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Band II (1990) Spalten 1463-1466 Autor: Martin Persch

JAKOB von Eltz, Kurfürst und Erzbischof von Trier, * 1510 auf Burg Eltz bei Cochem/Mosel aus moselländischem Adelsgeschlecht, + 4.6. 1581 in Trier. - J. wurde 1523 unter die Domizellare (Anwärter auf ein Kanonikat) des Domkapitels in Trier aufgenommen und studierte in Heidelberg, Löwen und Freiburg i. Br. sechs Jahre lang Rechtswissenschaft und Theologie. Am 7.12. 1535 wurde er Domkapitular, am 30.6. 1547 Domkantor und am 13.10. des gleichen Jahres Domdechant. In diesem Amt hatte er maßgeblichen Anteil an der Verwaltung des Kurstaates und wuchs unter zwei kränklichen Kurfürsten in die Leitung der Regierungsgeschäfte hinein. In streng altkirchlicher Einstellung erwies er sich auf dem Reichstag zu Regensburg 1555 und zwei Jahre später bei dem Wormser Religionsgespräch in seiner Eigenschaft als Gesandter des Erzstifts als entschiedener Gegner der evangelischen Seite. An der Unterdrückung des Reformationsversuches von Casper Olevian in Trier (1559) hatte er den entscheidenden Anteil. In den Jahren 1565/66 amtierte der den 1560 unter Erzbischof Johann von der Leyen nach Trier berufenen Jesuiten freundlich gesonnene J. als Rektor der unter dem Einfluß der Gesellschaft Jesu stehenden Trierer Universität und setzte auch dort den Standpunkt der katholischen Sache durch (Professio fidei von allen Professoren und Studenten 1565 gemäß der Bulle Pius' IV.). Mit seiner Wahl zum Erzbischof am 7.4. 1567 kam in ihm der "verkörperte Geist der Gegenreformation" (Alois Thomas) im Erzbistum Trier zum Zuge. Seit 1550 Priester und von nachgewiesener sittlich einwandfreier Lebensführung, vollzog er häufig liturgische Funktionen im Dom zu Trier, unterzog sich am 15.5. 1567 als erster der deutschen Bischöfe dem von Rom im Anschluß an das Trienter Konzil geforderten Informativprozeß, erhielt am 17.4. 1569 in Koblenz aus der Hand der Bischöfe von Speyer, Lüttich und des Trierer Weihbischofs Gregor von Virneburg die Bischofsweihe, setzte die Dekrete des Tridentinums in Kraft, veranlaßte im gleichen Jahr eine allgemeine Visitation des Erzbistums, reformierte zahlreiche Klöster und berief reformfreudige Geistliche in geistliche Spitzenpositionen. Der glänzenden Dotierung des Jesuitenkollegs in Trier 1570 folgte ein Jahrzehnt später die Berufung des Jesuitenordens nach Koblenz. Mit allen Mitteln versuchte J. zielbewußt, die Beibehaltung des katholischen Glaubens durchzusetzen. Lediglich im Gebiet der Grafschaft Saarbrücken wurde die Augsburgische Konfession im Jahre 1575 durch Graf Philipp III. von Nassau-Saarbrücken eingeführt. Kirchen- und territorialpolitisch bedeutsam war die in der Forschung nicht unkritisch bewertete Verhinderung eines eigenen, von Trier losgelösten Bistums Luxemburg sowie die Inkorporation der alten Reichsabtei Prüm 1576 in den Kurstaat. Dieser bedeutendste territoriale Zuwachs Triers seit dem Mittelalter bewirkte gleichzeitig den Erhalt des alten Glaubens in dem neugewonnenen Gebiet. Die Ansprüche der Abtei St. Maximin und der Stadt Trier auf Reichsunmittelbarkeit wurden 1570 und 1580 vom Reichskammergericht bzw. von Kaiser Rudolf II. zurückgewiesen. Trier als eine der Landeshoheit des Kurfürsten unterstellte Stadt erhielt durch J. eine bis zum Jahre 1794 gültige, streng auf den Kurfürst bzw. seinen Statthalter zugeschnittene Rechtsordnung, die sogenannte Eltziana. Positiven Ergebnissen in der Finanz- und Wirtschaftspolitik stehen unter J.s Regierungszeit umfassende Reformen der weltlichen und geistlichen Rechtspflege und der Verwaltung zur Seite; Schwachpunkt seiner Regierung ist eine intolerante und zum Teil erpresserische Judenpolitik. Da dem Kurfürsten außenpolitische Erfolge versagt blieben (der von Trier erstellte originelle Plan eines Zusammenschlusses aller katholischen Reichsstände und Spaniens, besonders durch den kurtrierischen Kanzler seit 1568, Johann Wimpfeling, in großzügiger Werbepolitik vorangetrieben, blieb wirkungslos), liegt seine politische Bedeutung darin, daß er die territoriale Einheit des Kurstaates bewahrte und dem Umfang nach vollendete. In religiöser Hinsicht hat er mit großem persönlichem Engagement das kirchliche Reformwesen im Erzbistum in die Wege geleitet und die Strukturen für die Reformen festgelegt. Unter seiner Regierung wurden auch die Grundlagen zu einem "gemilderten geistlichen Absolutismus" (Viktor Conzemius) geschaffen. J.s Grabaltar im Trierer Dom gilt als kunstgeschichtlich bedeutsam (Hans Ruprecht Hoffmann und Josef Walter).

Lit.: Antiquitatum et annalium Trevirensium libri XXV... auctoribus Christophoro Browero et Jacobo Masenio, Bd. 2, Lüttich 1670; - Aktenstücke zu der Geschichte der kirchlichen u. polit. Unruhen, welche unter der Regierung der Churfürten Johann VI. (von der Leyen) und J. III. (von Elz) in Trier obwalteten, in: Chronik der Diözese Trier 1 (1828), 761-765; Gesta Trevirorum ed. J. H. Wyttenbach et M. F. J. Müller, vol. III., Augustae Trevirorum 1839; - Rheinischer Antiquarius I, 2 (1853), 295-308; - Johann Leonardy, Geschichte des Trierischen Landes und Volkes, 1870, passim; - Josef Hulley, Die Huldigung der Dörfer des Niederambts Trier vor dem Kurfürsten J. v. E., in: Trierische Chronik 1 (1905), 185-190; - Gottfried Kentenich, Eine Episode aus dem Leben des Trierer Kurfürsten J. v. E., in: Trierische Chronik 1(1905), 65-70; - Ders., Wie Kurfürst J. v. E. von der Stadt Trier Besitz ergriff, in: Trierische Chronik 8 (1912), 1-8, 72-75, 137-140, 180-183 u. 9 (1913), 23-28; - Ders., Joseph zum goldenen Schwan. Ein Beitrag zur Geschichte des Trierer Kurfürsten J. v. E., in: Trierische Chronik 17 (1921), 23-24; - Gertrud Müller, J. III. von E., Kurfürst von Trier (1567-1581), in: Trierer Heimatbuch. Festschrift zur rheinischen Jahrtausendfeier, 1925, 1-18; - Dies., J. III. v. E., Kurfürst von Trier, in: Trierer Zeitschrift f. Geschichte und Kunst des Trierer Landes und seiner Nachbargebiete 1 (1926), 101-124; - Hermann van Ham, Vier Kurfürsten, in: Paulinuskalender 3 (1925), 87-98; - Anton Cordie, J. III. v. E., Kurfürst von Trier, als Administrator von Prüm, in: Eifelkalender 1 (1926), 106-107; - Nikolaus Irsch, Der Dom zu Trier, Düsseldorf 1931, 223-226; - Jakob Becker, Erneuerung des kath. Lebens im Erzstift Trier im Geiste des Tridentinums unter J. III. v. E. (1567-1581) und Johann VII. von Schönenberg (1581-1599), unveröffentl. Manuskript Trier 1935; - Carl Stenz (Hg.), Die Trierer Kurfürsten, 1937, 63; - Alois Thomas, J. v. E., in: Handbuch des Bistums Trier XX, 1952, 42 f.; - Viktor Conzemius, J. III. v. E. Erzbischof von Trier 1567-1581. Ein Kurfürst im Zeitalter der Gegenreformation (= Veröff. des Instituts für europäische Geschichte Bd. 12), 1956; - Ders., Trier und Hessen zum Abfall des Dietkirchener Stiftsherrn Johannes Löber (Loer) im Jahre 1574, in: AmrhKG 10 (1958), 356-365; - Ders., Akten zur Wahl J. v. E.s (1510-1581) zum Domdekan und zum Erzbischof von Trier, in: AmrhKG 8 (1956), 285-294; - Ders., J. III. v. E., Erzbischof und Kurfürst von Trier (1510-1581), in: Rhein. Lebensbilder 2 (1966), 93-108; - Peter Neu, Die Abtei Prüm im Kräftespiel zwischen Rhein, Mosel und Maas vom 13. Jh. bis 1576, in: Rhein. Vierteljahrsblätter 26 (1961), 255-285; - Emil Zenz (Hg.), Die Taten der Trierer. Gesta Treverorum Bd. 6, 1962, 71-87; - Hansgeorg Molitor, Kirchliche Reformversuche der Kurfürsten und Erzbischöfe von Trier im Zeitalter der Gegenreformation, 1967, passim; - Ferdinand Pauly, Aus der Geschichte des Bistums Trier. 3. Teil: Die Bischöfe von Richard von Greiffenklau (1511-1531) bis Matthias Eberhard (1867-1876), 1973, 26-29; - Otto Münster, Die Errichtung von Eichämtern in Bernkastel und Wintrich im Jahre 1573 durch Kurfürst J. III. v. E., in: Jahrbuch für den Kreis Bernkastel- Wittlich 2 (1978), 163-164; - Richard Laufner, Vor 400 Jahren. 1581 das Jahr zweier Trierer Erzbischöfe und Kurfürsten (J. v. E., Johann von Schönenberg), in: Kreis Trier-Saarburg. Ein Jahrbuch zur Information und Unterhaltung 12 (1981), 132-135; - Karl Emerich Krämer, Rhein. Erzbischofsgeschichte, Wiesbaden-München 1985, 248-271; - Bernhard Gondorf, Verwandtschaftl. Beziehungen der Erzbischöfe und Kurfürsten zueinander, in: Archiv für Sippenforschung 51 (1985), 306 f.; - Heribert Raab, Gegenreformation und katholische Reform im Erzbistum und Erzstift Trier von Jakob von Eltz zu Johann Hugo von Orsbeck (1567-1711), in: Römische Quartalschrift für christliche Altertumskunde und Kirchengeschichte 84 (1989) 160-194; - RE VIII, 552-556; - ADB XIII, 549 f.; - LThK 1III, 647; - NDB X, 316 f.; - LThK 2III, 837 f.

Martin Persch

Letzte Änderung: 09.06.1998