INNOZENZ IX., * 20.7. 1519 als Giovanni Antonio Facchinetti in Bologna,
+ 30.12. 1591. - Nach dem Studium der Rechte promovierte er 1544
und trat in die Dienste des Kardinals Alessandro Farnese, des späteren
Papstes Paul III. (s.d.). Kardinal Farnese schickte ihn für vier Jahre
als Vikar nach Avignon. 1560 ernannte ihn Papst Pius IV. (s. d.) zum
Bischof und gab ihm das Bistum Nicastro in Kalabrien. Im folgenden
Jahr war er maßgeblich am Konzil von Trient beteiligt. In Nicastro
gründete er ein Seminar und erbaute dem Schutzheiligen seiner Heimatstadt,
Petronius, eine Kirche. Aus gesundheitlichen Gründen ist er jedoch
gezwungen, Nicastro wieder zu verlassen. Von Papst Pius V. (s.d.)
wurde er 1566 für längere Zeit als Nuntius nach Venedig geschickt,
wo er den Abschluß der Heiligen Liga gegen die Türken maßgeblich beförderte.
Von Venedig kehrte er 1575 nach Rom zurück, wo er Mitglied der Konsulta
und der Inquisition wurde. Am 12.11. 1576 wurde er zum Patriarchen
von Jerusalem ernannt, und am 12.12. 1583 erhob ihn Papst Gregor XIII.
(s.d.) zum Kardinal. Bereits während des Patronats seines Vorgängers
Gregor XIV. (s.d.) engagierte er sich sehr entschieden auf der Seite
Spaniens und Italiens gegen den protestantischen Heinrich IV. von
Frankreich. Am 29.10. 1591 wurde er nach nur zweitägigem Konklave
als Kandidat der spanisch-italienischen Partei zum Papst gewählt.
I., der bereits als kranker Mann sein Amt antrat, starb am 30.12.
1591. Obwohl sein Pontifikat lediglich zwei Monate währte, konnte
I., der bereits während des Pontifikats seines Vorgängers zu den maßgeblichen
Männern im Vatikan gezählt werden muß, erstaunlich viel leisten. Gleich
zu Beginn seines Pontifikats teilte er das päpstliche Staatssekretariat
in drei Abteilungen, eine für Italien und Spanien, eine für Frankreich
und Polen und eine für Deutschland. Obwohl er nach wie vor auf Seiten
der Liguisten gegen Heinrich IV. stand, trat er für eine politische,
statt einer militärischen Lösung der Auseinandersetzung ein. Aus diesem
Grund und zur Schonung des Kronschatzes kürzte er die Ausgaben für
das päpstliche Heer in Frankreich. Verdient machte er sich vor allem
auch um die Bevölkerung Roms. Ihm gelang eine spürbare Eindämmung
des Banditenwesens in und um Rom, und er sorgte für niedrige Lebensmittelpreise.
Er ließ den Hafen von Ancona neu anlegen und die Kuppel des Petersdomes
fertigstellen. - I. gilt als sehr sittenstreng und asketisch.
Zeitlebens befaßte er sich mit wissenschaftlichen und philosophischen
Studien. Er verfaßte zahlreiche Abhandlungen, die jedoch nicht ediert
sind.
Werke: (Hss.): Moralia quaedam theologica; Adversus Macchiavellem;
Nonulla in libros politicorum Aristotelis; Notae in Platonis opera;
De recta gubernandi ratione.
Lit.: Leopold v. Ranke, Die röm. Päpste in den letzten
vier Jh.n XXXVIII, Leipzig 1881-1891, 149 f.; - Paul Herre, Papsttum
und Papstwahl im Zeitalter Philipps II., Leipzig 1907, 551-590; -
DE II, 444; - DThC VII/2, 2005; - Jedin IV/1 passim, IV/2
passim; - LThK V, 692; - NewCathEnc VII, 527 f.; - RE
IX, 139 f.; - Seppelt V2, 212; - v. Pastor X, 574-587
u. passim; - Wetzer-Welte VI, 750 f.