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Band II (1990)Spalten 1028-1030 Autor: Michael Tilly

HONORIUS I., Papst v. 3.11. 625 bis 12.10. 638. Aus einer vornehmen kampanischen Familie stammend, setzte er als Nachfolger Bonifatius V. (s.d.) die kirchenpolitischen Bestrebungen Gregors d. Gr. (s.d.) fort. Es gelang ihm, das in Istrien und Venetien bestehende Schisma zu beseitigen, indem der Schismatiker Fortunatus vom erzbischöflichen Stuhl von Aquileja-Grado vertrieben wurde. Er setzte nach anfänglichen Rückschlägen mit Hilfe der katholischen Königin Gundeberga die Bekehrung der arianischen Langobarden fort. Unter Inanspruchnahme der oströmischen Reichgewalt suchte er die Disziplin des Klerus in Sardinien zu verbessern und ansonsten die Rechte und Privilegien des hl. Petrus zu erhalten. Eine erfolgreiche Patrimonialverwaltung scheint reiche Einkünfte gebracht zu haben, denn in H.' Pontifikat wurden mehrere Kirchen in Rom neu gebaut, restauriert oder ausgeschmückt, wie St. Peter, S. Agnese fuori le mura und S. Pancrazio. Auch die Christianisierung der Angelsachsen konnte weiterverfolgt werden. Als König Edwin von Northumberland sich taufen ließ, schickte H. ihm 634 herzliche Ermahnungen und auf Ansuchen Edwins erhielten die Metropoliten Honorius v. Canterbury und Paulinus v. York das Pallium. Zwar gelang es H. nicht, die Iren zur Angleichung ihres Ostertermins zu bewegen, dafür betrieb der von ihm gesandte Birinus von Dorchester aus die Christianisierung in Wessex. Als H. nach einem fast dreizehnjährigen Pontifikat starb, wurde dieses von den Zeitgenossen als ein erfolgreiches gerahmt. Umstritten wurde H. erst einige Zeit später, und zwar infolge seines Eingreifens in die monotheletischen Streitigkeiten. Mit der in Ägypten, Syrien und Palästina bestehenden monophysitischen Opposition gegen Konstantinopel bemühte sich Kaiser Heraklius (610-641) um einen Ausgleich. Der Patriarch Sergius von Konstantinopel begünstigte in diesem Sinne die Auffassung, der aus zwei Naturen bestehende Gottmensch habe mit einer gottmenschlichen Energie gewirkt. Dem widersprach der gelehrte Mönch Sophronius, auch noch in seiner Inthronisationsanzeige, als er 634 zum Patriarchen von Jerusalem erhoben wurde. Der bedenkliche Sergius legte auch H. diese Frage und ihre Hintergründe in Briefen vor und schlug vor, künftig die Redeweise von ein oder zwei Energien zu vermeiden und von einem Willen in Christus zu sprechen. In seiner Antwort bezeichnete H. den Streit im wesentlichen als eitles Wortgezänk. "Wir haben nämlich nicht aus der Schrift gelernt, daß Christus, unser Herr, und sein heiliger Geist eine oder zwei Energien hat, sondern wir haben erkannt, daß er vielgestaltig wirkt". Im übrigen bekennt H. einen Willen in Christus. Er bekräftigte diese Haltung noch einmal, als er das vorsichtig gehaltene Inthronisationsschreiben des Sophronius empfing und 638 verbot Kaiser Heraklius in einem von Sergius verfaßten Glaubensedikt die Ausdrücke "ein oder zwei Energien in Christus" und lehrte stattdessen einen Willen in Christus. Schon zwischen den folgenden Päpsten und den konstantinopolitanischen Patriarchen und Kaisern schwelte der Streit um diesen Monotheletismus. Nachdem die Lehre schon auf den Lateransynoden 649 und 680 verworfen worden war, wurde sie auf dem 6. ökumenischen Konzil v. Konstantinopel 681 endgültig und unter Teilnahme päpstlicher Legaten als häretisch verurteilt und ihre Vertreter, darunter H., anathematisiert. Auch Leo II. bestätigte beim Antritt seines Pontifikats 682 schriftlich diese Verdammung. Diese Verurteilung des H. wurde noch auf mehreren Konzilen wiederholt und fand sogar Eingang in das von den Päpsten wohl bis zum 11. Jh. bei der Stuhlbesteigung gesprochene Glaubensbekenntnis. Im weiteren Verlauf des MAs wurde dieser Angelegenheit nicht mehr gedacht, später wurden hin und wieder Versuche unternommen, die Verdammung des H. bzw. ihr Zustandekommen als auf Fälschungen beruhend zu erweisen. In aller Breite wurde die sogen. H.frage auf dem Vaticanum von dem Rottenburger Bischof K. J. Hefele (s.d.) im Zusammenhang mit seiner Argumentation gegen die. Lehre von der päpstlichen Unfehlbarkeit wieder aufgerollt.

Werke: Die erhaltenen Briefe in MPL 80, 467-494,60l-607; MPL Suppl. IV 1658-1659; Mansi XI, 537-544; Die beiden Briefe des H. an Sergius v. Konstantinopel sind kritisch ediert bei G. Kreuzer, Die H.-frage im MA und in der Neuzeit 1975, 32-53.

Lit.: Combéfis, Historia monothelitarum, in: Ders., Auctiorium novissimum, 1648; - J. B. Tamagnigni, Celebris historia monothelitarum atque H. controversia, 1678; - Fr. Mancherius, Clypeus fortium sive vindiciae H. papae, 1680; - Chr. W. F. Walch, Entwurf einer vollständigen Historie der römischen Päpste, 17582; - Th. Holtzclau, H. I., summus pontifex, fidelis et innocens, sive dissertatio theologica qua H. in causa fidei contra monothelitas ab omni haeresi, mala oeconomia et neglentia nova methoda vindicatur, 1762; - R. Fischer, De H. papa in synodo generali VI vere et juste condemnato, 1767; - C. J. v. Hefele, Das Anathem über Papst H., in: ThQ 39, 1857, 3-61; - Ders., Causa H. papae, 1870; - Ders., Conciliengeschichte, 1873 ff.; - J. J. I. v. Döllinger, Die Papstfabeln des MA, 1863; - P. Bittalla, Pope H. before the tribunal of reason and history 1868; - Ders., The orthodoxie of the pope H., in: Dublin Review 1872, 85-103; - R. Bauer Die H.-frage, eine kritische Beurteilung der Schrift [des C. J. v. Hefele], 1870; - [J. Fabi], Pro H. et sede apostolica, contra J. C. de Hefele. 1870; - P. Bélet, La chúte du pape H., 1870; - G. Andrullo, Onorio I. e la scuola Italiana, in: La Scienza e la fide, tom X 177-197, 1870; - E. Rückgaber, Die Irrlehre des H. und das vatikanische Decret über die päpstliche Unfehlbarkeitsfrage, 1871; - Oswepian, Die Entstehungsgeschichte des Monotheletismus, nach ihren Quellen geprüft und dargestellt, 1897; - J. Chapman O. S. B., The condemnation of pope H., in: Dublin Review 1906, 129-154 u. 1907, 42-72; - W. Plannet, Die H.-frage auf dem Vatikanischen Konzil (Diss. Marburg), 1912; - E. F. Ranke, Bilder aus der Geschichte des Papsttums, 1924; - K. Hirsch, Papst H. und das VI. allgemeine Konzil, Festschr. der 57. Versammlung dt. Philologen zu Salzburg, 1929, 158-179; - Seppelt II2, 47-58; - Caspar II, 530-542; - Fliche-Martin V, 120-124 u. 397-400; - H. G. Beck, Kirche und theol. Lit. im byz. Reich, 1959; - H. Jedin, Kleine Konziliengeschichse, 1960; - R. Bäumer, Die Wiederentdeckung der H.-frage im Abendland, in: RQ 56, 1961,200-214; - C. W. Mönnich, Geding der vrijheid, 1967, 229-254; - P. Stockmeier, Die "causa Honorii" und Karl Josef v. Hefele, in: ThQ 148, 1968, 405-428; - P. Conte, Der Fall des Papstes H. und das Erste Vatikanische Konzil, in: G. Schwaiger (Hrsg.), 100 Jahre nach dem Ersten Vatikanischen Konzil, 1970, 109-130; - Ders., Chiese e primato nelle lettre dei Papi del secolo VII, 1971; - Ders., Il significante del primato papale nei padri del VI. concilio ecumenico in: Arch. Hist. Pont. 15, 1977, 7-111 (insbes. 80-103); - L. Magi, La sede romana nelle corrispondenza degli imperatori e patriarchi byzantini (VI-VII sec), 1972, 198-204; - F. Murphy, Constantinople II et Constantinople III, 1973; - G. Kreuzer, Die H.-frage im Ma und in der Neuzeit, 1975; - G. Schwaiger, Die H.-frage, zu einer Untersuchung des alten Falles, in: ZKG 88, 1977, 85-97; - RE VIII3, 313-315; - DThC VII, 93-132; - LThK V, 474-475; - Catholicisme V, 923 ff.; - EBrit XI, 5722; - RGG III3, 445; - ODCC, 663; - The New Internat. Dictionary of Christian Church, 1974, 480-481; - Grote Winkler Prins Encyclopedie, IX7, 547-548; - New Catholic Encyclopcdia VII, 123-125; - Dizionarin patristico e di antichità christiane, II, 2483-2484.

Michael Tilly

Literaturergänzung:

1987

Elena Zocca, Onorio I e la tradizione occidentale, in: Augustinianum 27.1987, S. 571-615; -

1993

Elena Zocca, Una possibile derivazione Gregoriana per il "monotelismo" di Onorio I. In margine ad un recente intervento di A. Thanner nell'Honoriusfrage, in: Augustinianum 33.1993, S. 519ff.; -

2009

Alberto Ferreiro, St. Braulio of Zaragoza's "Letter 21" to Pope Honorius I regarding lapsed baptized Jews, in: SE 48.2009, S. 75-95.

Letzte Änderung: 22.03.2010