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Band III (1992) Spalten 220-224 Autor: Udo Tavares

JOHANNES XIX., Papst, † Ende 1032. - J. stammte aus der Familie der Grafen von Tusculum und war ein Bruder des Papstes Benedikt VIII. Dieser hatte ihm die Ordnung der weltlichen Angelegenheiten im Kirchenstaat übertragen. Der Titel »consul et dux et senator omnium Romanorum« brachte dies deutlich zum Ausdruck. Im April 1024 wurde J., bis dahin Romanus Graf von Tusculum, zum Papst erhoben. Er war Laie und mußte erst die Weihen erhalten, so daß es von J. hieß, er sei an ein und demselben Tage Laie und Papst gewesen. Trotz der Abhängigkeit von Konrad II., den J. Ostern 1027 zum Kaiser gekrönt hatte, weisen kirchenpolitische Entscheidungen J.' in eine die spätere Machtstellung des Papsttums andeutende Richtung. Mehrfach bestätigte J. Besitz und Privilegien Clunys. In einer Ende März 1027 ausgestellten Urkunde wird die Exemtion Clunys hervorgehoben. Ausdrücklich verbietet J., daß Cluniacenser Mönche von Bischöfen exkommuniziert werden können. Bei Streitigkeiten zwischen Bischöfen und Mönchen entscheidet der Papst. Gleichfalls Ende März 1027 richtet J. ein Schreiben an Gauzlin, den Bischof von Mƒcon. Gauzlin solle das Kloster Cluny wie auch dessen Mönche und die diesem gewährten päpstlichen Privilegien unangetastet lassen. In einem weiteren Schreiben bittet J. den Erzbischof Burchard von Lyon, Cluny vor Gauzlin in Schutz zu nehmen. J. wandte sich im März des genannten Jahres auch direkt an Robert (II.) den Frommen, König von Frankreich. In seiner Botschaft an den König klagte J. über »einige« französische Bischöfe, die durch Simonie zum Amt gelangt seien. Diese schwelgten nicht nur im Luxus, sondern mißachteten auch die Exemtion. König Robert solle den direkt dem Papst unterstehenden Institutionen, insbesondere dem Kloster Cluny, seinen Beistand zuteil werden lassen. Die Cluny gewährte Zuwendung hinderte J. nicht daran, Odilo, den Abt von Cluny, dafür zu tadeln, daß er die Wahl zum Erzbischof von Lyon nicht habe annehmen wollen (Jaffé: um 1031; Zimmermann: 1032). Am 17.12. 1026 bestätigte J. Petrus, dem Bischof von Silva Candida, Besitz und Privilegien des Bistums. Bei der Kaiserkrönung wird dem jeweiligen Bischof von Silva Candida das Vorrecht zuteil, zuerst zur Salbung und Konsekration des Kaisers gerufen zu werden. Durch den Bischof von Silva Candida solle der Kaiser zuerst den Segen empfangen. Auch solle der Bischof den Papst bei Krankheit oder anderen Hinderungen im Gottesdienst sowohl in der Peters-Kirche und den Klöstern als auch in der gesamten Leostadt vertreten. Im Dezember 1028 gab J. Bischof Hildeward die Erlaubnis, den Bischofssitz von Zeitz nach Naumburg zu verlegen. Im Hinblick auf die Wiederaufrichtung päpstlicher Autorität in Süditalien ist eine in den Juni 1025 datierte Urkunde von Belang, in der J. die neue Kirchenprovinz Bari bestätigte. Allerdings sind Zweifel an der vollständigen Echtheit dieses Dokumentes geäußert worden. Die Abhängigkeit J.' von Konrad II. kam vor allem im Streit zwischen den Patriarchen Poppo von Aquileja und Urso von Grado zum Ausdruck. Nach mehrfachem Hin und Her beugte sich J. und schlug auf einer Synode am 6. April 1027 Grado wieder dem Patriarchat Aquileja zu. Wenige Monate später, im September 1027, bestätigte J. die Rechte des Patriarchats von Aquileja. Aquileja solle Haupt und Metropole über alle Kirchen Italiens sein. Die Kirche von Aquileja solle in allen Glaubensfragen eine besondere Position haben und an zweiter Stelle nach Rom kommen. Grado solle Aquileja unterstehen. Fälschlicherweise habe Grado sich Patriarchat genannt. Weiterhin verlieh J. den Patriarchen von Aquileja das Pallium. Im Falle des Abtes Bern von Reichenau mußte J. ebenfalls eine Niederlage hinnehmen. J. hatte diesem in einer Urkunde vom 28.10. 1031 Privilegien bestätigt, u. a. die freie Abtwahl. Diese Privilegierung traf auf den Widerstand des Bischofs Warmann von Konstanz, der sich an Konrad II. wandte. Schließlich war Bern gezwungen, das Privileg auszuliefern, welches am Gründonnerstag 1032 öffentlich verbrannt wurde. Radulfus Glaber berichtet, daß die Byzantiner im Jahre 1024 unter Basilius II. in Verhandlungen mit J. eingetreten seien, um von diesem die Anerkennung des Patriarchen von Konstantinopel als eines ökumenischen Patriarchen zu erreichen. Die Byzantiner hätten sich mit dem Papst darauf einigen wollen, daß die Kirche Konstantinopels in ihrem Bereich, so wie Rom in der Welt, universal heißen und dementsprechend anerkannt werden solle. Bestechung sei im Spiel gewesen und nur heftiger Protest habe eine Zustimmung verhindert. An der Glaubwürdigkeit dieses Berichts ist verschiedentlich gezweifelt worden. Für Nicol klang der die Absichten der Byzantiner darlegende Passus Glabers überzeugend. - Die Dauer des Pontifikats wird unterschiedlich angegeben (Fabricius: 28.2. 1024 - 8.11. 1032; Jaffé: Juni/Juli 1024 - Jan. 1033; Böhmer: zwischen 12.4. und 10.5. 1024 - 6.11. 1032; Amann: Mai/Juni 1024 - Jan. 1033; Schwaiger: Juni »?« 1024 - Aug. »?« 1032; Dumas: Juni/Juli 1024 - Ende 1032/Anfang 1033; Ullmann: IV. - V. 1024 - 1032; Zimmermann: April 1024 - 20.10. 1032). Erwähnenswert ist, daß Guido von Arezzo, der Erfinder der Notenschrift auf Linien im Terzabstand, auf Einladung von J. bei diesem 1026 in Rom weilte. Die J. zugeschriebene Urkunde, in welcher er im März 1031 Jordan, dem Bischof von Limoges, mitteilt, daß St. Martial »Apostel« genannt werden könne, ist eine Fälschung.

Werke: Quellen: MPL 78, 1849, 1053-1058; MPL 141, 1853, 1115-1156; MPL 179, 1855, 761-762; Jaffé, Berlin 1851, 357-359; Ders., Bd. 1, Leipzig 1885, 514-519; Pontificum Romanorum ... vitae. Ed. Johann Mathias Watterich, Bd. 1, Leipzig 1862, 708-711; LibPont 2,269 Nr. CXLVIII; Regesten der Kaiserurkunden des Oström. Reiches von 565-1453, bearb. von Franz Dölger, Teil 1, Regesten von 565-1025. (Corpus der griech. Urkunden des MA.s und der neueren Zeit. Reihe A. Regesten. Abteilung I), München-Berlin 1924, 105 Nr. 817; Les Regestes des Actes du Patriarcat de Constantinople. Vol. 1. Les Actes des Patriarches. Fasc. 2. Les Regestes de 715 à 1043. Ed. Venance Grumel, Chalcedon 1936, 245 Nr. 828; Leo Santifaller, Chronol. Verz. der Urkunden Papst J.s, 1024 Juni bis 1032 Aug., in: Röm. hist. Mitteilungen 1, 1956-57, 35-76; Initienverzeichnis und chronol. Verzeichnis zu den Archivberichten und Vorarbeiten der Regesta pontificum Romanorum. Zusammengestellt von Rudolf Hiestand. (MG Hilfsmittel; 7), München 1983, 118; Papsturkunden 896-1046, bearb. v. Harald Zimmermann, Bd. 2: 996-1046 (Österr. Akad. der Wiss., Philos.-Hist. Kl., Denkschr. Bd. 177; Veröff. der Hist. Kommission, Bd. 4), Wien 1985, 1043-1126, Nr. 550-597; Allgemeines zum Papsttum des 11. Jh.s vgl. J. XVII.

Lit.: Caesar Baronius, Annales ecclesiastici, ed. Augustinus Theiner, Bd. 16, Barri Ducis (Bar-le-Duc) 1869, 509 ff.; - Ferdinand Gregorovius, Gesch. der Stadt Rom im MA. Vom V. bis zum XVI. Jh., hrsg. v. Waldemar Kampf, Bd. II, 1. Buch 7-9, München 1978, 13-17, 134; - Joseph Hergenröther, Photius, Patriarch von Constantinopel. Sein Leben, seine Schriften und das griech. Schisma, Bd. 3, Regensburg 1869, 729-730; - Ders., Handb. der allg. Kirchengesch., neu bearb. v. Johann Peter Kirsch, Freiburg/Br. 1925, 221, 274-275, 332; - Siegfried Hirsch, Jahrbücher des Dt. Reiches unter Heinrich II, Bd. 3, hrsg. und vollendet v. Harry Breßlau, Leipzig 1875, 164, 292; - Harry Breßlau, Jahrbücher des Dt. Reiches unter Konrad II., Bd. 1-2, Leipzig 1879-1884, s. Reg. Bd. 2, 570; - Carl Joseph v. Hefele, Conciliengesch. Nach den Quellen bearb., Bd. 4, Freiburg/Br. 18792, 765; - Hefele-Leclercq 4/2, 1911, 1086-1087; - Ernst Sackur, Die Cluniacenser in ihrer kirchl. und allgemeingesch. Wirksamkeit bis zur Mitte des 11. Jh.s, Bd. 1-2, Halle a. S. 1892-1894, s. Reg. Bd. 2, 509; - Ludo Moritz Hartmann, Zur Chronologie der Päpste, in: MIÖG 15, 1894, 482-485; - Hauck III, Leipzig 1896, 495, 554, 556 ff.; - Walter Norden, Das Papsttum und Byzanz. Die Trennung der beiden Mächte und das Problem ihrer Wiedervereinigung bis zum Untergange des byzantinischen Reichs [1453], Berlin 1903, 18-19; - Erich Caspar, Krit. Untersuchungen zu den aelteren Papsturkunden für Apulien, in: QFIAB 6, 1904, 235-271; - Adrian Fortescue, The Uniate Eastern Churches. The Byzantine Rite in Italy, Sicily, Syria and Egypt, London 1923, 148; - Anton Michel, Humbert und Kerullarios. Quellen und Studien zum Schisma des 11. Jh.s, 1-2 (QFG; 21,23), Paderborn 1924-1930, Bd. 1: 22 Anm. 6, 29, 37; Bd. 2: 299 Anm. 9; - Ders., Die Weltreichs- und Kirchenteilung bei Rudolf Glaber »1044«, in: HJ 70, 1951, 53-64; - Mann V, 212 ff.; - Paul Fridolin Kehr, Rom und Venedig bis ins XII. 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Udo Tavares

Letzte Änderung: 29.12.2009