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Band II (1990)Spalte 1293-1295 Autor: Franz Seiffer

INNOZENZ IX., * 20.7. 1519 als Giovanni Antonio Facchinetti in Bologna, + 30.12. 1591. - Nach dem Studium der Rechte promovierte er 1544 und trat in die Dienste des Kardinals Alessandro Farnese, des späteren Papstes Paul III. (s.d.). Kardinal Farnese schickte ihn für vier Jahre als Vikar nach Avignon. 1560 ernannte ihn Papst Pius IV. (s. d.) zum Bischof und gab ihm das Bistum Nicastro in Kalabrien. Im folgenden Jahr war er maßgeblich am Konzil von Trient beteiligt. In Nicastro gründete er ein Seminar und erbaute dem Schutzheiligen seiner Heimatstadt, Petronius, eine Kirche. Aus gesundheitlichen Gründen ist er jedoch gezwungen, Nicastro wieder zu verlassen. Von Papst Pius V. (s.d.) wurde er 1566 für längere Zeit als Nuntius nach Venedig geschickt, wo er den Abschluß der Heiligen Liga gegen die Türken maßgeblich beförderte. Von Venedig kehrte er 1575 nach Rom zurück, wo er Mitglied der Konsulta und der Inquisition wurde. Am 12.11. 1576 wurde er zum Patriarchen von Jerusalem ernannt, und am 12.12. 1583 erhob ihn Papst Gregor XIII. (s.d.) zum Kardinal. Bereits während des Patronats seines Vorgängers Gregor XIV. (s.d.) engagierte er sich sehr entschieden auf der Seite Spaniens und Italiens gegen den protestantischen Heinrich IV. von Frankreich. Am 29.10. 1591 wurde er nach nur zweitägigem Konklave als Kandidat der spanisch-italienischen Partei zum Papst gewählt. I., der bereits als kranker Mann sein Amt antrat, starb am 30.12. 1591. Obwohl sein Pontifikat lediglich zwei Monate währte, konnte I., der bereits während des Pontifikats seines Vorgängers zu den maßgeblichen Männern im Vatikan gezählt werden muß, erstaunlich viel leisten. Gleich zu Beginn seines Pontifikats teilte er das päpstliche Staatssekretariat in drei Abteilungen, eine für Italien und Spanien, eine für Frankreich und Polen und eine für Deutschland. Obwohl er nach wie vor auf Seiten der Liguisten gegen Heinrich IV. stand, trat er für eine politische, statt einer militärischen Lösung der Auseinandersetzung ein. Aus diesem Grund und zur Schonung des Kronschatzes kürzte er die Ausgaben für das päpstliche Heer in Frankreich. Verdient machte er sich vor allem auch um die Bevölkerung Roms. Ihm gelang eine spürbare Eindämmung des Banditenwesens in und um Rom, und er sorgte für niedrige Lebensmittelpreise. Er ließ den Hafen von Ancona neu anlegen und die Kuppel des Petersdomes fertigstellen. - I. gilt als sehr sittenstreng und asketisch. Zeitlebens befaßte er sich mit wissenschaftlichen und philosophischen Studien. Er verfaßte zahlreiche Abhandlungen, die jedoch nicht ediert sind.

Werke: (Hss.): Moralia quaedam theologica; Adversus Macchiavellem; Nonulla in libros politicorum Aristotelis; Notae in Platonis opera; De recta gubernandi ratione.

Lit.: Leopold v. Ranke, Die röm. Päpste in den letzten vier Jh.n XXXVIII, Leipzig 1881-1891, 149 f.; - Paul Herre, Papsttum und Papstwahl im Zeitalter Philipps II., Leipzig 1907, 551-590; - DE II, 444; - DThC VII/2, 2005; - Jedin IV/1 passim, IV/2 passim; - LThK V, 692; - NewCathEnc VII, 527 f.; - RE IX, 139 f.; - Seppelt V2, 212; - v. Pastor X, 574-587 u. passim; - Wetzer-Welte VI, 750 f.

Franz Seiffer

Letzte Änderung: 09.12.2001