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Band XIV (1998) Spalten 1099-1101 Autor: Georg Plasger

IHMELS, Carl Heinrich, lutherischer Theologe, * 24.10. 1888 in Detern/Ostfriesland, † 10.4. 1967 in Dresden; Dr. phil., Dr. theol. h.c. - Carl Heinrich Ihmels wird am 24. Oktober 1888 als Sohn des Pastors und späteren Professors und Landesbischofs Ludwig Ihmels geboren. Seine Kindheit und Jugend verbringt er in Loccum b. Hannover, vor allem in Erlangen und schließlich in Leipzig. Nach dem Abitur 1907 studiert er Philosophie und Theologie in Leipzig, Erlangen und Göttingen; die beiden theologischen Examina legt er 1911 bzw. 1914 in Hannover ab. Im Jahre 1914 wählt ihn die Inselgemeinde Baltrum zu ihrem Pastor (wo er auch in der Volksschule unterrichtet); nur zwei Jahre später wechselt er zu ev.-luth Gemeinde Westrhauderfehn, wo er sieben Jahre bleibt. 1916 promoviert er in Erlangen mit einer philosophischen Dissertation. 1919 heiratet er Annamarie Scharwächter aus Leipzig; beiden werden im Laufe ihrer Ehe sechs Kinder geschenkt. - 1923 geschieht dann der größte Einschnitt in sein Leben: Das Kollegium der Ev.-luth. Mission zu Leipzig beruft ihn zum 1. Oktober 1923 zum Direktor als Nachfolger von Prof. Paul. Ihmels hatte sich zwar schon in der Schulzeit sehr für die Missionsarbeit interessiert und engagiert, hatte sogar konkrete Pläne, selber in den Missionsdienst nach Indien zu gehen - die Berufung eines knapp 35-jährigen war für ihn und auch andere dennoch eine große Überraschung. Das Amt des Direktors hat Ihmels 37 Jahre bis zum Jahre 1960 ausgeübt. Ab 1926 bis nach dem 2. Weltkrieg leitet er das Missionswissenschaftliche Seminar der Leipziger Theologischen Fakultät, im Jahre 1932 wird er zum Honorarprofessor ernannt. 1930 erhält er die Ehrendoktorwürde der Theologischen Fakultät Erlangen. Carl Heinrich Ihmels stirbt sieben Jahre nach seinem Ausscheiden aus dem Amt des Direktors der Leipziger Mission am 10. April 1967 in Dresden. - Zwei natürlich eng zusammenhängende Arbeitsfelder prägten Ihmels Lebensarbeit. Zum einen die Arbeit in missionstheologischer Hinsicht und zum anderen die Begegnungen mit den sogenannten jungen Kirchen. - Als Missionsdirektor und theologischer Lehrer hat Ihmels die Wandlungen im Missionsverständnis im 20. Jahrhundert begleitet und zum Teil auch mitinitiiert. Die Änderungen sind dahingehend zu beschreiben, daß das einlinige Missionsverständnis (von Europa hin in andere nichteuropäische Länder) zunehmend zugunsten eines partnerschaftlichen und auch ökumenischen Miteinanders gewichen ist. Mission ist für Ihmels deshalb kein Kulturexport. Immer wieder fragt er in Gemeinschaft mit den Christen vor Ort nach den speziellen Bedingungen und Möglichkeiten, wie denn in einem anderen Land mit anderer Kulktur und Tradition das Evangelium so zu verkündigen ist, daß es nicht als Eindringling empfunden wird. Hierzu gehört auch das Wissen um die soziale Dimension des Evangeliums. Diese sogenannte „ökumenisch-missionarische“ Entwicklung mit dem Ziel der Selbständigkeit der jungen Kirchen wird von Ihmels auch auf zahlreichen ökumenischen Konferenzen weltweit gefördert. Sein Herz schlägt aber vor allem bei den jungen Kirchen. Zu den Höhepunkten in seinem Leben gehören die Missionsreisen, die ihn immer wieder zu den von der Leipziger Mission gegründeten ev.-lutherischen Gemeinden führten. Und da waren es nicht die Gespräche mit den Kirchenleitungen, sondern das Miterleben der Gottesdienste und die Teilnahme an den Gemeindeveranstaltungen, die in seinen Berichten herausragen. Anschaulich erzählt er von einzelnen Begegnungen. Sehr behutsam geht er mit den Traditionen um, nimmt regen Anteil an den Entwicklungen hin zur Selbständigkeit einzelner Kirchen und setzt sich intensiv ein für schulische und handwerkliche Ausbildungsstätten, die seiner Ansicht nach Teil der Missionsarbeit sind. - In der Zeit des Nationalsozialismus war Ihmels Mitglied der oppositionellen Bekennenden Kirche. Obwohl die Arbeit der Mission, die ja vom eigenen Selbstverständnis her Rasseschranken nicht akzeptieren kann, von den Nationalsozialisten stark behindert wurde, sorgte Ihmels doch mit viel Geschick und auch internationalen Kontakten für die Weiterarbeit und auch Ausbildung neuer Missionare. Ihmels sorgte auch dafür, daß die Bestände der Bibliothek des Leipziger „Institutum Judaicum Delitzschianum“ eine Unterkunft in den Räumen der Mission fanden, als die Nationalsozialisten die Arbeit dieser Einrichtung zur Erforschung des Zusammenhangs von Altem Testament und antiker jüdischer Literatur verhinderten.

Werke: Viele kleine Artikel in Missionszeitschriften (vor allem in „In alle Welt. Ev.-luth. Missionsblatt“), die bisher in keiner Bibliographie erfaßt sind. Eine Monographie zum Missionsverständnis von Ihmels, das sich auf zahlreiche Literatur in Archiv und Bibliothek der Leipziger Mission stützen könnte, bleibt Desiderat. Als Buch veröffentlicht: Carl Ihmels, Rückblicke auf zwei Menschenalter Leipziger Mission, Erlangen 1986.

Lit.: A. Kimme, Altdirektor Prof. Ihmels. Nachruf des Missionskollegiums, in: In alle Welt. Ev.-luth. Missionsblatt 19, 1967, Nr. 5 (Porträt).

Georg Plasger

Literaturergänzung:

2004

Simon Gerber, Eine lutherische Konferenz im Februar 1934, in: Zeitschrift für neuere Theologiegeschichte 11, 2004, 148-168.

Letzte Änderung: 18.12.2009