloster untergebrachten Knabenklasse der Freischule von St. Peter. Die Schülerzahl wurde im August 1861 mit 140 angegeben. In ihrem eigenen Mutterhaus konnte sich endlich die Genossenschaft der ihr vom Stifter zugedachten Hauptaufgabe, der Fürsorge an der verwahrlosten männlichen Jugend, zuwenden. Der erste Knabe von vier Jahren wurde am 31.5. 1860 aufgenommen. Die Zahl der Knaben stieg bis zum Herbst 1861 auf etwa 50 und wuchs dann weiter, so daß das Haus bald überfüllt war. Am 5.1. 1861 erteilte der Kölner Erzbischof, Kardinal Johannes von Geissel (s.d.), den Satzungen der Genossenschaft auf 5 Jahre seine oberhirtliche Genehmigung. Somit war die Genossenschaft H.s vorläufig als »kirchliche Körperschaft« anerkannt und zu einer Diözesankongregation erhoben; die endgültige bischöfliche Anerkennung erfolgte am 1.7. 1872. Der leitende § 1 der 45 Paragraphen umfassenden Satzungen lautet: »In Aachen vereinigten sich Philipp Höver und seine 12 Gefährten in eine religiöse Genossenschaft unter dem Namen Armen-Brüder vom hl. Franziskus Seraphikus zu klösterlichem Leben und zur Erziehung, Besserung und Bewahrung armer Knaben, Jünglinge und Männer«. § 43: »Da Gefallene erheben und Verkehrte bekehren die größte Freude des Heilandes und seiner Heiligen und Engel ist, so wollen die Brüder gern sowohl die Erziehung jugendlicher Sträflinge in öffentlichen Besserungsanstalten als die Hut und Pflege der Verhafteten und Verurteilten in den Gefängnissen und Zuchthäusern des Staates übernehmen, wenn ihnen solche Anstalten von den Behörden anvertraut werden«. Am 8.2. 1863 übernahm die Genossenschaft als Filiale eine Anstalt für arme und verlassene Knaben in Köln. Im Frühjahr 1861 machten sich bei H. die ersten Anzeichen einer schweren Krankheit bemerkbar. Eine bedeutende Verschlimmerung des Zustandes trat im Frühjahr 1862 ein. Eine Badekur in Burscheid brachte keine Besserung. Im Herbst 1863 reiste H. nach Kaiserswerth, ohne dort die erwartete Linderung seines schweren Kopfleidens zu finden. Auf dieser Reise traf ihn ein Schlaganfall. Durch neue Schlaganfälle verschlimmerte sich der Zustand wesentlich. Die Ärzte stellten Gehirnerweichung fest. So trat H. im Oktober 1863 vom Amt des Obern zurück. - Im Kulturkampf wurden die Brüder ausgewiesen; sie wandten sich nach Holland. 1888 durften sie nach Preußen zurückkehren. Die Satzungen wurden am 19.7. 1910 päpstlich bestätigt. Die Kongregation wurde 1938 in eine deutsche, holländisch-belgische, nordamerikanische und brasilianische Provinz eingeteilt. Das Generalat und Mutterhaus sowie das Provinzialat der deutschen Provinz befindet sich in Aachen.

Lit.: Franz Xaverius Kappes, Philipp H. u. die Armen Brüder v. hl. Franziskus zu Aachen, in: Aachener Echo der Ggw., Nr. 207 v. 29.7.1864; - Ignatius Jeiler, Die gottsel. Mutter Franziska Schervier, Stifterin der Genossenschaft der Armen Schwestern v. hl. Franziskus, dargest. in ihrem Leben u. Wirken, 1893 (19274); - J. Wagels, Der sel. P. J. H. u. seine Stiftung: Die Genossenschaft der Armen Brüder v. hl. Franziskus, 1896; - P.J.H., in: HPBl 143, 1909, 412-419; - W. Brüning, J. H., in: Aachener Heimatgesch., hrsg. v. Albert Huyskens, 1924; - Hans Carl Wendlandt, J. H. u. sein Werk, die Genossenschaft der Armen Brüder v. hl. Franziskus Seraphikus, 1925; - Heinrich Schiffers, J. H., Stifter der Genossenschaft der Armen Brüder v. hl. Franziskus, 1930; - Hans Hümmerle, Helden u. Hll. Die Gesch, ihres wahren Lebens. Erw. Neuausg. (536-560. Tsd.), 1964; - Kosch, KD 1653 f.; - LThK II, 530 (Art. Bleyerheide).

Friedrich Wilhelm Bautz

Letzte Änderung: 30.08.2008