JAKOB von Eltz, Kurfürst und Erzbischof von Trier, * 1510 auf
Burg Eltz bei Cochem/Mosel aus moselländischem Adelsgeschlecht, +
4.6. 1581 in Trier. - J. wurde 1523 unter die Domizellare (Anwärter
auf ein Kanonikat) des Domkapitels in Trier aufgenommen und studierte
in Heidelberg, Löwen und Freiburg i. Br. sechs Jahre lang Rechtswissenschaft
und Theologie. Am 7.12. 1535 wurde er Domkapitular, am 30.6. 1547
Domkantor und am 13.10. des gleichen Jahres Domdechant. In diesem
Amt hatte er maßgeblichen Anteil an der Verwaltung des Kurstaates
und wuchs unter zwei kränklichen Kurfürsten in die Leitung der Regierungsgeschäfte
hinein. In streng altkirchlicher Einstellung erwies er sich auf dem
Reichstag zu Regensburg 1555 und zwei Jahre später bei dem Wormser
Religionsgespräch in seiner Eigenschaft als Gesandter des Erzstifts
als entschiedener Gegner der evangelischen Seite. An der Unterdrückung
des Reformationsversuches von Casper Olevian in Trier (1559) hatte
er den entscheidenden Anteil. In den Jahren 1565/66 amtierte der den
1560 unter Erzbischof Johann von der Leyen nach Trier berufenen Jesuiten
freundlich gesonnene J. als Rektor der unter dem Einfluß der Gesellschaft
Jesu stehenden Trierer Universität und setzte auch dort den Standpunkt
der katholischen Sache durch (Professio fidei von allen Professoren
und Studenten 1565 gemäß der Bulle Pius' IV.). Mit seiner Wahl zum
Erzbischof am 7.4. 1567 kam in ihm der "verkörperte Geist der Gegenreformation"
(Alois Thomas) im Erzbistum Trier zum Zuge. Seit 1550 Priester und
von nachgewiesener sittlich einwandfreier Lebensführung, vollzog er
häufig liturgische Funktionen im Dom zu Trier, unterzog sich am 15.5.
1567 als erster der deutschen Bischöfe dem von Rom im Anschluß an
das Trienter Konzil geforderten Informativprozeß, erhielt am 17.4.
1569 in Koblenz aus der Hand der Bischöfe von Speyer, Lüttich und
des Trierer Weihbischofs Gregor von Virneburg die Bischofsweihe, setzte
die Dekrete des Tridentinums in Kraft, veranlaßte im gleichen Jahr
eine allgemeine Visitation des Erzbistums, reformierte zahlreiche
Klöster und berief reformfreudige Geistliche in geistliche Spitzenpositionen.
Der glänzenden Dotierung des Jesuitenkollegs in Trier 1570 folgte
ein Jahrzehnt später die Berufung des Jesuitenordens nach Koblenz.
Mit allen Mitteln versuchte J. zielbewußt, die Beibehaltung des katholischen
Glaubens durchzusetzen. Lediglich im Gebiet der Grafschaft Saarbrücken
wurde die Augsburgische Konfession im Jahre 1575 durch Graf Philipp
III. von Nassau-Saarbrücken eingeführt. Kirchen- und territorialpolitisch
bedeutsam war die in der Forschung nicht unkritisch bewertete Verhinderung
eines eigenen, von Trier losgelösten Bistums Luxemburg sowie die Inkorporation
der alten Reichsabtei Prüm 1576 in den Kurstaat. Dieser bedeutendste
territoriale Zuwachs Triers seit dem Mittelalter bewirkte gleichzeitig
den Erhalt des alten Glaubens in dem neugewonnenen Gebiet. Die Ansprüche
der Abtei St. Maximin und der Stadt Trier auf Reichsunmittelbarkeit
wurden 1570 und 1580 vom Reichskammergericht bzw. von Kaiser Rudolf
II. zurückgewiesen. Trier als eine der Landeshoheit des Kurfürsten
unterstellte Stadt erhielt durch J. eine bis zum Jahre 1794 gültige,
streng auf den Kurfürst bzw. seinen Statthalter zugeschnittene Rechtsordnung,
die sogenannte Eltziana. Positiven Ergebnissen in der Finanz- und
Wirtschaftspolitik stehen unter J.s Regierungszeit umfassende Reformen
der weltlichen und geistlichen Rechtspflege und der Verwaltung zur
Seite; Schwachpunkt seiner Regierung ist eine intolerante und zum
Teil erpresserische Judenpolitik. Da dem Kurfürsten außenpolitische
Erfolge versagt blieben (der von Trier erstellte originelle Plan eines
Zusammenschlusses aller katholischen Reichsstände und Spaniens, besonders
durch den kurtrierischen Kanzler seit 1568, Johann Wimpfeling, in
großzügiger Werbepolitik vorangetrieben, blieb wirkungslos), liegt
seine politische Bedeutung darin, daß er die territoriale Einheit
des Kurstaates bewahrte und dem Umfang nach vollendete. In religiöser
Hinsicht hat er mit großem persönlichem Engagement das kirchliche
Reformwesen im Erzbistum in die Wege geleitet und die Strukturen für
die Reformen festgelegt. Unter seiner Regierung wurden auch die Grundlagen
zu einem "gemilderten geistlichen Absolutismus" (Viktor Conzemius)
geschaffen. J.s Grabaltar im Trierer Dom gilt als kunstgeschichtlich
bedeutsam (Hans Ruprecht Hoffmann und Josef Walter).
Lit.: Antiquitatum et annalium Trevirensium libri XXV...
auctoribus Christophoro Browero et Jacobo Masenio, Bd. 2, Lüttich
1670; - Aktenstücke zu der Geschichte der kirchlichen u. polit.
Unruhen, welche unter der Regierung der Churfürten Johann VI. (von
der Leyen) und J. III. (von Elz) in Trier obwalteten, in: Chronik
der Diözese Trier 1 (1828), 761-765; Gesta Trevirorum ed. J. H. Wyttenbach
et M. F. J. Müller, vol. III., Augustae Trevirorum 1839; - Rheinischer
Antiquarius I, 2 (1853), 295-308; - Johann Leonardy, Geschichte
des Trierischen Landes und Volkes, 1870, passim; - Josef Hulley,
Die Huldigung der Dörfer des Niederambts Trier vor dem Kurfürsten
J. v. E., in: Trierische Chronik 1 (1905), 185-190; - Gottfried
Kentenich, Eine Episode aus dem Leben des Trierer Kurfürsten J. v.
E., in: Trierische Chronik 1(1905), 65-70; - Ders., Wie Kurfürst
J. v. E. von der Stadt Trier Besitz ergriff, in: Trierische Chronik
8 (1912), 1-8, 72-75, 137-140, 180-183 u. 9 (1913), 23-28; - Ders.,
Joseph zum goldenen Schwan. Ein Beitrag zur Geschichte des Trierer
Kurfürsten J. v. E., in: Trierische Chronik 17 (1921), 23-24; -
Gertrud Müller, J. III. von E., Kurfürst von Trier (1567-1581), in:
Trierer Heimatbuch. Festschrift zur rheinischen Jahrtausendfeier,
1925, 1-18; - Dies., J. III. v. E., Kurfürst von Trier, in: Trierer
Zeitschrift f. Geschichte und Kunst des Trierer Landes und seiner
Nachbargebiete 1 (1926), 101-124; - Hermann van Ham, Vier Kurfürsten,
in: Paulinuskalender 3 (1925), 87-98; - Anton Cordie, J. III.
v. E., Kurfürst von Trier, als Administrator von Prüm, in: Eifelkalender
1 (1926), 106-107; - Nikolaus Irsch, Der Dom zu Trier, Düsseldorf
1931, 223-226; - Jakob Becker, Erneuerung des kath. Lebens im
Erzstift Trier im Geiste des Tridentinums unter J. III. v. E. (1567-1581)
und Johann VII. von Schönenberg (1581-1599), unveröffentl. Manuskript
Trier 1935; - Carl Stenz (Hg.), Die Trierer Kurfürsten, 1937,
63; - Alois Thomas, J. v. E., in: Handbuch des Bistums Trier XX,
1952, 42 f.; - Viktor Conzemius, J. III. v. E. Erzbischof von
Trier 1567-1581. Ein Kurfürst im Zeitalter der Gegenreformation (=
Veröff. des Instituts für europäische Geschichte Bd. 12), 1956; -
Ders., Trier und Hessen zum Abfall des Dietkirchener Stiftsherrn Johannes
Löber (Loer) im Jahre 1574, in: AmrhKG 10 (1958), 356-365; - Ders.,
Akten zur Wahl J. v. E.s (1510-1581) zum Domdekan und zum Erzbischof
von Trier, in: AmrhKG 8 (1956), 285-294; - Ders., J. III. v. E.,
Erzbischof und Kurfürst von Trier (1510-1581), in: Rhein. Lebensbilder
2 (1966), 93-108; - Peter Neu, Die Abtei Prüm im Kräftespiel zwischen
Rhein, Mosel und Maas vom 13. Jh. bis 1576, in: Rhein. Vierteljahrsblätter
26 (1961), 255-285; - Emil Zenz (Hg.), Die Taten der Trierer.
Gesta Treverorum Bd. 6, 1962, 71-87; - Hansgeorg Molitor, Kirchliche
Reformversuche der Kurfürsten und Erzbischöfe von Trier im Zeitalter
der Gegenreformation, 1967, passim; - Ferdinand Pauly, Aus der
Geschichte des Bistums Trier. 3. Teil: Die Bischöfe von Richard von
Greiffenklau (1511-1531) bis Matthias Eberhard (1867-1876), 1973,
26-29; - Otto Münster, Die Errichtung von Eichämtern in Bernkastel
und Wintrich im Jahre 1573 durch Kurfürst J. III. v. E., in: Jahrbuch
für den Kreis Bernkastel- Wittlich 2 (1978), 163-164; - Richard
Laufner, Vor 400 Jahren. 1581 das Jahr zweier Trierer Erzbischöfe
und Kurfürsten (J. v. E., Johann von Schönenberg), in: Kreis Trier-Saarburg.
Ein Jahrbuch zur Information und Unterhaltung 12 (1981), 132-135;
- Karl Emerich Krämer, Rhein. Erzbischofsgeschichte, Wiesbaden-München
1985, 248-271; - Bernhard Gondorf, Verwandtschaftl. Beziehungen
der Erzbischöfe und Kurfürsten zueinander, in: Archiv für Sippenforschung
51 (1985), 306 f.; - Heribert Raab, Gegenreformation und katholische
Reform im Erzbistum und Erzstift Trier von Jakob von Eltz zu Johann
Hugo von Orsbeck (1567-1711), in: Römische Quartalschrift für christliche
Altertumskunde und Kirchengeschichte 84 (1989) 160-194; - RE VIII,
552-556; - ADB XIII, 549 f.; - LThK 1III, 647; -
NDB X, 316 f.; - LThK 2III, 837 f.