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Band II (1990)Spalten 1068-1069 Autor: Friedrich Wilhelm Bautz

HORTEN, Franz, Dominikaner, bekannt als Pater Titus, * 9.8. 1882 in Elberfeld, † 25.1. 1936 in Oldenburg. - H. studierte Theologie und Philosophie unter anderem in Rom. 1909 trat er dem Dominikanerorden bei und erhielt 1915 die Priesterweihe. Er war Generalprokurator der Chinamission. Daneben war er in der Mission Vechta tätig, die neben unzähligen anderen katholischen Missionen zu dieser Zeit finanzielle Transaktionen durchführte, die zur Erhaltung der Mission beitragen sollten. Deswegen wurde H. gemeinsam mit L. Siemer 1935 im Zuge der Devisenprozesse verhaftet. Die Anklage lautete auf gemeinsam begangene Devisenzuwiderhandlungen in Höhe von 72000 Reichsmark. Die Gefangenen wurden zunächst in das Untersuchungsgefängnis Köln und später nach Oldenburg gebracht. Der im November 1935 durchgeführte Strafprozeß war einer der wenigen außerhalb Berlins durchgeführten Prozesse, die in der Öffentlichkeit großes Aufsehen erregten. Ein von der nationalsozialistischen Propaganda bewußt kirchenfeindlich gestalteter Schauprozeß, in dem das Strafmaß gegen die angeklagten Geistlichen wegen ihres "Sonderberufs" besonders hoch bemessen wurde. In einer späteren Berufungsverhandlung wurde H. zwar freigesprochen, er war jedoch als ein kindlich-unbeholfener, gutgläubiger und etwas naiver Mensch den harten Haftbedingungen nicht gewachsen und erlag 1936 den Folgen von Isolierhaft und schlechter Kost im Gefängnislazarett Oldenburg, ohne die Freiheit wiedererlangt zu haben. Sein Freispruch war einer von insgesamt nur drei Freisprüchen dieser Prozeßserie. Den hohen Zuchthaus- und Gefängnisstrafen, die aus den meisten Urteilen hervorgingen, erlagen viele betagte Geistliche. 1948 wurde für H. ein Seligsprechungsverfahren eingeleitet.

Lit.: Akten des Reichsjustizministeriums R 22/4057; - Devisensache XXV, 27-28; - Akte DD, Devisenprozeßakten, Causa SD Horten OP, Archiv d. Dominikanerprovinz Teutonia, Köln, 2 Bde.; - T. H., Briefe (Vechta), 1937; - Laurentius Siemer, Aufzeichn. und Briefe, 1958, 70-100; - Ernst Hoffmann, Hubert Jansen, Die Wahrheit über die Ordensdev.-proz. 1967, S. 173, 199; - Madeleine Rapp, Die Devisenprozesse gg. kath. Ordensangehörige u. Geistliche im 3. Reich, Bonn 1981, Diss., S. 86; - LThK V, 488.

Friedrich Wilhelm Bautz

Literaturergänzung:

1949

Hieronymus Wilms, P. Titus Horten O.P. Erinnerungen an ein Opfer der Devisenprozesse, Köln 1947 u. Limburg 1949; -

1955

Arnfried M. Lehmkuhl, Pater Titus Horten, Vechta 1955; -

1986

Paul-Gundolf Gieraths, Zeuge des verborgenen Lebens. P. Titus M. Horten OP (1882-1936), Vechta 1986; - Walbert Weber, P. Titus M. Horten O.P. 1882-1936. Ein Lebensbild, Vechta 1986; -

1991

Reinhard Lettmann, Zeugen des Glaubens in der Kirche von Münster, Münster 1991, S. 51-55; -

1999

Maria Anna Zumholz, "Verbrecher oder Märtyrer?" Der Devisenprozeß gegen die Dominikanerpatres Laurentius Siemer, Titus Horten und Thomas Stuhlweißenburg in Oldenburg, in: Christenkreuz oder Hakenkreuz. Zum Verhältnis von katholischer Kirche und Nationalsozialismus im Land Oldenburg, hrsg. v. Willi Baumann u. Michael Hirschfeld (= Quellen und Beiträge zur Kirchengeschichte des Oldenburger Landes, Bd. 4), Vechta 1999, S. 275-312; -

2002

Rainer Maria Groothuis, Im Dienste einer überstaatlichen Macht. Die deutschen Dominikaner unter der NS-Diktatur, Münster 2002, S. 287-316; -

2006

Ulrich Schulte, Pater Titus Horten OP (1882-1936), in: Der katholische Klerus im Oldenburger Land. Ein Handbuch, hrsg. v. Willi Baumann u. Peter Sieve, Münster 2006, S. 339-342; -

2008

P. Titus Horten OP. Ein Ordensmann im Dritten Reich. Ulrich Schulte (Hg.). Leipzig 2008.

Letzte Änderung: 16.12.2008