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Verlag Traugott Bautz
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HUME, David, bedeutendster Philosoph der englischen Aufklärung, Historiker und Diplomat, * 7.5. 1711 in Edingburgh als Sohn eines schottischen Landadeligen, † 25.8. 1776 ebd. - H. studierte zuerst Jurisprudenz, gab dies aber, seines Interesses an Philosophie, Geschichte und Politik wegen, bald wieder auf und unternahm, nach kurzer kaufmännischer Tätigkeit in Bristol, in den Jahren 1734-1737 eine Studienreise nach Frankreich, bei der er sich meist in der Nähe von Rheims und bei La Fleche in Anjou aufhielt. Hier entstand seine Abhandlung über die menschliche Natur, welche er 1738 in London drucken ließ. Die Abhandlung fand kaum Aufmerksamkeit, so daß H. zu weiterer Arbeit nach Frankreich zurückkehrte. Bekannt und beachtet wurde H. aufgrund seiner 1741 erschienenen "Moralisch-politischen Essays". Fünf Jahre später, die er z. T. als Erzieher des Marquis von Annaldale, z. T. als Sekretär des Generals St Clair verbracht hatte, bewarb er sich 1746 um die Professur für Moralphilosophie an der Universität von Edingburgh. Seine skeptisch-toleranten religionsphilosophischen Auffassungen stießen bei der Geistlichkeit aber auf Ablehnung, so daß seine Bewerbung erfolglos blieb. 1747 begleitete H. den General St Clair auf eine Gesandtschaftsreise an die Höfe nach Wien und Turin. 1748 erschien sein Werk "Untersuchung über den menschlichen Verstand", welches ihn in Kürze zum bekanntesten europäischen Philosophen machte. 1749 wieder nach Schottland zurückgekehrt, hatte er von 1752-1757 eine Stelle als Bibliothekar an der Universität von Edingburgh inne und somit die Möglichkeit zu intensiven historisch-politischen Studien, aus welchen dann später die "Geschichte von Großbritannien" hervorging. Von 1763-1766 war H. in diplomatischem Dienst des Gesandten Lord Hertford in Paris. Hier unterhielt er Beziehungen zu Diderot, d'Alembert und Helvétius und machte Bekanntschaft mit Rousseau, mit welchem er sich bald zerstritt. 1767 wurde H. Unterstaatssekretär des Auswärtigen, ging 1769, um sich seinen Studien zu widmen, nach Edingburgh zurück und verstarb dort nach langer Krankheit. - Menschliches Denken und Erkennen ist nach H. begrenzt durch die menschliche Sinneserfahrung. Ausgehend von der Unterscheidung der Wahrheiten ("impression") und Vorstellungen ("ideas") kommt er zu einer Theorie der Erfahrungen, die ausschließlich auf dem Prinzip der Assoziation basiert. Es gibt keine Erkenntnis aus Vernunft bzw. a priori, sondern alle Begriffs- und Gesetzesbildung gründet in gewohnheitsmäßiger Vorstellungserwartung ("belief"). Unzulässig ist nach H. der Schluß von etwas empirisch Gegebenem auf Transzedentes. Die Gottesidee entsteht, wie alle Ideen, aus der grenzenlosen Steigerung menschlicher Eigenschaften. Religion wird bei H. "natürlich", d. h. psychologisch und historisch erklärt. Religiöse Wahrheit kann nur geglaubt, nie gewußt werden. In der Ethik ist H. Determinist. Kein Handeln geht aus bloßem Denken hervor, sondern ist durch unsere Dispositionen bestimmt, entspringt Neigungen und Leidenschaften. H. glaubte fest, daß sich Tugenden wie Humanität, Wohlwollen und Freundlichkeit über Gewalt und Willkür behaupten würden. Mit seinen Arbeiten zur Volkswirtschaftslehre erwies sich H. als Vorläufer für die Freihandelstheorien von Smith und Ricardo. Sein Skeptizismus gegenüber der Metaphysik und seine aufklärerischen Ideen hatten über Immanuel Kant Einfluß auf die deutsche Philosophie. H.s Erkenntnistheorie mit der Analyse des Kausalitätsbegriffs, seine Moralphilosophie mit metaphysikfreier Normenbegründung und seine, von Ironie durchzogene, religionsphilosophische Skepsis finden immer wieder Eingang in die heutige Diskussion.
Werke: Treatise concerning human understanding, 2 Bde., London 1739-1740; Easays moral and political, 2 Bde., 1741 (17422, 17483); Account of Stewart, 1748; Philosophical essays concerning human understanding (späterer Titel: Enquiry concerning human understanding), 1748 (17502); An enquiry concerning the principles of morals, 1751; Political discourses, 1752 (17522, 17543); Scotticissnus, 1752; The history of Great Britain, 1754 (17572)); Four dissertations, 4 Bde., 1757; Letter to the authors of the Critical Review, 1759; Dispute with Rousseau, 1766; Two essays on suicide and immortality, 1777; The life of D. H. written by himself, 1777; Dialogues concerning natural religion, 1779 (17792); GA der philos. Werke hrsg. v. T. H. Green u. T. H. Grose, 4 Bde., London 1874 (Neudr.: 1964); T. W. Jessop, A bibliography of D. H. and of D. H. and of Scottish philosophy from Francis Hutcheson to Lord Balfour, New York 1966, 342.
Lit.: Fr H. Jacobi, Über den Glauben oder Idealismus und Realismus, 1787; - C. Fr. Ständlin, Geschichte u. Geist des Skeptizismus, 1794; - Fr. Jodl, D. H.s Lehre von der Erkenntnis, 1871; - H. Goebel, Das philosophische in H.s Geschichte von England, 1897; - K. Groos, Hat Kant H.s "Treatise" gelesen?, Kant-Studien 5, 1900, 177-181; - M. Klemme, Die volkswirtschaftlichen Anschauungen D. H.s (Diss. Halle), 1900; - G. Lechartier, D. H. moraliste et sociologue, 1900; - P. Linke, D. H.s Lehre vom Wissen (Diss. Leipzig), 1901; - A. Lüers, D. H.s religionsphilosophische Anschauungen (Diss. Berlin), 1901; - A. Prehn, Die Bedeutung der Einbildungskraft bei H. und Kant für die Erkenntnistheorie (Diss. Halle), 1901; - Sally Daiches, Über das Verhältnis der Geschichtsschreibung D. H.s zu seiner praktischen Philosophie (Diss. Leipzig), 1903; - J. Goldstein, Die empirische Geschichtsauffassung D. H.s, 1903; - Otto Quast, Der Begriff des Belief bei D. H., 1903 (Nachdr.: 1980); - J. Zimels, D. H.s Lehre vom Glauben und ihre Entwicklung vom "Treatise" zur "Inquiry", 1903; - E. A. Cook, H.s Theorie über die Realität der Außenwelt (Diss. Halle), 1904; - R. Hönigswald, Über die Lehre H.s von der Realität der Außendinge (Diss. Berlin), 1904; - Ders., Geschichte der Philosophie von der Renaissance bis Kant, 1923; - H. Nathansohn, Der Existenzbegriff H.s (Diss. Berlin), 1904; - R. Richter, Der Skeptizismus in der Philosophie, 1904; - C. Hedvall, H.s Erkenntnistheorie kritisch dargestellt, 1906; - Felix Müller, D. H.s Stellung zum Deismus (Diss. Leipzig), 1906; - C. J. W. Francken, D. H., 1907; - A. Böhme, Die Wahrscheinlichkeitslehre bei D. H., 1909; - A. Bilharz, Descartes, H. und Kant, 1910; - R. Salinger, H.s Kritik des Kausalbegriffs und ihre erkenntnistheoretische Bedeutung, 1911; - A. Thomsen, D.H., sein Leben und seine Philosophie, 1912; - K. Fahrion, H.s Lehre von der Substanz, 1914; - P. Thormeyer, Die großen englischen Philosophen Locke, Berkeley, H., 1915; - H. Hasse, Das Problem der Gültigkeit in der Philosophie D. H.s, 1919; - Margarete Merleker, H.s Begriff der Realität, 1920 (Neudr.: 1981); - F. Dehn, Die Ethik D. H.s (Diss. Bonn), 1926; - Rudolf Metz, D. H.: Leben und Philosophie, 1929 (Neudr.: 1968); - Ders., Unveröffentlichte Briefe D. H.s, in: Engl. Stud. 63, 1929, 337-388; - Ders., Eine neuentdeckte Schrift H.s, in: BdtPh 12, 1939, 405-415; - Ders., Englandhaß, Frankophilie und Deutschlandbild bei H., in: Neuphiologische Monatsschrift 14, 1943, 8-19; - C. Winkler, D. H., Untersuchungen über die Prinzipien der Moral, 1929 (Neudr.: 1972); - M. S. Kuypers, Studien in the Eighteenth-Century Background of H.s Empiricism, 1930 (Neudr.: 1966); - J. Laird, Knowledge, Belief and Opinion, 1930 (Neudr.: 1972); - Ders., H.s Philosophy of Human Nature, 1932 (Neudr.: 1967); - Ders., H. D., in: Chambers's Encyclopaedia, 1950; - L. Berkovits, H. und der Deismus (Diss. Berlin), 1933; - R. W. 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Thomas Uecker
Werkeergänzung:
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Letzte Änderung: 11.07.2010