JANUS, Martin (auch: Jähn, Jahn, Jan), * um 1620 in Merseburg, + um
1682 in Ohlau (Schlesien). - J. ließ sich am 14.3. 1644 an der
Universität Königsberg immatrikulieren - mit hoher Wahrscheinlichkeit
als bereits ausgebildeter Musiker. Hier studierte er mehrere Semester
Theologie, bis er eine Anstellung als Musiker in Steinau an der Steinau
(Oberschlesien) erhielt. Im Zuge der Gegenreformation flüchtete er
nach Niederlausitz; an den beiden ev. Kirchen zu Sorau wurde er Musikdirektor,
wohl mit Unterstützung des Freiherrn Sigismund Seifried von Promnitz.
Nach dem Tod seines Gönners (30.6. 1654) wirkte er als Rektor und
Kantor an der Stadtschule in Sagen (Niederschlesien), aus der er jedoch
wiederum während der Konfessionswirren vertrieben wurde. Nach langem
Suchen konnte er die Stelle des Kantors in Ohlau, wo die reformierte
Herzogin Luise residierte, annehmen. - Von J.s Werken (viele gelten
als verschollen) hat lediglich die Kirchenlieddichtung »Jesu, meiner
Seele Wonne« weitere Verbreitung gefunden; sein »Passionale melicum«,
das auch Texte von Andreas Gryphius (s.d.), Martin Opitz (s.d.) u.a.
bietet, gilt als die »erste umfassende Sammlung ev. Passionslyrik«.
Lit.: Siegfried Fornaçon, M. J., ein schlesischer Glaubensflüchtling.
In: Jb. für schlesische Kirche und Kirchengeschichte. NF 35, 1956.
S. 31-43; - Lebensbilder der Liederdichter und Melodisten. Bearb.
von Wilhelm Leuken. Göttingen 1957. S. 150-151; - ADB XIII, 710-
711; - MGG VI, 1671-1673; - RISM IV, 490.