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Band III (1992) Spalten 207-208 Autor: Werner Schulz

JOHANNES XI., Papst Februar/März 931 - Dezember 935/Januar 936, Sohn der mächtigen Herrscherin Roms, Marozia, sein Vater soll nach Liutprand von Cremona (um 920-972) Papst Sergius III. gewesen sein. - Durch den Einfluß seiner Mutter, die ihn als ihr gefügiges Werkzeug betrachtete, gelangte er auf den päpstlichen Thron. In einer seiner ersten Amtshandlungen bestätigte er auf Bitten des dortigen Abts Odo (927-942) dem Reformkloster Cluny in Burgund die Privilegien, die es seit der Gründung (909) genossen hatte, nämlich Schutz durch den Stuhl Petri und freie Wahl seiner Äbte. J. erteilte seine Genehmigung, als der Kaiser von Byzanz, Romanus I. (920-944) ihn Anfang 933 aufforderte, der Ernennung seines 16jährigen Sohnes Theophylakt zum Patriarchen von Konstantinopel zuzustimmen. Er entsandte dazu zwei Bischöfe als Legaten, die an der Weihe und Inthronisation des Knaben teilnehmen sollten (27.2.933). Möglicherweise hatte bei dieser Entscheidung Marozia ihre Hände im Spiel, um eine Ehe ihrer Tochter Bertha mit einem Thronprätendenten des Romanus anzubahnen. Im Sommer 932 vermählte sich Marozia mit Hugo von der Provence, König von Italien (926-948), der sich auf der Höhe seiner Macht befand. Alberich II. von Tuszien (um 905-954), Marozias Sohn aus erster Ehe, fürchtete nach der Wiederverheiratung seiner Mutter um seine Krone und zettelte einen Aufstand an. Im Dezember 932 stürmte der bewaffnete Pöbel die Engelsburg, wo das königliche Paar residierte. Alberich vertrieb König Hugo und ließ seine Mutter und seinen Halbbruder, Papst J., in den Kerker werfen. Er ließ sich selbst zum Fürsten Roms und Senator aller Römer, zum Grafen und Patricius ausrufen. Bis zu seinem Tod (954) regierte er sicher und erfolgreich. - Von Marozia verliert sich jede Spur; J. dagegen scheint aus dem Kerker entlassen worden zu sein, wenngleich er im Lateran unter Hausarrest stand und sich nur der Ausübung kirchlicher Ämter widmen durfte. Nach Liutprand von Cremona soll Alberich J. als seinen persönlichen Sklaven behandelt haben, der Chronist Flodoard von Reims († 966) charakterisiert ihn als einen »macht- und würdelosen Spender von Sakramenten«.

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Lit.: Jaffé 2I, 454 f., II, 706, 746 f.; - Duchesne LP II, 243 (Liber pontificalis, ed. L. Duchesne, 2 Bde., Paris 1886-1892); - P. Fedele: ASRomana 33 (1910), 211-240 (Archivio della Reale Società Romana di Storia Patria, Rom 1878-1934/ab 1935: ADRomana); - L. Duchesne, Serge III. et Jean XI., in: MAH 33 (1913), 25-64 (Mélanges d'archéologie et d'histoire, Paris 1880 ff.); - G. Fasoli, I re d'Italia (1949), 888-962; - Mann IV, 191-204; - Seppelt 2II, 355 f., 434 f.; - Haller 2II, 201-204, 548 f.; - ECatt VI, 586; - LThK 2V, 990.

Werner Schulz

Letzte Änderung: 09.04.2011