JOHANNES XI., Papst Februar/März 931 - Dezember 935/Januar 936, Sohn
der mächtigen Herrscherin Roms, Marozia, sein Vater soll nach Liutprand
von Cremona (um 920-972) Papst Sergius III. gewesen sein. - Durch
den Einfluß seiner Mutter, die ihn als ihr gefügiges Werkzeug betrachtete,
gelangte er auf den päpstlichen Thron. In einer seiner ersten Amtshandlungen
bestätigte er auf Bitten des dortigen Abts Odo (927-942) dem Reformkloster
Cluny in Burgund die Privilegien, die es seit der Gründung (909) genossen
hatte, nämlich Schutz durch den Stuhl Petri und freie Wahl seiner
Äbte. J. erteilte seine Genehmigung, als der Kaiser von Byzanz, Romanus
I. (920-944) ihn Anfang 933 aufforderte, der Ernennung seines 16jährigen
Sohnes Theophylakt zum Patriarchen von Konstantinopel zuzustimmen.
Er entsandte dazu zwei Bischöfe als Legaten, die an der Weihe und
Inthronisation des Knaben teilnehmen sollten (27.2.933). Möglicherweise
hatte bei dieser Entscheidung Marozia ihre Hände im Spiel, um eine
Ehe ihrer Tochter Bertha mit einem Thronprätendenten des Romanus anzubahnen.
Im Sommer 932 vermählte sich Marozia mit Hugo von der Provence, König
von Italien (926-948), der sich auf der Höhe seiner Macht befand.
Alberich II. von Tuszien (um 905-954), Marozias Sohn aus erster Ehe,
fürchtete nach der Wiederverheiratung seiner Mutter um seine Krone
und zettelte einen Aufstand an. Im Dezember 932 stürmte der bewaffnete
Pöbel die Engelsburg, wo das königliche Paar residierte. Alberich
vertrieb König Hugo und ließ seine Mutter und seinen Halbbruder, Papst
J., in den Kerker werfen. Er ließ sich selbst zum Fürsten Roms und
Senator aller Römer, zum Grafen und Patricius ausrufen. Bis zu seinem
Tod (954) regierte er sicher und erfolgreich. - Von Marozia verliert
sich jede Spur; J. dagegen scheint aus dem Kerker entlassen worden
zu sein, wenngleich er im Lateran unter Hausarrest stand und sich
nur der Ausübung kirchlicher Ämter widmen durfte. Nach Liutprand von
Cremona soll Alberich J. als seinen persönlichen Sklaven behandelt
haben, der Chronist Flodoard von Reims († 966) charakterisiert
ihn als einen »macht- und würdelosen Spender von Sakramenten«.
Lit.: Jaffé 2I, 454 f., II, 706, 746 f.; -
Duchesne LP II, 243 (Liber pontificalis, ed. L. Duchesne, 2 Bde.,
Paris 1886-1892); - P. Fedele: ASRomana 33 (1910), 211-240 (Archivio
della Reale Società Romana di Storia Patria, Rom 1878-1934/ab 1935:
ADRomana); - L. Duchesne, Serge III. et Jean XI., in: MAH 33 (1913),
25-64 (Mélanges d'archéologie et d'histoire, Paris 1880 ff.); -
G. Fasoli, I re d'Italia (1949), 888-962; - Mann IV, 191-204;
- Seppelt 2II, 355 f., 434 f.; - Haller 2II,
201-204, 548 f.; - ECatt VI, 586; - LThK 2V, 990.