INNOZENZ VI., Papst, + 12.9. 1362. - Stephan Albert (od. Aubert),
gebürtig aus Mont b. Beyssac (Limoussin), studierte die Rechte und
war später Professor für Zivilrecht in Toulouse, anschließend bekleidete
er das Amt des Großrichters der Landvogtei Toulouse. I. wurde Bischof
von Nismes (1337), von Noyon (1338) und von Clermont (1340). 1345
wurde I. zum Kardinal ernannt. 1345 führte er als Gesandter einen
Waffenstillstand zwischen den sich bekriegenden Königen von Frankreich
und England herbei. 1352 wurde er Kardinalbischof von Ostia und Velletri
und Großpönitentiar der römischen Kirche. Als Nachfolger Clemens'
VI. wurde I. am 28.12. 1352 in Avignon gewählt. Zur Wahl stellten
die Kardinäle erstmals eine Wahlkapitulation auf, die I. 1353 für
nichtig erklärte. Er führte Reformen des gesamten päpstlichen Hofes
durch, beschnitt selbst die Privilegien der Kardinäle und verminderte
die Ausgaben des Hofes. - Zur Neufestigung der päpstlichen Herrschaft,
und um die Rückkehr der Päpste nach Italien vorzubereiten, entsandte
er den überragenden Kardinal Ägidius Albornoz, dies gelang diesem
im Verlauf von 4 Jahren. Die »Constitutiones Aegidianae« wurden Grundlage
der Rechtssprechung und Administration im ganzen Kirchenstaat. -
Zu Karl IV. hatte I. gute Beziehungen und ließ ihn 1355 in Rom durch
einen Legaten krönen. I. erhob keinen Protest, als die Goldene Bulle
(1356) das päpstliche Bestätigungsrecht der deutschen Königswahl und
das Reichsvikariat für Italien nicht erwähnte. - Im hundertjährigen
Krieg vermittelte I. zwischen Frankreich und England den Frieden von
Bretigny (1360). I. förderte die französische Herrschaft in Unteritalien.
In Konstantinopel bemühte er sich vergeblich um Union und Kreuzzug.
I. war ein sittenstrenger und sparsamer Papst, hielt sich aber nicht
frei von Nepotismus (er bevorzugte Verwandte und Landsleute). Bei
der Ordensreform ging er gegen Spirituale und Fratizellen streng vor.
I. galt als ein Freund der Gelehrten, er schätzte Petrarca und rief
ihn an seinen Hof. I. stand im Rufe großer Rechtschaffenheit, seine
Hauptaufgabe sah er mehr in der Wiederherstellung von Ruhe, Ordnung
und Frieden.
Werke: (Teilausgabe): Bullas y cartas secretas de Innocentio
VI (1352-1362). Ed.: José Zunzunegui Aramburu. Roma: Inst. Espanol
de Historia Eclesiastica 1970 XXXI, 496.
Lit.: E. Werunsky, Die ital. Politik I. VI. und Kaiser
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Bd. II, Innsbruck 1892; - LibPont II, 492; - V. u. G. Daumet,
I. VI. et Blanche de Bourbon, Lettres, Paris 1899; - K. Zeuner,
Die Goldene Bulle Kaiser Karls IV., Weimar 1908; - E. Déprez,
Lettres closes, patentes et curiales se rapportant à la France, Paris
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Bologna 1933; - E. Dupré, I papi d'Avignone, Florenz 1939, 108;
- F. Bock, Einf. in das Registerwesen des Avignonesischen Papsttums
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der apostol. Kammer unter I. VI., 1955; - M. Ginsti, I Registri
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- DThC 2VII, 197-2001; - LThK V, 690-691; - NewCathEnc
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Kristina Lohrmann
Literaturergänzung:
1985
Rasa J. Mazeika, Some remarks upon "Acta Innocentii PP. VI" and "Acta Clementis PP. VI", ed. by Aloysius L. Tautu, in: AHP 23.1985, S. 367-372.
Letzte Änderung: 09.04.2011