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Band III (1992) Spalten 205-207 Autor: Werner Schulz

JOHANNES X., Papst: März/April 914 - Mai/Juni 928, aus Tossignano (Romagna), vorher Erzbischof von Ravenna, † Mitte 929. - Auf Betreiben des römischen Adels, vor allem der mächtigen Familie Theophylakts († um 920) und Theodoras der Älteren († nach 916) gelangte J. im März 914 auf den Stuhl Petri. Nach dem Bericht Luitprands von Cremona (um 920-972) soll der Papst in einem Liebesverhältnis zu Theodora d. Ä., der Gattin des Theophylakt, gestanden haben. Theodora habe ihn, so der Bericht Liutprands, nach Rom holen wollen, da er als Diakon bei seinen Besuchen in der Stadt ihr Geliebter gewesen sei. Der wahre Grund für seine Wahl war allerdings, daß Rom dringend eines energischen und erfahrenen Kirchenführers bedurfte. - J. nahm sich sogleich der Mohammedaner an, durch deren verheerende Überfälle ganz Mittelitalien heimgesucht und terrorisiert wurde. Es gelang ihm, eine Allianz italienischer Herrscher gegen die Sarazenen zustande zu bringen und byzantinische Hilfe zur See auszuhandeln. Persönlich nahm er an den Schlachten teil; der entscheidende Sieg am Garigliano (August 915) soll zu einem guten Teil seinem Verdienst zuzuschreiben sein. Auf dem Gipfel seines politischen Erfolgs krönte er im Dezember 915 Berengar I. in St. Peter zum Kaiser, wofür dieser den hergebrachten Eid schwor, die Rechte und Territorien des Heiligen Stuhls schützen zu wollen. J. verfolgte eine weitreichende Kirchenpolitik, die das Ansehen des Papsttums vergrößern sollte. Mit den Landeskirchen nahm er Verbindung auf. Er sandte zur Synode von Hohenaltheim im September 916 und behielt die griechischen, spanischen und slawischen Kirchen sowie die Konvertierung der Normannen im Auge. Aber fast ausnahmslos beschränkte er sich auch im Verkehr mit diesen Ländern darauf, bereits getroffene oder geplante Maßregeln der Bischöfe und Fürsten gutzuheißen, etwa als er die Wahl des fünfjährigen Grafensöhnchens Hugo zum Erzbischof von Reims bestätigte. Damit war der Anfang zu einer Reihe von Mißbräuchen gemacht, denn Könige und Fürsten verlangten nun häufiger die Einsetzung von Kindern in hohe Kirchenämter, um sich die reichen Pfründe zu sichern. - Nach der Ermordung Berengars im April 924 versuchte J. seine Stellung zu festigen, indem er am 9. Juli 926 zu Mantua ein Bündnis mit Hugo von der Provence, dem neuen König von Italien (926-947) schloß und eng mit seinem eigenen Bruder Petrus zusammenarbeitete, der sich mehr und mehr zu einer einflußreichen Persönlichkeit entwickelte. Diese Schachzüge beunruhigten die intrigante Marozia († nach 932), die Tochter Theophyklats und seit dessen Tod uneingeschränkte Herrscherin über Rom. Sie organisierte einen Aufstand gegen J. und seinen Bruder Petrus. Gegen Ende 927 wurde Petrus vor den Augen des Papstes im Lateran erschlagen. J. selbst wurde im Mai 928 abgesetzt und in der Engelsburg eingekerkert. Er blieb dort mehrere Monate, bis er Mitte 929 starb (wahrscheinlich mit einem Kissen erstickt).

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Lit.: Jaffé I, 449-453, II, 706; - Duchesne LP II, 240 f. (Liber pontificalis, ed. L. Duchesne, 2 Bde., Paris 1886-1892); - Hefele-Leclercq IV, 578 ff.; - P. Fedele: ASRomana 33 (1910), 177-247, 34 (1911), 75-115, 393-423 (Archivio della Reale Società Romana di Storia Patria, Rom 1878-1934, ab 1935: ADRomana); - L. Duchesne, Les premiers temps de l'tat Pontifical (1911), 317 ff.; - O. Vehse, Das Bündnis gegen die Sarazenen 915: QFIAB XIX (1927), 181-204; - T. Venni: ADRomana 59 (1936), 1-136; - G. Fasoli, I re d'Italia 888-962 (1949); - Mann IV, 149-187; - Seppelt 2II, 350-355, 434 f.; - Haller 2II, 199 ff., 546-549; - ECatt VI, 585 f. (Enciclopedia Cattolica, Rom 1949 ff.); - LThK 2V, 989.

Werner Schulz

Literaturergänzung:

1996

Wilfried Hartmann, War Papst Johannes X. ein Kenner d. Kirchenrechts?, in: Die Faszination d. Papstgeschichte. Köln 2008, S. 71-80.

Letzte Änderung: 09.04.2011