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Verlag Traugott Bautz
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JEREMIAS II., Patriarch von Konstantinopel, * 1530 oder 1535 in Anchialos als Sohn der bedeutenden Familie Tranos, † 1595. - Um nicht die staatlichen türkischen Schulen besuchen zu müssen, wurde J. in Privatschulen griechisch unterrichtet. Er begann seine Laufbahn 1564 als Metropolit von Larissa, wo er durch seine Organisationsfähigkeiten hervorstach. 1572 wurde J. ungewöhnlich jung Patriarch von Konstantinopel; infolge der ottomanischen Politik, Patriarchen nur begrenzte Zeit im Amt zu dulden, wurde er 1579 abgesetzt. Wegen seiner Beliebtheit erhielt er das Amt aber bereits 1580 zurück, aus dem er 1584 ein zweites Mal vertrieben wurde. 1586 zum drittenmal eingesetzt, konnte er sein Amt dann bis zu seinem Tod 1595 führen. Während seiner Amtszeit gelang es J., das kirchliche und kulturelle Niveau entscheidend zu heben. Er bekämpfte die Simonie, trat für die Reform des Mönchtums ein, sorgte für eine bessere Ausbildung des Klerus und setzte durch Visitationen eine strenge Kirchenführung durch. In den orthodoxen Gottesdienst nahm er die Predigt als festen Bestandteil auf. Bei seinen Reformen wurde er durch die besten Theologen seiner Zeit, u. a. durch Maximos Margunios, Gabriel Severus und Meletios Pegas unterstützt. Unter J. versuchten die Tübinger Theologen J. Andeä, J. Heerbrand und M. Crusius, durch die lutherischen Gesandtschaftsprediger St. Gerlach und S. Schweigger die griechische Kirche zur Übernahme des Luthertums zu bewegen. J. antwortete den Lutheranern in drei theologischen Schreiben, die neben dem Glaubensbekenntnis des Patriarchen Gennadios Scholarios von 1454, auf das sich J. stützt, als die ersten Bekenntnisschriften der orthodoxen Kirche bezeichnet wurden. Besonders im 2. und 3. Brief von 1579 und 1581 hebt J. die Unterschiede zwischen der orthodoxen Kirche und dem Luthertum hervor und erteilt der lutherischen Bewertung der Bibel und der Verachtung der Kirchenväter eine Absage, ohne damit die freundschaftlichen Beziehungen abzulehnen. 1588/89 unternahm J. eine Reise nach Rußland, auf der er der Errichtung des Patriarchats Moskau zustimmte, die für die osteuropäische Geschichte von größter Bedeutung war. Die Bemühungen Papst Gregors XIII., J. zur Übernahme seines neuen Kalenders zu bewegen, scheiterten. - J. war um freundschaftliche Beziehungen zwischen den verschiedenen Konfessionen bemüht, ohne dabei von den Grundlagen des orthodoxen Glaubens auch nur ansatzweise abzutreten. Sein Ziel war die Selbständigkeit seiner Kirche nach innen und außen.
Werke: Censura Orientalis Ecclesiae: De principiis nostri seculi haereticorum dogmatibus; Hieremiae Constantinopolitani Patriarchae, iudicii et mutuae communionis caussa, ab Orthodoxae doctrinae adversariis, non ita pridem oblatis, ed. S. Sokolowski, 1582; Neu hrsg. v. J. N. Karmiris, Ta Dogmata kai Symbolika tes Orthodoxou Katholikes Ekklesias, Bd. 1, 19602, Bd. 2, 1953; Der gesamte Briefwechsel ist ed. in: Acta et scripta Theologorum Wirtembergensium et Patriarchae Constantinopolitani, D. Hieremiae, 1584, neu hrsg. in: Wort und Mysterium, der Briefwechsel über Glauben u. Kirche 1573-1581, 1958.
Lit.: K. Sathas, Σχεδίασμα über das Leben des J., 1870; - N. Kapterev, The Character of Russian Relations with the Orthodox East in the 16th and 17th Centuries, (russ.) 1885; - Ph. Meyer, Die theol. Literatur der griech. Kirche im 16. Jh., 1899; - C. G. Papadopoulos, Les Privilèges du Patriarcat oecuménique dans l'Empire Ottoman, 1924; - G. Hoffmann, Griech. Patriarchen und Römische Päpste, in: OrChr XIII, 47; XV, 52; XIX, 63; XX, 64; XXV, 76; XXX, 84; XXXVI, 97, 1928-34; - Ders., Patriarchen von Konstantinopel, in: OrChr XXXII, 89, 1933; - C. R. A. Georgi, Das erste Gespräch zwischen Protestantismus und Ostkirche, 1939; - W. Engels, Tübingen und Byzanz, in: Kyrios 5, H. 3/4, 1940/41; - G. E. Zachariades, Tübingen und Konstantinopel, 1941; - Ernst Benz, Wittenberg und Byzanz, 1949; - Ders., Die Ostkirche im Licht der Protestantischen Gesch.schreibung, 1952; - A. M. Ammann, Abriß der ostslawischen Kirchengesch., 1950; - G. Florovsky, An Early Ecumenical Correspondence, 1950; - W. K. Medlin, Moscow and East Rome, 1952; - T. H. Papadopoulos, Studies and Documents relating to the History of the Greek Church and People under Turkish Domination, 1952; - A. Hadjimichali, Aspects de l'organisation èconomique des Grecs dans l'Empire Ottoman, 1953; - D. Vaughan, Europe and the Turks, 1350-1700, 1954; - A. D. Alderson, The Structure of the Ottoman Dynasty, 1965; - T. Ware, The Orthodox Church, 1963; - Steven Runciman, The Great Church in Captivity. A Study of the Patriachate of Constantinople from the eve of the turkish Conquest to the Greek war of Independence, 1968; - George A. Maloney, A History of orthodox Theology since 1453, 1976; - Dorothea Wendebourg, Standen polit. Motive hinter dem Briefwechsel zwischen der Tübinger Theol. Fakultät und Patr. J.?, in: Jb. der österr. Byzantinistik, 32,6, 1982, 125-133; - RE VIII, 660-662; - RGG III, 590-591; - LThK V, 895-896; - The Encyclopedia of Religion VIII, 6-7.
Heike Mierau
Literaturergänzung:
2007
Carl-Henrik Martling, Confessio augustana graeca. Em dialogen Tübingen-Konstantinopel 1574-1581, in: KA 2007, S. 166-189; - 2009
Nicolas Kazarian, La chrismation dans la correspondance du Patriarche Jérémie II et des Luthériens de Tübingen (16 siècle), in: Chrismation et confirmation. Roma 2009, S. 291-303.
Letzte Änderung: 13.02.2010