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Band II (1990) Spalten 1558-1559 Autor: Reinhard Tenberg

JANUS, Martin (auch: Jähn, Jahn, Jan), * um 1620 in Merseburg, + um 1682 in Ohlau (Schlesien). - J. ließ sich am 14.3. 1644 an der Universität Königsberg immatrikulieren - mit hoher Wahrscheinlichkeit als bereits ausgebildeter Musiker. Hier studierte er mehrere Semester Theologie, bis er eine Anstellung als Musiker in Steinau an der Steinau (Oberschlesien) erhielt. Im Zuge der Gegenreformation flüchtete er nach Niederlausitz; an den beiden ev. Kirchen zu Sorau wurde er Musikdirektor, wohl mit Unterstützung des Freiherrn Sigismund Seifried von Promnitz. Nach dem Tod seines Gönners (30.6. 1654) wirkte er als Rektor und Kantor an der Stadtschule in Sagen (Niederschlesien), aus der er jedoch wiederum während der Konfessionswirren vertrieben wurde. Nach langem Suchen konnte er die Stelle des Kantors in Ohlau, wo die reformierte Herzogin Luise residierte, annehmen. - Von J.s Werken (viele gelten als verschollen) hat lediglich die Kirchenlieddichtung »Jesu, meiner Seele Wonne« weitere Verbreitung gefunden; sein »Passionale melicum«, das auch Texte von Andreas Gryphius (s.d.), Martin Opitz (s.d.) u.a. bietet, gilt als die »erste umfassende Sammlung ev. Passionslyrik«.

Lit.: Siegfried Fornaçon, M. J., ein schlesischer Glaubensflüchtling. In: Jb. für schlesische Kirche und Kirchengeschichte. NF 35, 1956. S. 31-43; - Lebensbilder der Liederdichter und Melodisten. Bearb. von Wilhelm Leuken. Göttingen 1957. S. 150-151; - ADB XIII, 710- 711; - MGG VI, 1671-1673; - RISM IV, 490.

Reinhard Tenberg

Letzte Änderung: 09.06.1998