Verlag Traugott Bautz
www.bautz.de/bbkl
Zur Hauptseite
Bestellmöglichkeiten
Abkürzungsverzeichnis
Bibliographische Angaben für das Zitieren
Suche in den Texten des BBKL
Infobriefe des aktuellen Jahres

NEU: Unser E-News Service
Wir informieren Sie vierzehntägig über Neuigkeiten und Änderungen per E-Mail.

Helfen Sie uns, das BBKL aktuell zu halten!



Band II (1990)Spalten 1164-1165 Autor: Friedrich Wilhelm Bautz

HUMBERT von Silva Candida, Kardinal und Theoretiker, * etwa 1010, † 5.5. 1061. H. war burgundischer Abstammung, wurde im Kloster Moyenmoutier erzogen und war schon als Kind für den Ordensstand vorbestimmt Seit 1015 war er Oblate in Moyenmoutier, bis ihn Leo IX. (s.d.) 1049 nach Rom rief. Dort war er Berater Leos und entschiedener Gegner der Simonie, der Besetzung kirchlicher Ämter durch Personen mit weltlicher Macht. H. galt als einflußreicher Vertreter der cluniazensischen Reformbewegung. Ein Jahr später wurde er Erzbischof von Sizilien, dann 1051 Bischof von Silvia Candida und Kardinal. 1054 wurde er vom Kardinal Leo als Vorsitzender einer päpstlichen Gesandtschaft zusammen mit Friedrich v. Lothringen und Erzbischof Peter v. Amalfi (s.d.) nach Konstantinopel geschickt; aufgrund der gefährlichen militärischen Lage, des Bündnisses des oströmischen Kaisers mit der römischen Kirche, welches zur Schließung der Kirchen lateinischen Ritus in Konstantinopel geführt hatte, legten die päpstlichen Legaten dort am 16. Juli 1054 die römischen Bambulle nieder. Daraufhin belegte der Patriarch v. Konstantinopel, Cärularius (s.d.), die Legaten mit Anathema. Leo IX. starb während dieser Mission H.s, welcher dann in die Dienste des neuen Papstes, Viktor II. (s.d.), eintrat. 1057 konnte er den Sturz des Abbés Petrus v. Monte Cassino (s.d.) verhindern und wurde nach dem Tode Viktors im gleichen Jahr von Kardinal Friedrich als dessen Nachfolger vorgeschlagen. Dieser wurde jedoch selbst zum Papst ernannt (Stephan IX., s.d.) und H. erhielt die Stellung des Bibliothecarius sanctae romanae et apostolicae sedis. Er blieb auch in Rom, nachdem Heinrich III. Gregor XIII. zum Papst ernannt hatte. Während der Amtszeit Stephans entstanden 1058 seine drei Bücher gegen die Simonisten, in denen er sich direkt gegen den Liber gratissimus von Petrus Damiani (s.d.) wendet, der, aus theologischer Sicht, die simonistischen Weihen für gültig erklärte. Die "3 adversus simoniacos" sind ganz vom Geist der Reformationsbewegung durchdrungen und als theoretische Grundlage für die Auseinandersetzung der späteren gregorianischen Partei während des Investiturstreites zu werten.

Werke. Libri 3 adversus simoniacos, in: MGLiblit I, 95-253.

Lit.: A. Pichler, Gesch. der kirchl. Trennung zw. dem Orient u. Okzident I, 1864, 258 ff.; - Hermann Halfmann, Card. H., sein Leben u. seine Werke, mit bes. Berücks. seines Traktates "Libri tres adversus Simoniacos". (Diss. Göttingen), 1883; - J. Langen, Geschichte d. röm. Kirche bis Gregor VIII, Bonn 1892; - Carl Mirbt, Die Publizistik im Zeitalter Gregors VII., 1894, 144 ff.; - A. Fliche, in: RevHist 69, 1915, 41-76; - Ders., La Reforme Gregorienne I, Louvain 1924, 265-308; - Anton Michel, H. u. Kerullarios. Qu. u. Stud. z. Schisma des 11. Jh.s I, 1924; II, 1930; - Ders., P. E. Schramm, Kaiser, Rom u. Renovatio II, 1929, 120-36; - Ders., Papstwahl u. Kg.recht oder Das Papstwahl-Konkordat v. 1059, 1936; - Ders., Die Sentenzen des Kard. H., das erste Rechtsbuch der päpstl. Reform, 1943 (Nachdr. 1952): Die folgenschweren Ideen d. Kard. Humbert u. ihr Einfluß auf Gregor VII, in: StudGreg I, 1947, 65-92; - Ders., Die Anfänge d. Kard. Humbert, in: StudGreg 3, 1948, 299-319; - Ders., H. v. S. C. bei Gratian, in: Studia Gratiana I, 1953, 83-117; - Ders., Die Ecbasis cuusdam captivi per tropologiam, ein Werk H.s, in: SAM 1957, H. 1; - Ders., Die Akten Gerhards v. Toul als Werk H.s u. die Anfänge der päpstl. Reform 1028-1050, ebd. H. 8; - H. Tritz, Die hagiogr. Qu. z. Gesch. Papst Leos IX., in: StudGreg 4, 1952, 191-364; - A. Michel, Humbert u. Hildebrand bei Nikolaus II., HJ 72, 1953, 133-61; - J. J. Ryan, Card. H.' De s. Romana ecclesia, in: MS 20, 1958, 206-238; - Henning Hösch, Die kanon. Qu. im Werk H.s v. Moyenmoutier. Ein Btr. z. Gesch. der vorgregorian. Reform (Diss. Berlin FU), Köln - Wien 1970; - Karl-Hermann Kandler, Die Abendmahlslehre des Kard. H. u. ihre Bedeutung f. das ggw. Abendmahlsgespräch (Diss. Leipzig, 1966), Berlin 1971; - RE VIII, 445; - RGG III, 484 f.; - Catholocisme V, 1090-1093; - LThK V, 532 f.; - HdKG III/1,404-11. 413-17. 473-83. 535 f.; - HdKG III/2, 146.

Friedrich Wilhelm Bautz

Textanmerkungen:

Im Text steht: Er blieb auch in Rom, nachdem Heinrich III. Gregor XIII. zum Papst ernannt hatte. Richtig muß es heißen: Er blieb auch in Rom, nachdem Heinrich III. Gregor VI. zum Papst ernannt hatte.

Letzte Änderung: 30.08.2008