JOHANNES XIX., Papst, Ende 1032. - J. stammte aus der Familie
der Grafen von Tusculum und war ein Bruder des Papstes Benedikt VIII.
Dieser hatte ihm die Ordnung der weltlichen Angelegenheiten im Kirchenstaat
übertragen. Der Titel »consul et dux et senator omnium Romanorum«
brachte dies deutlich zum Ausdruck. Im April 1024 wurde J., bis dahin
Romanus Graf von Tusculum, zum Papst erhoben. Er war Laie und mußte
erst die Weihen erhalten, so daß es von J. hieß, er sei an ein und
demselben Tage Laie und Papst gewesen. Trotz der Abhängigkeit von
Konrad II., den J. Ostern 1027 zum Kaiser gekrönt hatte, weisen kirchenpolitische
Entscheidungen J.' in eine die spätere Machtstellung des Papsttums
andeutende Richtung. Mehrfach bestätigte J. Besitz und Privilegien
Clunys. In einer Ende März 1027 ausgestellten Urkunde wird die Exemtion
Clunys hervorgehoben. Ausdrücklich verbietet J., daß Cluniacenser
Mönche von Bischöfen exkommuniziert werden können. Bei Streitigkeiten
zwischen Bischöfen und Mönchen entscheidet der Papst. Gleichfalls
Ende März 1027 richtet J. ein Schreiben an Gauzlin, den Bischof von
Mcon. Gauzlin solle das Kloster Cluny wie auch dessen Mönche und
die diesem gewährten päpstlichen Privilegien unangetastet lassen.
In einem weiteren Schreiben bittet J. den Erzbischof Burchard von
Lyon, Cluny vor Gauzlin in Schutz zu nehmen. J. wandte sich im März
des genannten Jahres auch direkt an Robert (II.) den Frommen, König
von Frankreich. In seiner Botschaft an den König klagte J. über »einige«
französische Bischöfe, die durch Simonie zum Amt gelangt seien. Diese
schwelgten nicht nur im Luxus, sondern mißachteten auch die Exemtion.
König Robert solle den direkt dem Papst unterstehenden Institutionen,
insbesondere dem Kloster Cluny, seinen Beistand zuteil werden lassen.
Die Cluny gewährte Zuwendung hinderte J. nicht daran, Odilo, den Abt
von Cluny, dafür zu tadeln, daß er die Wahl zum Erzbischof von Lyon
nicht habe annehmen wollen (Jaffé: um 1031; Zimmermann: 1032). Am
17.12. 1026 bestätigte J. Petrus, dem Bischof von Silva Candida, Besitz
und Privilegien des Bistums. Bei der Kaiserkrönung wird dem jeweiligen
Bischof von Silva Candida das Vorrecht zuteil, zuerst zur Salbung
und Konsekration des Kaisers gerufen zu werden. Durch den Bischof
von Silva Candida solle der Kaiser zuerst den Segen empfangen. Auch
solle der Bischof den Papst bei Krankheit oder anderen Hinderungen
im Gottesdienst sowohl in der Peters-Kirche und den Klöstern als auch
in der gesamten Leostadt vertreten. Im Dezember 1028 gab J. Bischof
Hildeward die Erlaubnis, den Bischofssitz von Zeitz nach Naumburg
zu verlegen. Im Hinblick auf die Wiederaufrichtung päpstlicher Autorität
in Süditalien ist eine in den Juni 1025 datierte Urkunde von Belang,
in der J. die neue Kirchenprovinz Bari bestätigte. Allerdings sind
Zweifel an der vollständigen Echtheit dieses Dokumentes geäußert worden.
Die Abhängigkeit J.' von Konrad II. kam vor allem im Streit zwischen
den Patriarchen Poppo von Aquileja und Urso von Grado zum Ausdruck.
Nach mehrfachem Hin und Her beugte sich J. und schlug auf einer Synode
am 6. April 1027 Grado wieder dem Patriarchat Aquileja zu.
Wenige Monate später, im September 1027, bestätigte J. die
Rechte des Patriarchats von Aquileja. Aquileja solle Haupt und Metropole
über alle Kirchen Italiens sein. Die Kirche von Aquileja solle in
allen Glaubensfragen eine besondere Position haben und an zweiter
Stelle nach Rom kommen. Grado solle Aquileja unterstehen. Fälschlicherweise
habe Grado sich Patriarchat genannt. Weiterhin verlieh J. den Patriarchen
von Aquileja das Pallium. Im Falle des Abtes Bern von Reichenau mußte
J. ebenfalls eine Niederlage hinnehmen. J. hatte diesem in einer Urkunde
vom 28.10. 1031 Privilegien bestätigt, u. a. die freie Abtwahl. Diese
Privilegierung traf auf den Widerstand des Bischofs Warmann von Konstanz,
der sich an Konrad II. wandte. Schließlich war Bern gezwungen, das
Privileg auszuliefern, welches am Gründonnerstag 1032 öffentlich verbrannt
wurde. Radulfus Glaber berichtet, daß die Byzantiner im Jahre 1024
unter Basilius II. in Verhandlungen mit J. eingetreten seien, um von
diesem die Anerkennung des Patriarchen von Konstantinopel als eines
ökumenischen Patriarchen zu erreichen. Die Byzantiner hätten sich
mit dem Papst darauf einigen wollen, daß die Kirche Konstantinopels
in ihrem Bereich, so wie Rom in der Welt, universal heißen und dementsprechend
anerkannt werden solle. Bestechung sei im Spiel gewesen und nur heftiger
Protest habe eine Zustimmung verhindert. An der Glaubwürdigkeit dieses
Berichts ist verschiedentlich gezweifelt worden. Für Nicol klang der
die Absichten der Byzantiner darlegende Passus Glabers überzeugend.
- Die Dauer des Pontifikats wird unterschiedlich angegeben (Fabricius:
28.2. 1024 - 8.11. 1032; Jaffé: Juni/Juli 1024 - Jan. 1033; Böhmer:
zwischen 12.4. und 10.5. 1024 - 6.11. 1032; Amann: Mai/Juni 1024 -
Jan. 1033; Schwaiger: Juni »?« 1024 - Aug. »?« 1032; Dumas: Juni/Juli
1024 - Ende 1032/Anfang 1033; Ullmann: IV. - V. 1024 - 1032; Zimmermann:
April 1024 - 20.10. 1032). Erwähnenswert ist, daß Guido von Arezzo,
der Erfinder der Notenschrift auf Linien im Terzabstand, auf Einladung
von J. bei diesem 1026 in Rom weilte. Die J. zugeschriebene Urkunde,
in welcher er im März 1031 Jordan, dem Bischof von Limoges, mitteilt,
daß St. Martial »Apostel« genannt werden könne, ist eine Fälschung.
Werke:Quellen: MPL 78, 1849, 1053-1058; MPL 141, 1853,
1115-1156; MPL 179, 1855, 761-762; Jaffé, Berlin 1851, 357-359; Ders.,
Bd. 1, Leipzig 1885, 514-519; Pontificum Romanorum ... vitae. Ed.
Johann Mathias Watterich, Bd. 1, Leipzig 1862, 708-711; LibPont 2,269
Nr. CXLVIII; Regesten der Kaiserurkunden des Oström. Reiches von 565-1453,
bearb. von Franz Dölger, Teil 1, Regesten von 565-1025. (Corpus der
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Abteilung I), München-Berlin 1924, 105 Nr. 817; Les Regestes des Actes
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Fasc. 2. Les Regestes de 715 à 1043. Ed. Venance Grumel, Chalcedon
1936, 245 Nr. 828; Leo Santifaller, Chronol. Verz. der Urkunden Papst
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und Vorarbeiten der Regesta pontificum Romanorum. Zusammengestellt
von Rudolf Hiestand. (MG Hilfsmittel; 7), München 1983, 118; Papsturkunden
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der Wiss., Philos.-Hist. Kl., Denkschr. Bd. 177; Veröff. der Hist.
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